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Lese jetzt Breyger und Hustvedt, diese zwei hauptsächlich und allerlei nebenher. Die äitiologische Untersuchung hat immerhin ein neues Medikament ins Spiel gebracht. Ganz langsam wird es aufdosiert, damit die Nebenwirkungen nicht allzu schlimm werden. Ich träume allerlei wirres und gleichzeitig für mich selbst nachvollziehbares Zeug, das aber sofort ausradiert wird, sobald ich wach bin. Das kleine Büchlein Träume in Europa von Wolfram Lotz habe ich tatsächlich in der Bücherei gefunden. Die Messe in Leipzig ist im vollen Gang, ab und zu höre ich etwas davon im Radio, die Preisverleihung an Katja Poladjan habe ich per Stream live verfolgt. Die Lyrikempfehlungen sind voller wunderbarer Bände, von denen ich einige schon kenne und viele im Laufe des Jahres lesen möchte. Es ist gut, das gefeiert wird und Menschen einander treffen und miteinander reden. Wir brauchen Widerstandskraft, und die, so glaube ich, nährt sich am ehesten durch Verbindung. In der Zeit erklärt Thea Dorn kenntnisreich wie unsere Demokratie gerade auf dem besten Weg ist, sich selbst lebensbedrohlich zu gefährden. Eva von Redecker erklärt in einem Interview im Freitag, welche Faktoren dafür sorgen, dass der rechte Rand immer stärker wird, dass Menschen diese eine Partei wählen. Ich bin froh, dass es so kluge Köpfe gibt, die die Zusammenhänge durchschauen und erklären. Aber ich habe auch Angst, dass diese Stimmen nicht durchdringen.
Siri Hustvedts „Ghost stories“ sind berührend, gerade weil sie ein Stückwerk sind, einmal handelt es sich um Tagebuchauszüge, dann werden Mails an die Freund:innen gezeigt, und später dann Briefe, die der dem Tode geweihte Paul Auster an seinen neugeborenen Enkel schreibt. Ebenso wie Joan Didion begegnet Hustvedt der Krankheit, indem sie alles verfügbare liest, sich so viele wissenschaftliche Artikel aneignet, dass ein Arzt sie fragt, ob sie auch Ärztin sei. Sie beschreibt, wie sie aus der Welt gefallen ist mit dem Tod ihres Mannes, und wie sie danach versucht, die zerbrochenen Stücke wieder zusammen zu fügen. Parallel dazu lese ich „hallo niemand“ von Y. Breyger, ein verrückter Roadtrip durch unsere verrückte Zeit.
Die Magnolie im Nachbargarten steht in rosaroter Pracht. In der Küche liegt die blassgelbe Wortschau mit wunderbaren Gedichten von Jürgen Brocan und beeindruckenden Zeichnungen von Christoph Heek. Es geht in dieser Ausgabe um Leichtigkeit und dieses Thema ist wirklich gut umgesetzt.
Ja, aber wie geht es dir selbst, fragt eine Stimme. Ich komme zurecht, sage ich.
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