
Der 1937 im US-Exil verfasste Aufsatz âTraditionelle und kritische Theorieâ ist ein Grundlagentext der kritischen Theorie. Wie denken wir, wie nehmen wir die Welt wahr, wenn wir emanzipiert leben? Diese Frage beschĂ€ftigt Horkheimer, und er will dieses kritische Denken vom Herrschaftsdenken des BĂŒrgertums unterscheiden. Viele Marxist*innen hielten die Antwort fĂŒr einfach: man mĂŒsse sich einfach auf den Standpunkt des Proletariats stellen. FĂŒr Horkheimer war dies in der Periode des Faschismus eine unbefriedigende Antwort. Ihm zufolge hat sich die Wahrheit zu kleinen Gruppen geflĂŒchtet. Das bĂŒrgerliche Denken, so die zentrale These von Horkheimer, leugnet die Arbeit, den Anteil der Menschen an der Gestaltung der Welt, in der sie leben. Dies lĂ€sst den Eindruck entstehen, als gĂ€be es eine Welt âčdort drauĂenâș, auf die die Gesellschaft gar keinen Einfluss hat und der sie sich nur anpassen kann. Die Welt erscheint als eine Sammlung von Tatsachen, die unter bestimmten Oberbegriffen versammelt werden. Das BĂŒrgertum hat kein Interesse an Theorie, zur Wahrheit hat es ein zynisches VerhĂ€ltnis, sie dient der Manipulation der Beherrschten.Horkheimer betont demgegenĂŒber â im Anschluss an Marx und LukĂĄcs -, dass Menschen ihre VerhĂ€ltnisse herstellen. Durch menschliche Arbeit geschaffen, steckt in der gegenstĂ€ndlichen Welt Vernunft. Deswegen können wir sie begreifen. Aber diese Vernunft ist gespalten durch die KlassengegensĂ€tze. Das BĂŒrgertum vertritt das Prinzip der Konkurrenz; es erweist sich als unfĂ€hig, eine gemeinsame Welt der Menschen als Menschheit herzustellen, sondern denkt nur an den Reichtum, das GlĂŒck weniger. Unter diesen Bedingungen bleibt Vernunft sich selbst gegenĂŒber undurchsichtig. DemgegenĂŒber kennzeichnet die kritische Theorie ein Verhalten, dem es um die VerĂ€nderung der Gesellschaft als ganzer geht. Die Begriffe der kritischen Theorie wie Arbeit, ProduktivitĂ€t, Geld, Krise sind Momente des gesellschaftlichen Prozesses selbst. Sie verĂ€ndern sich mit ihm und ermöglichen es, die historischen VerĂ€nderungen zu begreifen und die VerhĂ€ltnisse nach vernĂŒnftigen Gesichtspunkten zu verĂ€ndern.Alex DemiroviÄ im GesprĂ€ch mit Gunzelin Schmid Noerr, Philosoph und Herausgeber von Horkheimers âčGesammelten Schriftenâș

Stuart Hall gilt als einer der einflussreichsten linken Wissenschaftler der Gegenwart. Politisch gehörte er zur ersten Generation der Neuen Linken. Theoretisch wollte er zur marxistischen Theorie der Ăberbauten beitragen. Dazu stĂŒtzte er sich auf ungewöhnliche Weise auf Althusser, Derrida und Foucault und trug erheblich zu Entwicklung der britischen Cultural Studies bei. In vielen seiner Texte befasst er sich mit den Ambivalenzen der IdentitĂ€t und den rassistischen Erfahrungen, die er in der rassistischen Farbenlehre als âfarbigâ klassifizierter BĂŒrger des Commonwealth auf Jamaika und in England machen musste. Die Idee einer Kreolisierung der KoloniallĂ€nder durch die âKinder des Empireâ macht ihn fĂŒr postmigrantische Analysen wegweisend. Seine zahlreichen AufsĂ€tze inspirierten die Medienwissenschaft, die Rassismusanalyse oder die Forschungen zu Populismus. Hall hat seine facettenreiche Theorie gelegenheitsorientiert in einer Vielzahl von AufsĂ€tzen entfaltet und nicht in einem âHauptwerkâ komprimiert.In dieser Folge des Theoriepodcast diskutiert Alex DemiroviÄ mit der Stuart Hall-Expertin Nora RĂ€thzel. Sie ist Soziologieprofessorin an der UniversitĂ€t von Umea in Schweden.

In Folge 3 des Podcasts âtl;dr â Too long, didnât readâ gibt Alex DemiroviÄ einen Ăberblick ĂŒber Gramscis politisches Wirken und fasst die zentralen Thesen der GefĂ€ngnishefte zusammen. Mit der Gramsci-Expertin Lia Becker diskutiert Alex DemiroviÄ darĂŒber, welche Relevanz die GefĂ€ngnishefte fĂŒr aktuelle politische KĂ€mpfe haben und was wir von Gramsci ĂŒber den Umgang mit der Querdenkerbewegung lernen können.

Simone de Beauvoirs 1949 erstmals veröffentlichtes Werk gilt als Manifest der neuen Frauenbewegung. Es behandelt nicht nur â wie der klassische Feminismus â die rechtliche und politische Gleichstellung, also das Wahlrecht fĂŒr Frauen oder gleiche Bezahlung fĂŒr gleiche Arbeit. Ihre zentrale These lautet: Frauen gibt es nicht â sie werden dazu gemacht. Beauvoir ist ĂŒberzeugt von der grundlegenden Freiheit der Menschen. Sie können aus der Immanenz ihres Körpers oder gesellschaftlicher VerhĂ€ltnisse heraustreten und aktiv in eine offene Zukunft handeln. Doch wĂ€hrend MĂ€nnern dies unter den bestehenden VerhĂ€ltnissen weithin ermöglicht wird, bleibt es Frauen oft verwehrt. Dabei werden auch die spezifischen körperlichen Merkmale des weiblichen und mĂ€nnlichen Körpers als Mittel geschlechtlicher Herrschaft instrumentalisiert. Frauen wird der Zugang zu ihrem eigenen Körper, ihrem Begehren, ihrer Lust und damit zu ihrer Autonomie verstellt. MĂ€nner setzen sich selbst als MaĂstab, als Norm. Frauen hingegen gelten als das 'andere', als das bloĂ zweite Geschlecht â als eines des Mangels. Die mĂ€nnliche Norm prĂ€gt sĂ€mtliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Frauen werden zur Unterordnung erzogen und von ihrem Körper entfremdet, der als unrein und schwach gilt. Ihre Selbstbestimmung wird systematisch verhindert. Sie sollen sich selbst zum Objekt, zur Beute der MĂ€nner machen. Das vorherrschende VerstĂ€ndnis des VerhĂ€ltnisses der Geschlechter beschreibt Beauvoir als eines des Kampfes. Dem setzt sie jedoch eine andere Vision entgegen: die Ăberwindung von Weiblichkeit und Familie. Sie plĂ€diert fĂŒr eine Gesellschaft, in der Gleichheit die Grundlage bildet, Unterschiede aber dennoch zur Geltung kommen können. Das mĂ€nnlich dominierte, kriegerische und instrumentelle Modell des GeschlechterverhĂ€ltnisses soll durch eines der Wechselseitigkeit ersetzt werden. Zu Gast bei Alex DemiroviÄ ist in dieser Folge die Geschlechtertheoretikerin Andrea Maihofer. Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter.
Wie wirken alltÀgliche PhÀnomene und Medienbotschaften als Mythen?
đ§ In der 50. Folge des #tldrPodcast spricht Alex DemiroviÄ mit Eva Geulen ĂŒber das Buch «Mythen des Alltags» von #RolandBarthes đ
https://www.rosalux.de/mediathek/media/element/2701
In Folge 3 des Podcasts «tl;dr â Too long, didnât read» gibt Alex DemiroviÄ einen Ăberblick ĂŒber Gramscis politisches Wirken und fasst die zentralen Thesen der GefĂ€ngnishefte zusammen. Mit der Gramsci-Expertin Lia Becker diskutiert Alex DemiroviÄ darĂŒber, welche Relevanz die GefĂ€ngnishefte fĂŒr aktuelle politische KĂ€mpfe haben und was wir von Gramsci ĂŒber den Umgang mit der Querdenkerbewegung lernen können.
đą Out now! tl;dr #47: Simone de Beauvoir «Das andere Geschlecht»
Alex DemiroviÄ spricht mit der Geschlechtertheoretikerin Andrea Maihofer ĂŒber Beauvoirs «Das andere Geschlecht». đ đ§”
https://www.rosalux.de/mediathek/media/element/2647
Simone de Beauvoirs 1949 erstmals veröffentlichtes Werk gilt als Manifest der neuen Frauenbewegung. Es behandelt nicht nur â wie der klassische Feminismus â die rechtliche und politische Gleichstellung, also das Wahlrecht fĂŒr Frauen oder gleiche Bezahlung fĂŒr gleiche Arbeit. Ihre zentrale These lautet: Frauen gibt es nicht â sie werden dazu gemacht. Beauvoir ist ĂŒberzeugt von der grundlegenden Freiheit der Menschen. Sie können aus der Immanenz ihres Körpers oder gesellschaftlicher VerhĂ€ltnisse heraustreten und aktiv in eine offene Zukunft handeln. Doch wĂ€hrend MĂ€nnern dies unter den bestehenden VerhĂ€ltnissen weithin ermöglicht wird, bleibt es Frauen oft verwehrt. Dabei werden auch die spezifischen körperlichen Merkmale des weiblichen und mĂ€nnlichen Körpers als Mittel geschlechtlicher Herrschaft instrumentalisiert. Frauen wird der Zugang zu ihrem eigenen Körper, ihrem Begehren, ihrer Lust und damit zu ihrer Autonomie verstellt. MĂ€nner setzen sich selbst als MaĂstab, als Norm. Frauen hingegen gelten als das 'andere', als das bloĂ zweite Geschlecht â als eines des Mangels. Die mĂ€nnliche Norm prĂ€gt sĂ€mtliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Frauen werden zur Unterordnung erzogen und von ihrem Körper entfremdet, der als unrein und schwach gilt. Ihre Selbstbestimmung wird systematisch verhindert. Sie sollen sich selbst zum Objekt, zur Beute der MĂ€nner machen. Das vorherrschende VerstĂ€ndnis des VerhĂ€ltnisses der Geschlechter beschreibt Beauvoir als eines des Kampfes. Dem setzt sie jedoch eine andere Vision entgegen: die Ăberwindung von Weiblichkeit und Familie. Sie plĂ€diert fĂŒr eine Gesellschaft, in der Gleichheit die Grundlage bildet, Unterschiede aber dennoch zur Geltung kommen können. Das mĂ€nnlich dominierte, kriegerische und instrumentelle Modell des GeschlechterverhĂ€ltnisses soll durch eines der Wechselseitigkeit ersetzt werden. Zu Gast bei Alex DemiroviÄ ist in dieser Folge die Geschlechtertheoretikerin Andrea Maihofer. Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter.
Mehr zu Agnoli und seinem bekanntesten Werk im #tldrPodcast đ
https://www.rosalux.de/mediathek/media/element/2400
Einen umfassenden Einblick gibt das Buch «Johannes Agnoli oder: Subversion als Wissenschaft» đ
https://dietzberlin.de/produkt/johannes-agnoli-oder-subversion-als-wissenschaft/
Der 1937 im US-Exil verfasste Aufsatz «Traditionelle und kritische Theorie» ist ein Grundlagentext der kritischen Theorie. Wie denken wir, wie nehmen wir die Welt wahr, wenn wir emanzipiert leben? Diese Frage beschĂ€ftigt Horkheimer, und er will dieses kritische Denken vom Herrschaftsdenken des BĂŒrgertums unterscheiden. Viele Marxist*innen hielten die Antwort fĂŒr einfach: man mĂŒsse sich einfach auf den Standpunkt des Proletariats stellen. FĂŒr Horkheimer war dies in der Periode des Faschismus eine unbefriedigende Antwort. Ihm zufolge hat sich die Wahrheit zu kleinen Gruppen geflĂŒchtet. Das bĂŒrgerliche Denken, so die zentrale These von Horkheimer, leugnet die Arbeit, den Anteil der Menschen an der Gestaltung der Welt, in der sie leben. Dies lĂ€sst den Eindruck entstehen, als gĂ€be es eine Welt âčdort drauĂenâș, auf die die Gesellschaft gar keinen Einfluss hat und der sie sich nur anpassen kann. Die Welt erscheint als eine Sammlung von Tatsachen, die unter bestimmten Oberbegriffen versammelt werden. Das BĂŒrgertum hat kein Interesse an Theorie, zur Wahrheit hat es ein zynisches VerhĂ€ltnis, sie dient der Manipulation der Beherrschten. Horkheimer betont demgegenĂŒber â im Anschluss an Marx und LukĂĄcs -, dass Menschen ihre VerhĂ€ltnisse herstellen. Durch menschliche Arbeit geschaffen, steckt in der gegenstĂ€ndlichen Welt Vernunft. Deswegen können wir sie begreifen. Aber diese Vernunft ist gespalten durch die KlassengegensĂ€tze. Das BĂŒrgertum vertritt das Prinzip der Konkurrenz; es erweist sich als unfĂ€hig, eine gemeinsame Welt der Menschen als Menschheit herzustellen, sondern denkt nur an den Reichtum, das GlĂŒck weniger. Unter diesen Bedingungen bleibt Vernunft sich selbst gegenĂŒber undurchsichtig. DemgegenĂŒber kennzeichnet die kritische Theorie ein Verhalten, dem es um die VerĂ€nderung der Gesellschaft als ganzer geht. Die Begriffe der kritischen Theorie wie Arbeit, ProduktivitĂ€t, Geld, Krise sind Momente des gesellschaftlichen Prozesses selbst. Sie verĂ€ndern sich mit ihm und ermöglichen es, die historischen VerĂ€nderungen zu begreifen und die VerhĂ€ltnisse nach vernĂŒnftigen Gesichtspunkten zu verĂ€ndern. Alex DemiroviÄ im GesprĂ€ch mit Gunzelin Schmid Noerr, Philosoph und Herausgeber von Horkheimers âčGesammelten Schriftenâș