„Aber die Leute merken, dass ich denken kann, und sie finden, dass man einer denkenden Frau nicht trauen kann.“
—
„Das Seelenhaus“ von Hannah Kent war wieder einmal ein Buchtipp von
@seitenweise_. Ich habe es erst gestern beendet und schon lange hat mich ein Buch nicht mehr so berührt. Dieses Gefühl wurde noch verstärkt, als ich im Nachwort erfuhr, dass die Handlung des Romans auf einer wahren Begebenheit beruht: Es geht um die letzte Frau, die in Island aufgrund der Todesstrafe hingerichtet wurde.
Agnes Magnúsdóttir war im Jahr 1928 in Island in den Mord an zwei Männern verwickelt und wurde dafür zum Tode verurteilt. Da es in vielen Teilen Islands zu dieser Zeit keine Gefängnisse gab, beauftragte der Landrat eine Bauernfamilie mit der Verwahrung der Verurteilten. Agnes’ Geschichte, ihr Warten auf die Vollstreckung des Todesurteils, ihr Zusammenleben mit der Bauernfamilie und ihre Beweggründe für das Verbrechen werden in diesem Roman nacherzählt.
—
„Zu wissen, was eine Person getan hat, und zu wissen, wer ein Mensch ist, sind zwei ganz verschiedene Dinge.“
—
„Das Seelenhaus“ ist ein rauer und düsterer Roman, kalt und hoffnungslos, und doch voller leiser und sanfter Töne. Das Erzähltempo ist ruhig und nimmt sich viel Zeit. Das mag an manchen Stellen etwas langatmig erscheinen, doch es passt zu dem zähen Gefühl des Wartens, dem Agnes ausgesetzt ist.
Ich möchte gar nicht viele Details über die Handlung erzählen oder darüber nachsinnen, welche Elemente der Geschichte fiktionalisiert und welche historisch korrekt nacherzählt sind (zumal die Fiktionalisierung historischer Figuren immer eine knifflige Angelegenheit ist). Die Autorin hat merklich viel Recherchearbeit in dieses Buch einfließen lassen, und es ist ihr gelungen, ein Andenken an eine bemerkenswerte Frau zu erschaffen. Ganz viel Liebe dafür.
Das Buch wurde von Leonie von Reppert-Bismarck und Thomas Rütten übersetzt.
#bücherliebe #leseliebe #nieohnebuch #nevernotreading #bücherwurm #livingwithbooks