Diese Aufzeichnungen enthalten Übersetzungen aus einem bisher unbekannten griechischen Dialekt. Es scheint sich um die unvollständigen Aufzeichnungen eines Abenteurers namens Zorizal Qaan zu handeln. (Mehr unter Figuren. Spoiler für 'Ghost Ship of the Desert Dunes‘.)
O Fremder, es waren Tage des Gelächters und des Weines, goldene Wochen, in denen wir unsere Beute in den Tavernen des strahlenden Stadtstaates Khromarium verprassten. Wir waren zusammen geblieben und hatten beschlossen, Xambaala hinter uns zu lassen und die größte aller Städte zu besuchen. Es war gut, meine Spiraltürme meiner Heimat zu sehen, der Wein war stark und die Frauen… Die Frauen sah ich gern und sie mich ebenso gern wie mein Gold. Dabei will ich es belassen. Wir trafen die Griechen Heron, der die Himmelsschlange Boetzu anbetete und gewannen einen Schwertarm und einen Zechgenossen.
Jenes Gold wurde in denselben Maße weniger, wie meine Rastlosigkeit wuchs. Zorizal Qaan ist kein Mann, der lange untätig sein konnte, und ich sehnte mich nach neuen Gefilden, neuen Schätzen und Kämpfen bis zum Tod – Dinge, in denen ein Mann sich lebendig fühlt. Ich habe das Herz eines Wanderers und eines Kriegers und ich bin niemand, der seßhaft wird. So war es, wie ich damals dachte.
Zu dieser Zeit kam ein alter Mann mit nur einem Bein an uns heran, der behauptete, einen Schatz zu suchen. Er erzählte eine wilde Geschichte: Tief in der fernen Diamantwüste sollte das Wrack von Ymirs Schlange liegen, einem legendären Wikinger-Langschiff. In früheren Tagen führte Sigtrygg Gabelbart seine Mannschaft flussaufwärts des Æolus und eroberte das lebensfeindliche Herz der Wüste. Dort entdeckten die Wikinger eine verlorene Mine voller grüner Diamanten, aber der Fluss versiegte, als sie sich auf den Rückweg machen sollten. Gabelbart und seine Leute wurden nie wieder gesehen, aber es gibt noch heute Geschichten von einem schimmernden Wikinger-Geisterschiff, das über den Dünen schwebt.
Ich kannte derlei Geschichten nur zu gut und ich wollte ihm schon Wein für seine Erzählung zahlen, aber dann bestand er darauf, Beweise zu haben. Dass die grünen Diamanten wichtig für gewisse Forschungen seien, dass die richtigen Leute enorme Preise für sie zahlen. Er hätte eine besondere Kiste, in der er die Diamanten transportieren könnte. Wegen etwas, das er „Strahlung“ nannte.
Wir waren bereit für eine Abwechslung und neue Abenteuer oder einfach zu betrunken, um nicht zuzusagen. Dass ausgerechnet wir ausgewählt wurden, dass man sich Mühe gegeben hatte, unter den Tausenden der Mietklingen von Khromarium meine Schar zu wählen, das hätte mir zu denken geben sollen. Aber, ihr ahnt es, der Wein, die rothaarige Schöne in meinem Arm, zu zögern stand mir nicht im Sinn. Tausend Goldmünzen pro Kopf für uns, das klang zu gut in meinen Ohren.
Von Khromarion würden wir mit seinem Schiff, dem „Wüstennomaden“, das Kitasion Archipel passieren, vorbei an den Inseln der Affenmenschen und dann am nach ihm benannten Kap die Siedlung Calencia. Von dort aus würden wir auf Land weiter reisen.
Es folgte noch viel Geschwafel, aber ich hatte längst zugestimmt und war sowieso zu sehr mit meiner Begleiterin beschäftigt, um seinem Geschwafel weiter zuzuhören. Am nächsten Morgen fanden wir den Wüstennomaden im Hafen, eine gut gebaute Kogge. Die Besatzung sah aus, als verstünde sie ihr Handwerk und wir schifften uns ein.
Wir hatten gutes Wetter und die Reise ging gut voran. Das klare Wetter machte es einfach, die Zeit zu genießen. Die meiste Zeit verbrachte ich an Deck, denn ich war es gewöhnt, den Horizont zu sehen, was in Khromarium ebenso selten möglich war wie in unseren Tagen in der Finsternis der Höhlen unter Xambaala. In der Nähe der Kitasion Inseln wurde das Wetter ungemütlicher und Wind kam auf. Die ersten Mägen gaben bei diesem Seegang nach, nicht der von Zorizal Qaan.
Ich war unter Deck, als etwas Schweres auf dem Deck aufkam, das Schiff kam ins Schwanken. Dann hörte ich Schreie von oben. Mein Schwert und mein Schild in Händen stürmte ich ans Freie. Dort sah ich riesige Tentakel, jeder dick wie ein Weinfass, acht an der Zahl. Sie griffen sich Leute von Deck, Eybjörg und meine Freunde bekämpften das Monstrum mit ihnen. Nach kurzer Zeit war es vorbei und wir standen bis zu den Knöcheln in Schleim und der klebrigen schwarzen Tinte des Ungetüms, dessen Arme wir abgehackt hatten. Der Geruch erinnerte mich an die Spezialitäten, die wir bei den Orgien im Hause Qaan genossen hatten, lange vor unserem Sturz und für einen Moment überkam mich die Schwermut bei den Gedanken an die glückliche Dekadenz dieser Tage.
Unsere Wunden wurden verbunden und wir erreichten die Buch, in der Calencia sich auf hölzernen Pfählen über dem Wasser erhob. Die Bewohner hier waren bekannt für ihre Fingerfertigkeit und die kunstvollen Seile und Teppiche, die sie herstellten. Sie waren ein gastfreundliches Volk, das für seine eigenwillige Küche ebenso wie für ihre eigentümlichen Gottheiten bekannt war, außerdem für ihre bittere Fehde mit den Affenmenschen der benachbarten Inseln. Sie ernährten sich durch Handel und Fischfang.
Von hier aus würde es an Land weitergehen. Wir nahmen uns Esel als Packtiere und richteten uns für die Nacht ein. Eine Woche auf See trennte uns noch von der Diamantwüste.
→ Teil 9
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