Diese Aufzeichnungen enthalten Übersetzungen aus einem bisher unbekannten griechischen Dialekt. Es scheint sich um die unvollständigen Aufzeichnungen eines Abenteurers namens Zorizal Qaan zu handeln. (Mehr unter Figuren. Spoiler für 'The Anthropophagi of Xambaala'.)

Oh Fremder, erfahre, wie wir aus den unterirdischen Labyrinthen aus uralter Zeit entkamen und wie wir den giftigen Fängen ihrer schlangenhaften Bewohner entkamen!

Erinnert euch daran, wie wir feststellen mussten, dass uns der Rückweg versperrt worden war. Wir hatten die befreiten Händler aus Xambalaa und die Gefangenen aus den Gruben der Schlangenmenschen so gut es ging mit den Waffen ihrer Peiniger ausgerüstet, an die anderen traten wir einige unserer eigenen ab, darunter meinen Dolch. Die Stimmung unserer neuen Schützlinge unterschied sich von beseeltem Rachedurst bis hin zu schicksalsergebener Apathie. Wir mussten es nicht aussprechen, unsere Blicke reichten aus: In einem echten Kampf wäre niemand von ihnen etwas wert, es mag sogar ein Fehler gewesen sein, diese unerfahrenen Fremden zu bewaffnen. Wer hätte wissen können, ob ich nicht meinen eigenen Dolch alsbald zwischen meine Schulterblätter zurückerhalten hätte? Damals fühlte es sich gut an, eine kleine Schar anzuführen. Eybjörg, Roar und ich teilten die Gruppe unter uns auf, jeweils drei von ihnen unter unserem Kommando. Ich dachte zurück an meine Jugend, an meine Zeit bei den Barbaren der Steppen von Vol und wie ich meine erste Gruppe anführte. Eine gute, bis alle durch meine eigene Klinge den Tod gefunden hatten. Ich biss die Zähne zusammen, damit der Geist der bösen Erinnerung mir nicht über das Gesicht huschen konnte. Das würde sich nicht mehr wiederholen, beim Strahlenden!

Unser Rückweg mochte versperrt sein, aber wir hatten gelernt, dass diese Gewölbe von Gängen durchlöchert waren wie das weiche Brot von Jarbis, dem Bäcker in meiner alten Straße in Khromarium. Man musste die geheimen Wege nur finden, und diese Suche begann nun. Wir schickten unsere Leute los und ließen sie die Wände abklopfen, ungewöhnliche Spalten finden und so weiter. Sie mag unweigerlich heimtückisches Spiel bedeuten, aber die Vollendung mit der meine Gefährten die Diebeskunst ausüben, musste ich widerstrebend respektieren. Nicht, dass ich das vor ihnen zugeben würde.

Es dauerte nicht lange, und unsere Leute fanden gleich zwei Geheimgänge. Einer davon musste uns in die Freiheit führen.

Die hellen Augen der feuerhaarigen Eybjörg funkelten, als sie sich anbot, den Weg vor uns zu erkunden. Fast unhörbar schlich sie den dunklen Tunnel vor uns hinab, bis sie uns mit einem Handzeichen vor Gefahr warnte. Wenig später bot sich uns ein merkwürdiger Anblick: Eine spitze Pyramide aus weichem, durchscheinendem Gallert kroch den Gang entlang, ohne uns weiter zu beachten. Es hatte keine sichtbaren Augen oder andere Sinnesorgane, aber wir wollten lieber nichts riskieren, zu oft hatten wir mit unseren Leben gespielt, um jetzt nicht gerissen zu sein: Das geistlose Wesen ließ sich nur zu leicht in die Irre führen und im Kreis führen, wo es nicht weiter störte. Wir fanden eine verschlossene Tür vor, die sich mit ein wenig Mühe leicht aufbrechen ließ. Das Risiko, durch den Lärm Aufmerksamkeit auf uns zu lenken, gingen wir ein: Unsere Feinde hatten uns eingeschlossen, sie wussten, dass wir gefangen sind und niemanden würde es wundern, wenn wir mit Gewalt unseren Weg zu bahnen versuchten.

Vor uns befand sich ein kreisrunder Raum und in dessen Mitte ein Podest, darauf ein enormer blauer Diamant. Der Schatz, den Mutter wie keinen anderen begehrte! Wir hätten ahnen müssen, dass der Raum nicht ohne Grund verschlossen war.

Als wir den Raum betraten, musste ich unwillkürlich grinsen und ich dachte daran, wie reich wir nun alle wären, wenn wir den Diamanten ans Tageslicht brächten. Dann daran, dass wir ihn Mutter bringen wollten. All die Verehrung, die ich für unsere wunderschöne Behüterin hegte, war wie weggefegt bei dem Gedanken, den Stein für uns zu behalten. Aber würde ich meinen Gefährten vertrauen können, die mir allein in den letzten Stunden mehrmals das Leben gerettet hatten? Denen ich mehr als nur einmal ihre Leben gerettet hatte? Ich sah in ihre Gesichter und fand nichts als Verrat. Unsere Blicke trafen sich und ich sah, wie Roars Hand sich um den Griff seiner Waffe legte, aus dem Augenwinkel sah ich Eybjörk in Kampfstellung gehen.

Ich will nicht zu viel der Worte wiedergeben, die zwischen uns fielen, zu schmerzlich ist die Erinnerung daran, dass wir kurz davor waren, uns gegenseitig zu massakrieren. Wir wurden lauter und lauter und ich begann zu überlegen, ob sie sich gegen mich verbünden würden, denn dann hätten sie eine kleine Chance gegen mich gehabt.

Doch tief in mir sind noch die Gedanken an Überleben um jeden Preis, die mir das harte Leben auf den Steppen gelehrt hatten und sie werden mich nicht verlassen, egal wie lange ich noch atmen werde.

„Wir können das später unter uns ausmachen“, hörte ich mich sagen wie eine klarere, weisere Version meines hasserfüllten Selbst. „Wir brauchen einander, um hier lebend herauszukommen. Es ist nicht die Zeit, unser Blut zu vergießen. Später.“

Wir starrten uns an wie ausgehungerte Wölfe. Dann legten wir gemeinsam den Diamanten in meinen Lederbeutel und gelobten, diesen offen zu tragen, für jeden zu sehen.

Als ich den Beutel zuschnürte, war der Zauber gebrochen. Der rote Nebel der Wut verließ meine Gedanken, der mörderische Neid verschwand und machte unserer natürlichen Gier Platz.

Unsere Blicke trafen sich und ich spürte tiefes Bedauern. Ich wusste um die schmutzige Magie, die hinter allem stecken musste, aber es war doch mein eigener Hass gewesen, der mich beinahe Eybjörg und Roar erschlagen ließ. Jemand mit einer milchhellen Haut eines Hyperboreaners kann Schamesröte schwer verbergen und dieses war ein solcher Moment. Gleichzeitig kochte ich vor Wut. Das hier sollten wir dem Wesen geben, das ich Mutter nannte, das nicht meine Mutter war? Das meinen Geist allein mit seiner eigenen Macht verdreht hatte? Bei allem, was sie für uns getan hatte, das war nicht richtig.

„Dieser Stein ist zu mächtig, zu gefährlich, um zu existieren“, sagte ich. Die anderen schauten mich an und wir trafen eine Übereinkunft.

In diesen Aufzeichnungen will ich nicht niederschreiben, was mit dem blauen Diamanten geschah. Ich sage nicht, dass er vernichtet wurde. Ich sage nicht, dass er noch existiert und ob ich Kenntnis von seinem Versteck habe. Dieses Wissen nehme ich mit in mein Grab.

Wir schafften es zurück an die Oberfläche, wo das Strahlen des kostbarsten Juwels von Allen uns das Gesicht wärmte. Die Gefangenen waren bei uns, ein paar von ihnen reiche Händler, ein paar von ihnen aus den Reihen der Ärmsten der Stadt. Zerschunden und erschöpft waren wir alle, am Leben waren wir alle.

Berichten will ich noch, dass durch uns die Macht der Anthrophagen von Xambalaa gebrochen wurde und dass für eine Woche unser Gelächter durch die Tavernen der Stadt hallte.

→ Teil 8

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