Nachtreten? Ach nö

Auf die am Boden treten ist immer der Gipfel der Unfairness. Also rechts. So wünscht es sich der runtergekommene Spiegel. Der kann nur noch oberflächlich, sofern er sich nicht sowieso digital eingemauert hat. “Links ist vorbei!” wünscht sich ein Spezi von Jakob Augstein die Welt, wie sie ihm gefällt. Und ein anderer Schlaumeier weiss ganz genau: “Das schlechteste Ergebnis der Partei bei einer Landtagswahl ist eine schonungslose Abrechnung der Wähler. Wenn die SPD weiter Ausreden bemüht, droht ihr das Schicksal einer Regionalpartei.” Was würden wir nur ohne solche Bescheidwisser machen? Und die SPD erst? Die hat doch selbst genug davon.

Ich bin vorgeschädigt, weil im Ruhrpott aufgewachsen. Der Sohn des korruptionsverdächtigen SPD-OBs von Gladbeck (“Grundstücksaffären” gibt es nicht nur in Bonn) sass in der Mittelstufe (nur ein Jahr, er blieb sofort hängen) hinter mir. In meinem Wohnort (ab 1969 Essen-Karnap) erhielt die SPD immer ca. 75%. Und stand dort weit rechts von der CDU, die überwiegend aus frommen katholischen “Kolping-Söhnen” bestand. Da konnte ich nur oppositionell werden, trat in die Jungdemokraten und – mit strategischen Hintergedanken – in die FDP ein. Die war im Ruhrpott noch von alten Nazis beherrscht.

So kämpfte ich gegen die starrsinnig-desinteressierte kommunale SPD-Herrschaft um selbstverwaltete Jugendzentren (in Essen-Altenessen entstand daraus später die Zeche Carl) und organisierte alternative Medien und Druckwerke gegen das ignorant-brave Pressemonopol der WAZ. War eine schöne Zeit: je mehr ich mich engagierte, umso mehr mochten mich die schönen Frauen in der Oberstufe. Heute gibt es für Jungpolitiker ja eher Mitleid.

Wie kommichdrauf? Achso, die SPD. Es gibt sie noch. Mit Ratschlägen wird sie wie immer von rechts überschüttet. Muss aber mittlerweile froh sein wenn sich überhaupt noch jemand für sie interessiert. Und nicht alle Ratschläge sind schlecht. Klaus Dörre versucht es wissenschaftlich, also nicht einfach. Was die Frage aufwirft, ob die SPD es überhaupt intellektuell noch schafft, ihn zu verstehen.

Gareth Joswig (Interview)/taz: Soziologe über AfD-Erfolg bei Arbeitern: ‘Die linken Arbeitenden in den Blick nehmen’ – Klaus Dörre forscht zu radikalen Rechten und Arbeiterschaft. Kann die SPD bei der Arbeiterschaft wieder Gewinne einfahren, oder fehlt ihr dafür das Profil?”

Wenn ich es mit einfachen Worten für die SPD, aber auch für meine eigene Partei, mal zusammenfassen darf: nur, wenn ihr denen, die längst engagiert sind, ein seriöses Angebot macht, werdet ihr noch eigene Mobilisierungskraft behalten. Wenn ihr das, wie jetzt mittlerweile meistens, unterlasst, seid ihr kein Subjekt politischer Willensbildung mehr – wie es euer Verfassungsauftrag ist – sondern werdet zu blossen Objekten und Instrumenten der Medien- und Aufmerksamkeitsökonomie. Wollt ihr das?

Meine Prognose: das schaffen sie intellektuell überwiegend nicht mehr. Die Grünen beruhigen sich mit Cem Özdemir und in der Tat bemerkenswerten Kommunalwahlergebnissen. Wahlbeteiligungen interessieren die Akteur*inn*e*n nicht – ein Frevel an der Demokratie und ein roter Teppich für die Faschisten.

Beweise oder auch nur Indizien des Gegenteils sind mir willkommen.

Nachtreten? Ach nö – Beueler-Extradienst

Verräterisches Agendasetting

Dummheit der Demokrat*inn*en rollt dem Faschismus den Teppich aus

Habe ich dem Aufmarsch des britischen Faschismus in den gestrigen TV-Nachrichten zugeguckt? Nein, habe ich nicht. Mir reicht die heutige NRW-Kommunalwahl. Und zwar völlig. Akutes Warnzeichen: die taz war schon wieder in Gelsenkirchen. Bei der klassisch hauptstadtberlinischen Schlagzeile war das Schlimmste zu befürchten: Alles guckt nach Gelsenkirchen – Bei der Bundestagswahl holte die AfD dort die meisten Zweitstimmen. Am Sonntag ist in NRW Kommunalwahl. Vertrauen die Ar­bei­te­r:in­nen der SPD nicht mehr?” Ganz so schlimm ist der Text der aus Berlin (Ex-Hauptstadt der DDR) angereisten Anna Lehmann und Gareth Joswig dann doch nicht geworden.

Immerhin reichte ihre Allgemeinbildung aus, um Prof. Klaus Dörre zu konsultieren. Der hat zwar nichts mit dem Ruhrpott zu tun. Aber er verfügt immerhin intellektuell über das Besteck materialistischer Klassenanalyse. Das gibt es nicht mehr viel.

Mein Rat an die taz, auch auf die Gefahr hin, den Kollegen zu überlasten: Euer Mitarbeiter Andreas Wyputta verfügt über beides – intellektuelle und regionale Kompetenz. Und sonst sollen Anja und/oder Pascal das machen. Die kennen die Gegend und ihre gesellschaftliche Wirklichkeit immerhin noch aus ihrer Jugend.

Wenn Sie morgen die Wahlergebniskarten studieren, werden Sie den Verlauf der Emscher erkennen. Ein Fluss, der einst so braun und stinkend war, wie es heute die AfD ist. Ein alter “Falken”-Funktionär, Jochen Stemplewski hat langjährig die Renaturierung der fliessenden Scheisse initiiert und strategisch geleitet. Die gesellschaftliche Basis links und rechts des Flusses hat das leider nicht beeinflusst – dort hat sich die Lage dramatisch und für jede*n sichtbar verschlechtert.

Es ist recht und billig, das auf die doofe SPD zu schieben. Falsch ist das nicht. Aber nicht ausreichend. Es sind auch die Konzerne und Medienmonopole, die diesen Mist mit angerichtet haben. Wollten sie es so? Dann Gratulation zum Wahlsieg! Auslöffeln lasst Ihr das ja die Doofen.

Wieder der Fussball

Wie schlimm es im Ruhrpott aussieht, hat die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA an einer scheinbaren, aber symbolisch aufgeladenen Lappalie mit der grössten denkbaren Direktheit demonstriert: mit einem Trikot. Deutlicher kann der gesellschaftlichen Basis eines Fussballvereins von denen, die Entscheidungsmacht haben, nicht mitgeteilt werden, wie egal sie einem ist. Das freut die AfD, traumhaftes Timing.

Mit 17 “Medienkritikerin”

Ich bin spontan geneigt, entgegenzuhalten: ich war das schon mit 13. Ich hatte den Vorgang hier schon dokumentiert und kommentiert. Die 17-jährige ist mittlerweile 18, und offenbar längst prominenter, als der Preis, der ihr wieder weggenommen wurde. Sie selbst hat eine 39-seitige (!) Expertise veröffentlicht, in der ihr Antisemitismus nachgewiesen werden soll. Ich hab sie gelesen, verlinke sie aber nicht, weil sie nur durch Datenabgabe hinter Paywalls oder in asozialen Netzwerken zugänglich ist. Die Lektüre hat mich jedenfalls mehr geschockt als alles, was die junge Frau bislang selbst geäussert hat (soweit es zu mir vorgedrungen ist).

Nicht wirklich geklärt ist ausserdem, ob die 39 Seiten von einer KI oder einem (oder mehreren) Menschen verfasst wurde. So oder so ein erschütterndes Dokument intellektueller Polizei, und ausserdem klar rechtsaussen im Streit der Antisemitismus-Definitionen.

Bis zu diesem Vorgang habe ich den Kollegen Jörg Schieb für einen kompetenten und seriösen Journalisten gehalten. Als Manager einer politisch kontroversen Kommunikation hat er sich nun leider gründlich selbst desavouiert. Und Judith Scheytt mal so richtig prominent gemacht.

Das läuft alles noch schlechter, als ich jemals für möglich gehalten habe. Möge ich heute Abend überrascht werden …

Verräterisches Agendasetting – Beueler-Extradienst

Wenn Ihr wissen wollt, was viele Ossis aufregt, dann lest diesen Beitrag in der @tazgetroete. #garethjoswig schreibt über #Nazis von der #JungenAlternative in #Bayern.

„Wie radikal die Junge Alternative ist, haben vorletzte Samstagnacht wieder einige ihrer Mitglieder beim Feiern nach einem Parteitag im mittelfränkischen Greding in Bayern zur Schau gestellt. Eine Gruppe von bis zu 30 Personen grölte tanzend in einer Diskothek den stumpfen Neonazi-Slogan: „Deutschland den Deutschen! Ausländer raus!““

Soweit so gut, aber dann geht es weiter:

„– also exakt jene Parole, die Neonazis 1993 bei den Pogromen von Rostock-#Lichtenhagen riefen, während sie Brandsätze auf ein Wohnheim für vietnamesische Vertragsarbeiter warfen.“

Was soll das? Lichtenhagen hat in dem ganzen Artikel nichts zu suchen. Was Gareth Joswig hier macht, vielleicht unbewusst, ist zu sagen: Ach gucke, die Bayern sind Nazis, aber die Ossis sind noch viel schlimmer, obwohl das aktuell für den Artikel nicht der Punkt ist. Das kommt immer wieder zur Selbstentlastung und ist so was wie #Whataboutism oder auch diese #Hufeisen-Geschichte. Immer wenn jemand auf die Rechten schimpft, wird auch gleich mal kräftig auf die Linken geschimpft. Inhaltlich ist es grober Unfug, den Ossis diesen Spruch anheften zu wollen. Wenn man mal bei Google-Books nachguckt, wie diese Phrasen verwendet werden, dann findet man ... Überraschung.

Die Phrase „Ausländer raus“ gab es bereits 1945 in Buch-Publikationen.

Den Höhepunkt erreichte sie 1993. Wegen der Drucklegung wird er wohl vor Lichtenhagen gelegen haben. Auf alle Fälle ist der Hauptteil des Anstiegs vor 1989 gewesen. Da diese Wortgruppe wohl kaum in DDR-Publikationen aufgetaucht sein dürfte, sind diese Belege wahrscheinlich alle aus dem Westen.

Das heißt, von der Phrase „Ausländer raus!“ die irgendwelche besoffenen Jung-Nazis in Bayern grölen, einen Schwenk nach Lichtenhagen zu machen, ist tendenziös und faktenfrei.

Bitte gebt Euch mehr Mühe, taz! Es ist wichtig.

Ich habe das hier alles noch sorgfältiger aufgeschrieben:

https://so-isser-der-ossi.de/2024/01/23/deutschland-den-deutschen-auslaender-raus-eine-erfindung-bepisster-ost-nazis/

„Deutschland den Deutschen! Ausländer raus!“ Eine Erfindung bepisster Ost-Nazis? - So isser, der Ossi

Wenn Ihr wis­sen wollt, was vie­le Ossis auf­regt, dann lest die­sen Bei­trag in der taz: Den Radi­ka­li­sie­rungs­mo­tor stop­pen. Gareth Jos­wig schreibt über Nazis von der Jun­gen Alter­na­ti­ve in Bayern: Wie radi­kal die Jun­ge Alter­na­ti­ve ist, haben vor­letz­te Sams­tag­nacht wie­der eini­ge … Weiterlesen →

So isser, der Ossi

#National, #neoliberal, nicht sozial

Die #AfD in­sze­niert sich in der Krise häufig als Partei der „kleinen Leute“. Dabei ist ihre soziale Aus­rich­tung #Etikettenschwindel. Pro­gram­ma­tisch steht die AfD für Um­ver­tei­lung von unten nach oben

Von #GarethJoswig
https://www.taz.de/!5946707

National, neoliberal, nicht sozial

Die AfD inszeniert sich in der Krise häufig als Partei der „kleinen Leute“. Dabei ist ihre soziale Ausrichtung Etikettenschwindel. Programmatisch steht die AfD für Umverteilung von unten nach oben

#stiftungsgesetz
„Es braucht ein Gesetz mit klaren För­der­­be­din­gun­gen“
Jurist Markus #Ogorek erklärt, wie man die #Finanzierung von #rechten #Stiftungen weiter #verhindern kann
Interview: #GarethJoswig
https://www.taz.de/!5914330

Kom­men­tar von #GarethJoswig über das Urteil zur #AfD-nahen #ErasmusStiftung

Mit Anlauf gegen die Wand

Die Niederlage vor Gericht hat sich der Bundestag selbst zuzuschreiben. Die demokratischen Fraktionen sind mit mehrjährigem Anlauf gegen eine Wand gelaufen. Durch stumpfes Aussitzen haben sie der AfD einen Erfolg beschert, den selbst ihre eigenen Ju­ris­t*in­nen prognostiziert haben.
https://www.taz.de/!5914254

#AfD kuschelt weiter mit #Putin

Die Fraktion streitet um Sta­lin­grad-Gedenken und „Frie­dens­plan“
Von #GarethJoswig

Die Feier zum zehnjährigen Parteijubiläum ist keine zwei Tage her und schon kracht es wieder in der AfD: Anlass dafür war auch Fraktionschef Tino #Chrupalla
https://www.taz.de/!5911068

AfD und Russland: AfD kuschelt weiter mit Putin

Streit um Stalingrad-Gedenken: AfD-Chef Chrupalla legte mit dem russischen Botschafter einen Kranz nieder. Kritik gab es auch an einem „Friedensplan“.

Von Blau zu Braun

Bei ihrer Gründung vor zehn Jahren startete die #AfD mit dem Ziel einer kon­ser­va­ti­ven Wende. Seitdem ist die Partei immer weiter nach #rechts_außen gerückt, schuf einen Nähr­bo­den für #Hass und öffnete #Rechts­ex­tre­men wie Björn #Höcke die Tür

Aus Oberursel und Berlin #GarethJoswig
https://www.taz.de/!5910563

VonBlauzuBraun

Bei ihrer Gründung vor zehn Jahren startete die AfD mit dem Ziel einer konservativen Wende. Seitdem ist die Partei immer weiter nach rechts außen gerückt, schuf einen Nährboden für Hass und öffnete Rechtsextremen wie Björn Höcke die Tür

Kraftvoll ergreifen

“Kommunikative Chance” – manche tun es (Polizei, Klimaaktivist*inn*en, Mieter*innen), andere lernens nie (Regierungen, Parteien, Immobilienbesitzer*innen) – Best of 14. Januar 2023

Die – mglw. gut ausgehende Geschichte zuerst. Anfang November erschien im Berliner Lokalteil der taz diese Schmonzette – dachte ich – über einige ehemals “alternative” Immobiliendealer*innen:Verdrängung in Berlin-Kreuzberg: Linke Vermieter – Ausgerechnet eine linke Eigentümergemeinschaft plant den Verkauf ihres Mietshauses an einen Investor. Die Mie­te­r*in­nen protestieren.” Meine Hypothese damals: die kennen sich alle untereinander, und sind mutmasslich über viele Jahre fundamental verfeindet. Egal wer lügt und gewinnt, und wer verliert – es wird schon keine Falschen treffen. Und damit vergass ich die Sache.

Nun hat vor einigen Tagen der Spiegel (Autorin: Frauke Hunfeld, Paywall) die gleiche Geschichte noch einmal gross aufgeblasen, etliche Gewürze hinzugefügt, mit Klarnamen nicht gegeizt, und nunja, seine ganze publizistische Macht unter besserverdienenden Bildungsbürger*inne*n ausgespielt. Meine These nun: exzellente PR-Arbeit (einiger) der betroffenen Mieter*innen.

Denn nun geschah das: Gareth Joswig/taz: Gentrifizierung in Berlin-Kreuzberg: Oranienstraße 169 vor Happy End – Nach dem befürchteten Verkauf an einen Investor soll laut Bezirk eine Genossenschaft einsteigen. Mieter-Initiative Bizim Kiez freut sich über „positive Wendung“. Zur Fachkompetenz der berichtenden taz müssen Sie wissen, dass es sie überhaupt nur deswegen noch gibt, weil sie so intelligent wie nur wenige andere mit Berliner Immobilien Geschäfte gemacht hat.

Meine persönliche Quelle zu Kreuzberger Angelegenheiten kommentiert: “Solange niemand weiß, wer diese angeblich gemeinwohlorientierten Neukäufer sind, wäre ich vorsichtig.” Das erscheint mir ein sehr guter Rat.

Was lehrt uns diese Episode? Zum Einen mal wieder: “Das Sein bestimmt das Bewusstsein.” Selbstverständlich auch bei guten Menschen, die an Kapitalbesitz geraten sind. Der Autor dieses klugen Satzes schrieb auch: »Ein Teil der Gesellschaft verlangt hier von den anderen einen Tribut für das Recht, die Erde bewohnen zu dürfen«. Damit ist die materielle Beziehung zwischen Vermieter*in und Mieter*in komplett erfasst. Aber der Satz war damit noch nicht zuende. Karl Marx erfasste – im 19. Jahrhundert! – direkt noch die gegenwärtige Klimakrise mit: »wie überhaupt im Grundeigentum das Recht der Eigentümer eingeschlossen ist, den Erdkörper, die Eingeweide der Erde, die Luft und damit die Erhaltung und Entwicklung des Lebens zu exploitieren.«

So nachzulesen bei Stephan Kaufmann/oxiblog: Die Erde als fiktives Kapital – Schon Marx und Engels wussten: Der Preis für Boden beruht auf Spekulation. Was hat das mit den Mieten zu tun?”

Kommunikative Chancen – wer sie kraftvoll nutzt, und wer nicht

Mit dem letzten Marx-Zitat wird die Überleitung zu RWE direkt mitgeliefert. Der Konzern, der Regierungen und Parteien für sich tanzen lässt. Weil er nichts anderes gelernt hat. Der “Erfolg” gibt ihm recht. Ich weiss gar nicht, ob es auf der Welt noch einen Konzern gibt, der RWE in der Klimaverschmutzung übertrifft. Wer fördert so viel Braunkohle, und darf sie so ungehindert, ja quasi von Regierungen dazu gedrängt, verbrennen und in grosses, sehr grosses Kapital verwandeln?

Im Fussball gibt es den Fachbegriff der “Expected Goals”, das sind von Datenjournalist*inn*en definierten Zonen auf dem Spielfeld, aus denen statistisch erwiesen die meisten Tore erzielt werden. Fussballteams werden darauf trainiert, in diese Zonen hineinzuspielen, weil der Erfolg dort am wahrscheinlichsten ist. Das lässt sich wunderbar auf politische Konstellationen übersetzen.

In Lützerath bspw. haben sowohl Klimaschützer*innen als auch Polizei ihre Chancen herausgespielt und nutzen sie zu Toren. Die Polizei ist darauf mittlerweile exzellent trainiert, und hatte sich über Silvester eine geradezu schon anrüchige Medienüberlegenheit erspielt – vergleichbar mit dem deutschen Fussballdauermeister oder einer feudalarabisch gepamperten Vereinsimitation.

CDU und SPD spielen immer noch die alten Sprechautomaten ab. Das ist ungefähr so peinlich wie der Zweitligist HSV oder der Drittligist RWE (ja, die heissen auch so). Und die Grünen? Haben sich mögliche Wege zu “expexted goals” selbst verbarrikadiert, dass es schon mitleidserregend ist (“Mitleid” gleicht einem politischen Todesurteil).

Ein Hinweis an die Bonner Grünen – eine kommunikative Chance

Mir ist ja schon weisgemacht worden, dass meine lokalen Parteifreund*inn*e*n es nicht schaffen, eine banale Fussgängerampel am Konrad-Adenauer-Platz/von-Sandt-Strasse wieder in Betrieb zu setzen. Das würde noch nicht einmal Geld kosten, weil sie seit Jahrzehnten dort steht, nur verrammelt und verhüllt ist.

Gut, wenn das nicht zu schaffen ist, will ich nun mal eine anspruchsvollere Aufgabe stellen. Diese Aufgabe ist die Kaiser-Konrad-Strasse 36. Ein Mehrfamilienhaus, mit je nach Schnitt, 3-6 Wohnungen. Ich weiss nicht wie lange – ich beobachte es erst seit 7 Jahren – steht dieses Wohnhaus mitten im Beueler Combahnviertel leer. In diesem Viertel erhielten die Grünen bei der Stadtratswahl 46%, Oberbürgermeisterin Katja Dörner erhielt dort in der Stichwahl 62,5%. Bei der Briefkastenverteilung nahm ich wahr, dass es in diesem Viertel sehr viele Häuser mit nur einem einzigen Briefkasten gibt, die also sicher noch Platz für Flüchtlinge oder andere Mieter*innen haben müssten. Hier kann es sich also offenbar eine Erbengemeinschaft (o. ähnl.) leisten, “Verluste aus Vermietung und Verpachtung” viele Jahrzehnte von der Steuer abzusetzen. Denn so hat es der real existierende Kapitalismus für solche Situationen vorgesehen (s.o. Stephan Kaufmann).

Und jetzt die Aufgabe für meine Parteifreund*inn*e*n: macht mal was, was die Leute sehen können (= “kommunikative Chance”).

Damit “etwas passiert” – und alle Silvester- und Lützerath-Reflexe mitberechnet – könnte es ungefähr so gehen: einige Aktivist*inn*en mit und ohne Hintergrund, gerne jede Menge kräftige junge Männer, die nicht wissen, wohin mit ihren Hormonen, errichten auf dem benachbarten brachliegenden Eckgrundstück eine kleine Baumhaussiedlung, und spielen so lange mit Pyrotechnik, bis sich die Nachbar*inne*n beschweren und die Polizei kommt. Die räumt dann alles, und lässt sicherheitshalber auch das mutmasslich mittlerweile unbewohnbare Haus abreissen, damit auch garantiert nichts mehr besetzt wird. Das Grundstück wird dann enteignet, wie es in Lützerath zugunsten des RWE-Konzerns gemacht wird, dieses Mal aber nicht für RWE, sondern die Vebowag, die dort dann Sozialwohnungen errichtet, damit das Viertel endlich mal ein wenig “gemischt” wird.

Müsste die Vebowag das Grundstück regulär erwerben, wäre es unbezahlbar. Es gibt im Combahnviertel oder Schwarzrheindorf keine Grundflächen mehr, auf denen Sozialwohnungen betriebswirtschaftlich errichtbar sind. (s.o. Stephan Kaufmann).

Shit happens – was nicht schiefgehen kann, geht auch schief (Wundersame Bahn CXXXIX)

Die elende Brücke für die S13 in Troisdorf, die beim Planen vergessen wurde – sie ist den leidtragenden Beueler Pendler*inne*n und Anwohner*inne*n so bekannt, dass sie sie auf ihre Modelleisenbahn vermutlich ohne frmde Hilfe nachbauen könnten. Das ZDF schaffte es nun, in seiner wenig bekannten Samstagsnachmittag-Füllsendung “Länderspiegel” der Stadt Bonn dazu noch eine Narrenkrone aufzusetzen. Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht Sorgen.

Schadensverursacher und Tölpel ersten Grades sind die, die in Deutschland die echte Eisenbahn bauen. Beauftragen und planen tut das die Deutsche Bahn AG in ihrem Glashochhaus in Berlin. Das ZDF schafft es aber, die kabarettreife “Leistung” Bonn zuzuordnen, und es gar mit dem Berliner Flughafen, der immerhin der Stadt Berlin gehört, zu vergleichen. Garniert wird das dünne Gebräu mit optisch in der Tat “beeindruckenden” Bildern der S13-Baustelle, insbesondere am vom DB-Personal völlig verlassenen und aufgegebenen Bahnhof Beuel. Noch nicht einmal während der sechswöchigen Umleitung des Fernverkehrs über Beuel gelingt es der in Berlin (!) residierenden DB-AG Hilfspersonal zu gewinnen, das körperlich eingeschränkten Fahrgästen einen gangbaren Weg zu Gleis 2 weist.

Gegenwehrmöglichkeit der Stadt Bonn gegen diese Nullen: 0 (in Worten: Null). Aber der Schaden an der Stadt ist verursacht, vielfach. Vielleicht mal mit Pyrotechnik und Silvesterböllern in Berlin am DB-Hochhaus versuchen. Junge Männer dafür finden sich hier wie dort.

Kraftvoll ergreifen

Kommunikative Chance - manche tun es (Polizei, Klimaaktivist*inn*en, Mieter*innen), andere lernens nie (Regierungen, Parteien, Immobilienbesitzer*innen) - Best of 14. Januar 2023 Die - mglw. gut ausgehende Geschichte zuerst.

Beueler-Extradienst