NEUER BEITRAG: Währenddessen… (KW 49)
Das altert nicht so schnell: die Judge-Dredd-America-Stories. Gelesen hat sie für uns Jan-Niklas Bersenkowitsch.
https://comicgate.de/aktuelles/waehrenddessen-kw-49-10/
#GarthEnnis #JohnWagner #JudgeDredd #BritischeComics #RebellionComics

Währenddessen… (KW 49)
Das altert nicht so schnell: die Judge Dredd-America-Stories. Gelesen hat sie für uns Jan-Niklas Bersenkowitsch. Niklas: Dieses Jahr habe ich viele Judge Dredd-Geschichten von John Wagner, einem der Schöpfer der Figur, gelesen. Wagner ist es innerhalb von fast fünfzig Jahren Laufzeit immer wieder gelungen, aus der überdrehten Parodie eines Faschisten eine komplexe, widersprüchliche Figur zu machen, die man respektieren und gleichzeitig verachten kann. Denn Wagner vergisst nie klarzustellen, dass der Polizist mit dem gewaltigen Kinn kein guter Mensch ist. Das zeigt sich vor allem in der Storyline um die Bewegung Democracy Now, die ich dieses Mal im Sammelband America der Reihe Essential Judge Dredd gelesen habe. Im Verlaufe mehrerer Geschichten erleben wir hier, wie Dredd dazu beiträgt, eine idealistischen Bewegung für mehr Menschenrechte in eine terroristische Organisation zu verwandeln – indem er erpresst, unterdrückt und hundert andere schmutzige Tricks einsetzt, bis nichts mehr übrig bleibt. Später ist es ausgerechnet er, der eine Wahl für mehr Demokratisierung der Gesellschaft einberufen lässt, weil er glaubt, dass die Bewohner Mega-City Ones die Führung der Judges zu schätzen wissen. …
Comicgate
Sláine 7: Die Hexenkönigin – Genial oder verantwortungslose Propaganda?
Früher, in unschuldigeren Jahren, hätte ich einen Comic wie Sláine – Die Hexenkönigin als Barbarencomic mit Anspruch gelesen. Heute wittere ich Politik mit manipulativer Schlagseite zwischen den Zeilen. Auf alle Fälle wirkt Sláine – Die Hexenkönigin deutlich politischer als der großartige Vorgänger Sláine – The Horned God, wenn „politisch“ überhaupt das richtige Wort ist. Pat Mills wirkt getrieben, will etwas von bleibendem Wert vermitteln, unterhaltsam, aber immer mit Seitenhieben gegen das Establishment. Das war ihm auch schon in Charley’s War, seiner großartigen Comicserie über den Ersten Weltkrieg, ein wichtiges Anliegen, denn folgt man Pat Mills‘ Argumentation, war es das Establishment, das den braven Mann von der Straße in die Schützengräben nach Verdun brachte. Und was kann der brave Mann von der Straße besseres machen als aufzustehen und sich zu wehren? Ein Autor wie Mills kann aber auch dann nicht von seinen politischen Ansichten lassen, wenn es sich um Fantasy-Storys über keltische Barbaren handelt. In Sláine – Die Hexenkönigin nimmt das in Teilen durchaus bedenkliche Züge an. Über die Vorgängerstory Sláine – The Horned God schrieb …
ComicgateNEUER BEITRAG: Währenddessen… (KW 30)
Aly Fell belebt das klassische britische Mädchencomic neu. Christian gefällt das.
https://comicgate.de/aktuelles/waehrenddessen-kw-30-6/
#AlyFell #BritischeComics #Misty #PatMills

Währenddessen… (KW 30)
Aly Fell belebt das klassische britische Mädchencomic neu. Christian gefällt das. Christian: Die britische Comicrevolution begann nicht erst in den 1970ern mit 2000 AD. Schon davor wurden Erzählmittel gefunden und Nischen entdeckt, die in den Jahren danach enorm einflussreich sein sollten. Eine Nische war der britische Mädchencomic. In Karl Stocks Buch Comic Book Punks – How a generation of Brits reinvented pop culture wird dazu Gerry Finley-Day zitiert: „If there was a conflict in a boys‘ comic, they’d have a punch-up, whereas in those days girls‘ comics had to be more Jane Austen, you know? For characters to get the better of somebody required decent plotting.“ 1978 rief 2000 AD-Gründer Pat Mills die Serie Misty ins Leben, ein Mädchencomic mit starkem Mystery-Touch. „Moonchild“, die erste, von Mills geschriebene Story ist eine Variation des Carrie-Themas, worin sich eine telekinetisch begabte Schülerin gegen üble Mobber zur Wehr setzen muss, danach übernahm der Autor Malcolm McShaw das Storytelling. Shaws „Four Faces of Eve“ ist eine effektvolle Mystery-Story, in der sich eine junge Frau Flashbacks ausgesetzt sieht, die sie …
ComicgateNEUE REZENSION: It’s Lonely at the Centre of the Earth
Der Titel ist Programm: Hier geht es um genau eine Person. Und der geht es nicht gut (und das sieht spektakulär aus).
https://comicgate.de/rezensionen/its-lonely-at-the-centre-of-the-earth/
#Comicrezensionen #Autobiografie #BritischeComics #CrossCult #Depression #ImageComics #MentalHealth #ZoeThorogood

It’s Lonely at the Centre of the Earth
Der Titel ist Programm: hier geht es um genau eine Person. Und der geht es nicht gut (und das sieht spektakulär aus). Das ist kein Comic zum Lesen. Das ist ein Comic zum Durchblättern, Bewundern, Mitfühlen oder Mitsingen. Zoe Thorogood ist eine aufstrebende britische Comiczeichnerin von Anfang 20, die beschließt, sechs Monate lang einen autobiographischen Comic zu zeichnen. Im Zentrum soll ihr erster Trip in die Vereinigten Staaten stehen, wo sie bei einer Convention einen Kollegen treffen will, mit dem sie einen intensiven virtuellen Flirt pflegt. Als Covid ihr einen Strich durch die Rechnung macht, beschließt sie, ihr Projekt trotzdem weiterzuverfolgen und zeichnet Urlaub mit ihren Eltern, eine Convention in der näheren Umgebung, Alkohol mit ihrer besten Freundin aus Studientagen. Und schließlich schildert sie eben doch eine Reise auf eigene Faust zu ihrem Schwarm in die USA, die in eine Affäre, ein gebrochenes Herz und Tests auf Geschlechtskrankheiten mündet. Am Ende steht eine bittersüße Aufforderung zu Kreativität und zu einem empathischen Interesse am Mitmenschen. Zoe leidet unter schweren Depressionen mit wahnhaften Zügen, begleitet von ständigen …
ComicgateNEUE REZENSION: "The Kissing Gate – Eine Geistergeschichte" von Aly Fell
"Eine „Geistergeschichte“ – das klingt so zeitgemäß wie das Cover ausschaut: Piratenhut und Holzschwert. Mit Piratenromantik hat The Kissing Gate aber wenig zu tun."
https://comicgate.de/rezensionen/the-kissing-gate-eine-geistergeschichte/
#Comicrezensionen #AlyFell #SkinlessCrow #Mystery #BritischeComics #Geistergeschichte

The Kissing Gate – Eine Geistergeschichte
Eine „Geistergeschichte“ – das klingt so zeitgemäß wie das Cover ausschaut: Piratenhut und Holzschwert. Mit Piratenromantik hat The Kissing Gate aber wenig zu tun. Die Handlung beginnt im Oktober 1957. Die 33-jährige Alice Eaton besucht ihren persönlichen Kindheitsort im nordenglischen Yorkshire. Das ländliche Anwesen gehört ihrer Tante Elspeth, die sich nach dem frühen Unfalltod von Sophies Eltern um das kleine Mädchen kümmerte und nun ihrerseits im Sterben liegt. Hier springt die Handlung ins Jahr 1928, und wir sehen die trauernde Alice, das Opfer unbekümmert-sorgloser Rabeneltern, die sich mit der gleichaltrigen Sophie anfreundet, als sie unvermittelt in dem Haus auftaucht. Elspeth sitzt währenddessen ununterbrochen an ihrer Schreibmaschine, während Alice und Sophie allerlei Abenteuer erleben. Aber auch Alice dämmert irgendwann, dass hier etwas im Argen liegt: „Aber wo wohnst du? Wo schläfst du? … Wenn wir uns sehen, trägst du immer dasselbe Kleid … dein Haar ist immer gleich.“ Wir Leser*innen wussten von der ersten Begegnung an schon, dass Sophie ein Geist ist, nun endlich, auf Seite 32, ahnt dies auch Alice. Sophie verstarb vor vielen Jahren, …
ComicgateVor einer Weile führte unser Christian Muschweck übrigens ein lesenswertes Interview mit Jason Kingsley (zugleich CEO von
@Rebellion ) und Matt Smith vom legendären britischen Comicmagazin "2000 AD".
https://comicgate.de/berichte-interviews/46-jahre-2000-ad-ein-interview-mit-jason-kingsley-und-matt-smith/#comics #comicinterview #britischecomics #2000AD #judgedredd
46 Jahre 2000 AD – Ein Interview mit Jason Kingsley und Matt Smith
Im Jahr 2000 erwarb Jason Kingsley, CEO des britischen Computerspieleherstellers Rebellion, die Rechte an der Zeitschrift 2000 AD vom damaligen Rechteinhaber Egmont. 1977 erschien das erste 2000 AD, damals noch bei Fleetway (Egmont besaß die Rechte erst ab 1991). 2023 ergibt sich daraus ein ungewöhnliches Jubiläum: 2000 AD existiert jetzt exakt genauso lange bei Rebellion, wie es davor ohne Rebellion war. Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass die Zeitenwende exakt im Jahr 2000 stattfand, passen hier viele Bausteine sehr exakt. Wie im Interview zu lesen sein wird, kann der Einfluss, der von 2000 AD ausgeht, kaum hoch genug eingeschätzt werden. Ohne 2000 AD wäre es in Amerika wohl nicht zur zweiten „british explosion“ gekommen (die erste waren die Beatles). Es hätte kein Watchmen gegeben, Alan Moore hätte nicht Swamp Thing geschrieben und Neil Gaiman keinen Sandman. Künstler wie Brian Bolland, Kevin O’Neill, Philip Bond, Steve Dillon oder Jamie Hewlett; Autoren wie Grant Morrison, Garth Ennis, Mark Millar oder eben Moore und Gaiman: Sie alle haben bereits in ihren frühen Arbeiten für 2000 AD eine Strahlkraft …
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