Eben habe ich einen Autofahrer kennengelernt, der sich anscheinend selbst für sehr anständig und rücksichtsvoll hält. Er war in seiner Wortwahl zugegebenermaßen sehr höflich, hat mich stets gesiezt, allerdings im krassen Gegensatz zu seinem sonstigen Verhalten.
Was ist passiert?
Ich fahre durch ein Wohngebiet, 30er-Zone, links und rechts am Fahrbahnrand geparkte Autos, dazwischen wenige Lücken, ab und zu Gegenverkehr durch Autos, eine Sache von zwei Minuten bis zur roten Ampel vor der Einmündung zur Hauptstraße, an der ich mich eher links auf dem rechten Fahrstreifen einordne, weil ich links abbiegen will. Plötzlich fliegt rechts ein Autospiegel an mir vorbei. Ein Autofahrer in einem Van hat sich rechts neben mich gequetscht, lässt das Seitenfenster runter und hat Redebedarf. Im ruhigen Ton erklärt er mir, dass er mich schon die ganze Zeit beobachtet habe. Ich sei mitten auf der Straße gefahren mit dem Ziel, alle anderen aufzuhalten. Ich müsse ganz rechts fahren (nur doof, dass da halt schon Autos stehen) und generell sei ich so ein typischer Radfahrer, der keine Rücksicht im Straßenverkehr kenne, so der Autofahrer, der gerade eben noch mit Schwung fast in meinen Lenker gefahren ist, um mich zu informieren.
Mein Versuch, ihm zu erklären, dass man sich beim Linksabbiegen natürlich nicht rechts auf dem Fahrstreifen einordnen muss, will er nicht hören. Für Fahrräder gelten nämlich keine Verkehrsregeln. Daher darf ich mich wohl nicht auf die StVO berufen. Diese Argumentation kannte ich noch nicht. Bei „Sie sind doch kein Verkehrsteilnehmer im eigentlichen Sinne!“ habe ich dann das Gespräch genervt abgebrochen: „Ach, lassen Sie es. Sie haben keine Ahnung.“
Die Ampel schaltet auf Grün. Ich will links auf den Geh- und Radweg abbiegen und fahre los. Der Van-Fahrer fährt ebenfalls los und biegt ebenfalls links ab – ohne zu blinken. Da ich kein typischer Radfahrer bin und ständig auf mein Recht bestehe, bremse ich und fahre ihm nicht hinten links rein, als er mich schneidet. An der nächsten Ampel treffen wir uns wieder. Merkwürdig. Sogar, wenn ich hinter ihm auf dem Radweg fahre, bremse ich ihn aus. An der übernächsten Ampel treffen wir uns wieder. Die Fahrstreifenwechsel bis dahin gelingen natürlich ebenfalls ohne zu blinken, genauso wie das Linksabbiegen und das darauf folgende Rechtsabbiegen, bei dem sich unsere Wege schließlich trennen.
Ich bin immer noch irritiert, wie dieser Mensch auf die Welt blickt. Offenbar sind Höflichkeit und Respekt gewisse Werte für ihn. Das finde ich gut. Aber offenbar reflektiert er sein eigenes Verhalten im Straßenverkehr überhaupt nicht, was zugegebenermaßen wirklich schwer ist, wenn man mangels Kenntnis der Verkehrsregeln gar nicht weiß, welche Fehler man selbst macht.
Ich bin immer noch verwirrt über diesen Herren.
#Fahrrad #AutoStVO