Laszlo Földenyi: Die Gefährdung der Metaphysik in der europäischen Kultur hat eine lange Geschichte, die noch nicht abgeschlossen ist:
Der Sinn für Metaphysik ist weiterhin lebendig. Man könnte sogar behaupten: Solange der Mensch existiert, wird dieser Sinn nie verschwinden. Er hängt letztlich mit unserer Sterblichkeit zusammen. Solange der Geist in unserer Kultur repräsentativ war, hat man auch diese Last ernst genommen.
Unsere heutige Zivilisation versucht uns jedoch mit allen Mitteln davon zu überzeugen, dass wir nur anerkennen, was – mit Antonin Artaud’s Worten – „auf der Linie liegt“. Und was liegt auf der Linie? Dass die Welt reibungslos wie ein Fließband läuft, das auch dann noch perfekt funktioniert, wenn kein Mensch mehr auf der Erde lebt. Unsere Zivilisation verspricht uns eine leicht erwerbbare Unsterblichkeit, und der Geist, der dagegen ein Veto ausspricht, wird immer mehr als störender Faktor gebrandmarkt.
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