Journalismus ist möglich

Sogar bei taz und faz – drei Perlen aus zehn Tagen – und bei der letzten die Frage, warum sich niemand aufregt

Majid Sattar war 2010-18 Korrespondent der FAZ im Berliner Parlamentsbüro, das damals noch vom konkurrenzlos fabelhaften Günter Bannas geleitet wurde. Obwohl selbst am Niederrhein geboren, kann er mit Bannas’ rheinisch temperierter Ironie nicht ganz mithalten. Das kompensiert er mit umso ausgeprägterer trockener Sachlichkeit. Und politischer Umsicht. Seit 2018 korrespondiert er nun bereits für die FAZ aus Washington, und diese Woche ist ihm ein – für dieses Blatt – sensationell gutes Werk gelungen.

“Epstein” kompakt

Abgründe der globalen Elite: Die Epstein-Verschwörung – Wie konnte ein Studienabbrecher aus Brooklyn zur Spinne in einem kriminellen Netzwerk werden, in dem es um Geld, Macht, Sexsklavinnen und Geheimdienste ging? Eine Spurensuche in seiner Lebensgeschichte.”

Paywall-Gebrauchsanweisung: auf meinem Samsung-Handy im Krankenhaus mit Googles Internetbrowser Chrome war dieser Text diese Woche paywallfrei. An meinem Apple-Desktop zuhause ist er es nicht. Auch wenn es für viele unbequem sein mag: die Anwendung eines Paywallbohrers ist (bei Bedarf) für diesen Text empfehlenswert. Auch wenn, je nach Anwendung welchen Bohrers, “der Russe” dann über Ihre Daten herfallen mag – Samsung und Google haben das in meinem Fall gewiss auch getan.

Warum lohnt sich das? Zunächst, weil Sattar immer bestens informiert und recherchiert schreibt. Zweitens, weil er das kann, ohne übermässig geschwätzig oder gar agitatorisch zu werden. Das ist schon daran zu erkennen, dass er “Verschwörung” nicht in Anführungsstriche setzt, dass er korrekt von einer “Spinne im Netzwerk” schreibt (die Spinne stirbt, das Netzwerk bleibt), und dass seine Aufzählung richtigerweise “Geld, Macht, Sexsklavinnen und Geheimdienste” umfasst, also analytisch weit über clickträchtigen angeblichen Sex hinausreicht.

Gut gemacht. Habe ich so – gleichzeitig kompakt und umfassend – in unserer Sprache noch nirgends gelesen.

Drogenkrieg in Mexiko

Dass das Trump- und das Netanyahu-Regime aktuell – nicht das Mullahregime, sondern – den Iran bombardieren, dient, neben seinem vielfach bezweifelten militärischen Zweck, mit Sicherheit der Zeichensetzung an widerspenstige Gesprächs- und Verhandlungspartner in aller Welt.

Niemand ist dieser Gefahr so nah wie Mexiko und seine demokratisch gewählte und im eigenen Land mit beneidenswerter Zustimmung ausgestattete linke Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo. Und halten Sie, sagen wir mal nur so als Beispiel, dieses Bild hier, gegen das, von, sagen wir mal nur so als Beispiel, ihn hier.

Sind Sie Bürger*in in einem Nato-Mitgliedsland? Überwältigt Sie wie mich die Fremdscham? Dann verstehen wir uns. Wie schön wäre eine Präsidentin wie Sheinbaum – und ich meine das nicht ästhetisch sondern politisch.

Senora Sheinbaum ist kein Idol, kein Vorbild, sondern eine realistische harte politische Strategin. Sonst wäre sie nicht da, wo sie ist. Und wenn sie sich nur für einen PR-trächtigen Wahlkampf aufgeblasen hätte, könnte sie sich dort, wo sie ist, nicht sehr lange aufhalten. Das macht eine sehr gute Reportage von Christian Jakob, einem der wenigen richtig Guten bei der taz, deutlich:

Gewalt in Mexiko: Präsidentin gegen Drogenboss – Nach der Tötung des Kartell-Anführers ‘El Mencho’ eskaliert die Gewalt der Narcos. Gelingt Claudia Sheinbaum, woran vor ihr alle scheiterten?”

Bundesliga-Wettskandal regt niemand mehr auf – Kriminalität ist normal

1971 drehte ein gewisser Horst Gregorio Canellas, seinerzeit Präsident der Offenbacher Kickers, die deutsche Fussballwelt auf links. Oder rechts? Jedenfalls war danach nichts mehr wie vorher. Jedenfalls wurde fast das gesamte mühevoll aufgebaute Spitzenteam des FC Schalke 04, der noch 1965 nur durch eine Manipulation des DFB vor dem Bundesligaabstieg gerettet worden war, rechtskräftig verurteilt, sein Starspieler Reinhard Libuda für den kümmerlichen Rest seines Lebens endgültig gebrochen.

Die öffentliche Aufregung über diesen für alle Beteiligten beschämenden Vorgang war kaum zu toppen.

In der Gegenwart hat die türkische Fussballwelt für vergleichbares Aufsehen gesorgt. Weil unter dem Erdogan-Regime saubere polizeiliche Ermittlungen und juristische – gar menschenrechtliche – Spielregeln eine weniger wichtige Rolle spielen, wurden dort schon über 1000 Spieler und Schiris gesperrt und verhaftet, weil sie auf Spiele gewettet und manipuliert haben. Sport ist was Anderes. Und Erdogan versucht seine trumpähnlich sinkende Beliebtheit mit “Durchgreifen”, bzw. entsprechender Simulation, zu retten.

Hierzulande sieht es offenbar ganz ähnlich aus. Nur, dass es niemand verfolgt, weil alle es (mit)machen. Insbesondere sind die zahlenden Medien die, die es wollen und selbst daran teilhaben. Sie sind integrierter Teil der mafiösen Wettökonomie des real existierenden Kapitalismus. Die Unterscheidung zwischen “legal” und “illegal” entpuppt sich immer mehr als Kulissenschieberei für die dümmeren Teile der Öffentlichkeit.

Denn was den Bertelsmannmedien ein ängstlich anonym bleibender Ex-Fussballprofi erzählt hat, findet in der kapitalistischen Medienwelt, ganz anders als 1971, fast gar keinen Wiederhall. Aus seiner Schílderung ergibt sich, dass alle im professionellen Fussball- und Mediensystem davon wissen, und es sie nicht im geringsten stört – weil alle mitmachen. Das ist schon am ARD-Sportschau-Vorspann zu erkennen, in dem ein marktführender Wettveranstalter sich – gegen alle Gesetze, auf deren Basis die ARD zu arbeiten hat – prominent platziert hat.

Die was-mit-Medien-Fuzzys, die sich von diesen Kriminellen ökonomisch aushalten lassen, irren sich freilich, wenn sie glauben, die Macht zu besitzen, um solche Verbrechen am Sport “totschweigen” zu können. Die Fans wissen Bescheid. Nur die Dummen ahnen nichts.

Verschwörungstheorie? Oder Verschwörung? Entscheiden Sie selbst. Und lassen sich nicht davon runterziehen. Treffen Sie Freund*inn*e*n, gehen sie was Gutes essen und trinken (wie ich gleich mit einem befreundeten Journalisten, in einer Fussballkneipe!).

Gut ist doch, wenn es noch Journalist*inn*en gibt, die ihre Arbeit machen.

Journalismus ist möglich – Beueler-Extradienst

Wettskandal in der Türkei: Einem Fußballverein gehen die Spieler aus

In der Türkei laufen Ermittlungen gegen mehr als 150 Schiedsrichter und rund 1.000 Fußballspieler. Der Vorwurf: illegale Wetten und Manipulation. Viele Spieler wurden gesperrt. Viertligist Agrispor hat nun ein Problem. Von M. Rosch.

➡️ https://www.tagesschau.de/ausland/asien/tuerkei-wettskandal-100.html?at_medium=mastodon&at_campaign=tagesschau.de

#Türkei #Wettskandal

Wettskandal in der Türkei: Einem Fußballverein gehen die Spieler aus

In der Türkei laufen Ermittlungen gegen mehr als 150 Schiedsrichter und rund 1.000 Fußballspieler. Der Vorwurf: illegale Wetten und Manipulation. Viele Spieler wurden gesperrt. Viertligist Agrispor hat nun ein Problem. 

tagesschau.de

Bayern okkupieren Wahrheit

mit Update abends

Im Rahmen meiner Mediendiät bewährt sich eine Lesegewohnheit, die sehr, sehr viele, vielleicht sogar eine Mehrheit ehemaliger “Zeitungs-“Leser*innen pflegen: hinten anfangen. Das geht auch im Zeitalter der Digitalisierung. Bei der taz heisst das “Die Wahrheit”.

Dort haben heute die Bayern die Macht ergriffen. Freilich ist einer von ihnen, der mit der schädlichen Berlin-Sozialisation, nicht vor der in der Hauptstadt der Flitzpiepen üblichen Gehässigkeit gegen Gelsenkirchen gefeit. Andreas Rüttenauer (“lebenslänglich Bayer”, und gerade deswegen 60zger-Fan) prahlt: Teures Pflaster München – Lebenslänglich Bayer: Die bayerische Landeshauptstadt kann stolz auf sich sein, sie hat bei Mietpreisen ein europäisches Spitzenniveau erreicht.”

Ich bin sicher, Bonner Vermieter*innen und Immobilienhaie, endlich repräsentiert durch einen passenden Oberbürgermeister, werden sich von der Münchner Konkurrenz nicht lange lumpen lassen. Hier bei mir nebenan in der Rheinaustrasse, vor dem Deich, also für jedes Hochwasser erreichbar, gibt es keine Wohnung unter einer Million mehr zu kaufen.

In Gelsenkirchen dagegen gibt es eine “helle 2-Zimmer Wohnung mit Balkon, 61 qm” im mondänen Stadtteil Horst, also meinem Geburtsort, schon für 430€ kalt. Von hier fährt die U-/Stadtbahn umsteigefrei bis zur Uni Essen/Duisburg – wenn ihre Generalsanierung fertig ist. 😉 Wer ist für solche Wohnangebote nicht freiwillig weniger “glücklich”?

Durchfall

Entschuldigen Sie, wenn ich das Thema vor dem Mittagessen anschneide. Es gibt ihn in vielen Ausprägungen. Der gebürtige Nürnberger Jürgen Roth diagnostiziert ihn lebenslänglich in der Sprache, und hat sich heute mal wieder eines besonders schweren Falls angenommen:

Plappern mit der Spaßmamsell – Im Deutschen Bundestag wird sehr viel geredet – und heraus kommt ein einziger Sprachdurchfall, vor allem wenn Dorothee Bär (CSU) ans Pult tritt.”

Phönixgucken wird eben regelhaft bestraft. Mein Mitautor Roland zählt das auch zu seinen Lebensgewohnheiten, allerdings zu gänzlich anderen Sendezeiten als Roth. Die beiden könnten einen 2-Schicht-Betrieb fahren. Mein Tipp: Phönix wird eines Tages dichtgemacht zugunsten von Tagesschau24 und ZDFinfo.

Ein ganz anderer Durchfall hat die Türkei ereilt. Die FAZ hat einen FAS-Beitrag wohlweislich digital eingemauert, der richtig feststellt: “Sucht nach Sportwetten: Wie Koks auf Klick – Immer mehr Menschen sind süchtig nach Sportwetten. Der Fußball verdient mit ihnen Millionen.” Das ist ja schon aussergewöhnlich kriminell. Aber die deutsche Medien- und Fussballökonomie ist darauf gebaut. Und nicht nur die.

Wie das in einer Gesellschaft zugeht, die gänzlich von rechtsstaatlichen Fesseln zugunsten angeblich klar entscheidender Despotie “befreit” ist, das ist derzeit im Despotenland Türkei zu besichtigen, in der taz nur kurz rückwärts “blättern”:

Ali Çelikkan: Wettmanipulation im türkischen Fußball: Süper-Skandal – Die Türkei erschüttert eine angeblich große Affäre um Fußballwetten. Die Aufarbeitung wird durch willkürliche Sport- und Staatsjustiz erschwert.”

Haben Sie noch den Überblick? Was wird der grosse Führer der Nation dazu sagen? Mein Tipp: sein Clan ist der Einzige, der damit absolut nichts zu tun hat.

Korrektur: Jürgen Roth ist garnicht Nürnberger, sondern geborener Berleburger, regelmässig kältester Ort in NRW, und also ist er Sauerländer, noch tiefer bzw. höher als der Briloner.

Blamagen-Durchfall

Den angeblichen “Friedensplan” für die Ukraine mag ich noch nicht kommentieren, weil ich ihn inhaltlich nicht kenne. Deutlich aber ist (schon lange), dass die EU beständig der Musik hinterherhetzt. Besonders schön diese Nachrichtentext-Passage des DLF, die ich als sprachlich und politisch gelungen ansehe:

“EU-Ratspräsident Costa erklärte, man habe noch keine Einsicht in den Friedensplan erhalten.” um dann unmittelbar und offenbar weit kenntnisreicher als die EU-Führung fortzusetzen: “Der Entwurf sieht unter anderem Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland und eine Verkleinerung der ukrainischen Armee vor.” Dä.

Früher gabs mal Diplomatie.

Update abends

Details des “Friedensplans” scheinen mittlerweile bekannt geworden zu sein. Florian Rötzer/overton berichtet detailliert. Nach kursorischer Lektüre ist mein Eindruck: Trump und Putin teilen sich Gewinne und Profite; die hinter Trump hinterherdackelnde EU darf alles bezahlen. Das teuerste Danaer-Geschenk dürfte die EU-Aufnahme der Ukraine sein. Was wie ein politisches Entgegenkommen erscheint, ist in erster Linie: teuer.

Freilich: alles ist besser, als den Krieg fortzusetzen. Finde ich. Im Interesse aller, die das überleben. So weit ist es noch nicht.

Bayern okkupieren Wahrheit – Beueler-Extradienst

Und schon wieder ein #Wettskandal in Europa. Laut türkischen Medien soll fast 4.000 Spieler involviert sein. Krass. #FuerEchtenSportOhneAbzocke #PokalKO

Schiedsrichter bei Sportwetten...
In der Türkei bahnt sich ein formidabler Wettskandal an

Hunderte Schiedsrichter in den türkischen Profi-Ligen haben sich dem nationalen Fußballverband zufolge an Wetten auf Spiele beteiligt.

sportschau.de

Mir gefällt ja am besten der Begriff #Mafifa 🥰

#FIFA #nba #Wettskandal #rozier #billups #TrailBlazers

Der wie vielte #wettskandal bei der #SerieA in #Italien ist das jetzt??? Dass da der Sumf nicht endgültig mal trocken gelegt wird 🤔
Der Wettskandal im Land des Fußball-Rekordweltmeisters Brasilien zieht immer weitere Kreise. Die Aufarbeitung steht erst am Anfang.#Brasilien #Wettskandal #Fußball #CBF #Manipulation
Wettskandal wirft dunkle Schatten über Brasiliens Fußball | DW | 23.05.2023
Wettskandal wirft dunkle Schatten über Brasiliens Fußball | DW | 23.05.2023

Der Wettskandal im Land des Fußball-Rekordweltmeisters Brasilien zieht immer weitere Kreise. Die Aufarbeitung steht erst am Anfang.

DW.COM

Das hat man nun davon, dass man sich vor lauter Geldgier dem chinesischen Markt völlig unterworfen hat. 🤷‍♂️

"Seit Oktober untersucht die World Professional Billiards and Snooker Association (WPBSA) die Vorwürfe gegen mehrere Spieler wegen Verdachts der Spielabsprachen.
(...)
Besonders pikant: Alle betroffenen Stars kommen aus China."

#Snooker #Wettskandal #China

https://www.sport1.de/news/mehr-sport/2023/01/snooker-manipulationsskandal-immer-grosser-sperren-fur-nachste-chinesen

Snooker: Manipulationsskandal immer größer - Sperren für nächste Chinesen

Der Manipulationsskandal im Snooker hat immer größere Auswirkungen. Es werden die beiden nächsten Chinesen gesperrt.

SPORT1
Er war Italiens Fußballheld der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien, der Deutschland im Finale auf die Verliererstraße brachte. Jetzt ist der frühere Torjäger Paolo Rossi im Alter von nur 64 Jahren gestorben.
Italiens Fußball trauert um Paolo Rossi | DW | 10.12.2020 #Fußball #PaoloRossi #Fußball-WM1982 #Weltmeister #Wettskandal #SerieA #Italien
Italiens Fußball trauert um Paolo Rossi | DW | 10.12.2020

Er war Italiens Fußballheld der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien, der Deutschland im Finale auf die Verliererstraße brachte. Jetzt ist der frühere Torjäger Paolo Rossi im Alter von nur 64 Jahren gestorben.

Die griechische Justiz verurteilt insgesamt 58 Personen zu mehrjährigen Haftstrafen. Darunter einige prominente Vertreter griechischer Fußballvereine. Ob es jedoch tatsächlich zu einer Inhaftierung kommt, ist noch offen. http://www.dw.com/de/wettskandal-58-haftstrafen-in-griechenland/a-42787471?maca=de-rss-de-all-1119-xml-atom #Wettskandal #Spielmanipulation #Fußball #Griechenland #Haftstrafen #Ilioupolis #AsterasTripolis #OlympiakosValos
Wettskandal: 58 Haftstrafen in Griechenland | Sport-News | DW | 01.03.2018

Die griechische Justiz verurteilt insgesamt 58 Personen zu mehrjährigen Haftstrafen. Darunter einige prominente Vertreter griechischer Fußballvereine. Ob es jedoch tatsächlich zu einer Inhaftierung kommt, ist noch offen.