Scholz weicht aus – und das ist nicht neu

Beim Ukraine-Gipfel in Paris ging es um eine der brisantesten Fragen der aktuellen europäischen Politik: Sollten europäische Soldaten in die Ukraine entsandt werden? Während andere Staatschefs wie Keir Starmer eine klare Haltung zeigten, hielt sich Bundeskanzler Olaf Scholz auffällig bedeckt. Seine Antwort? Keine.

Stattdessen erklärte Scholz, die Debatte sei „völlig verfrüht“ und werde „zur falschen Zeit“ geführt. Ein klares Nein? Fehlanzeige. Ein klares Ja? Auch nicht. Scholz bleibt seiner Linie treu: Viel reden, wenig sagen.

Dabei ist das Muster bekannt. Ob Sondervermögen für die Bundeswehr, Waffenlieferungen oder nun die Sicherheitsstrategie Europas – Scholz beantwortet die drängendsten Fragen lieber mit langen Sätzen, die alles offenlassen.

Doch diesmal geht es um mehr. Die USA unter Trump scheinen ihre eigenen Pläne mit Putin zu schmieden, während Europa vor einer historischen Entscheidung steht. Die Zeit der Ausflüchte ist vorbei. Doch während andere Regierungschefs Klartext sprechen, verlässt Scholz den Gipfel als Erster. Zurück bleiben offene Fragen – und das ungute Gefühl, dass Deutschland wieder einmal auf der Bremse steht.

(Quelle: Zeit Online, Artikel vom 18. Februar 2025)

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Ukrainetreffen in Paris: Es geht jetzt um den Frieden in Europa

Soldaten in die Ukraine schicken und gemeinsam aufrüsten? Die Europäer versuchen, sich in Paris von dem Trump-Schock zu erholen – und schließen nichts mehr aus.

ZEIT ONLINE

Ein gefährliche Deal: was Trump bei Putin aufs Spiel setzt

Die Welt blickt besorgt auf die Verhandlungen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin. Was als Versuch präsentiert wird, den Krieg in der Ukraine zu beenden, droht, die Ukraine und Europa vor eine ungewisse Zukunft zu stellen. Sollte ein Abkommen über die Köpfe der Betroffenen hinweg geschlossen werden, könnte dies die europäische Sicherheitsordnung erschüttern und die Ukraine in ihrer Existenz gefährden.

Die Ukraine: Eine Nation am Scheideweg

Die Ukraine hat in den vergangenen Jahren einen hohen Preis gezahlt, um ihre Unabhängigkeit und territoriale Integrität zu bewahren. Doch ein Abkommen, das die Ukraine zu territorialen Zugeständnissen zwingt – wie den Verzicht auf die Krim oder die Anerkennung russischer Besatzungen im Osten des Landes –, könnte den Kern ihrer nationalen Souveränität aushöhlen.

Noch gravierender ist die Aussicht, dass die Ukraine ohne eine NATO-Mitgliedschaft und mit nur vagen Sicherheitsgarantien zurückbleiben könnte. Eine solche Lösung würde die Ukraine anfällig für zukünftige Aggressionen machen und die geopolitische Balance in der Region zugunsten Russlands verschieben.

Europa: Eine Sicherheitsordnung in Gefahr

Die möglichen Konsequenzen eines solchen Deals gehen jedoch weit über die Ukraine hinaus. Europa selbst steht auf dem Spiel. Ein Abkommen, das ohne die Einbeziehung europäischer Partner verhandelt wird, würde das Vertrauen in transatlantische Bündnisse wie die NATO schwächen und die Einheit Europas gefährden.

Noch besorgniserregender ist die langfristige Signalwirkung: Wenn Gewalt und Machtpolitik belohnt werden, könnten sich ähnliche Szenarien an anderen Stellen Europas wiederholen. Staaten wie Polen, Lettland oder Estland könnten sich in einer unsicheren Lage wiederfinden, während Russland zunehmend ermutigt wird, seine Interessen mit militärischen Mitteln durchzusetzen.

Was Europa jetzt tun muss

Europa darf sich nicht von einem bilateralen Abkommen zwischen Trump und Putin ausschließen lassen. Eine Lösung für den Krieg in der Ukraine kann nur unter aktiver Einbeziehung der europäischen Staaten und unter Wahrung der Souveränität und Sicherheit der Ukraine gefunden werden.

Die kommenden Wochen könnten entscheidend sein – nicht nur für die Ukraine, sondern für die Zukunft Europas. Ein Deal auf Kosten der Ukraine wäre nicht nur ungerecht, sondern auch gefährlich. Es liegt an Europa, klarzumachen, dass Frieden nur auf der Grundlage von Recht und Gerechtigkeit möglich ist.

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Das heißt, dass wir hier überhaupt nicht von einem irgendwie gearteten Friedenschluss reden können, sondern letztendlich von den Kapitulationsbedingungen der Ukraine. @DrBabst Die US-Pläne und das, was Trump aushandeln lasse, seien für den russischen Präsidenten Putin ein

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Trügerische Ruhe: Warum die NATO reagieren sollte

Symbolbild: Mehrere Unterseekabel in der Ostsee wurden – angeblich versehentlich – zerstört, teilweise durch Schleppanker.

Die fortgesetzten Sabotageakte Russlands gegen kritische Infrastruktur in Europa haben einen bedenklichen Nebeneffekt: Die NATO wirkt in weiten Teilen der Öffentlichkeit wie ein zahnloser Tiger. Trotz einer regelrechten Häufung von Zwischenfällen auf und unter der Ostsee scheint das Bündnis kaum entschlossen zu handeln. Diese Zurückhaltung birgt eine gefährliche Signalwirkung – denn sie erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Moskau weitere Eskalationsschritte wagt, möglicherweise auch gegen NATO-Territorium.

Kalkulierte Sabotage und fehlende Gegenwehr

Russische Schiffe, die angeblich „versehentlich“ Anker über Pipelines und Glasfaserkabel schleifen lassen, mutmaßlich vom Kreml beauftragte Hackerangriffe, Trollfabriken zur Desinformation: All das deutet auf einen systematischen Versuch hin, Europa zu destabilisieren und dessen Verteidigungswillen zu testen. Hinzu kommt, dass der neue NATO-Generalsekretär Mark Rutte zwar offen über einen Zustand „zwischen Krieg und Frieden“ spricht, jedoch konkrete Reaktionen schuldig bleibt. So entsteht der Eindruck, die NATO verharrt in Passivität, anstatt die roten Linien deutlich zu kommunizieren.

Das Dilemma der Abschreckung

Abschreckung funktioniert nur, wenn sie glaubhaft ist. Tatsächlich riskiert das Bündnis jedoch Glaubwürdigkeitsverluste, solange es keine einheitliche und spürbare Antwort auf die russischen Provokationen gibt. Daran knüpfen sich zwei kritische Fragen:

  • Zurechenbarkeit: Hybride Angriffe, die sich oft nur schwer zweifelsfrei belegen lassen, erschweren eine klare Zuordnung. Das nutzt Russland: Offizielle Stellen können stets abstreiten, etwas damit zu tun zu haben.
  • Eskalatonsrisiko: Selbst wenn eindeutig ist, wer hinter den Attacken steckt, birgt ein hartes Vorgehen die Gefahr eines noch größeren Konflikts. Viele europäische Regierungen schrecken davor zurück, die Schwelle zum Bündnisfall auch nur anzudeuten – schon, um Russland keine Vorwände zu liefern.
  • Doch gerade in diesem Abwägungsprozess liegt die größte Schwäche. Ein zögerliches Auftreten gegenüber einem Akteur wie Moskau, der seine Ambitionen stets energisch verfolgt, kann als Einladung verstanden werden, die Provokationen weiterzutreiben.

    Artikel 4 und die Bedeutung gemeinsamer Schritte

    Die NATO hat in ihrem Vertragswerk mehrere Mechanismen vorgesehen, um bereits vor einem offenen Angriff zu reagieren. Artikel 4 ermöglicht Konsultationen, wenn ein Mitgliedsland seine Sicherheit bedroht sieht. Obwohl mehrere NATO-Staaten – darunter Estland und Finnland – von direkten Sabotageakten betroffen waren, blieb es auffallend still. Eine konsequente Nutzung von Artikel 4 würde signalisieren: „Wir sehen die Gefahr und sind bereit, uns geschlossen zu verteidigen.“ Je länger diese klare Botschaft ausbleibt, desto mehr riskiert das Bündnis seine Glaubwürdigkeit.

    Mehr Schutz – und klare Kosten

    Selbst in offenen Gesellschaften ist mehr Schutz möglich, ohne in autoritäre Muster zu verfallen: Patrouillen in den Küstengewässern, die konsequente Überwachung potenziell verdächtiger Schiffe, umfassendere Cyberabwehr sowie eine engere Koordination der Geheimdienste. Gleichzeitig sollte deutlicher kommuniziert werden, dass jeder weitere Angriff die Verhängung zusätzlicher Sanktionen nach sich zieht – etwa gezielte Strafmaßnahmen gegen verantwortliche Reedereien oder staatliche russische Unternehmen. So würde Moskau deutlich gezeigt, dass Sabotageakte empfindliche Folgen haben können, ohne dass sofort der Bündnisfall ausgerufen wird.

    Keine Wehrlosigkeit signalisieren

    Die größte Gefahr besteht darin, Russland glauben zu lassen, die NATO sei nicht willens oder in der Lage, ernsthaft zu reagieren. Wehret den Anfängen gilt auch für hybride Kriegsführung. Wer Sabotage an Europas Infrastruktur ohne spürbare Konsequenzen lässt, dem droht eine schleichende Aushöhlung der eigenen Abschreckungskraft. Umso wichtiger wäre ein klares, geschlossenes Signal des Bündnisses. Denn in einer Welt, in der Grenzen ständig getestet werden, kann zu viel Zurückhaltung schnell zu einer weiteren Eskalation führen – und diese letztlich auch die NATO selbst treffen.

    Quelle und mehr Infos: ZEIT ONLINE

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    Russische Sabotage in Europa: Wir bewegen uns gefährlich auf den Ernstfall zu

    Russland testet mit immer neuen Sabotage-Aktionen die roten Linien des Westens. Daraus könnte sich ein unkalkulierbares Risiko entwickeln.

    ZEIT ONLINE

    NATO: Artikel 5 und unangenehme Unschärfe

    Als Russland im Februar 2022 seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, reagierte Deutschland mit einem Beitrag, der Symbolik und Unzulänglichkeit vereinte: 5.000 Helme. Keine Waffen, keine Munition, keine unmittelbare militärische Unterstützung – ein Angebot, das die Ernsthaftigkeit der deutschen Verteidigungsbereitschaft infrage stellte.

    Heute, knapp drei Jahre später, hat sich Deutschland teilweise rehabilitiert. Es stationiert Soldaten in Litauen und versucht, die Bundeswehr zu modernisieren. Doch reichen diese Schritte aus, um die NATO-Abschreckung glaubwürdig zu halten – besonders in einer Welt, in der Donald Trump erneut zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde und ab Januar 2025 wieder ins Amt tritt?

    Artikel 5: Die unscharfe Garantie

    Artikel 5 des NATO-Vertrags ist das Rückgrat der Allianz. Er verspricht kollektive Verteidigung: Ein Angriff auf ein Mitgliedsland wird als Angriff auf alle gewertet. Doch was nach einer klaren Verpflichtung klingt, ist in der Realität erstaunlich vage. Die NATO-Staaten sind zwar verpflichtet, zu reagieren – doch sie entscheiden selbst, welche Maßnahmen sie „für erforderlich“ halten. Das können militärische Interventionen sein, aber auch diplomatische Protestnoten oder Wirtschaftssanktionen.

    Diese Unschärfe mag in der Vergangenheit ein kluger Schachzug gewesen sein, um unterschiedliche politische Prioritäten der Mitgliedsstaaten zu vereinen. Heute jedoch ist sie ein Schwachpunkt. Sie lädt zu Zweifeln ein, ob das Bündnis im Ernstfall geschlossen handeln würde – und genau das könnte Russland nutzen.

    Lehren aus Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine

    Die Reaktion des Westens auf Russlands Krieg gegen die Ukraine zeigt, wie schwer es ist, eine gemeinsame Linie zu finden. Trotz Ankündigungen und Solidaritätsbekundungen blieben Waffenlieferungen an die Ukraine zunächst zaghaft, schwere Rüstungsgüter kamen nur tröpfchenweise, und ein NATO-Beitritt der Ukraine wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

    Russland hat diese Uneinigkeit bemerkt. Sollte Moskau künftig einen begrenzten Angriff auf ein baltisches NATO-Mitglied starten – etwa durch hybride Taktiken wie Cyberangriffe oder gezielte Sabotage – könnten ähnliche Probleme auftreten. Der Westen würde erneut Zeit verlieren, während die NATO-Staaten um eine gemeinsame Reaktion ringen.

    Deutschland: Von Helmen zu Litauen

    Deutschland hat nach anfänglicher Zurückhaltung Fortschritte gemacht. Die Stationierung von Truppen in Litauen ist ein Zeichen dafür, dass Berlin seine Rolle in der NATO ernster nimmt. Doch dieser Schritt verdeutlicht auch die Abhängigkeit von der NATO als Ganzes. Deutschland erwartet – zu Recht – im Ernstfall uneingeschränkte Beistandspflicht der Partnerländer. Doch diese Forderung könnte fragwürdig wirken, solange Deutschland selbst seine Verteidigungsausgaben nicht ausreichend erhöht.

    Die von Bundeskanzler Olaf Scholz angekündigte „Zeitenwende“ brachte ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr. Doch dieser Betrag reicht bei weitem nicht aus, um die jahrelange Vernachlässigung der Streitkräfte zu beheben. Hinzu kommt, dass ein Großteil des Geldes noch nicht in konkrete Rüstungsvorhaben geflossen ist.

    Die Herausforderung Trump

    Die NATO sieht sich nicht nur durch Russland unter Druck gesetzt, sondern auch durch die Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus. Trump, der ab Januar 2025 seine zweite Amtszeit beginnt, hat mehrfach die Beistandspflicht der USA infrage gestellt. Er deutete an, dass Amerika nur jene Länder verteidigen werde, die ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen.

    Für Europa bedeutet dies: Es kann sich nicht mehr blind auf die USA verlassen. Die europäischen NATO-Mitglieder müssen ihre Verteidigungskapazitäten massiv ausbauen, um unabhängiger zu werden. Besonders gefährdete Länder an der Ostflanke – etwa Polen und die baltischen Staaten – benötigen stärkere militärische Unterstützung durch Deutschland, Frankreich und andere zentrale Bündnispartner.

    Fazit: Zeit für Entschlossenheit

    Die NATO kann nur dann glaubwürdig abschrecken, wenn ihre Mitglieder entschlossen und geschlossen agieren. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat gezeigt, dass symbolische Gesten und halbherzige Maßnahmen nicht ausreichen, um einem Aggressor wie Russland die Stirn zu bieten.

    Deutschland muss mehr tun, um seine sicherheitspolitische Glaubwürdigkeit zu stärken. Die Truppenstationierung in Litauen ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch sie darf nicht der einzige bleiben. Investitionen in die Verteidigung, politische Einigkeit und klare rote Linien für mögliche Angriffe sind unerlässlich, um Artikel 5 mit Leben zu füllen.

    Mit Donald Trump im Weißen Haus und einem immer aggressiveren Russland steht Europa vor der größten sicherheitspolitischen Herausforderung seit dem Kalten Krieg. Die NATO kann diese Herausforderung meistern – aber nur, wenn ihre Mitglieder bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Zögerlichkeit, wie sie zu Beginn des Ukraine-Krieges sichtbar wurde, darf sich nicht wiederholen. Der Preis wäre dieses Mal Europa selbst.

    Quelle und mehr Infos ZEIT ONLINE

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    Nato-Bündnisfall: Mythos Artikel 5

    Die Warnungen des BND-Chefs vor einem russischen Austesten der Nato-Beistandspflicht sind wichtig: Bis heute ist unzureichend geklärt, wann und wie Artikel 5 greift.

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    Der russische Imperialismus: Das wiedererwachte Raubtier

    Der russische Imperialismus: Das wiedererwachte Raubtier und die strategischen Konsequenzen für Europa

    Die Vorstellung eines befriedeten Europas, gestützt auf Kooperation und wirtschaftliche Abhängigkeit, war ein Wunschtraum, der sich als gefährlicher Irrtum herausgestellt hat. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat den Kontinent in die Realität zurückgeholt: Der russische Imperialismus, ein schlafendes Raubtier, ist wieder aktiv. Seine Ursprünge liegen tief in der Geschichte eines Reichs, das durch ständige Expansion auf Kosten anderer Staaten gewachsen ist. Jetzt stellt sich die Frage: Wie kann Europa auf diese Bedrohung reagieren, bevor es selbst zerfleischt wird?

    Die historische Natur des russischen Imperialismus

    Die geografische Größe Russlands ist nicht das Ergebnis friedlicher Einigungen, sondern jahrhundertelanger Expansion, Unterwerfung und Integration fremder Gebiete. Von den Khanaten im Osten über Polen bis hin zu den baltischen Staaten war das russische Reich stets ein Eroberer. Der Zerfall der Sowjetunion wurde vielerorts als Ende dieses Expansionsdrangs interpretiert, doch dies war ein Irrtum. Die Pause war taktischer Natur, kein Bruch mit der imperialistischen Tradition.

    Heute zielt Russland darauf ab, seinen Einfluss in den ehemaligen Sowjetstaaten wiederherzustellen und seinen Machtbereich erneut nach Westen auszudehnen. Die Ukraine ist dabei nicht das Endziel, sondern ein Testfall. Wird Russland hier nicht gestoppt, könnten baltische Staaten, Polen oder gar die gesamte NATO-Ordnung gefährdet sein.

    Strategische Herausforderungen und Handlungsoptionen

    Europa steht vor einer klaren strategischen Wahl: Entweder es zeigt Stärke und Geschlossenheit, oder es riskiert die eigene Sicherheit. Ein Raubtier lässt sich nicht durch Zugeständnisse besänftigen; es wird Schwäche nutzen, um zuzuschlagen. Die folgenden Schritte sind daher aus militärstrategischer Perspektive unerlässlich:

    1. Verstärkte Verteidigung der NATO-Ostflanke

    Die NATO muss ihre Truppenpräsenz in den östlichen Mitgliedstaaten weiter ausbauen. Stationierungen von Kampfverbänden, gepanzerten Divisionen und moderner Luftabwehr in Polen, Litauen, Lettland und Estland senden ein klares Signal: Ein Angriff auf einen dieser Staaten wäre ein Angriff auf die gesamte Allianz. Gleichzeitig wird dadurch der Raum für russische Aggressionen verkleinert.

    2. Massive Unterstützung der Ukraine

    Die Ukraine ist aktuell das Schlachtfeld, auf dem Europas Sicherheit verteidigt wird. Der Westen muss der Ukraine langfristig Waffen, Munition und wirtschaftliche Unterstützung bereitstellen, um ihre Fähigkeit zur Selbstverteidigung zu gewährleisten. Dazu gehören moderne Kampfsysteme wie Kampfpanzer, Luftabwehr und Drohnen. Ein militärischer Sieg der Ukraine wäre ein Rückschlag für Russlands imperialistische Ambitionen und würde anderen potenziellen Aggressoren eine klare Botschaft senden.

    3. Energieunabhängigkeit als strategisches Ziel

    Russlands geopolitischer Einfluss basiert zu einem erheblichen Teil auf seiner Kontrolle über Gas- und Öllieferungen. Europa muss diese Abhängigkeit endgültig beenden. Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Diversifizierung der Energieversorgung sind keine bloßen Klimaziele, sondern militärstrategische Notwendigkeiten.

    4. Cyber- und Informationskrieg führen

    Russland setzt nicht nur auf konventionelle Kriegsführung, sondern auch auf hybride Taktiken, um den Westen zu destabilisieren. Cyberangriffe und Desinformationskampagnen gehören zu seinem Arsenal. Der Aufbau robuster digitaler Verteidigungsstrukturen und eine aktive Gegenpropaganda sind entscheidend, um Europas Demokratien vor dieser Bedrohung zu schützen.

    5. Eine Allianz der Entschlossenen formen

    Nicht alle europäischen Staaten teilen die gleiche Bedrohungswahrnehmung. Daher müssen Länder wie Deutschland, Polen, Großbritannien und die USA eine Führungsrolle übernehmen und eine Allianz der Entschlossenen formen, die klare Ziele verfolgt und die Reaktionsfähigkeit stärkt.

    Das Ziel: Den Imperialismus besiegen, nicht einhegen

    Der Westen darf sich keinen Illusionen hingeben: Ein „Einhägen“ Russlands durch wirtschaftliche Abkommen oder Appeasement-Politik wird nicht funktionieren. Ein imperialistischer Staat interpretiert solche Gesten als Schwäche. Die einzige Strategie, die langfristig Erfolg verspricht, ist die klare militärische und wirtschaftliche Zurückweisung seiner Ambitionen.

    Europa muss die historische Lektion beherzigen: Frieden ist nicht billig zu haben. Er muss mit Stärke verteidigt werden. Der russische Imperialismus wird nicht von allein verschwinden – er muss besiegt werden. Das erfordert Opfer, Entschlossenheit und den Willen, nicht vor einem gefährlichen Raubtier zurückzuweichen. Denn wenn wir es nicht aufhalten, wird es uns zerfleischen.

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