Generell war die "Bonner Republik" durch Lager- und Blasenbildung und heftige Wortgefechte geprägt. Man war links oder rechts der #Mitte und stolz drauf, denn "die Mitte" war der Ort der Rückgratlosen, wo sich nur die 5% aufhielten, die ihre Meinung nach der Windrichtung wechselten. Und Emotionalität war spätestens ab dem 7. Dezember 1970 ein Zeichen von Authentizität.
Dann kam die "Berliner Republik", und plötzlich wollten alle "Mitte" sein und mit allen reden und für alles offen sein. Und Politik musste wieder abgehoben sein, neutral und nüchtern scheinen, über den "Pöbel" erhaben wie zu Adenauers Altnaziminister-Zeiten.
Und es dauerte nur ein paar Jahre, da war Faschismus wieder salonfähig.
Fast forward: nach 20 Jahren Mitte-Kult und "bloß niemanden ausgrenzen" ist Faschismus nun auch wieder mehrheitsfähig.
Bubbles und Lagerbildung stärken die Demokratie.
"Maß und Mitte" sind eine Einbahnstraße ins Vierte Reich.
Denn in einer Konsenszwanggesellschaft, in der man tone policed wird wenn man einen Nazi einen Nazi nennt, wird sich die extreme Rechte mit absoluter Sicherheit durchsetzen, da sie den skrupellosesten und vor keiner Lüge zurückschreckenden Teil der Gesellschaft versammelt, und dem Missmut und dem unterdrückten Streit ein Ventil bietet, in dem sich Dissens in der niedersten und zerstörerischsten Form manifestieren kann.
Der Dissens, die Debatte, die Diskussion wurden ersetzt durch den "Diskurs". Aber es ist auch "Diskurs", wenn man sich über die "Klima-Lüge" und "Impfgift" unterhält. #Diskurs hat keinen Anspruch auf Faktizität; es ist ein Austausch subjektiver Meinungen ohne dass diese irgendwie an verifizierbare Fakten gebunden sein müssen. Diskurs ist - in der heute allein geläufigen Definition von Foucault - die Kommunikation in ihrer sozialen, NICHT in ihrer faktenvermuttelnden Funktion.
Diskurs ist die "gefühlte Wahrheit". Diskurs ist das Gift, das diese Gesellschaft von innen heraus zersetzt und zerschwurbelt; Diskurs ist das kommunikative Zyklon-B.