#sprachedermacht #larmoyanz #massstab #widerspruch #logik #fazit | Mirko Lange | 10 comments
Anlässlich der Wahl in Baden-Württemberg zeigt sich ein Muster, das zunächst widersprüchlich erscheint. Die Analyse zeigt aber: Es ist bemerkenswert konsistent.
#SpracheDerMacht
Die Union positioniert sich als konsequent interessengeleitete Partei. Wann immer es Interessen dient, heißt sie mutmaßlich völkerrechtswidrige Angriffskriege gut, will Haftbefehle des IGH nicht umsetzen, betont, nichts von Werten in der Politik zu halten, setzt sich auch über EU-Recht oder Gerichtsurteile hinweg, diffamiert politische Gegner persönlich, kommuniziert nachweisbar stark verzerrend oder wertet ganze Personengruppen pauschal ab. Das sei die "Sprache der Macht", das alles diene der Durchsetzung von Interessen und sei deshalb legitim.
#Larmoyanz?
Andererseits erscheint diese Partei larmoyant, wenn jemand im Wahlkampf, auf ein Zeitdokument hinweist, das 8 Jahre alt ist aber offensichtlich eine relevante Aussagekraft über den Charakter des Ministerpräsidenten-Kandidaten besitzt, vor allem auch deswegen, weil seine Einlassungen zu dem Video die Bedenken nicht wirklich ausgeräumt haben.
#Maßstab
Richtig ist: Es ist fraglich, ob es den allerhöchsten Ansprüchen an Fairness und demokratischen Anstands entspricht, wenn man personenbezogen agiert. Sollte es in einer Demokratie nicht immer nur um die Sache gehen? Auf der anderen Seite geht es in Wahlen auch immer um Personen. Die Parteien machen sie ja selbst oft zum Thema. Und: Wie viel Härte ist in einem Wahl-KAMPF vertretbar?
#Widerspruch?
Man kann sich aber auch fragen, wie man einerseits ethische Grundsätze immer wieder negieren, sie immer wieder als naiv bezeichnen, und die Latte tiefer und tiefer hängen, wenn es den eigenen Interessen dient... und dann allerhöchste Ansprüche einfordern, wenn die eigenen Interessen betroffen sind?
#Logik
Bei einer konsequenten Anwendung des Prinzips "Sprache der Macht", ist das absolut stringent. Hier drei beispielhafte Mechanismen:
1. Lagerlogik
In der Sprache der Macht gilt kein allgemeiner Maßstab, sondern ein gruppenbezogener. Was der eigenen Seite nützt, ist legitime Härte. Was der Gegenseite nützt, ist unanständig. Moral ist hier kein Prinzip, sondern Ressource.
2. Strategische Empörung
In der Sprache der Macht ist Empörung ein politisches Instrument. Wer einen Angriff als unfair markiert, versucht keine ethische Debatte zu führen, sondern die Legitimität des Angriffs zu delegitimieren und die Deutungshoheit zu gewinnen. „Schmutzkampagne“ ist dann ein Kampfbegriff, kein Moralurteil.
3. Opfer-Narrative
In der Sprache der Macht mobilisiert es Unterstützer stärker, sich als unfair Behandelter darzustellen, als das Eingeständnis eines harten, aber legitimen Angriffs. Opferrollen erzeugen Solidarität und moralische Aufladung.
#Fazit
Der scheinbare Widerspruch ist keiner. Er entsteht nur, wenn man von einem universalistischen Moralverständnis ausgeht. Wer Politik jedoch als Machtarena begreift, nutzt Moral selektiv als Waffe, nicht als Maßstab. Das ist absolut konsequent. | 10 comments on LinkedIn