Wer und was asozial ist

Meine persönliche Begriffsklärung aus Anlass der angeblich besinnlichen Tage

Im abgelaufenen Jahr haben Extradienst-Leser*innen auf den faschistischen Gebrauch des Wortes “Asozial(e)” hingewiesen. Meine Nutzung des Wortes hat – insbesondere wenn mann und frau sich um eine minimal materialistische Sichtweise bemüht – eine entgegengesetzte Bedeutung. Zunächst Zustimmung zu Klaus Walter. Ein kluger Kerl, für mich so eine Art individuelles popkulturelles Leitmedium. In der taz schreibt er das:

Sprache im Wandel: Anglizismen – Modern Talking – Dead End – Die deutsche Sprache verändert sich so schnell, dass nicht alle Schritt halten. Die Entwicklung zu bremsen, wäre trotzdem keine sehr gute Lösung.”

Nur bei seiner sprachpolitischen Denunziation des Begriffs “asoziale Medien” als konservativ gehe ich nicht mit. Dieser beschreibt nicht nur, was innerhalb dieser Medien vor sich geht. Das betrifft selbstverständlich nur Teile ihrer Inhalte. Andere Teile sind nützlich, demokratisch und politisch fortschrittlich. Das ist nicht zu bestreiten, wie ich ebenfalls politische Kräfte nicht denunzieren will, die diese Medien zu nutzen versuchen. Wissenschaftlich seriöse Untersuchungen, welche Inhalte seriös und welche asozial sind, sind mir nicht bekannt. Das ist auch objektiv nicht wirklich quantifizierbar. Ihre pure Exitenz ist jedoch evident, und kaum ernsthaft bestritten.

Ebenso unbestritten ist, dass sich die Kapitaleigner*innen der entsprechenden Plattformen, in der deutschen Medienpolitik als “Intermediäre” beschönigt, einen schlanken Fuss machen, was Verantwortung für Inhalte und ihre kostspielige (!) Moderation durch echte Menschen betrifft. Was ich hier im Extradienst persönlich mache, das machen die einfach nicht. Und wollen es auch nicht bezahlen. Stattdessen stehlen sie die Datenmassen ihrer Nutzer*innen in einem Ausmass, das im Vergleich die Bankräuber*innen unserer Tage wie Amateur*innen und barmherzige Humanist*inn*en aussehen lässt. Das ist der materialistische Kern dieser asozialen Oligarchen-Netzwerke, und zwar egal, ob sie kalifornisch, chinesisch, russisch oder eines Tages deutsch sind.

Obszön daran ist nicht nur der Transparenzmangel und die Klandestinität des Geschäftsmodells. Obszön ist das ganze Prinzip. Es basiert auf der Umwandlung von öffentlichem in privates Grosskapital, und, wie jedes banal-kriminelle Wettbüro, auf der Umverteilung von Vielen auf wenige Superreiche. Real existierender Kapitalismus ist asozial. Im Gegensatz zu jenen Menschenmassen, die er ausbeuten lässt.

Ich bin empfindlich, wenn rechte Schnösel an meine sparsame Rente wollen. Aber ich kann in Beuel gut damit leben, weil mir meine Wohnung gehört. Wenn alle Wohnungen in Gemeineigentum überführt würden, wäre ich der Letzte, der sich dagegen wehrt. Aber dann alle, mit anschliessender gerechter Verteilung von Wohnraum – an alle. Meine Wohnfläche würde sich verkleinern, aber dann wäre ich einverstanden. Welche Partei fängt damit an?

Wohin es unter den herrschenden ökonomischen Bedingungen führt? Fragen Sie (befreundete) Türk*inn*en in Ihrer Umgebung. Nur glauben Sie nicht das Märchen, dass die alle Erdogan wählen. Tun sie nicht. Entsprechende Untersuchungen beziehen sich lediglich auf die Wählenden (Wahlbeteiligung?), und auch nur unter denen, die noch türkisches Wahlrecht haben. Fast alle aber haben Verwandte, von wo Jürgen Gottschlich und Wolf Wittenfeld (beide taz) berichten:

Sozialpolitik in Istanbul: Küche für alle – Die Kent Lokantası sind günstig und gut. Die Stadtteilkantinen sind zudem mitverantwortlich für die Popularität von Istanbuls Bürgermeister İmamoğlu.”

Armut in der Türkei: Teures Silvesterfest – In der Türkei wird der letzte Tag des Jahres als ‘Yılbaşı’ groß gefeiert. Doch Nahrungsmittel, Deko und Co kosten im Vorjahresvergleich das Dreifache.”

Da hat mir mein karges Mittagsmeü – Pellkartoffeln mit Fisch, Käse, Weisswein” – in Beuel, ganz ohne frische Brötchen (alles zu), gleich doppelt so gut geschmeckt. Mein Glück als Infarktüberlebender, Leben 2.0, ist schwer zu fassen.

Es gibt auch gute Nachrichten am ersten Tag des Jahres

Die Aufrüstung geht nicht voran. weil die herrschenden Klassen sich zu doof anstellen.

Und seine Vereidigung wird heute gross gefeiert. Er kommt auf den Feuerstuhl einer hochkorrupten Stadtverwaltung. Wie weit wird ihm das Regieren gelingen? Besser als Katja Dörner? Kaum zu glauben. Aber zu hoffen. Und sehr, sehr viele müssen dafür arbeiten, solidarisch arbeiten. Ist das noch möglich? Ich weiss es nicht.

Wer und was asozial ist – Beueler-Extradienst

#KlausWalter @WDR3Ex&Pop:
#Karibritpop Greentea Peng meets Nia Archives

Greentea Peng und Nia Archives machen modernen Britpop. Pop aus einem postkolonialen, karibritischen Großbritannien, in dem die Musiken aus ehemaligen Kolonien selbstverständlich präsent sind.

#London #TripHop #Reggae #Jungle #MyRiddims

https://www.ardaudiothek.de/episode/wdr-3-ex-und-pop/karibritpop-greentea-peng-meets-nia-archives/wdr-3/14365945/

Podcast: Karibritpop: Greentea Peng meets Nia Archives

Greentea Peng und Nia Archives machen modernen Britpop. Pop aus einem postkolonialen, karibritischen Großbritannien, in dem die Musiken aus ehemaligen Kolonien selbstverständlich präsent sind. Greentea Peng - Bali Skit Part 1 (2m 3s) +++ Greentea Peng - Tardis (Hardest) (4m 33s) +++ The Timelords - Doctorin' The Tardis (2m 38s) +++ Greentea Peng - Stones Throw (3m 33s) +++ Greentea Peng - Ghost Town (3m 33s) +++ The Specials - Ghost Town (6m 0s) +++ Nia Archives - Crowded Roomz (2m 52s) +++ Nia Archives - 18 and Over (3m 38s) +++ Nia Archives - Ode to Maya Angelou (2m 28s) +++ James Brown - Funky Drummer (3m 0s) +++ Greentea Peng - The End (Peace) (3m 38s) +++ Greentea Peng - Create and Destroy (4m 33s) +++ Greentea Peng - Bali Skit Part 2 (2m 11s)

ARD Audiothek

Radio: noch zu retten? (2)

Weil mir das lokal empfangbare Radio außer Nachrichten nicht mehr viel zu bieten hatte, ich aber immer noch gerne moderierte Sendungen mit aktueller Musik mag, bin ich vor ~15 Jahren auf Internet-Radio umgeschwenkt. FM4 aus Österreich höre ich genauso gern wie die im Artikel angesprochenen Sendungen von #KlausWalter (den ich noch vom HR kenne & schätze) / #DiviamHoffmann auf ByteFM / WDR.
Eigentlich kann der HR den Laden dicht machen. Wäre ein ehrlicher Schnitt.

Wir sollten alle viel regelmäßiger (gutes) #radio hören. Wir sollten alle viel regelmäßiger #ByteFM hören.

Ich höre gerade das aktuelle @tazgetroete Mixtape von #KlausWalter und freue mich jetzt schon wie Bolle, dass eine meiner alltime Lieblingsbands #KlezE darin vorkommt. (Der Film über #Hipgnosis glaube ich auch)

https://www.byte.fm/sendungen/tazmixtape/2024-03-22/17/kleze-jessica-ekomane-blue-note-don-was-techno-une/

taz.mixtape - Klez.e, Jessica Ekomane, Blue Note & Don Was, Techno Unesco, Kneecap, Hipgnosis, Brennan Wedl

German Gothic. Die Band Klez.e ist schon insofern sehr interessant, weil ihre Musik sich auf latent…

ByteFM

#NowPlaying 📻

Gestern, am #Weltradiotag, sendete #KlausWalter bei seiner Sendung #ExUndPop auf #WDR3 ein Loblied auf die #Tuba. Nicht gerade ein häufig vorkommendes Instrument im #Pop-Kosmos. Ein sehr interessantes Thema, finde ich!

https://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-open-ex-und-pop/lob-der-tuba-100.html

Lob der Tuba

Keine Angst vor Bierzeltmusikanten. Schwere Blasinstrumente (sieben bis neun Kilo) gegen falsche Vorurteile verteidigt von Micha und Markus Acher (The Notwist, Hochzeitskapelle) auf der Jamaika-Bayern-Japan-Achse.

Britischer Pop und BDS – Die Wichtigkeit, auf der „richtigen Seite“ zu stehen

Viele britische Pop-Größen unterstützen die Israel-Boykottbewegung BDS – Spurensuche nach den Wurzeln einer strammen linken Tradition, der sich selbst queere Musiker und Musikerinnen anschließen.

Das Beste von gestern

Gelegentlich habe ich die Boulevardisierung der Frankfurter Rundschau (FR) durch die Ippen-Gruppe gegeißelt. Davon nehme ich auch nichts zurück. Doch gelegentlich sind noch publizistische Perlen zu entdecken. Johannes Varwick ist so eine sichere Nummer, ein Friedensforscher, der Widerworte und Stigmatisierung nicht scheut, weil er sich seiner Vernunft sicher sein kann. […]

https://extradienst.net/2023/08/05/das-beste-von-gestern/

Das Beste von gestern

Gelegentlich habe ich die Boulevardisierung der Frankfurter Rundschau (FR) durch die Ippen-Gruppe gegeißelt. Davon nehme ich auch nichts zurück. Doch gelegentlich sind noch publizistische Perlen zu entdecken.

Beueler-Extradienst

#SlyStone wird heute 80. Glückwunsch!

#KlausWalter hat in der @FR einige Punkte zur musikgeschichtlichen Bedeutung von Stone und seiner Patchwork Family notiert.

(Die @FR hat auf der Webseite leider vergessen, den Namen des Autors zu erwähnen.)

https://www.fr.de/kultur/musik/sly-stone-hoeher-heisser-weiter-92145220.html

Sly Stone: Höher, heißer, weiter

Zum achtzigsten Geburtstag von Sly Stone, der mit seiner Band die Sechziger aufmischte.

#KlausWalter gendert *Freiheit* im Pop. Das macht er wie immer gekonnt — allerdings lässt mich der Text grübelnd mit der Frage zurück: Muss wirklich jede schmerzhafte Geschichte immer wieder erzählt werden?

https://www.fr.de/kultur/musik/wo-immer-er-seinen-hut-hinlegt-92073763.html

Sexismus in der Popmusik: Wo immer er seinen Hut hinlegt

Freiheit in der Musik ist vor allem die Freiheit des Mannes.