Die Neustadter Reichsbürger von Freieinig

Kristian Buchnas Rede über die enge Verbindung von Freieinig mit der Reichsbürgerszene

Am 27.5.2025 fand im großen Saal des Hambacher Schlosses eine Sitzung des Neustadter Stadtrats statt. Anlass war der 193. Jahrestag des Hambacher Festes von 1832. Bereits im letzten Jahr hatte der Neustadter Stadtrat an diesem Datum auf dem Schloss getagt, und es sieht fast so aus als könnte daraus eine gute Tradition werden: Die Stadt muss sich in Zeiten, in denen das Hambacher Schloss von Feinden der Demokratie anhaltend instrumentalisiert wird, solidarisch an die Seite des Hambacher Schlosses und seiner Stiftung stellen, um ihrem Anspruch eine „Demokratiestadt“ zu sein, gerecht zu werden.

Neben den erwartbaren Tagesordnungspunkten einer Stadtratssitzung (Flächennutzungsplan, Wirtschaftsförderung, Ehrung verdienter Bürger) war das Highlight dieser Sitzung der gut halbstündige Vortrag von Kristian Buchna. Mehrfach von Applaus der deutlichen Mehrheit des Stadtrats unterbrochen und mit „Standing Ovations“ am Ende beklatscht, erläuterte der kürzlich zum wissenschaftlichen Geschäftsführer der Stiftung Hambacher Schloss ernannte Buchna im Detail die enge Beziehung von führenden Personen der Neustadter Gruppe „Freieinig“ mit der Reichsbürgerszene. Freieinig ruft am Pfingstwochenende erneut ihre „Freunde“ aus der ganzen Bundesrepublik nach Neustadt und auf das Hambacher Schloss.

Die Stadtratssitzung ist bei YouTube dokumentiert. Buchnas Vortrag beginnt etwa bei 1:52:00 zunächst zur (Weiter-)Entwicklung des Demokratieorts Hambacher Schloss. Ab etwa 2:11:00 folgt dann der Teil zur Reichsbürgerszene und Freieinig.

Anschauen unbedingt empfehlenswert!

Auf Basis dieser Videoaufnahmen werden wir im Folgenden einige zentrale Passagen und Aussagen aus Kristian Buchnas Vortrag zusammenfassen.

Kristian Buchnas Vortrag am 27.5.2025 bei der Stadtratssitzung

Buchna begann seinen Vortrag mit der Feststellung, dass das Hambacher Schloss kein wertfreier Ort sei. Die freiheitlich demokratische Grundordnung sei das Fundament des Handelns der Stiftung und Bezugspunkt ihrer Vermittlungsarbeit.

„Wenn wir feststellen, dass sich von gewissen Personengruppen, die sich auf unserem Gelände versammeln, dieses Fundament und seine grundlegenden Werte systematisch attackiert werden mit dem Ziel, eine grundsätzlich andere Ordnung zu etablieren, dann sehen wir uns verpflichtet, zum einen darüber zu informieren und zum anderen mit allem Nachdruck zu widersprechen.“

Kristian Buchna bei seiner Rede am 27.5.2025

Buchna bezog sich mit dem Begriff „Reichsbürger“ nicht auf die kürzlich als kriminelle Vereinigung aufgeflogene Gruppe um den selbst ernannten „König von Deutschland“ Peter Fitzek. Ihm geht es um die Reichsbürgerbewegung, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland bestreitet, ihre Gesetze und Organe nicht anerkannt und zurück zum Deutschen Kaiserreich von 1871 mit seinen 25+1 Gebietskörperschaften (=Fürstentümer) will.

Buchna zitiert aus einer Rede, die bei einer der „Staatsvolktreffen“ im Heilbad Heiligenstadt im April 2025 gehalten wurde:

„Diese BRD ist nicht unser Deutschland. Diese BRD war und ist kein souveräner Staat. Diese BRD ist ein Verwaltungskonstrukt in einem militärisch besetzen Land, fremdbestimmt und ohne Verfassung. Die politischen Akteure an den Schalthebeln dieser BRD sind Marionetten globaler Machtstrukturen.“

Buchna hat auf den Treffen dieser Szene in Dresden, Schwerin, Magdeburg, Gera, München und Heilbad Heiligenstadt, die per Video umfassend dokumentiert werden, jeweils Personen identifiziert, die auch bei den von Freieinig durchgeführten Versammlungen auf dem Hambacher Schloss Präsenz gezeigt haben.

Wilhelm I. in Uniform mit Orden, Porträtfoto von Wilhelm Kuntzemüller (1884)

Wer sich aber für ein Wiederaufleben des deutschen Kaiserreichs in den Grenzen und mit der Verfassung von 1871 einsetze, spreche sich, so Buchna, für einen militärisch geprägten Obrigkeitsstaat mit einem Kaiser an der Spitze, für eine Verfassung ohne verbriefte Grundrechte und für ein Wahlrecht für Männer ab 25 Jahren aus. Man möchte ergänzen: Wer sich für das Wilhelminische Kaiserreich ausspricht, will einen Staat, in dem die Sozialdemokratie verboten, ein menschenmordendes Kolonialreich errichtet wurde und der eine maßgebliche Mitschuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte, den er mit brutalsten Mitteln führte.

Buchna ergänzte, dass die heutigen Verächter unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung die Versammlungsfreiheit für sich in Anspruch nehmen, wofür die Hambacher 1832 eingetreten sind. Ihre Forderung nach einer Abschaffung der Demokratie zugunsten einer obrigkeitsstaatlichen Monarchie sei die völlige Umkehrung des Geistes von Hambach 1832.

Die Fahnen und Zeichen der Reichsbürgerszene prägten bei den Freieinig-Treffen nicht nur optisch das Bild, sondern auch inhaltlich. So erwähnt Buchna eine Rede bei einer der Versammlungen auf dem Schlossgelände (5.4.2025), in der das Wort „demos“ mit „Abschaum“ übersetzt wurde, die „Demokratie“ also eine „Herrschaft des Abschaums“ sei. Wie bei anderen dieser kruden Thesen, etwa wenn Markus Krall von der „Herrschaft der Minderwertigen“ sprach, wird nachgeplappert, was Rechtsnationalisten und Nationalsozialisten bereits vor Jahrzehnten verkündeten. Die Verunglimpfung der Demokratie als „Herrschaft des Abschaums“ stammt von Wilhelm Landig, einem überzeugten Nationalsozialisten, Mitglied der SS seit 1933 und Autor der „Thule-Trilogie“, ein Standardwerk des esoterischen Neonationalismus.

Und der Weg ist nicht weit von der Ablehnung der Demokratie und der Sehnsucht nach dem Kaiserreich von 1871 zu Verschwörungserzählungen und Antisemitismus. Buchna zitiert den Redner vom 5.4. weiter:

„Diese Zionisten, also unsere ganzen Politik-Marionetten …, das sind eigentlich nur Schauspieler, aber im Hintergrund die wichtigen Leute, die das wirklich organisiert haben, ja das sind die Zionisten. Die Zionisten haben es damals enorm unterstützt, dass die Nazis überhaupt so weit gekommen sind. Also dementsprechend sollte man mal wieder darüber nachdenken, wer wirklich diese bösartigen Schattenorganisationen und Regierungen sind. Es sind Zionisten und der tiefe Staat. Und da dürfen wir uns auch nicht einschüchtern lassen von irgendwelchen Vorwürfen wegen Antisemitismus, weil es muss halt trotzdem ausgesprochen werden.“

Wolfgang Burkard auf der Freieinig-Versammlung am 5.4.2025 auf dem Gelände des Hambacher Schlosses

Reichsbürger Wolfgang Burkard am 5.4.2025 bei einer Versammlung von Freieinig auf dem Gelände des Hambacher Schlosses. Auch wenn man an bei Burkards Verkleidung an Fassnacht denken mag, es ist ernst gemeint (Screenshot).

Ähnliche Verschwörungserzählungen hatte auch schon Wolfgang Kochanek verbreitet, etwa bei einer Rede in Landau am 19.2.2022. Kochanek hatte seine „Weißen“ 2022 und 2023 auf’s Schloss geführt, sich dann aber zurückgezogen. Seine großsprecherisch angekündigten Beteiligungen an kommunal und Bundestagswahlen sind alle gescheitert.

Eine Distanzierung von solch „zutiefst antisemitistischen Verschwörungstheorien“ gibt es bei den TeilnehmerInnen und Teilnehmern nicht, so Buchna weiter. Vielmehr zustimmende Rufe und Applaus und, es ist kaum zu fassen, was die Moderatorin der Versammlung am Ende der Rede dieses Reichsbürgers, Verschwörungserzählers und Antisemiten sagt:

„Du bist der authentischste Streiter in unserer Mitte. Jeder von uns bewundert dich. Wir tun alles für dich. Mit dem was du uns zu geben hast, bist du hier an der richtigen Stelle.“

Loblied auf die antisemitische und verschwörungserzählende Rede durch die Moderatorin der Freieinig-Versammlung am 5.4.2025 auf dem Schlossgelände. Man möchte fast ergänzen: „Führer, wir folgen dir“.

Buchna bringt dieses Verhalten auf den Begriff, wenn er von einem „eisernen Grundsatz der Nichtdistanzierung“ in diesen Milieus spricht. Bei allen Unterschieden im Detail, „solange es gegen die politische Ordnung der Bundesrepublik geht, kann keine Meinung zu radikal, keine Verschwörungstheorie zu abwegig sein. Denn es gehört ja zur Überzeugung jener Gruppierungen, dass wir in einer ‚Parteien-‘, Verwaltungs-‘ und Ökodiktatur‘… leben,“ so Buchna vor dem Stadtrat am 27.5.2025.

Beim Reichsbürgertreffen am 12.4.2025 im Heilbad Heiligenstadt. Es trommeln Wolfgang Burkard und Karl-Friedrich Rothe, Sprecher für Freieinig. (Screenshot)

Eine Distanzierung von der Reichsbürgerszene durch Freieinig ist auch deshalb nicht zu erwarten, da maßgebliche Mitglieder von Freieinig sich selbst an den bundesweiten Reichsbürgertreffen beteiligen und dort mit dem Lorscher Landsknechtstrommler, Wolfgang Burkard, die Trommeln schlagen. So gesehen in den Videos beim „Staatsvolktreffen“ im Heilbad Heiligenstadt im April 2025. Auch dies hat Kristian Buchna durch seine umfangreiche Recherche aufgedeckt.

„Wer wissentlich und willentlich an der Seite mit Reichsbürgern, Rechtsextremisten und radikalen Verschwörungstheoretikern marschiert, der darf nicht erwarten, dass man den gebetsmühlenartig vorgetragenen Beteuerungen Glauben schenkt, es gehe jener Bewegung eigentlich um Demokratie, Liebe, Frieden und Wahrheit.“

Kristian Buchna in seiner Rede bei der Stadtratssitzung auf dem Hambacher Schloss

Das neue Logo von Freieinig mit umgedrehter Deutschlandfahne auf dem Turm des Hambacher Schlosses

Man muss genau hinschauen, und das macht der gelernte Historiker Buchna, um zu erkennen, dass das jetzt beim Deutschen Patent- und Markenamt registrierte Logo von Freieinig eine kleine, aber vielsagende Änderung erfahren hat. Die Fahne, die auf dem Turm des Hambacher Schlosses weht, ist nicht mehr die Fahne der Hambacher von 1832, Schwarz-Rot-Gold, sondern die Farben sind umgedreht: Gold-Rot-Schwarz. Diese Farbfolge ist das in der Rechtsaußenszene weit verbreitete Zeichen für die Verachtung und Bekämpfung der Bundesrepublik Deutschland.

Buchna erwähnt auch die abscheuliche Gedenkversammlung für die verstorbene, mehrfach verurteilte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck am 7.12.2024 in Wiesloch. Teilnehmer, wie man einigen Videos entnehmen kann, die Freieinig-Sprecher Karl-Friedrich Rothe und Stephanie Mahl. Der Hambach-Blog berichtete bereits darüber.

Buchna beschließt seinen Vortrag mit einer optimistischen Einschätzung: Er habe über eine lautstarke, aber auch sehr kleine Minderheit gesprochen, deren Angehörige zum Teil aus anderen Bundesländern anreisten. Der Versuch der Vereinnahmung des Hambacher Schlosses könne allein schon deshalb nicht gelingen, so Buchna weiter, weil die übergroße Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hier in Neustadt und weit darüber hinaus wisse, für welche positiven freiheitlichen, demokratischen Werte dieser Ort stehe und eben nicht für die Sehnsucht nach einer Monarchie.

Es wäre schön, wenn es so wäre. Wir hoffen, dass diese „Mehrheit“ bei den Veranstaltungen des Solidarischen Frühlings bis Pfingstsonntag diese Haltung gegen die Demokratiefeinde in Neustadt und Hambach zum Ausdruck bringt. Dazu gibt es noch die folgenden Gelegenheiten:

Mittwoch, 4.6.2025, 19:30 Roxy-Kino: Antifa – Schulter an Schulter, wo der Staat versagte

Freitag, 6.6.2025, ab 16:00-20:00, Marktplatzkonzert mit THE BUSTERS sowie Diskussionsbeiträge von Prof. Markus Linden, Musikern der BUSTERS und den beiden OB-Kandidaten Neustadts Steffi Karbach und Marc Weigel.

Samstag, 7.6.2025, ab 10:00-17:00, Kartoffelmarkt Neustadt, Mahnwache und Infostand der Omas gegen Rechts, Friedensinitiative, Regionales Bündnis gegen Rechts.

Sonntag, 8.6.2025, 11:00-13:00, Platz vor dem alten Rathaus in Hambach: Demokratie:Fest! Abschlussversammlung zum „Solidarischen Frühling – Neustadt ‘25“.

Nachtrag OB Weigel

Nach Buchnas Rede bedankte sich Oberbürgermeister Marc Weigel bei Kristian Buchna für die spannende Einblicke „in das was sich auf dem Schloss in den letzten Monaten getan hat und weiterhin tut“. Irritierend sind die Aussagen Weigels, der auch Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl am 15.6. ist, wenn er in diesem Zusammenhang äußert, dass man vielleicht zu einer früheren Zeit über das eine oder andere geschmunzelt hätte, und es abgetan hätte als irgendwie nicht ganz ernstzunehmenden Spaß oder Witz. „Und mittlerweile wissen wir, dass es bitterer Ernst ist.“ Nein, dass es „bitterer Ernst“ ist, was sich da seit Jahren auf dem Hambacher Schloss versammelt, hätte der Herr Oberbürgermeister schon früher wissen können. Er hätte nur zuhören müssen, was u.a. in Gesprächen zwischen ihm und VertreterInnen des Regionalen Bündnisses vorgetragen wurde, oder wenn er gelesen hätte, was u.a. der Freundeskreis Hambacher Fest 1832 ihm schon vor Jahren schriftlich hat zukommen lassen und was auf dem Hambach-Blog immer wieder nachzulesen war.

Wie hat doch Kristin Buchna seine Rede begonnen?

„Wenn wir feststellen, dass sich von gewissen Personengruppen, die sich auf unserem Gelände versammeln, dieses Fundament und seine grundlegenden Werte systematisch attackiert werden mit dem Ziel, eine grundsätzlich andere Ordnung zu etablieren, dann sehen wir uns verpflichtet, zum einen darüber zu informieren und zum anderen mit allem Nachdruck zu widersprechen.“

Kristian Buchna

Informieren und Widersprechen! Das hätte man sich vom OB der selbsternannten „Demokratiestadt“ Neustadt schon lange gewünscht.

Mögliche Änderungen oder Ergänzungen am Programm des Solidarischen Frühlings auf dem Hambach-Blog https://hambacherfest1832.blog/

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Aktuelle Beiträge auf dem Hambach-Blog

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Reichsbürger, Russlandfreunde, Holocaustleugner

Schon lange gibt es Versuche von rechts, die Bezugnahme auf das Hambacher Fest von 1832 zu instrumentalisieren. Auch dieses Jahr organisiert die Neustadter Gruppe Freieinig wieder ein „Initiativen-Treffen“ am Pfingstsamstag in der Innenstadt von Neustadt und an Pfingstsonntag ein vermutlich wie immer mit Trommeln begleiteter Marsch auf das Hambacher Schloss. Was sind das für Leute und warum ist es richtig und wichtig politisch gegen sie aufzutreten?

In ihrer Eigenbeschreibung geben sie sich harmlos. „Wir sind eine friedliche und parteiunabhängige Zusammenkunft von Menschen. Jede Form von gewaltbereiter, extremistischer Links- oder Rechtsradikalität lehnen wir ab.“ Daran sind mehr als Zweifel angebracht. Drei Beispiele:

Offen für das Kungeln mit Reichsbürgern

„Reichsbürger“ lehnen das Grundgesetz und die staatlichen Institutionen der Bundesrepublik ab. Bei Versammlungen von Freieinig und deren Vorgängern waren immer wieder die Fahne des Kaiserreichs (Schwarz-Weiß-Rot) oder die Fahnen von längst verschwundenen Fürstentümern zu sehen. Regelmäßig führte der Reichsbürger Wolfgang Burkard aus Lorsch bei den Aktionen von Freieinig die Trommlergruppe an. Burkard behauptet etwa, dass das Grundgesetz ein Besatzungsstatut sei und Deutschland von „Menschenrechtsverbrechern“ regiert würde. Am 13.8.2023 forderte er auf dem Hambacher Schlossgelände Bundeswehr und Polizei auf, die Befehle zu verweigern, ihren Eid auf die Verfassung zu brechen.

In der aktuellen Diskussion um ein AfD-Verbot, wird oft darauf abgehoben, dass das Grundgesetz nicht Ideen und Überzeugungen sanktioniere. Es müsse eine „aktiv kämpferische Haltung“ eingenommen werden (etwa Christian Rath in der taz vom 19.5.2025). Die Aufforderung an die Sicherheitskräfte die Befehle zu verweigern, würde vermutlich als eine solche „aktiv kämpferische Haltung“ von Gerichten bewertet. Nun ist der Obertrommler aus Lorsch keine Partei, die es zu verbieten gilt. Ihn aber als „aktiv kämpferischen“ Feind des Grundgesetzes und unserer Demokratie zu bezeichnen, ist gut begründet.

Wo Burkard die Trommel schlägt, da sind auch die Leute von Freieinig mit dabei.

Ob er zur Gruppe Freieinig gehört, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass er regelmäßig auf Versammlungen und Märschen von Freieinig die Trommel schlägt. Und Freieinig selbst, angeblich die Verteidiger des Grundgesetzes, lässt keinerlei Distanzierung zu Reichsbürgern wie Wolfgang Burkard erkennen. Es ist vielmehr so: Wo Burkard die Trommel schlägt, da sind auch die Leute von Freieinig mit dabei.

Immerwährende deutsch-russische Freundschaft – ein Segen für den Frieden in Europa?

Am 19.10.2024 zogen Freieinig und Freunde wieder einmal auf das Hambacher Schloss. Es sollte um Frieden gehen. Gepriesen wurde die deutsch-russische Freundschaft. Wenn Deutschland und Russland Freunde seien, so gehe es Europa gut, habe Bismarck gesagt.

Dazu fällt Karl-Friedrich R., einer der Sprecher von Freieinig, die Völkerschlacht bei Leipzig von 1813 ein. „Deutschland“ habe dort gemeinsam mit Russland siegreich gegen Napoleon „für die Freiheit“ gekämpft. Nur am Rande sei richtiggestellt: Es war nicht Deutschland, das an der Seite Russland stand, sondern Preußen. Aber für die Freiheit?

Das Ergebnis dieser großen europäischen Kriege des frühen 19. Jahrhunderts war die Restauration der Fürsten-, Königs-, Kaiser- und Zarenherrschaft und die verschärfte Unterdrückung nationaler, liberaler und demokratischer Kräfte. Dagegen hatten sich 1832 die TeilnehmerInnen am Hambacher Fest aufgelehnt. Man sieht daran wie verlogen und geschichtsklitternd die Bezugnahme von Freieinig auf das Hambacher Fest von 1832 ist.

„Wonder how long the honeymoon will last?“. Clifford BerrymanThe Washington Star. 1939 (Public Domain)

Und zählt Freieinig zur „deutsch-russischen Freundschaft“ auch den Hitler-Stalin-Pakt von 1939? In der Folge dieser „Freundschaft“ wurde Polen zwischen der Sowjetunion und Nazi-Deutschland aufgeteilt. Kein Segen für den Frieden in Europa!

Dass man sich mit verqueren Ansichten auf die Geschichte bezieht, aber zum aktuellen Krieg Russlands gegen die Ukraine auf einer „Friedensdemo“ am 19.10.2024 kein Wort verliert, ist bezeichnend.

Teilnahme an einer Gedenkfeier für eine Holocaustleugnerin

Am 20.11.2024 fand in Wiesloch eine Gedenkfeier für die tags zuvor verstorbene, mehrfach verurteilte und mit Gefängnis bestrafte Rechtsextremistin und Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck statt. Sie behauptete u.a. der Volksverhetzungsparagraf im Strafgesetzbuch sei ein „Gesetz zum Schutz einer Lüge“ oder im Vernichtungslager Auschwitz habe es keine Massenvernichtung von Menschen gegeben (ARD 26.6.2024, weitere Äußerungen von Ursula Haverbeck im Urteil des Landgerichts Detmold vom 28.11.20217 Ns-21 Js 814/16-44/17).

Der Redner in Wiesloch hielt Haverbeck „für die mutigste deutsche Frau“, die er je kennen gelernt habe. Dieses Land brauche Leute wie Haverbeck. „Da wo du aufgehört hast, werden wir weitermachen.“ (https://www.youtube.com/watch?v=TpbPgtYdVEY, https://www.youtube.com/watch?v=54cTQZy8WfY)

An dieser Gedenkfeier für eine Holocaustleugnerin nahmen Stephanie M. und Karl-Friedrich R., Sprecherin und Sprecher der Neustadter Gruppe „Freieinig“, teil. Wie hieß es in der Selbstbeschreibung von Freieinig: Wir lehnen jede Form extremistischer Rechtsradikalität ab. Kein Wort sollte man nach diesem Tabubruch Stephanie M., Karl-Friedrich R. und Co. glauben.

Kristian Buchna in einem Interview zu den rechtsoffenen Versammlungen am Hambacher Schloss von Freieinig und Co.

Buchna: Sie „stilisieren sich unter Berufung auf 1832 zu Verfolgten und Opfern einer ‚Diktatur‘, um ihren Protest als eine historisch legitimierte Widerstandshandlung aufzuwerten. Zugleich verbreiten sie Verschwörungstheorien, um die politische Ordnung sowie ihre Institutionen und Akteure zu delegitimieren.

DÜW-Journal: Welches Muster erkennen Sie bei jenen Versammlungen, die seit Juli vergangenen Jahres alle 14 Tage durch Hambach hinauf zum Schloss ziehen?

Buchna: … Die Mehrheit sieht sich … als Widerstandsbewegung, die sich – ich zitiere jeweils führende Köpfe – im ‚Krieg‘ gegen eine ‚Parteiendiktatur‘ befinde. In verschwörungstheoretischer Manier wird behauptet, dass die deutsche Bevölkerung von einem ‚mächtigen, global vernetzten Feind‘ mit einem ‚perfiden Plan‘ angegriffen werde; die Bundesregierung betreibe mittels Fernsehfrequenzen eine ‚psychoelektronische Kriegsführung‘ und ihre Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie werden als ‚Völkermord‘ bezeichnet.

DÜW-Journal: Lässt sich jene Gruppierung politisch verorten?

Buchna: Mit althergebrachten Etiketten kommt man nicht weit. Auffällig ist allerdings, dass es keinerlei Distanzierung von radikal antidemokratischen Personen, Positionen und Symbolen gibt.“

Interview mit Kristian Buchna (Stiftung Hambacher Schloss) in: DÜW Journal Ausgabe 1/2024 Februar/März, S. 19).

Ulrich Riehm, Freundeskreis Hambacher Fest 1832

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Noch wenige Tage vor dem 28.5. hatte der Initiator der „Giga-Demo“ in Weiß, Dr. Wolfgang Kochanek, von 10.000 bis 11.000 „Anmeldungen“ getönt und weiterhin verbreitet, dass 30.000 und mehr, er spra…

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