2579. Depesche
"Ein deutscher Medienunternehmer hat in seinem Nebenjob als Kulturstaatsminister drei Buchläden in der Republik von der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises ausgeschlossen, weil ihm der Verfassungsschutz irgendwas mit „links“ geflüstert hat. Und so stellt sich zunächst einmal die Frage, womit dieser Typ in aller Regel seine Zeit totschlägt. Ich meine die Arbeitszeit, die ja von vielen Menschen angeblich nicht so selbstausbeuterisch verbracht wird, wie es sich ein in der Welt herumfliegender Vollzeitkanzler aus dem Sauerland wünscht.
Ganz sicher kommt die deutsche Wirtschaft besser in Schwung, wenn der Kulturkampfminister zur Verbesserung des sozialen Klimas und der Leistungssteigerung nächstes Mal nicht nur drei, sondern ein Dutzend linker Läden auf seinen Index setzt. Das sichert Arbeitsplätze beim Verfassungsschutz, stärkt das lupenreine demokratische Bewusstsein der Autoritären – und obendrein versteht der staatsministerielle Heftchen-Herausgeber („ #Cicero “) etwas von Marketing: Seine Preis-Zensur bringt bedrohten Buchläden unverhofft viel solidarische Kundschaft. Ich habe mit den Betroffenen in Berlin, Göttingen und Bremen telefoniert: Sie werden, sagte mir eine Buchhändlerin, von Anfragen zum Thema „überrollt“."
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