Geschlechtsunterschiede bei Long-COVID-Symptomen und Immunprofilen

DMZ – FORSCHUNG ¦ Anton Aeberhard ¦ Eine kürzlich durchgeführte Studie untersuchte die Geschlechtsunterschiede bei Langzeitfolgen von COVID-19, bekannt als Long COVID (LC). Es wurde festgestellt, dass Frauen signifikant häufiger als Männer von LC betroffen sind, nachdem sie sich mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert hatten. Die Studie untersuchte, ob die immunologischen Merkmale von LC zwischen den Geschlechtern unterschiedlich sind und ob diese Unterschiede die unterschiedlichen Symptome von LC erklären können. Die Forscher führten eine querschnittliche Studie mit 165 Personen durch, von denen einige LC hatten und andere nicht. Sie untersuchten ein breites Spektrum von immunologischen und endokrinen Parametern und fanden heraus, dass Frauen und Männer mit LC unterschiedliche Symptome erlebten und verschiedene Immunprofile aufwiesen. Frauen hatten eine höhere Symptomlast und zeigten eine erhöhte Reaktivität gegenüber bestimmten Herpesviren im Vergleich zu ihren männlichen Gegenstücken. Maschinelles Lernen half dabei, die unterschiedlichen Immunmerkmale zu identifizieren, die LC bei Frauen und Männern charakterisieren. Männern mit LC wurden verringerte Häufigkeiten bestimmter Immunzellen und erhöhte Plasmazytokine festgestellt, während Frauen mit LC ein erhöhtes Vorkommen erschöpfter T-Zellen und zytokinproduzierender T-Zellen sowie niedrigere Testosteronspiegel aufwiesen. Besonders interessant war die Beobachtung, dass niedrigere Testosteronspiegel mit einer höheren Symptomlast bei LC-Patienten verbunden waren, unabhängig vom Geschlecht. Dies legt nahe, dass Testosteron eine wichtige Rolle bei der Immunantwort auf LC spielen könnte. Die Studie ergab auch, dass Frauen mit LC eine erhöhte Reaktivität gegenüber bestimmten Herpesviren wie EBV aufwiesen, was mit Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose in Verbindung gebracht wird. Es wurde festgestellt, dass Testosteron eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Immunantwort auf diese Viren spielen könnte. Die Forscher betonen, dass ihre Ergebnisse nicht nur die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei LC verdeutlichen, sondern auch mögliche Therapien aufzeigen könnten, die die Schwere der Symptome von LC durch hormonelle Behandlungen verringern könnten. Die Studie trägt dazu bei, ein besseres Verständnis für die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei LC zu entwickeln und mögliche therapeutische Ansätze aufzuzeigen, die darauf abzielen, die Immunantwort bei LC zu modulieren. > Zur Studie

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