Neues vom TI-"Markt"
Es ist, wie ich immer prognostiziert habe: Die ganze Bananenentwicklung in der #TI bewirkt exakt das Gegenteil dessen, was die Markt-Prediger ihren Gläubigen versprechen.
Wer den einzigen Vorteil eines "Marktes" nutzen und seinen bisherigen #PVS+TI-Anbieter gegen einen anderen austauschen will, wird davon mit allen verfügbaren Mitteln abgeschreckt.
Die verschiedenen Ausbaustufen der TI münden in immer neue Verträge für sog. "Module" mit den Anbietern, die eigene Laufzeiten haben oder Laufzeiten einfach mal wieder bei 24 Monaten starten lassen (z.B. #ePA2.0-Paket). Schwer da über die Jahre hinweg noch den Überblick zu behalten, weil sich die Verlängerungen gern in umfangreichem #MarketingBlabla oder Vertragswerk verstecken.
Die verwendeten Datenbank-Strukturen müssen bei einem Wechsel auf die der neuen PVS konvertiert werden, weil es keine verlässlichen Standards dafür gibt. Die Konverter für die ständig wachsenden und hoch veränderlichen Strukturen müssen für unzählige Anwendungs-Kombinationen gepflegt werden. Das kostet natürlich und wird auf die Kund*innen umgelegt: Für 1 Behandler*in kostet die Konversion im Normalfall um 3000€, pro weiterer Behandler*in in der Praxis kommen noch mal rund 1000€ oben drauf.
Auch der Wechsel der TI-Anbindung kann - abgesehen von doppelten Kosten wegen der exorbitanten Vertragslaufzeiten von min 24Mon. - zu unerwarteten Zusatzgebühren führen:
Eine sog. "Deregistrierung" eines Konnektors aus dem TI-Netz - ein vermutlich hoch automatisierter Vorgang - kostet die Wechselnden auch nochmals rund 100€. Peanuts gegenüber dem Rest, aber die Tatsache, das die Beendigung eines Vertrages Geld kostet, erscheint uns Laien, die sonst Glasfaser- und Mobilfunk-Verträge schließen und beenden, eher ungewohnt ...
Einrichtungs- und Installationskosten beim neuen Anbieter sind ebenso in die Rechnung aufzunehmen wie die immensen personellen Kosten, sich in das neue PVS einzuarbeiten, fehlende Daten nach der Datenbankkonversion wieder einzupflegen und Arbeitsroutinen an die unterschiedlichen Funktionsumfänge der PVS anzupassen. Die verbrannten Stunden zur Ambivalenzüberwindung lassen wir mal außen vor 😏
Insgesamt betrachtet, ist der Wechsel der PraxisverwaltungsSoftware und der TelematikInfrastruktur ein Tausende Euro teures Vergnügen. Behandler*innen brauchen enorme Gründe, um diesen Schritt zu wagen - oder gar mehr als einmal in 10 Jahren.
Wenn jemand also - wie ich gerade weg von #EpikurPVS - wechselt, setzt das einen erheblichen Leidensdruck voraus. Den auch die neuen Anbieter nur begrenzt werden senken können. Denn viele der Probleme sind strukturell, liegen z.B. in der Illusion eines freien Marktes, auf dem sich die besten Lösungen durchsetzen und den eigentlichen Kostenträger*innen - also den Versicherten - am Ende gute Lösungen zum niedrigsten Preis verschaffen werden. Diesen freien Markt gibt es nicht. Die Preise orientieren sich an politisch vereinbarten Budgets und unterliegen nicht wirklich einem Preiskampf.
Die bezahlten Support- und Service-Leistungen bleiben in der Praxis weit hinter den blumigen Versprechen zurück.
Leider werden solche Versprechungen Jahre und Jahrezehnte später kaum mehr politisch überprüft, niemand hat den Mut, gescheiterte Großprojekte wieder rückgängig zu machen. Und so wartet diese Geschichte auf ihre bedauerliche Fortsetzung ...

