Geheimdienstgesetz

Der MAD hat ein neues Gesetz bekommen

Der Militärische Abschirmdienst darf künftig deutlich mehr, hat der Bundestag mit einem neuen Geheimdienstgesetz beschlossen. Doch die Reform des kleinsten deutschen Geheimdienstes ist erst der Auftakt für weitere Änderungen am Geheimdienstrecht.

Es gibt ein neues Geheimdienstgesetz in Deutschland. Weitgehend geräuschlos beschloss am gestrigen Donnerstag der Bundestag das Gesetz zur Stärkung der Militärischen Sicherheit in der Bundeswehr. Es enthält auch ein völlig neues MAD-Gesetz für den Militärischen Abschirmdienst. Der Entwurf der Bundesregierung ging dabei mit wenigen Änderungen aus dem Verteidigungsausschuss durchs Parlament.

Damit bekommt der Militärgeheimdienst fortan deutlich mehr Befugnisse. Der MAD soll etwa künftig auch außerhalb von Militärgelände im Ausland operieren dürfen, eine Aufgabe, die bislang der BND übernahm. Fortan sollen beide Dienste sich bei ihren Aufgabenaufteilungen abstimmen.

Ein unfertiger Befugniskatalog

Der Katalog der sogenannten nachrichtendienstlichen Mittel, mit denen der Militärgeheimdienst seine Informationen sammeln darf, ist lang: von Observationen über den Einsatz von V-Personen off- und online bis zu verdeckten Eingriffen in IT-Systeme. Aber die Liste der Mittel im Gesetz ist nicht final, sondern kann durch Dienstvorschriften erweitert werden.

Dieses geplante Vorgehen sahen Sachverständige in einer Anhörung zum Gesetz teils kritisch, da es unter anderem durch Geheimhaltung entsprechender Dienstvorschriften eine öffentliche Kontrolle der Geheimdienstbefugnisse verhindert. Eine solche „Erweiterung im Verborgenen ist untunlich“, kritisierte beispielsweise Christian Sieh vom Deutschen BundeswehrVerband die nun beschlossene Änderung.

Den neuen Befugnissen gegenüber steht eine neue Kontrollinstanz: eine gerichtliche Überprüfung von besonders eingriffsintensiven Maßnahmen. Dafür soll in Zukunft das Amtsgericht Köln zuständig sein. Das stellt auf der einen Seite eine unabhängige richterliche Kontrolle dar, auf der anderen Seite birgt es jedoch die Gefahr, dass die Geheimdienstkontrolle zersplittert wird und keine der Kontrollinstanzen ein umfassendes Bild über die Gesamttätigkeiten des Dienstes hat.

Politischer und rechtlicher Anlass

Anlass für ein neues MAD-Gesetz war zum einen die geopolitische Lage. Deutschland sei für Russland „Zielfläche Nummer 1 in Europa“, sagte etwa die MAD-Präsidentin Martina Rosenberg. Da künftig 5.000 deutsche Soldat:innen an der NATO-Ostflanke in Litauen stationiert sein sollen, müsse der MAD mehr Möglichkeiten bekommen, unter anderem diese vor Spionage und Sabotage zu schützen.

Einen zweiten, zwingenden Anlass für eine grundlegende Gesetzesreform gaben mehrere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Es forderte beispielsweise in Urteilen zu Landesverfassungsschutzgesetzen eine unabhängige Kontrolle bestimmter Geheimdienstmaßnahmen und konkrete Eingriffsschwellen bei Grundrechtseingriffen – Defizite, die sich gleichermaßen bei Bundesgeheimdiensten finden.

Dass das neue Gesetz den Vorgaben ausreichend gerecht wird, bezweifelt etwa die grüne Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger. In ihrer Rede im Parlament mahnte sie an, dass Grundrechte im Spannungs- und Verteidigungsfall nach dem Gesetz nicht ausreichend geschützt seien. „Gerade wenn es um den absoluten Ernstfall für unsere Demokratie geht, zeigt sich, wie ernst wir es mit unserem Rechtsstaat nehmen“, so Brugger, die Mitglied für die Grünen im Verteidigungsausschuss ist. Auch die Bundesregierung könne kein Interesse daran haben, „dass in diesen ernsten Zeiten so ein Gesetz in Karlsruhe scheitert und wir wieder zurück auf Los sind“.

Weitere neue Geheimdienstgesetze werden folgen

Das neue MAD-Gesetz ist nur der Auftakt weitreichender Gesetzesänderungen im deutschen Geheimdienstrecht. Auch die Grundlagen von BND und Bundesverfassungsschutz sollen überarbeitet werden. Dass dies nicht gemeinsam passiert, um konsistente Regelungen zu schaffen, kritisierte etwa der grüne Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz zuvor gegenüber netzpolitik.org.

Seine Parteikollegin Brugger fragte zur Gesetzesverabschiedung im Plenum: „Wo sind denn die Gesetze für die anderen Dienste? Wo sind die längst überfälligen Reformen der Sicherstellungsgesetze?“ Sie bezeichnet es als „schlicht unverantwortlich“, wie viel Zeit die Bundesregierung hier verstreichen lasse.

Wie lange es dauert, bis auch die übrigen Geheimdienstgesetze neu beraten werden, ist bisher nicht bekannt. Nach Informationen des WDR soll es jedoch bereits seit November einen ersten Referentenentwurf für ein BND-Gesetz geben, mit einem deutlich größeren Umfang als dem der bisherigen Regelungen.

Anna Biselli ist Co-Chefredakteurin bei netzpolitik.org. Sie interessiert sich vor allem für staatliche Überwachung und Dinge rund um digitalisierte Migrationskontrolle. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Telefon: +49-30-5771482-42 (Montag bis Freitag jeweils 8 bis 18 Uhr). Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

Geheimdienstgesetz – Beueler-Extradienst

Gleich im Interview beim #ZDF #Moma zur heutigen Anhörung der Präsidentin und der Präsidenten der deutschen Nachrichtendienste #BND #BfV #BAMAD vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium, die ab 10:00 Uhr auch bei
@phoenix_de
und auf http://Bundestag.de übertragen wird.
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Am 14. Okt. 24 findet im Deutschen #Bundestag die öffentliche Anhörung der Präsidenten von #BND & #BfV und der Präsidentin des #BAMAD statt. Viele interessante Themen in maximal herausfordernden Zeiten. Ab sofort kann man sich anmelden!

https://bundestag.de/ausschuesse/weitere_gremien/parlamentarisches_kontrollgremium/912020-912020 #PKGr

Deutscher Bundestag - Öffentliche Anhörung der Präsidenten der Nachrichtendienste des...

gemäß § 10 Absatz 3 PKGrGThomas Haldenwang, Präsident des Bundesamtes für VerfassungsschutzDr. Bruno Kahl, Präsident des BundesnachrichtendienstesMartina Rosenberg, Präsidentin des...

Deutscher Bundestag
Fortsetzung des 🧵v. @Patrick_J_BER mit mehr Details zu #Rechtsextremismus in der @BMVg_Bundeswehr. Es bleibt weiter die Frage: Wie konsequent gehen #MAD & #BMVg gegen #Rechtsextreme vor?⬇️
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RT @Patrick_J_BER
Vor einer Woche zeigte sich am Fall Marcel W. dass #BAMAD und @BMVg_Bundeswehr erneut Infos an Verdachtsfälle durchgestochen haben.
Fatal ist, dass der Fall aber anschließend nicht angemessen bearbeitet worden
ist, denn vore…
https://twitter.com/Patrick_J_BER/status/1653296560694874115
Patrick J on Twitter

“Vor einer Woche zeigte sich am Fall Marcel W. dass #BAMAD und @BMVg_Bundeswehr erneut Infos an Verdachtsfälle durchgestochen haben. Fatal ist, dass der Fall aber anschließend nicht angemessen bearbeitet worden ist, denn vorenthaltene Sachverhalte finden sich weiterhin. 1/”

Twitter
Keine smoking gun, aber interessant:
Auch der deutsche Militärgeheimdienst spitzelt verdeckt im Internet:
http://www.bundeswehr-journal.de/2023/mad-ueberprueft-auch-im-internet-und-in-sozialen-netzwerken
#BAMAD #Spycops
Mein Interview heute mit @phoenix_de zur Anhörung der Präsidenten und Präsidentin der Deutschen Nachrichtendienste des Bundes #BND #BfV und #BAMAD https://www.ardmediathek.de/video/phoenix-vor-ort/krit-infrastruktur-nicht-ausreichend-geschuetzt/phoenix/Y3JpZDovL3Bob2VuaXguZGUvMjk2ODU3OA
phoenix vor ort: Krit. Infrastruktur nicht ausreichend geschützt | ARD Mediathek

Krit. Infrastruktur nicht ausreichend geschützt | Video | Interview mit Konstantin von Notz (B'90/Grüne, Vorsitzender Parl. Kontrollgremium) vor der öffentlichen Anhörung der Präsident:innen der Bundesnachrichtendienste.

Das ⁦@BMVg_Bundeswehr⁩ muss endlich zB bei extrem rechten Vorfällen oder Waffendiebstahl aufhören die Vorgänge intern klären zu wollen. Es braucht eine Anordnung zur Abgabe an Staatsanwaltschaften/Polizei und der Spezialgeheimdienst #BAMAD kann weg. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-feldjaeger-meldet-nach-extremismus-razzia-bedenken-an-a-29fb9165-d8da-4bce-900e-54a0e52518d9
»Scharfer Einsatz im Inland«: Feldjäger meldet nach Extremismus-Razzia Bedenken gegen Rechtmäßigkeit an

Der Militärische Abschirmdienst hatte Feldjäger in Hannover zur Bekämpfung rechtsradikaler Strukturen angefordert. Ein Beteiligter erkannte einen Angehörigen seiner eigenen Kompanie – und brachte den Einsatz zur Anzeige.

DER SPIEGEL

RT from affeu:
Nach #Razzia bei #KSK-Soldat: Anklage wegen Geheimnisverrat durch MAD-Agent.
Ein #MAD-Agent soll Geheimnisse aus einer hochsensiblen Razzia weitergegeben haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft #Koeln Anklage gegen ihn erhoben. #BAMAD #Bundeswehr #Calw #TagX https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/ksk-razzia-geheimnisverrat-101.html

Posted 01. April 2022 - 20:44 on Twitter
Origin: https://twitter.com/kgegenrechts/status/1509556215826763787

Nach Razzia bei KSK-Soldat: Anklage: Geheimnisverrat durch MAD-Agent

Ein MAD-Agent soll Geheimnisse aus einer hochsensiblen Razzia weitergegeben haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Köln Anklage gegen ihn erhoben. <em>Von Martin Kaul und Volkmar Kabisch.</em>

tagesschau.de
Heute ab 10 Uhr findet die #Anhörung des Parlamentarischen Kontrollgremiums #PKGr der Präsidenten der drei #Nachrichtendienste #BND #BfV und #BAMAD statt. Wird erfahrungsgemäß interessant! Alle Infos & Stream https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2021/kw43-kontrollgremium-858718
Deutscher Bundestag - Öffentliche Anhörung der Präsidenten der Nachrich­tendienste...

„Das Parlamentarische Kontrollgremium führt einmal jährlich eine öffentliche Anhörung der Präsidentinnen und Präsidenten der Nachrichtendienste des Bundes durch“, heißt es im Paragrafen...

Ministerin @akk löst #BAMAD-Präsident #Gramm ab - das war, nach all den Vorfällen und Erkenntnissen, unausweichlich. Jetzt muss schnell geklärt werden, wer die Behörde zukünftig führt. In dieser Lage darf es keine Hängepartie geben! https://www.spiegel.de/politik/deutschland/annegret-kramp-karrenbauer-entlaesst-mad-praesident-christof-gramm-a-bf3e24a4-9cc7-443d-a9c6-72c4cd0f3b37
Annegret Kramp-Karrenbauer entlässt MAD-Präsident Christof Gramm - DER SPIEGEL - Politik

Nach Pannen bei der Verfolgung rechtsextremer Soldaten zieht die Verteidigungsministerin Konsequenzen. Annegret Kramp-Karrenbauer hat nach SPIEGEL-Informationen MAD-Chef Christof Gramm in den einstweiligen Ruhestand geschickt.