Da ist diese eine Situation, die mich immer wieder sehr beschäftigt. Und wütend macht.
Thema: Alte Eltern pflegen.
Eine liebe Freundin, knapp über 70 inzwischen, verlor vor ein paar Jahren ihren Vater. Ihre Mutter fiel aus allen Wolken. Sie hatte keine Ahnung vom Leben, weder von Versicherungen, noch von Geld, von Steuererklärungen etc.. Ihr Göttergatte hatte sie auf Hände getragen, ihr alle Steine aus dem Weg geräumt. Noch nicht einmal ein eigenes Bankkonto hatte sie.
Unsere Freundin hat sich um alles gekümmert, Erbschaft, Papierkram, Versicherungen, Bankkonto. Auch darum, dass die sehbehinderte alte Dame einen Pflegegrad bekam und damit Anspruch auf Unterstützung, pflegerisch und finanziell.
Unsere Freundin betreute ihre Mutter und besuchte sie fortan täglich. Anspruch auf das Pflegegeld erhebt sie nicht, zumal die Mutter es ihr auch nicht anbietet. Sie hat ja sowieso kaum Ahnung von all diesen Dingen.
Dass die Mutter-Tochter-Beziehung schwierig ist, muss ich hier vielleicht noch erwähnen. Die Mutter dankte es ihrer Tochter nie, dass sie sich täglich um sie kümmerte, nahm alles selbstverständlich hin. Wenn die andere, weiter weg wohnende Tochter allerdings zu Besuch kam, wurde diese gelobt für jeden Finger, den sie rührte, während unsere stets anwesende Freundin kaum wahrgenommen wurde.
Ich habe unserer Freundin oft gesagt, sie solle sich mehr um sich selbst kümmern und ihre Mutter an eine Pflegerin gewöhnen, zumal sie selbst gesundheitlich auch angeschlagen ist (Rheuma). Sie hat seit dem Tod ihres Vaters ihre eigenen Bedürfnisse hintangestellt, und sie ging, auch wenn es ihr nicht gut ging, zur fordernden Mutter, hatte kaum mehr Zeit für sich und ihre künstlerischen Projekte. Auch ging sie zu spät zum Arzt ...
Im Dezember 25 musste sie notfallmäßig ins Krankenhaus und inzwischen hat sie nur noch ein Bein. Sie sitzt in der Kurzzeitpflege und wartet auf einen Platz in der Reha und auf den Umzug in die neue behindertengerechte Wohnung, die Freund*innen ihr bereitstellen.
Die Mutter wurstelt derweilen allein, will, so viel ich weiß, keine Pflege annehmen. Und unsere Freundin fühlt sich noch immer verantwortlich.
Neulich sagte sie zu uns, dass sie letztlich genau die Rolle des Vaters weitergeführt habe, anstatt ihrer Mutter das Leben in der heutigen Welt näherzubringen. Das bereut sie heute.
Vor kurzem sagte diese Mutter zu ihr am Telefon, dass sie sich im Haus gestoßen habe. Sie sehe ja nicht so gut.
Dann sagte sie: »Du weißt ja gar nicht wie das ist, wenn man nicht richtig gehen kann!«
Zu unserer Freundin, die zurzeit im Rollstuhl auf die Reha und auf das Gehenlernen mit Prothese wartet.
Jedes Mal, wenn ich an diesen Satz denke, werde ich furchtbar wütend und entsetzlich traurig.
Ich bin ja schon dafür, Eltern zu unterstützen, aber nicht um jeden Preis.
Und ich finde schon, dass älter werdende Eltern sich von ihren Kindern unterstützen lassen dürfen und Bedürfnisse anmelden, aber auch das nicht um jeden Preis.
Es ist wohl keine Beziehung so fragil wie die zwischen Eltern und Kindern.
Thema: Alte Eltern pflegen.
Eine liebe Freundin, knapp über 70 inzwischen, verlor vor ein paar Jahren ihren Vater. Ihre Mutter fiel aus allen Wolken. Sie hatte keine Ahnung vom Leben, weder von Versicherungen, noch von Geld, von Steuererklärungen etc.. Ihr Göttergatte hatte sie auf Hände getragen, ihr alle Steine aus dem Weg geräumt. Noch nicht einmal ein eigenes Bankkonto hatte sie.
Unsere Freundin hat sich um alles gekümmert, Erbschaft, Papierkram, Versicherungen, Bankkonto. Auch darum, dass die sehbehinderte alte Dame einen Pflegegrad bekam und damit Anspruch auf Unterstützung, pflegerisch und finanziell.
Unsere Freundin betreute ihre Mutter und besuchte sie fortan täglich. Anspruch auf das Pflegegeld erhebt sie nicht, zumal die Mutter es ihr auch nicht anbietet. Sie hat ja sowieso kaum Ahnung von all diesen Dingen.
Dass die Mutter-Tochter-Beziehung schwierig ist, muss ich hier vielleicht noch erwähnen. Die Mutter dankte es ihrer Tochter nie, dass sie sich täglich um sie kümmerte, nahm alles selbstverständlich hin. Wenn die andere, weiter weg wohnende Tochter allerdings zu Besuch kam, wurde diese gelobt für jeden Finger, den sie rührte, während unsere stets anwesende Freundin kaum wahrgenommen wurde.
Ich habe unserer Freundin oft gesagt, sie solle sich mehr um sich selbst kümmern und ihre Mutter an eine Pflegerin gewöhnen, zumal sie selbst gesundheitlich auch angeschlagen ist (Rheuma). Sie hat seit dem Tod ihres Vaters ihre eigenen Bedürfnisse hintangestellt, und sie ging, auch wenn es ihr nicht gut ging, zur fordernden Mutter, hatte kaum mehr Zeit für sich und ihre künstlerischen Projekte. Auch ging sie zu spät zum Arzt ...
Im Dezember 25 musste sie notfallmäßig ins Krankenhaus und inzwischen hat sie nur noch ein Bein. Sie sitzt in der Kurzzeitpflege und wartet auf einen Platz in der Reha und auf den Umzug in die neue behindertengerechte Wohnung, die Freund*innen ihr bereitstellen.
Die Mutter wurstelt derweilen allein, will, so viel ich weiß, keine Pflege annehmen. Und unsere Freundin fühlt sich noch immer verantwortlich.
Neulich sagte sie zu uns, dass sie letztlich genau die Rolle des Vaters weitergeführt habe, anstatt ihrer Mutter das Leben in der heutigen Welt näherzubringen. Das bereut sie heute.
Vor kurzem sagte diese Mutter zu ihr am Telefon, dass sie sich im Haus gestoßen habe. Sie sehe ja nicht so gut.
Dann sagte sie: »Du weißt ja gar nicht wie das ist, wenn man nicht richtig gehen kann!«
Zu unserer Freundin, die zurzeit im Rollstuhl auf die Reha und auf das Gehenlernen mit Prothese wartet.
Jedes Mal, wenn ich an diesen Satz denke, werde ich furchtbar wütend und entsetzlich traurig.
Ich bin ja schon dafür, Eltern zu unterstützen, aber nicht um jeden Preis.
Und ich finde schon, dass älter werdende Eltern sich von ihren Kindern unterstützen lassen dürfen und Bedürfnisse anmelden, aber auch das nicht um jeden Preis.
Es ist wohl keine Beziehung so fragil wie die zwischen Eltern und Kindern.
