Was die Mondmotte sah

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Aufzeichnungen aus wundersamen Weltenblasen

Mehr über Farast Sturmfreund findest du auf Figuren. Seine Abenteuer beginnen hier.

O Fremder,

erinnere dich an unseren Entschluss, unsere Gefangenen an den Hof Kallyr Sternenstirn in Kühnheim zu bringen! Unsere Reise verlief trotz der Dunkelzeit ohne Hindernisse, aber die Wachen hielten uns an den Toren der Stadt auf. Ich kann verstehen, dass sie sich wunderten, warum wir Gefangene brachten! Hier half uns, dass sie Saronil von den Kheldon ein Begriff war und so konnten wir in der Wachstube berichten, dass wir „Geschenke“ für den Hof dabei hätten und dort empfangen werden wollten. Die „Geschenke“ waren natürlich Vale-Tanvel und ihre Mordgesellen, sie selbst eine Assassine des Blauen Mondes und somit eine Person aus dem engsten Umfeld des Lunaren Hofes. Ein Bote kündigte uns bei Prinz Kallyr an und nachdem wir im Palast eingetroffen waren, verbrachten wir eine längere Zeit in einem Vorraum, bis eine groß gewachsene Frau in Rüstung erschien – Kallyr Sternenstirn, Prinzessin von Sartar, Königin der Kheldon. Ich hätte sie sowieso sofort erkannt, denn sie trug ihren Namen nicht umsonst – oben auf ihrer Stirn trug sie einen strahlenden Stern, Zeichen ihrer Verbundenheit mit dem Himmel. Als sie erwähnte, dass sie Saronils und meinen Namen bereits kannte, konnte ich nur schwer mein Erstaunen verstecken, aber daran sollten wir uns wohl so langsam gewöhnen. Dass wir Gefolgsleute ihrer Rivalin Leika Schwarzspeer waren und sie möglicherweise unsere Taten im Auge behielt, um ihre eigenen Interessen zu schützen, kam mir damals nicht in den Sinn. Ich dachte noch wie ein Soldat, nicht wie ein Thane. Kallyr war anders als Leika, stolz auf jeden Fall, und man sagte ihr feurigem Ehrgeiz und ein ebensolches Temperament nach, während die Königin der Colymar zwar starrsinnig sein konnte, aber bekannt für ihre Loyalität und ihr großes Herz gegenüber ihren Verbündeten war. Aber ich bin selbst ein Colymar, daher will ich nicht ungerecht sein. Zu uns jedenfalls war Kallyr freundlich und zeigte sich erfreut, dass ihr so wichtige Gefangene übergeben wurden, vor allem natürlich Vale-Tanvel. Aber auch Tara-Bree war mit ihrem Wissen eine wichtige Person und sie bat Vostors Freundin, eine Weile Gästin des Hofes zu sein und sie zu beraten. Wir alle erhielten einen Torc aus Silber als Zeichen ihrer Dankbarkeit.

Wir reisten weiter nach Carman, einem befestigten Dorf des Stammes der Sambarri. Ich wusste, dass 1602 hier eine blutige Schlacht gegen die Lunaren stattgefunden hatte, aber nicht viel mehr – außer dem wichtigen Detail, dass Farnan hier geboren war. Als Waise wurde er von einem Schamanen großgezogen, der Venstan Sturm-Geboren hieß. Er war inzwischen ein alter Mann mit einem komplett rasiertem Kopf, und wir trafen ihn beim Essen, zu dem er uns einlud. Gastfreundschaft ist ein wichtiger Teil unserer Kultur, aber er war wirklich sehr freundlich, und ich verstand schnell, warum Farnan ihn wie einen Vater ansah. Nachdem wir uns vorgestellt hatten, baten wir ihn um Hilfe – immerhin hatten wir noch das Problem unserer Besessenheit. Ich konnte den Geist in mir spüren und wie er um Kontrolle kämpfte. Ich musste ihn loswerden, dasselbe galt für Farnan. Venstan mochte alt sein, aber er versicherte uns, dass das gar kein Problem sein würde. Sein Preis wäre ein Gefallen, den er später einlösen würde, wohl irgendwann im Sommer. Wie dieser Gefallen aussehen sollte, wollte er nicht verraten. Wir stimmten mit wenig Bedenken zu, schließlich vertraute Farnan dem Alten. Venstan machte sich gleich an die Arbeit, und es amüsierte mich nicht wenig, wie er den erfahrenen Helden Farnan wie einen Helfer behandelte, und dieser es bereitwillig auf sich nahm, ihm hier seinen Mantel und da ein Getränk und dort ein Amulett zu holen. Wir traten heraus und er führte uns heraus aus seiner Hütte, um dort einen Gesang zu beginnen, der zwei Stunden oder mehr dauern sollte. Ich selbst spürte das Verstreichen der Zeit nicht. Ich sah eine Gestalt zwischen uns erscheinen, die aus purem Licht zu bestehen schien. Sie drehte sich zu mir und tippte mit einem Finger gegen meine Stirn. Ihr Licht drang in mich ein und dann spürte ich einen kurzen, heftigen Kampf in mir. Die Stimme in meinem Geist war verschwunden und ich empfand ein Gefühl tiefer Geborgenheit. Dann wendete sich das Lichtwesen Farnan zu und wiederholte die Geste, um danach zu verschwinden. Venstan war sichtlich erschöpft, aber nicht so müde, um Farnan nicht einen spöttischen Ratschlag zu geben: Das nächste Mal solle er den Geist bekämpfen und ihn nicht einfach „herein lassen“, als ob Farnan das nicht sehr gut selber wüsste. Venstan grinste. Er sagte, dass sein Lehrling viel gelernt habe und er kurz davor sei, selbst Schamane zu werden. Wenn er bereit sei, solle er den Gehörnten Mann überzeugen. Doch mein Freund erwiderte, dass er überzeugt sei, noch nicht bereit zu sein. Sein Meister akzeptierte das ohne einen weiteren Kommentar, aber er bat uns erneut in seine Hütte, um gemeinsam zu trinken und die Austreibung zu feiern. Wir nahmen das Angebot gern an.

Von einem pochenden Kater geplagt brachen wir am Morgen auf, um Tara-Bree in Kühnheim abzuholen und nach Apfelallee zurückzukehren, um dort zu überwintern. Dank der Königsstraßen kamen wir schnell und sicher voran und am Ende der Bewegungswoche waren wir endlich wieder zuhause, um zu überwintern. Tara-Bree nahm ein Gästegemach im Haus des Thane (ich musste mich immer noch daran gewöhnen, dass ich der Thane war) und ich war froh, etwas Gesellschaft zu haben. Die meisten anderen Leute in meinem Alter waren längst verheiratet und ein wenig neidisch war selbst ein Abenteurer wie ich auf sie – im Winter ist es schnell einsam ohne Frau und Kinder. Nun, es gab den Uleria Tempel in Apfelallee und ich war nicht selten dort. Ich nutzte die restliche Zeit, um besser mit dem runden Schild umgehen zu lernen, das war meine größte Schwäche als Krieger. Ich machte gute Fortschritte und war ein bisschen Stolz darauf. Wir in Apfelallee zehrten in dieser Zeit von unseren Vorräten und verbrachten viel Zeit im Zinnhof, mit Geschichten und viel Gesang.

Leikas Nachricht erreichte uns am der Wassertag der Fruchtbarkeitswoche der Sturmzeit, der schneereichste Tag seit langem. Ausgerechnet jetzt forderte die Königin meinen Besuch ein? Es musste wichtig sein, denn sie bat ausdrücklich darum, dass auch meine Freunde erscheinen mussten.

Ungeachtet des Wetters brachen wir auf. Plan war, Windtags am Hof anzukommen. Nach ein paar Stunden unterwegs hörten wir ein gewaltiges Brüllen aus dem Westen. Wir hörten ein Brüllen aus dem Westen und dann: Ein Wesen, das zuerst fast wie eine geflügelte Schlange aussah, erlebte sich über Nimital in die Luft und flog in unsere Richtung. Meine alte Angst vor Drachen, die ich seit der Erhebung des Drachen in mir trage, regte sich mächtig. Mir schauderte bei diesem Anblick und ich konnte mich nicht bewegen. Denn natürlich war es ein Drache, daran konnte kein Zweifel bestehen. Neben mir sah ich Farnan ebenso wie mich erstarren, als das mächtige Wesen über unsere Köpfe flog. Vostors und Farnans Pferde gingen durch. Vostor konnte seines mit Mühe wieder beruhigen, der glücklose Farnan hingegen wurde abgeworfen und landete unsanft auf dem schlammigen Boden. Mein braver Rotbart allein behielt die Ruhe. Es war nicht gut gewesen, auf einem rasenden Bison zu sitzen, bei Orlanth! Erfreulicherweise war Faran nur leicht am Kopf verletzt, die Wunde konnten wir später schnell versorgen. Der Drache machte einen Bogen und flog in Richtung der Donnerhügel davon, was mir nur recht war. Ich atmete tief durch und sammelte meine Gedanken. Es war kein wahrer Drache wie damals in Kühnheim, als fast die gesamte Lunare Armee und einer ihrer Tempel in ein paar Augenblicken vernichtet wurden, diese waren so groß, dass man sie eher als Landstriche bezeichnen konnte. Es war nur ein Traumdrache. Wie jeder weiß, schlafen wahre Drachen die meiste Zeit und das ist unser Glück. Ihre Drachenträume nehmen manchmal Gestalt an und diese Wesen nennt man daher Traumdrachen.

Der Drache kam zuerst aus der Richtung von Nimital und Saronil wurde sichtlich unruhig. Wie ich wusste, lebte dort seine Kusine Andala. Er musste nicht lange bitten, wir machten uns sofort auf den Weg. Die Königin würde das verstehen. Wir sahen schon von weitem, dass unsere Sorgen sehr begründet waren. Der Hof von Andalas Mann Jenstal war schwer mitgenommen, wir sahen die Reste der Rinder, die meisten waren gefressen worden, alle waren tot. Als ersten fanden wir Jenstal, tot. Dann sein Knecht Berke, den wir gleich erkannten – was leider nicht von allen Leichen gesagt werden konnte, so übel waren sie zugerichtet.

In der Scheune fanden wir zwei tote Kühe und einen toten Ochsen, aber die Kadaver waren intakt. „Das war kein Drache“, dachte ich, denn da waren keine offensichtlichen Verletzungen von Klauen oder Zähnen.

Im Haus fanden wir dann doch noch die verletzte, aber lebendige Andala und ihre beiden Kinder, Pennene und Arnstal, und eine Magd, Iona. Die Kinder vorsorgten sie, wir halfen mit Heilmagie. Bei ihnen war noch Korustal, einer der Männer des Hofes, verletzt. Es war ein schrecklicher Tag, aber wenigstens ein paar Überlebende hatten wir gefunden. Andala beschrieb, dass sie ein lautes Brüllen gehört hatten und dann war da dieses Monster. Die Männer starben bei dem Versuch, das Vieh zu retten. Sie erinnerte sich an einen üblen Gestank, dann war sie ohnmächtig geworden. Es muss der Odem des Drachen gewesen sein, der sie betäubte und wohl die drei äußerlich unversehrten Rinder getötet hatte.

Wir zogen die Kadaver weg, holten die Leichen, bahrten sie auf und bedeckten sie, damit die Kinder und Andala sie nicht sehen mussten. Korustal kam bald wieder die Beine und half uns bei unserer traurigen Arbeit. Ich war froh, es hinter mir zu haben.

Andala und wir kamen überein, dass wir die Kinder nach Klarwein mitnehmen sollten und dass wir uns beeilen sollten. Leika Schwarzspeer musste von diesem Vorfall erfahren.

→ Fortsetzung folgt

#RuneQuest #pnpDE

Kallyr Starbrow and the Dragonrise

It may come to some surprise, but Kallyr Starbrow likely had no idea that her intervention at the New Lunar Temple ceremony would result in the Dragonrise. Let’s start with what was going on …

The Well of Daliath

Diese Aufzeichnungen enthalten Übersetzungen aus einem bisher unbekannten griechischen Dialekt. Es scheint sich um die unvollständigen Aufzeichnungen eines Abenteurers namens Zorizal Qaan zu handeln. (Mehr unter Figuren. Spoiler für 'Ghost Ship of the Desert Dunes‘.)

O Fremder, lass mich mehr von Calencia erzählen, denn dorthin hatte unsere Reise uns gebracht. Das Dorf ist auf Pfählen in einer gerundeten Bucht errichtet worden, ein Leuchtfeuer weist Schiffen den Weg, zwei Wachtürme erheben sich über den Dächern.

Eine Menge Boote waren an den Stegen vertäut, die ich für Fischerboote hielt. Teppiche und Seide waren wichtige Handelsgüter. Wir waren, aber auch wir nahmen Güter an Bord. Ein gutes Geschäft bleibt ein gutes Geschäft. Die Menschen hier hatten viele unterschiedliche Vorfahren, in der Mehrzahl waren sie klein und stämmig und hatten eine bronzene Haut. Die Frauen trugen ihr hellblondes bis rötliches Haar kurz, das Haar der Männer glänzte von Fischöl, sie trugen lange Zöpfe. Vielleicht hatten sie Wikinger unter ihren Vorfahren, die Haarfarbe jedenfalls schien mir darauf hinzudeuten. Es gab sowieso vieles hier, das Eybjörk und Roar vertraut schien. Die Leute von Calencia hatten Nachnamen, die in hellenisch entweder „Wolf“ oder „Rabe“ lauteten.

Ein Junge hatte sich angeboten, uns zu einem geheimnisvollen Informanten zu führen und erzählte uns von seiner Heimat.

Sie verehrten in Calencia einen Krakengott, einen Bewahrer der Dimensionen oder etwas in dieser Richtung. Seine Symbole sahen wir überall. Ich dachte an unseren Kampf mit dem Riesenkraken zurück – hatten wir am Ende ihren Gott verstümmelt, ohne es zu wissen? Wir beschlossen, zu dieser Thematik zu schweigen, solange wir uns in Calencia aufhalten mussten. Möglicherweise gab es hier Schamanen, weil es so viele Darstellungen von Tieren sehen konnten. Wir hörten von der Bruderschaft von Khalk-Xu, deren Mönche stets Männer waren. Das Verhältnis der Bruderschaft mit den lokalen Hexen schien mir angespannt. Der Junge sagte, dass eine der Hexen eine Seherin sein sollte. Egal wie groß die Spannungen und Meinungsverschiedenheiten in Calencia sein mochten, die beständige Bedrohung der räuberischen Affenmenschen ließ sie zusammenhalten.

Zumindest trank man hier gern, ebenso wie unsere Mannschaft und auch wir fanden unseren Weg in die Taverne, die von Taan Croti geführt wurde, den ich sofort als einen Veteranen erkannte. Es war ein ruhiger Abend, was mir recht war, Taan veranstaltete an den anderen Tagen Hahnenkämpfe in seinem Haus. Wir aßen eine gute Suppe und Wein für ein Paar Silberlinge. Die anderen Gäste waren Fischer und Jäger, die nach einer Weile zutraulicher wurden und uns von ihren Feinden, den Affenmenschen erzählten, die sie als feige, abgrundtief böse und ebenso dumm bezeichneten, einige von ihnen sollten Flügel haben.

Vor sieben Jahren hat einer der Fischer, Thraki, gemeinsam mit seinem Bruder eine Metallkiste entdeckt und fand darin eine grünleuchtende Amphore, geformt wie eine Lyra (Apollos Symbol, das weiß ich). Ein Hinweis auf die grünen Diamanten? Die Brüder gerieten in Streit um den Schatz, den nur Thraki überlebte. Man erzählt, dass er zum verlassenen Tempel des Apollo floh und dort Schutz suchte. Eine der Hexen von Calencia belegte den Brudermörder mit einem schrecklichen Fluch. Wir sollten uns mit ihr unterhalten und mehr sollten wir in der einzigen Herberge erfahren.

Die Herberge wurde von Badbicca geführt, hier fanden sich mehr Jäger aus anderen Orten. Hier lernten wir den Schmied Ulldr Sacciosson kennen und wir erfuhren, wo wir die Seherin finden würden, die wir dann auch gleich besuchten. Sie war alt und sie lebte mit ihrer Schwiegermutter zusammen, die noch viel älter war, eine zahnlose alte Vettel. Auch einige von unserer Mannschaft hatten hier schon Rat gesucht. Die Natur von Thrakis Fluch wurde uns gleich enthüllt: Er war verflucht, das Leben eines Tieres zu führen. Darum nannte man ihn inzwischen auch „Den Wilden“.

Wir wollten wissen, wo Thraki abgeblieben war, den man hier auch als „Den Wilden“ kannte. Dazu hatten wir einiges an Gold zu opfern und ein Huhn gab sein Blut. Es wurde in Roars Gesicht gespritzt, denn er war der edle Spender und wurde auf diese Weise gebührend gesegnet. Zuerst sollten wir im alten Tempel des Apollo suchen. Sie drückte Roar den Silberdolch in die Hand, denn durch Silber sollte der Verfluchte verwundbar sein. Der Schmied half uns mit sieben Pfeilspitzen aus Silber und dann verkaufte er uns noch einige Bögen, denn bislang besaß nur ich einen.

Wir machten uns am nächsten Morgen auf den Weg, zehn bis elf Meilen lagen vor uns.

→ Fortsetzung folgt

#pnpDE #HyperboreaRPG

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O Fremde, Besessenheit empfehle ich niemandem. Die meiste Zeit fühlst du dich normal, aber es gibt Momente, in denen alles zu verschwimmen scheint und nichts sich mehr real anfühlt und du das Gefühl bekommst, die Kontrolle zu verlieren. Das ist der Moment, in dem der Wahnsinnsgeist die Überhand zu gewinnen droht. Frieden würden wir so nicht finden und Farnan – der selber von einem mächtigeren Geist besessen war – schlug vor, seinen Meister um Hilfe zu bitten, der im Land der Sambarri lebte, einem Stamm im Süden von Sartar. Wir mussten nach Caroman, das bedeutete 4-9 Tagesreisen – wenn wir Glück hatten und sich das Wetter nicht allzu widrig zeigte.

Wir hatten keine andere Wahl – uns fiel nichts Besseres ein – als uns am nächsten Morgen auf den Weg zu machen, zumal 80 Augen sich nicht mehr sehen ließen – nicht gerade ein deutliches Zeichen von Dankbarkeit für seine Befreiung. Farnan selbst hatte es schwerer getroffen als ich und er war oft nicht einmal wach. Wir mussten ihn dennoch mitnehmen und trugen ihn auf dem Rücken seines Pferdes fest. Wir hatten keine Zeit zu verlieren, die Sturmzeit stand bevor – es lag bereits eine dünne Schneedecke und es war sehr kalt. Zu unserem Glück gab es klares, sonniges Wetter. Hellblume von der Herberge hat Proviant für uns und wir brachen im Morgengrauen auf.

Wir kannten den Weg zwar, doch der Schnee macht ihn schwer sichtbar. Nur mit Glück und dank Saronils und meiner scharfen Augen bemerkten wir noch rechtzeitig, dass wir in Gefahr waren, auf Eis zu treten, wohl der überfrorene Baronin. Wir hatten Rotvogel verpasst, also hielten wir uns gen Norden, was bedeutete, dass wir die nächste Herberge nicht vor der Nacht erreichen würden. Wir riskierten, einige Stunden in der Dämmerung zu reisen und schafften uns nach Jonsstadt, wo wir wie zuvor im Vergoldeten Bart einkehrten. Am Morgen konnten wir auf der Königsstraße weiterreisen, was die Sache erleichterte. Eine leichte Steigung verriet die Nähe des Quivingebirges.

Kurz vor den Bergen hörten wir jemanden laufen rufen, dann stürmte erst eine Person aus dem Wald, auf uns zu: Eine Frau. Sie trug Mondrunen.

Ihre ersten Worte waren : „Vostor, du hier?“

Über die Jahre haben mich Vostors Verbindungen immer wieder überrascht. Er mag weit weg von zuhause sein, aber der Lunare findet überall alte Freunde und Verbündete. Oder finden sie ihn? Ich habe mir einen Reim darauf machen können und er hat einfach nur gegrinst, wenn ich ihn darauf ansprach.

In seiner Heimat Dunstop gab es einen Schuster und dieser Schuster hatte eine Tochter, Tara-Bree. Vostor hatte als Kind mit ihr gespielt und genau diese Person stand nun, viele Jahre und tief in Drachenpass, vor uns. Sie Sie blutete aus mehreren Wunden, einige davon ernst. In ihrer Hand ein Kurzschwert. Mir war gleich klar, dass sie damit umgehen kann.

„Banditen! Helft mir.“

Wir schauten uns an. Wir würden helfen und wir machten uns bereit, Saronil und ich bereiteten unsere Lanzen vor. Gerade rechtzeitig, denn fünf Personen stürmten aus dem Gehölz. Eine Einäugige, älter. Die anderen sahen auch nicht aus wie harmlose Reisende, bewaffnet mit Schwertern und Speeren.

„Übergebt sie uns und euch wird nichts geschehen.“

Vostors Antwort war wortlos: Er ritt zum Angriff und wir folgten ihm, wohl oder übel. Der Kampf lief gut für uns, nachdem zwei der Räuber gefallen waren, gaben weitere zwei auf, die Anführerin floh in den Wald. Wir fesselten die Gefangenen und nahmen sie mit.

Tara-Bree bedankte sich: „Ich hatte versucht, sie um ihre Vorräte zu bringen, ich hatte einfach Hunger.“

Sie schüttelte den Kopf. „Ein Anfängerfehler. Das sollte mir eigentlich nicht passieren. Sie sind hinter mir her, die letzte Person, die mir half, ist tot. Sie war eine gute Frau. Vostor, überlege dir gut, ob du mir helfen willst. Der Imperator ist hinter mir her.“

Ich fand das schwer zu glauben. Vostor schwieg und sie erzählte weiter.

„Eine meiner Schwestern ist hinter mir her. Ich würde nach Glamour gebracht…“ Ich beobachte, wie sie auf ihrer Unterlippe zu kauen begann. „Ich folge Anila, ich bin eine Assassine des Blauen Mondes. Die Leibwache des Imperators und gleichzeitig seine Meuchelmörderinnen. Es ist alles eine Lüge, es ist alles falsch... das Imperium ist ein Klotz am Bein der Roten Göttin.“

Vostor sagte später, dass sie wohl eine Anhängerin des Weißen Mondes sein musste, einer verfolgten Gruppe, die das Imperium als überholt ansah. Er teilte ihre Ansicht, dass es zu viele Intrigen und Politik gab und stimmte ihr zu.

„Deswegen bin ich weg, Vostor! Du solltest sehen, was in Glamour los ist! Sie lecken die Stiefel des Imperators, aber sie folgen nicht der Göttin. Ich will dich nicht überzeugen. Aber ich musste einfach weg.“

Wir reisten weiter und nahmen Tara-Bree mit.

Ohne weitere Vorkommnisse erreichten wir Geos Herberge, in der wir die Nacht verbringen wollten. Es gibt eine Reihe von Gästehäusern, die vom legendären Helden Geo gegründet wurden. Diese hier ist direkt in den Fels gebaut worden, um Schutz vor der Witterung zu bieten.

Wir berichteten die Geschichte von unserem Scharmützel mit den Banditen und man nahm uns die Geschichte nicht nur ab, sondern sperrte auch die Gefangenen in die Arrestzellen. Das hätte auch anders ausgehen können, denn so anders als die Banditen sahen wir nicht aus. Am Ende waren Vostors Worte am wichtigsten. Einer der „Helden von Apfelallee“, den sie aufgrund seiner lunaren Rüstung sofort erkannt haben. Dass andere „Helden“ ihn begleiteten, schienen sie nicht zu bemerken. Mir glaubten sie nicht einmal, dass ich der Thane von Apfelallee war, Leila Schwarzspeers Schwert überzeugte sie kein bisschen. Saronil und ich schluckten unseren Stolz hinunter und lächelten freundlich in unserer Rolle als namenlose Begleiter des heroischen Lungern.

Wie sich herausstellte, hatte ein von seiner Tochter begleiteter Handwerker dort erzählt, wie wir einen Geist befreit haben, was nachhaltig für Eindruck gesorgt hatte.

Später am Abend war Zeit für andere Geschichten. Tara-Bree hatte die Räuber angegriffen, weil sie hungrig war, und das war schlecht gelaufen, ein Dolch im Bauch hielt sie auf. Sie winkte ab, als sie auf die Wunde angesprochen wurde.

„Alles ist besser, als von der Fledermaus gefressen zu werden, dann gibt es keine Wiedergeburt, nichts von deiner Seele bleibt.“

Meine Großmutter, mein Vater… sie starben beide auf diese Weise.

Wir boten ihr Schutz an, sie nahm das Angebot an. Sie sagte, dass vor einer Weile eine nette Frau bei der Flucht half und jetzt war sie tot. Sie war keine Kämpferin, aber… „sie“ hätten sie dennoch getötet.

Wir tranken miteinander. Ich traute Tara-Bree nicht, aber ich hatte Respekt vor ihrer Tapferkeit und sie konnte trinken wie mein alter Onkel Tardi, bei Orlanth!

Tara-Brees Meinung nach können Orlanthi wie ich nicht zwischen Ziegen und ihren Weibern unterscheiden. Aber ich fühlte mich nicht beleidigt, denn wir halten Rinder, keine Ziegen. Vielleicht habe ich ihre Geschichte nicht verstanden.

Wir brachten auf und passierten Kühnheim, dafür übernachteten wir an der Herberge an der Guten Gabelung.

Tara-Bree war schon zu Bett, als die Tür sich öffnete und drei Personen eintraten. Die älteste von ihnen stellte sich als Vale-Tanvel vor. Sie war etwas älter als Tara-Bree.

Wir sollten ihr helfen und uns dabei ein „Sümmchen“ dazuverdienen. Zwei Dinge sollen wir tun: Die erste war, ihr Tara-Brees Aufenthaltsort mitteilen, die zweite: Sich nicht einzumischen. Dafür bot sie uns 1000 Lunare, ein Vermögen.

Wir gingen nicht drauf ein. Niemals hätte ich ihr geholfen, ich hasste das Lunare Imperium schon damals aus tiefstem Herzen. Unsere Entscheidung schien ihr nicht zu gefallen. Sie machte ein paar Bemerkungen, die wir als Drohung ansehen mussten, sie glaubte uns auch nicht, dass wir Tara nie gesehen hatten. Als sie durch die Tür war, schauten wir uns an und beschlossen, sie sofort anzugreifen.

Es ging alles sehr schnell, die Götter waren mit uns: Wir setzten Vale-Tanvel mit Magie des Geistes außer Gefecht, einen der Männer erschlagen wir, der Letzte versuchte zu fliehen, aber auch ihn strecken wir nieder. Der Zauber hatte Vale-Tanvel so schwer getroffen, dass sie die nächsten Tage nicht mehr bei Sinnen sein würde.

Wir fesselten die Frau und brachten sie zu Tara-Bree auf ihr Zimmer, die schwer überrascht ist, dass wir eine Assassine des Blauen Mondes gefangen nehmen konnten. Dennoch war Tara sich sicher, dass sie niemals ruhen würde, sie würde sie überall finden.

Wir überlegen, Vale-Tanvel entweder gleich zu töten oder sie nach Kühnheim zu bringen, wo man sicher erfreut wäre, eine solch hochrangige Gefangene befragen zu können. Ich wollte keine Gefangenen töten, das wäre unehrenhaft. Aber wir berieten uns dennoch lange.

Was sollten wir tun? Immerhin hatten wir vor der Sturmzeit auch noch einen Schamanen zu besuchen, denn unsere Besessenheit hatte sich nicht gebessert.

→ Fortsetzung folgt

#RuneQuest #pnpDE

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Erinnere dich, wie wir den Weg zurück in unser Dorf Apfelalle gefunden hatten, mit uns die Zauberin Doskala und das Wissen, um den Geist 80 Augen aus seinem Bann zu befreien.

Doskala hatte uns gewarnt, dass wir kämpfen müssten und dass wir dabei in die Geisterwelt reisen würden. Sie malte zwei Kreise mit Runen, der Geistrune und der Mondrune. Der Mond steht für den Wahnsinn, der 80 Augen befallen hatte. Dazu kamen Zeichen, die ich nicht zuordnen konnte und Farnan ebensowenig. Ich erfuhr später, dass es sich um Glyphen handelte, die die Wirkung von Runen verändern sollten. Sie baute eine Statuette des Issaries auf, des Gottes der Kommunikation und des Handels. Doskala bereitete sich auf ihre Weise vor, wir auf unsere eigenen.

Farnan konnte mit seiner Ausbildung als Schamane nach Wunsch seinen Körper verlassen und sich den Wahnsinnsgeistern stellen, aber Saronil und ich brauchten Mondblumensaft dafür. Er schmeckt bitter, wie Rosenwasser. Noch ein Schutzzauber, um meine Seele zu bewahren. Ich legte mich hin und wartete auf die Wirkung. Eine Stunde später fühlte ich mich leicht und mein Blick fiel auf mich selbst, eine silberne Schnur führte hinab zu meinem Körper, ich sah meine Gefährten, wie sie leuchteten. Alles schien dumpfer.

Doskala begann einen monotonen Gesang. Die 80 Augen des besessenen Geistes schlossen sich, wie im Schlaf.

Ihr Gesang wurde dissonanter, wilder. Farben in der Wolke, die 80 Augen waren, trennten sich. Drei Wolken wie aus bunten Blitzen formten sich aus ihm. Eine große und zwei kleine Wolken.

Wie im Traum hörte ich Farnans Stimme: „Wahnsinnsgeister.“ Nur Zauberei konnte einem Geist so etwas antun, kein Schamane wäre dazu in der Lage oder käme auf die Idee. Derartiges ist nicht richtig.

Ich sah beide meiner Freunde neben mir kämpfen, aber sie fielen schnell, der große Geist überwältigte Farnan, unseren mächtigsten Verbündeten neben Doskala. Ich wehrte mich so gut ich konnte, aber ich konnte nur zuschauen, wie sich die Geister auf Doskala stürzten. Das bittere Gefühl, versagt zu haben. Dann wurde es schwarz um mich.

Aber wir hatten Doskala genug Zeit verschafft.

80 Augen war frei.

Saronil erzählte uns, dass eine vage menschenähnliche Gestalt aus Augen vor ihnen stand, in der materiellen Welt der Menschen.

„Ich bin frei.“ Die Dankbarkeit war spürbar.

Ich spürte beim Aufwachen, wie mir kurz schummrig wurde, aber ich dachte mir nichts dabei, dann war ich hellwach. Aber dieses Gefühl… als ob ich den Halt in der Realität verlor. Farnan würde mir später sagen, dass ich anstelle von 80 Augen besessen war, ebenso wie er selbst.

Doskala nahm die Statue und gab sie uns.

Dann verabschiedete sie sich und sagte, dass die kostbare Schriftrolle, die wir für sie erbeutet hatten, sie aus einer akademischen Sackgasse befreien würde. Irgendetwas mit Mondständen. Ich habe keine Ahnung, wovon sie sprach, damals nicht, heute nicht.

Wir waren zuhause und tief in der Dunkelzeit galt es, sich für den beginnenden Winter zu wappnen. Saronil wollte die verfallene Gildenhalle wieder einrichten, und wir mussten uns um unsere Besessenheit kümmern – zwar konnten wir frei denken, aber wir fühlten uns immer wieder seltsam abwesend. Farnan wusste, dass sein Lehrmeister helfen könnte, und damit war uns klar, wohin unser Weg führen würde.

→ Teil 12

#RuneQuest #pnpDE

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Erinnere dich, dass wir die Bruu besiegt hatten und ich dabei beinahe den Tod fand, aber durch meine Freunde gerettet wurde. Mein Helm hatte durch den Speertreffer gelitten und ich würde mit beizeiten einen neuen kaufen müssen, wenn er nicht mehr zu reparieren sein sollte – meinen Körper wiederherzustellen war einfacher als die Bronze. All das Blut auf meiner Rüstung aber erinnerte mich allzu deutlich an den Kampf: Das meiste war mein eigenes.

Wir untersuchten den Teil des Gehöfts, der einem Stall ähnlich sah und in der Tat fanden hier ein paar Rinder und Schafe. Sie trugen verschiedene Zeichen, sie waren gestohlen. Ich verstand nun besser, warum die lunaren Siedler derart misstrauisch und feindselig waren. Farnan und ich schauten uns das Vieh genauer an. Die Tiere wirkten schwach, ihr Zustand war nicht gut. Wir schauten uns an und ich wusste, dass mein Freund dasselbe dachte wie ich: Die Bruu hatten sie infiziert. Wir konnten nichts für sie tun. Wir erledigten, was getan werden musste und mehr ist darüber nicht zu schreiben.

Die meisten Räume des Gehöfts waren in einem Zustand, der wohl zu erwarten ist, wenn dort über Monate eine Horde Chaos-Tiermenschen gehaust hat, an Beute war dort nichts zu finden. Farnan hatte bereits herausgefunden, das in einem der Räume eine Bodenplatte war, die seiner Ansicht nach den Zugang zu einen geheimen Raum unter dem Gehöft verbergen könnte.

Saronil und ich entdeckten Schriftzeichen, die in die Metallplatte geritzt waren. Die Schrift konnten wir aber nicht entziffern, dafür aber der eine Lunare unter uns – es war pelorianisch, seine Muttersprache! Er meinte, dass das wohl ein Zauber sein musste. Ich konzentrierte mich und wirkte Antimagie. Der Weg sollte nun frei sein. Wir nahmen unsere Lampen und stiegen die Leiter hinab, die sich unter der Platte verbarg.

Wir kamen in einen kleinen Raum, der in einer Holztür endete. Der boden war mit Platten bedeckt und der Raum war trocken. Offensichtlich waren die Bruu nie hier. Die Wände waren bemalt – mit Szenen aus dem Leben der Roten Göttin, wie Vostor uns erklärte.

Die Tür war nicht verschlossen und vor uns öffnete sich ein viel größerer Raum, in dessen Mitte eine steinerne Gestalt stand. Ihr Gesicht war eine dämonische Fratze mit einem Knebelbart, auf ihrem Rücken angelegte Flügel.

Sie öffnete die Augen, die uns nachtschwarz musterten. Ein Gargyl. Ich hatte schon von ihnen gehört. Sie wurden oft als Wächter eingesetzt, aber sie waren nicht böse, dafür aber reichlich einfältig. Ich musste schmunzeln, verkniff es mir. Es gab eine Chance, einen Kampf zu vermeiden.

„Was wollt ihr?“ sprach der Gargyl auf Handelssprache. Seine Stimme klang wie Steine, die ihr aneinander reibt. Wir schauten Vostor gleichzeitig an und er verstand uns.

Er sagte – in seiner Sprache – „Wir suchen den Hausherrn.“

„Bist du mit Zevas verwandt?“ „… Ja. Entfernt.“ „Ihr seid nicht hier, um zu stehlen.“ „Nein. Wir versuchen herauszufinden, was mit ihm passiert ist.“

Mit vereinten Kräften schafften wir den wirklich sehr langsamen Gargyl namens Gagat davon zu überzeugen, dass wir nicht hier waren, um zu stehlen, obwohl wir natürlich die Absicht hatten, eine Schriftrolle mitzunehmen – und hier gab es eine Menge von ihnen, die man ordentlich in Regalen geordnet hatte.

Sie waren alle in pelorianisch verfasst – gut, dass Vostor lesen konnte und nach Stunden mühevoller Suche fand, was Doskala von uns wollte. Aber da waren viel mehr kostbare Schriften über eine Vielzahl von Themen: Arkana-Beobachtungen, Kulte, Pflanzen, Tiere und vieles mehr. Darunter war ein Tagebuch in einer Geheimschrift, die Vostor nicht entziffern konnte. Aber möglicherweise konnten das die Gelehrten in der berühmten Bibliothek von Jonsstadt? Wir beluden einen Wagen mit unserer Beute, die Schriftrollen würden wir der Bibliothek spenden. Darauf einigten wir uns schnell, denn wir hatten alle Interesse daran, unsere Namen in Jonstadt bekannt zu machen. Oh, die gesuchte Schriftrolle für Doskala fanden wir nach vielen Stunden auch.

Die gesamten Schätze mitzunehmen – das kostete Vostor ein wenig mehr an Überzeugungskraft, um Gagat zu beruhigen.

Gagat hatte ernste Bedenken, seinen Posten zu verlassen: „Zevas hat gesagt, er habe mich verzaubert, wenn ich widersetze, muss ich sterben.“ Vostor ging ein Risiko ein und versuchte es mit der Wahrheit: „Das war eine Lüge, du bist nicht verzaubert.“ Das brachte den Gargyl zum Nachdenken, was bedeutete, dass er minutenlang erstarrte. Er sagte dann, dass er sich in unserer Schuld sah und ließ uns aufladen, bevor sich unsere Wege trennten.

Wir hatten Köpfe der Bruu auf unsere Lanzen gespießt, damit die Siedler unsere Absichten von weitem erkannten, denn immerhin führten wir Vieh mit uns. Zu leicht hätte man uns für Viehdiebe halten können.

Eine weise Entscheidung, denn kurz darauf trafen wir auf vier Reiter, die uns mit unserem Wagen und den Rindern und Schafen schnell einholten, drei Männer, Quito, Calzar und eine Frau, Deli. So habe ich ihre Namen verstanden. Jeder erkannte Tiere aus der eigenen Herde und wir gaben sie zurück. Es war richtig so, schätze ich. Wir hatten in jedem Fall genug Blut für einen Tag vergossen und wir waren begierig, bald nach Jonstadt zurückzukehren. Die vier Siedler versprachen, uns in Apfelallee zu besuchen.

Wir erreichten Jonstadt nach drei ereignislosen Tagen am Gotttag. Doskala war uns dankbar für die Schriftrolle, die ihrer Meinung nach helfen würde, den gefangenen Geist in Apfelallee zu befreien. Sie erzählte von der Zauberei, dass sie nichts mit den Göttern und Geistern zu tun hat, sondern mit den Runen, den Bausteinen der Welt, und ich verstand nicht ein Wort. Alle Orlanthi wissen, dass Zauberer verwirrt sind, aber Doskala war zumindest freundlich.

Wir hatten noch einige Schätze mitgenommen, die wir für uns behalten wollten. Doskala half uns, sie zu bestimmen. Eine armlange Statuette der Roten Göttin, die bei der Anbetung verwendet wird. Drei verschlossene kleine Krüge mit Kräutern: Getrocknetes einer mit Feuerkraut, als Tee hilfreich bei Ritualmagie. Zwei mit Smaragdmoos, gut als Wundumschläge. Die drei Fläschchen mit orangefarbenen Flüssigkeit erkannte sie gleich als Mondblumentrank, die eine Trance bewirkten, in der die Seele den Körper verlassen kann wie ein Schamane, ohne dabei wie bei Hazia süchtig zu machen. Lunare Alchimisten sind nach Doskalas Geschichten die Einzigen, die Mondblumentränke herstellen können.

Da waren noch drei Kristalle, einer ein Speicher von Geistermagie, einer der das Zauberwirken erleichtert und einer der half, feindlicher Magie zu widerstehen. Sie würden einige Zeit brauchen, um sich auf neue Träger einzustimmen.

Doskala würde uns zurück nach Apfelallee begleiten. Aber zunächst hatten wir eine sichere Nacht vor uns. Am Morgen spendeten wir die Schriftrollen der Bibliothek von Jonsstadt, was einige der Gelehrten in helle Aufregung versetzte. Anschließend brachen wir auf. Ich hatte vergessen, meinen lädierten Helm reparieren zu lassen und fluchte leise, als es mir auffiel – da war Jonsstadt schon nicht mehr in Sichtweite.

Am Abend trafen wir in der Ferne Gestalten auf seltsamen Reittieren wie großen Schreitvögeln aus, die uns schnell entgegenkamen. Einige andere begleiteten sie zu Fuß. Sie waren in der Überzahl und wir machten ihnen Platz: Ein Gefecht würde nicht gut ausgehen.

Es waren Drachenmolche. Ich erkannte sie gleich. Sie sollen aus den unbeleuchteten Dracheneiern stammen und nach dem Tod wieder neu aus Eiern schnlüpfen, erzählen sie. Sie sollen eine eigene Form der Magie beherrschen, Drachenmagie. Zu Fuß wanderten die kleinen Kammdrachenmolche und auf den Vögeln ritten die größeren Schnabeldrachenmolche, deren Haut aussieht wie Rüstung. Niemand kann die Gedanken und Pläne von Drachenmolchen vorhersehen und ich wurde nervös, als sie anhielten und sich zu beraten schienen. Sie könnten uns ebenso gut niedermachen wie helfen, das wusste ich.

Einer von denen mit Kamm kam auf uns zu, ich sah gleich, dass an seinem Kiefer, an seinem Hals etwas anders war. Verheilte Schnitte? Am Kiefer ist etwas anders. Später vermuteten wir, dass er deshalb unsere Sprache sprechen konnte. Er stellte sich als „Sklave der Lügen, Sprecher von Sarna Ya'qal“ vor und bat uns, unsere Namen zu nennen. Wir taten ihm den Gefallen.

Sarna Ya’qal – einer der großen berittenen Drachenmolche – schaute uns lange an, wie durch uns hindurch. Dann sagte Sarna Ya’qal zu Sklave der Lügen, der in der Folge zu uns herüberkam.

Er bat uns im Auftrag seines Anführers um Verzeihung. Es sei „zu früh“, aber in der Zukunft würden wir uns wiedersehen. Die Drachenmolche ließen uns mit diesen Worten ratlos zurück. Schätze, dieses Treffen verlief… gut? Es war schwer zu sagen, wenn es um Drachenmolche ging.

Am nächsten Morgen brachen wir auf und bald sahen wir die inzwischen vertrauten Umrisse von Apfelallee vor uns. Der Erdwall war fast vollendet, eine gute Sache, denn der nahe Winter würde die Arbeiten verhindern.

Doskala entschied sich gegen die Unterkunft in der Herberge, sondern würde das Gästezimmer im Haus des Thane beziehen – bei mir. Der Gedanke fühlte sich noch nicht vertraut an, ich hatte Zweifel daran, ob sich das je ändern würde.

Bevor es Abend wurde, bestand die Zauberin darauf, den Geist in den Ruinen des Pfandhauses zu besuchen, der sich 80 Augen nannte.

Dort angekommen, begann Doskala sich zu konzentrieren und seltsame Worte zu murmeln. Die mannigfaltigen Augen des Geistes starrten in alle Richtungen. Er kicherte. Doskalas Augen verdrehten sich bis nur das Weiße zu sehen war. Magie wurde gewirkt und die Anstrengung war ihr anzumerken.

„Eine interessante Art.“ murmelte die Zauberin. Sie wendete sich an Farnan: Es war ein Fall von Besessenheit, allerdings ist ein Geist besessen. Eigentlich geht das nicht, aber sie könne es nicht anders erklären. Eiriandar habe die Essenz verschiedener Geister miteinander verwirbelt.

„Ich kann das aufheben. Die Geister werden dabei freigesetzt und ich werde mit dem Entweben beschäftigt sein.“

Sie öffnete die Augen und schaute uns an.

Ich wusste, was das bedeutete. Wir würden mit ihnen kämpfen müssen.

→ weiter in Teil 11

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Diese Aufzeichnungen enthalten Übersetzungen aus einem bisher unbekannten griechischen Dialekt. Es scheint sich um die unvollständigen Aufzeichnungen eines Abenteurers namens Zorizal Qaan zu handeln. (Mehr unter Figuren. Spoiler für 'Ghost Ship of the Desert Dunes‘.)

O Fremder, es waren Tage des Gelächters und des Weines, goldene Wochen, in denen wir unsere Beute in den Tavernen des strahlenden Stadtstaates Khromarium verprassten. Wir waren zusammen geblieben und hatten beschlossen, Xambaala hinter uns zu lassen und die größte aller Städte zu besuchen. Es war gut, meine Spiraltürme meiner Heimat zu sehen, der Wein war stark und die Frauen… Die Frauen sah ich gern und sie mich ebenso gern wie mein Gold. Dabei will ich es belassen. Wir trafen die Griechen Heron, der die Himmelsschlange Boetzu anbetete und gewannen einen Schwertarm und einen Zechgenossen.

Jenes Gold wurde in denselben Maße weniger, wie meine Rastlosigkeit wuchs. Zorizal Qaan ist kein Mann, der lange untätig sein konnte, und ich sehnte mich nach neuen Gefilden, neuen Schätzen und Kämpfen bis zum Tod – Dinge, in denen ein Mann sich lebendig fühlt. Ich habe das Herz eines Wanderers und eines Kriegers und ich bin niemand, der seßhaft wird. So war es, wie ich damals dachte.

Zu dieser Zeit kam ein alter Mann mit nur einem Bein an uns heran, der behauptete, einen Schatz zu suchen. Er erzählte eine wilde Geschichte: Tief in der fernen Diamantwüste sollte das Wrack von Ymirs Schlange liegen, einem legendären Wikinger-Langschiff. In früheren Tagen führte Sigtrygg Gabelbart seine Mannschaft flussaufwärts des Æolus und eroberte das lebensfeindliche Herz der Wüste. Dort entdeckten die Wikinger eine verlorene Mine voller grüner Diamanten, aber der Fluss versiegte, als sie sich auf den Rückweg machen sollten. Gabelbart und seine Leute wurden nie wieder gesehen, aber es gibt noch heute Geschichten von einem schimmernden Wikinger-Geisterschiff, das über den Dünen schwebt.

Ich kannte derlei Geschichten nur zu gut und ich wollte ihm schon Wein für seine Erzählung zahlen, aber dann bestand er darauf, Beweise zu haben. Dass die grünen Diamanten wichtig für gewisse Forschungen seien, dass die richtigen Leute enorme Preise für sie zahlen. Er hätte eine besondere Kiste, in der er die Diamanten transportieren könnte. Wegen etwas, das er „Strahlung“ nannte.

Wir waren bereit für eine Abwechslung und neue Abenteuer oder einfach zu betrunken, um nicht zuzusagen. Dass ausgerechnet wir ausgewählt wurden, dass man sich Mühe gegeben hatte, unter den Tausenden der Mietklingen von Khromarium meine Schar zu wählen, das hätte mir zu denken geben sollen. Aber, ihr ahnt es, der Wein, die rothaarige Schöne in meinem Arm, zu zögern stand mir nicht im Sinn. Tausend Goldmünzen pro Kopf für uns, das klang zu gut in meinen Ohren.

Von Khromarion würden wir mit seinem Schiff, dem „Wüstennomaden“, das Kitasion Archipel passieren, vorbei an den Inseln der Affenmenschen und dann am nach ihm benannten Kap die Siedlung Calencia. Von dort aus würden wir auf Land weiter reisen.

Es folgte noch viel Geschwafel, aber ich hatte längst zugestimmt und war sowieso zu sehr mit meiner Begleiterin beschäftigt, um seinem Geschwafel weiter zuzuhören. Am nächsten Morgen fanden wir den Wüstennomaden im Hafen, eine gut gebaute Kogge. Die Besatzung sah aus, als verstünde sie ihr Handwerk und wir schifften uns ein.

Wir hatten gutes Wetter und die Reise ging gut voran. Das klare Wetter machte es einfach, die Zeit zu genießen. Die meiste Zeit verbrachte ich an Deck, denn ich war es gewöhnt, den Horizont zu sehen, was in Khromarium ebenso selten möglich war wie in unseren Tagen in der Finsternis der Höhlen unter Xambaala. In der Nähe der Kitasion Inseln wurde das Wetter ungemütlicher und Wind kam auf. Die ersten Mägen gaben bei diesem Seegang nach, nicht der von Zorizal Qaan.

Ich war unter Deck, als etwas Schweres auf dem Deck aufkam, das Schiff kam ins Schwanken. Dann hörte ich Schreie von oben. Mein Schwert und mein Schild in Händen stürmte ich ans Freie. Dort sah ich riesige Tentakel, jeder dick wie ein Weinfass, acht an der Zahl. Sie griffen sich Leute von Deck, Eybjörg und meine Freunde bekämpften das Monstrum mit ihnen. Nach kurzer Zeit war es vorbei und wir standen bis zu den Knöcheln in Schleim und der klebrigen schwarzen Tinte des Ungetüms, dessen Arme wir abgehackt hatten. Der Geruch erinnerte mich an die Spezialitäten, die wir bei den Orgien im Hause Qaan genossen hatten, lange vor unserem Sturz und für einen Moment überkam mich die Schwermut bei den Gedanken an die glückliche Dekadenz dieser Tage.

Unsere Wunden wurden verbunden und wir erreichten die Buch, in der Calencia sich auf hölzernen Pfählen über dem Wasser erhob. Die Bewohner hier waren bekannt für ihre Fingerfertigkeit und die kunstvollen Seile und Teppiche, die sie herstellten. Sie waren ein gastfreundliches Volk, das für seine eigenwillige Küche ebenso wie für ihre eigentümlichen Gottheiten bekannt war, außerdem für ihre bittere Fehde mit den Affenmenschen der benachbarten Inseln. Sie ernährten sich durch Handel und Fischfang.

Von hier aus würde es an Land weitergehen. Wir nahmen uns Esel als Packtiere und richteten uns für die Nacht ein. Eine Woche auf See trennte uns noch von der Diamantwüste.

→ Teil 9

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Erinnert euch, dass wir das Gehöft gefunden hatten, in dem sich die von der Zauberin Doskala gesuchte Schriftrolle befinden sollte. Das war die gute Nachricht, die schlechte Nachricht waren die Tiermenschen, die das Anwesen übernommen hatten – Geschöpfe des Chaos, die wir Bruu nennen. Sie sind wie eine Krankheit, die unsere Länder befällt, brutaler, als wir beide es uns vorstellen können. Wir hatten aus dem Versteck die Geburt eines Bruu miterlebt, bei der eine arme Kuh – die Mutter – ihr Leben verlor. Als die schmutzige Horde das Ereignis lautstark zu feiern begann, beschlossen wir, sie bei dieser Gelegenheit mit unserem Angriff zu überraschen. Aber nicht ohne Plan.

Wir berieten uns: Unsere Feinde hatten Speere und Schilde, wir aber hatten zudem unsere Bögen und genug Pfeile. Das war unser Vorteil, dafür gab es auf ihrer Seite die Bruu-Wach oben auf dem Dach des Haupthauses. Wir hatten unseren Schamanen Farnan, aber da war einer unter den Bruu, der ebenso wie unser Freund mit ungewöhnlichen Gegenständen geschmückt war. War das ebenfalls ein Schamane? Aber wie mächtig war er?

Farnan wirkte einen Zauber, das Zweite Gesicht, um unsere Gegner aus der Geisterwelt zu betrachten. Er schloss die Augen und konzentrierte sich, anschließend entspannten sich seine Gesichtszüge. Er berichtete, dass der Schamane lange nicht seine Macht besaß, dabei war Farnan selbst noch kein vollwertiger Schamane. Die anderen Bruu seien auch nicht stark, aber ein Sieg sei nicht garantiert. „Wann ist ein Sieg jemals garantiert“, dachte ich und beschloss, lieber zu schweigen.

In den Gebäuden befanden sich noch andere Bruu, die aber zu schlafen schienen. Ein versteckter Raum mit einer verschiebbaren Bodenplatte. Viel konnte Farnan sehen, aber nicht mehr. Er öffnete seine Augen und war zurück in unserer Welt.

Schlafende Gegner zu töten ist ehrlos, wenn es nicht gegen das Chaos geht. Beim Chaos gelten die Regeln nicht, weil Chaos alle Regeln der Welt bricht. Zu verhandeln wäre so sinnlos wie töricht, das wusste ich gut – wie alle anderen hier.

Farnan zog es vor, den Wächter auf dem Dach mittels Geisterkampf anzugreifen, und wir anderen würden vom Rücken unserer Reittiere aus über die Mauer setzen und zuerst den Bruu-Schamanen.

Ich wirkte meine Magie, einen magischen Panzer und Scharfklinge auf mein Schwert. Dann versuchte ich, meinen Hass gegen das Chaos zu kanalisieren, um mich für den Kampf zu stärken, aber anstelle neuer Kraft spürte ich nun eine tiefe Verzweiflung. Mein Schwertarm fühlte sich langsam und schwer an, aber was half es? Ich biss die Zähne zusammen und versuchte, die üblen Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen.

Es ging los. Farnans Geistergestalt manifestierte sich auf dem Dach und wurde dabei gesehen. So viel zur Überraschung – nun gab es kein Zurück mehr. Unsere Pfeile trafen den Schamanen, richteten aber keinen echten Schaden an. Ich rief Orlanths Macht an und wir trafen unsere Feinde im Nahkampf. Ein Bruu stieß seinen Speer in meine Richtung und ich weiß nicht, woran es gelegen hat, aber ich bekam meinen Schild nicht rechtzeitig hoch und er traf mich schwer am Kopf, warmes Blut schoss mir in die Augen, der Speer blieb in meinem Helm stecken. Ohne Schutzmagie wäre das mein Ende gewesen, in jedem Fall war ich schwer verwundet, das wusste ich. Wie ich in diesem Moment noch reagieren konnte, kann ich nicht sagen, aber ich spießte dem Bruu auf mein Breitschwert. Orlanths Macht erfüllte mich und kurz wurde ich zu Ihm, als ein Blitz direkt auf den Bruu einschlug.. Sein Kadaver fiel rauchend zu Boden, was mir ein immenses Gefühl der Befriedigung gab. Ich nahm den beschädigten Helm am und zog den Speer heraus, was die Blutung nicht gerade bremste. Ein Fehler. Ich borgte mir Dunas magische Macht, um meine Kopfwunde zu heilen, bevor Schmerzen und Blutverlust mich außer Gefecht setzen konnten.

Es ging dann alles schnell. Farnan erlangte Gewalt über den Bruu auf dem Dach und griff in dessen Körper die anderen Bruu an.

Wir waren siegreich, aber das hätte leicht meine letzte Schlacht sein können.

→ weiter in Teil 10

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Diese Aufzeichnungen enthalten Übersetzungen aus einem bisher unbekannten griechischen Dialekt. Es scheint sich um die unvollständigen Aufzeichnungen eines Abenteurers namens Zorizal Qaan zu handeln. (Mehr unter Figuren. Spoiler für 'The Anthropophagi of Xambaala'.)

Oh Fremder, erfahre, wie wir aus den unterirdischen Labyrinthen aus uralter Zeit entkamen und wie wir den giftigen Fängen ihrer schlangenhaften Bewohner entkamen!

Erinnert euch daran, wie wir feststellen mussten, dass uns der Rückweg versperrt worden war. Wir hatten die befreiten Händler aus Xambalaa und die Gefangenen aus den Gruben der Schlangenmenschen so gut es ging mit den Waffen ihrer Peiniger ausgerüstet, an die anderen traten wir einige unserer eigenen ab, darunter meinen Dolch. Die Stimmung unserer neuen Schützlinge unterschied sich von beseeltem Rachedurst bis hin zu schicksalsergebener Apathie. Wir mussten es nicht aussprechen, unsere Blicke reichten aus: In einem echten Kampf wäre niemand von ihnen etwas wert, es mag sogar ein Fehler gewesen sein, diese unerfahrenen Fremden zu bewaffnen. Wer hätte wissen können, ob ich nicht meinen eigenen Dolch alsbald zwischen meine Schulterblätter zurückerhalten hätte? Damals fühlte es sich gut an, eine kleine Schar anzuführen. Eybjörg, Roar und ich teilten die Gruppe unter uns auf, jeweils drei von ihnen unter unserem Kommando. Ich dachte zurück an meine Jugend, an meine Zeit bei den Barbaren der Steppen von Vol und wie ich meine erste Gruppe anführte. Eine gute, bis alle durch meine eigene Klinge den Tod gefunden hatten. Ich biss die Zähne zusammen, damit der Geist der bösen Erinnerung mir nicht über das Gesicht huschen konnte. Das würde sich nicht mehr wiederholen, beim Strahlenden!

Unser Rückweg mochte versperrt sein, aber wir hatten gelernt, dass diese Gewölbe von Gängen durchlöchert waren wie das weiche Brot von Jarbis, dem Bäcker in meiner alten Straße in Khromarium. Man musste die geheimen Wege nur finden, und diese Suche begann nun. Wir schickten unsere Leute los und ließen sie die Wände abklopfen, ungewöhnliche Spalten finden und so weiter. Sie mag unweigerlich heimtückisches Spiel bedeuten, aber die Vollendung mit der meine Gefährten die Diebeskunst ausüben, musste ich widerstrebend respektieren. Nicht, dass ich das vor ihnen zugeben würde.

Es dauerte nicht lange, und unsere Leute fanden gleich zwei Geheimgänge. Einer davon musste uns in die Freiheit führen.

Die hellen Augen der feuerhaarigen Eybjörg funkelten, als sie sich anbot, den Weg vor uns zu erkunden. Fast unhörbar schlich sie den dunklen Tunnel vor uns hinab, bis sie uns mit einem Handzeichen vor Gefahr warnte. Wenig später bot sich uns ein merkwürdiger Anblick: Eine spitze Pyramide aus weichem, durchscheinendem Gallert kroch den Gang entlang, ohne uns weiter zu beachten. Es hatte keine sichtbaren Augen oder andere Sinnesorgane, aber wir wollten lieber nichts riskieren, zu oft hatten wir mit unseren Leben gespielt, um jetzt nicht gerissen zu sein: Das geistlose Wesen ließ sich nur zu leicht in die Irre führen und im Kreis führen, wo es nicht weiter störte. Wir fanden eine verschlossene Tür vor, die sich mit ein wenig Mühe leicht aufbrechen ließ. Das Risiko, durch den Lärm Aufmerksamkeit auf uns zu lenken, gingen wir ein: Unsere Feinde hatten uns eingeschlossen, sie wussten, dass wir gefangen sind und niemanden würde es wundern, wenn wir mit Gewalt unseren Weg zu bahnen versuchten.

Vor uns befand sich ein kreisrunder Raum und in dessen Mitte ein Podest, darauf ein enormer blauer Diamant. Der Schatz, den Mutter wie keinen anderen begehrte! Wir hätten ahnen müssen, dass der Raum nicht ohne Grund verschlossen war.

Als wir den Raum betraten, musste ich unwillkürlich grinsen und ich dachte daran, wie reich wir nun alle wären, wenn wir den Diamanten ans Tageslicht brächten. Dann daran, dass wir ihn Mutter bringen wollten. All die Verehrung, die ich für unsere wunderschöne Behüterin hegte, war wie weggefegt bei dem Gedanken, den Stein für uns zu behalten. Aber würde ich meinen Gefährten vertrauen können, die mir allein in den letzten Stunden mehrmals das Leben gerettet hatten? Denen ich mehr als nur einmal ihre Leben gerettet hatte? Ich sah in ihre Gesichter und fand nichts als Verrat. Unsere Blicke trafen sich und ich sah, wie Roars Hand sich um den Griff seiner Waffe legte, aus dem Augenwinkel sah ich Eybjörk in Kampfstellung gehen.

Ich will nicht zu viel der Worte wiedergeben, die zwischen uns fielen, zu schmerzlich ist die Erinnerung daran, dass wir kurz davor waren, uns gegenseitig zu massakrieren. Wir wurden lauter und lauter und ich begann zu überlegen, ob sie sich gegen mich verbünden würden, denn dann hätten sie eine kleine Chance gegen mich gehabt.

Doch tief in mir sind noch die Gedanken an Überleben um jeden Preis, die mir das harte Leben auf den Steppen gelehrt hatten und sie werden mich nicht verlassen, egal wie lange ich noch atmen werde.

„Wir können das später unter uns ausmachen“, hörte ich mich sagen wie eine klarere, weisere Version meines hasserfüllten Selbst. „Wir brauchen einander, um hier lebend herauszukommen. Es ist nicht die Zeit, unser Blut zu vergießen. Später.“

Wir starrten uns an wie ausgehungerte Wölfe. Dann legten wir gemeinsam den Diamanten in meinen Lederbeutel und gelobten, diesen offen zu tragen, für jeden zu sehen.

Als ich den Beutel zuschnürte, war der Zauber gebrochen. Der rote Nebel der Wut verließ meine Gedanken, der mörderische Neid verschwand und machte unserer natürlichen Gier Platz.

Unsere Blicke trafen sich und ich spürte tiefes Bedauern. Ich wusste um die schmutzige Magie, die hinter allem stecken musste, aber es war doch mein eigener Hass gewesen, der mich beinahe Eybjörg und Roar erschlagen ließ. Jemand mit einer milchhellen Haut eines Hyperboreaners kann Schamesröte schwer verbergen und dieses war ein solcher Moment. Gleichzeitig kochte ich vor Wut. Das hier sollten wir dem Wesen geben, das ich Mutter nannte, das nicht meine Mutter war? Das meinen Geist allein mit seiner eigenen Macht verdreht hatte? Bei allem, was sie für uns getan hatte, das war nicht richtig.

„Dieser Stein ist zu mächtig, zu gefährlich, um zu existieren“, sagte ich. Die anderen schauten mich an und wir trafen eine Übereinkunft.

In diesen Aufzeichnungen will ich nicht niederschreiben, was mit dem blauen Diamanten geschah. Ich sage nicht, dass er vernichtet wurde. Ich sage nicht, dass er noch existiert und ob ich Kenntnis von seinem Versteck habe. Dieses Wissen nehme ich mit in mein Grab.

Wir schafften es zurück an die Oberfläche, wo das Strahlen des kostbarsten Juwels von Allen uns das Gesicht wärmte. Die Gefangenen waren bei uns, ein paar von ihnen reiche Händler, ein paar von ihnen aus den Reihen der Ärmsten der Stadt. Zerschunden und erschöpft waren wir alle, am Leben waren wir alle.

Berichten will ich noch, dass durch uns die Macht der Anthrophagen von Xambalaa gebrochen wurde und dass für eine Woche unser Gelächter durch die Tavernen der Stadt hallte.

→ Teil 8

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Mehr über Farast Sturmfreund findest Du auf Figuren. Seine Abenteuer beginnen hier. Mögliche Spoiler für Abenteuer aus dem RuneQuest Starter-Set.

Wie sich herausstellte, vertraute uns die Zauberin Doskala mehr, als ich erwartet hatte, was auch bedeutete, dass sie uns nicht wie gedacht auf der Suche nach einer Schriftrolle in ein unsicheres Gebiet begleiten wollte, noch dazu zur Winterzeit. Ich hätte mich gefreut, sie als Verstärkung dabei zu haben, aber ich verstand ihre Beweggründe.

Am Frosttag verließen wir Jonstadt mit frischem Proviant und vollständiger Ausrüstung. Auch wenn nur wenig Schnee fiel, war es uns doch eine Warnung – Valinds Zeit brach an und wir hatten nicht viel Zeit, um unsere Aufgabe zu erfüllen und nach Apfelallee zurückzukehren. Auf unserem Weg nach Wulfland benutzten wir die alten Karawanenpfade und auf diese Weise kamen wir schnell voran. Wir verließen die Gebiete der Colymar, überquerten den Lorthing und verbrachten die Nacht in Pferderuh. Am nächsten Tag erreichten wir zur Abenddämmerung Alte Wurmspitze und kehrten in der einzigen Herberge dieses verschlafenen Dorfes ein. Ich sprach mit einem Alten Mann, von dessen Tattoos ich annahm, dass er zum Kult Orlanths des Donners gehörte. Er sagte, dass die lunaren Siedler sich hartnäckig im Wulfsland behaupteten und spuckte bei diesen Worten aus. Das Gebiet gehörte einst dem Stamm der Marboda, die bis zur letzten Seel von der lunaren Armee ausgelöscht wurden, aber auch die verfluchten Telmori, die Torkani und die Shinzina beanspruchten dieses Land, seitdem die Besatzer es Jon Wulf und den Seinen geschenkt hatten. Er faselte von Kriegern, die sich Wölfe verwandeln, aber da ich die Geschichten über die Telmori gehört hatte, nahm ich seine Worte ernster, als ich das in anderen Gegenden getan hätte. Die Telmori hatten sich einst den Verlockungen des Chaos hingegeben, aber waren sie nicht loyale Wächter des Hauses Sartar? Wie dem auch sein mochte, wir Colymar hegten keine Liebe für sie. Er sagte weiter, dass sein Bekannter, Berral, ein paar Bruu gesehen hatte, widerwärtige Tiermenschen, die alles in ihrem Weg verderben. Dass wir erst vor kurzer Zeit gegen andere Chaoswesen wie Harpyen und Skorpionmenschen gekämpft hatten, bereitete ihm sichtlich Sorge. Darin war er nicht allein, bei Orlanth!

Nebel begrüßte uns am folgenden Morgen, ein ungebetener Besucher für alle Reisenden, und er brachte uns wie so vielen anderen kein Glück, denn wir übersahen eine Landmarke, einen Fels in Form eines sitzenden Hundes. Es kostete uns den gesamten Tag, bis wir die Route zurückgefunden hatten. Vostor bestand darauf, dass der Stein viel mehr einem Murmeltier ähnelte, aber mir stand der Sinn nicht nach Streitereien mit meinen Freunden. Wir fanden den Gesprungenen Baum bald darauf mit dem guten Gefühl, sich auf dem richtigen Weg zu befinden.

Als wir einen Hügel hinab ritten, hörten wir Reiter in der Nähe. Vier an der Zahl, Schuppenpanzer. Vostor flüsterte uns zu, dass die Ausrüstung aus Dara Happa, seiner Heimat, stammen musste. Lunare? Auf jeden Fall konnte er sagen, dass sie ausgebildete, disziplinierte Soldaten waren, keine einfachen Wegelagerer.

Er rief sie an und bat um freies Geleit in die Wulflande. Sie mochten ihm unsere friedlichen Absichten schlicht nicht glauben. Jeder konnte sehen, dass Vostor ein Veteran war wie sie, seine Herkunft war klar zu erkennen. Aber unser Freund ist ein Mann der Tat und mit Worten nicht so geübt wie mit seinem Khopis, trotz seines messerscharfen Verstandes. Ich seufzte innerlich und malte mir aus, wie es auf ein Scharmützel hinauslaufen müsse, aber dann entschied ich mich, meine Stimme in einem letzten Versuch zu erheben. Erneut bat ich um freies Geleit, legte mein Wort als Thane in die Waagschale und in der Folge zogen sie sich zurück. Ich hörte Wortfetzen wie „sehen nicht so aus“, aber mehr konnte ich nicht verstehen. Nach geraumer Zeit kehrte der Anführer zurück und ließ uns nach einigen Drohungen passieren.

Vostor bat uns, ihn keine Verhandlungen mehr führen zu lassen, ein Gefallen, den ich ihm künftig nur zu gern gewähren wollte.

Es dauerte nicht mehr lange, bis wir an unser Ziel kamen. Ein kleines Gehöft aus zwei ziegelgedeckten Gebäuden, umringt von einer zwei Metern hohen Steinmauer. Der Rauch eines Holzfeuers stieg aus dem größeren Haus auf. Das Tor war geschlossen, darauf hatte jemand mit einer bräunlichen Farbe ein Zeichen gemalt – ein Kreis mit zwei gebogenen Hörnern.

Die Rune des Chaos. Und war die Farbe nicht sicher getrocknetes Blut?

Ich hatte kein gutes Gefühl, den anderen ging es nicht anders. Wir beschlossen, das Gehöft ausspähen zu lassen, da wir auf dem Dach eine Gestalt sitzen sahen, die wir uns ein paar hundert Metern nicht genauer bestimmen konnten. Ich schickte Duna los, da sie als Schattenkatze nicht weiter auffällig war und viel, viel leiser sein konnte als einer von uns ohne magische Hilfe. Dachte ich. Die Gestalt entdeckte sie und warf mit einem Ziegel nach meiner Geistergefährtin, traf sie direkt an ihrem Kopf. Sie heulte auf vor Schmerz und ergriff die Flucht. Die Wunde war nicht tief, sie würde heilen, mein Groll für die Bewohner dieser Siedlung hingegen wuchs. Ich hatte keinen Zweifel mehr an ihren schlechten Absichten. Welcher gute Orlanthi verletzt schon eine Schattenkatze? Sind Yinkins Kinder uns nicht allen heilig? Von innen hörten wir Schreie eines Tieres, die schnell verstummten, dann meckernder Jubel. Eine Opferung?

Wir beschlossen, das Gehöft weiträumig zu umrunden und die Mauer aus dem Sattel zu überwinden. Der tapfere Saronil wagte es, wir gaben ihm Feuerschutz mit dem Bogen. Er erklomm die Mauer und sah, in der Tat, vier aufrecht gehende gehörnte Ziegengestalten, eine von ihnen behängt mit Schädeln und anderen Knochen. Einige Rinder mit Zeichen verschiedener Stämme und Clans.

Eine Kuh lag dort in ihrem Blut. sie sah aus, als ob ihr Bauch aufgeplatzt sei. Die Brut – denn es konnten nur Bruu sein, die Heerschar des Chaos – reichten ein blutverschmiertes Jungen herum und schienen mit ihmn zu spielen. War das die Geburt eines Chaoswesens?

weiter

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Farast Sturmfreund: 1625 S.Z. Dunkelzeit, Fruchtbarkeitswoche. (9)

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Was die Mondmotte sah

Diese Aufzeichnungen enthalten Übersetzungen aus einem bisher unbekannten griechischen Dialekt. Es scheint sich um die unvollständigen Aufzeichnungen eines Abenteurers namens Zorizal Qaan zu handeln. (Mehr unter Figuren. Spoiler für 'The Anthropophagi of Xambaala'.)

O Fremder, der du dies lesen magst! Erinnere dich an den Moment, an dem Zorizal Qaan und seine Gruppe einer Gruppe von 5 der elenden geschuppten Bewohner jener Gewölbe auflauerten und das feurige Blut des Hyperboreaners vor Freude auf einen guten Kampf zu kochen begann!

Indes, es war ein allzu ungleiches Gefecht und nicht, was ich mir erhofft hatte. Drei der Echsenmenschen fielen unter unseren Klingen – am Leben blieben einzig zwei Händler aus Xambaala, die den Kult kennenlernen wollten. Zweifellos wäre genau dies ihr Schicksal gewesen, weniger profitträchtig und schmerzhafter als sie sich das ausmalten. Sie zeigten sich undankbar, was mich nicht wenig erzürnte. Genug der Worte! Ich zog einer der Leichen die Kapuze vom Kopf und drehte den unmenschlichen Kopf in Richtung der feigen Pfeffersäcke, die augenblicklich ihre Einstellung überdachten. Wir verkleideten uns mit den Umhängen, wie wir es geplant hatten, und drangen weiter in die Gänge im Osten vor, in denen wir unser Ziel, den legendären blauen Diamanten, vermuteten. Ich hatte gelegentlich widerstrebende Gedanken über Mutter, die gar nicht meine Mutter war. Sie wollte den Diamanten. Aber warum?

Mit solchen Grübeleien im Sinn betraten wir den nächsten Raum, der mit runden Tischen und Hockern wie ein Wachraum aussah. Schon dass der Raum leer war, hätte uns auffallen sollen! Aber so sah ich noch, wie Eybjörk vor mir zu Boden sank – betäubt! Ich wollte mich umwenden und nach den anderen sehen, meine Waffe ziehen, eine Warnung brüllen, doch da wurde mir schwarz vor Augen.

Die hinterlistigen Echsenleute hatten Gas in die Kammer gelassen! Vor kurzer Zeit hatten sie überlegt, ob wir die Händler fesseln sollten, und uns dagegen entschieden, was sich gelohnt hatte, bei Aurorous’ Licht! Eben diese weichlichen Stutzer zogen uns in Sicherheit, und bald waren wir wieder bei Sinnen. Dank sei ihnen.

Wir erkundeten die weitläufigen Anlagen tief unter der Erde weiter, dabei fanden wir eine Anlegestelle am uns wohlbekannten unterirdischen Fluss und sogar ein Amphitheater. Unsere nordischen Freunde kannten einen Brauch, den sie „Sauna“ nennen, eine Art Dampfbad. Einen solchen Ort fanden wir ebenfalls – voller unbewaffneter Schlangenscheusale! Wir verzichteten widerstrebend darauf, sie zu massakrieren. Unbewaffnete erschlagen ist nicht meine Art. Aber wir konnten die Tür von außen blockieren.

Wir hatten wichtigeres zu tun: Ich hatte runde Löcher im Boden gefunden, und nachdem ich die Holzdeckel entfernte, konnten wir eine Menge lebendiger Menschen befreien. Es war gerecht, dass sie sich mit der Ausrüstung der geschuppten Badegäste bewaffneten!

Das war kurz vor dem Moment, in dem wir Mauern vorfanden, wo sich bisher keine befanden. Wir saßen in der Falle.

→ Teil 7

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