Mit @funk ist das junge Angebot von ARD und ZDF jetzt bei Mastodon vertreten. Herzlichen Glückwunsch an @merve @remrow und Kolleg:innen vom SWR X Lab zu diesem Move.

⤵️ Ein paar weitere Gedanken zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Fediverse.

Seit ein paar Jahren gibt es die Forderung an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, mit den eigenen Inhalten nicht die großen (und immer problematischeren) Plattformen aus dem Silicon Valley zu bespielen, sondern freie Alternativen - und hier vor allem das Fediverse.
Ich glaube zwar, ohne die großen Plattformen geht es aktuell nicht, denn zum öffentlich-rechtlichen Auftrag gehört es, die gesamte Gesellschaft zu erreichen - und die meisten halten sich nun mal vor allem auf Instagram, TikTok oder YouTube auf, weniger auf Mastodon, PeerTube oder Pixelfed. Gleichzeitig ist die Forderung, auf freie Alternativen zu setzen, völlig berechtigt. Ich hatte schon 2023 für epd medien ein Plädoyer für eine öffentlich-rechtliche Plattform verfasst. https://www.turi2.de/community/epd-medien/offenheit-nach-aussen-dennis-horn-darueber-wie-eine-oeffentlich-rechtliche-plattform-aussehen-koennte/
"Offenheit nach außen" – Dennis Horn schlägt ein Konzept für eine öffentlich-rechtliche Plattform vor. | turi2

Eine für alle: Eine gemeinsame Mediathek wäre für ARD und ZDF eine Chance, ihre Inhalte "so zusammen­zuführen, dass sie sich gegenseitig guttun", schreibt Digital­experte Dennis Horn bei epd Medien. Eine öffentlich-rechtliche "Diskurs­plattform" könnte zudem einen Raum schaffen, "in dem nicht die lautesten Kommentare gewinnen oder die sensationalist­ischsten Inhalte nach oben gespült werden". Damit die Plattform Erfolg hat, sollten ARD und ZDF sie allerdings für andere Anbieter öffnen – und gleichzeitig ihre eigenen Inhalte anderen zur Verfügung stellen, meint Horn. Weiterlesen >>>

turi2
Ich möchte, abseits der technischen Debatte, noch einen Aspekt ansprechen: die Machtfrage. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat im digitalen Raum bisher immer die Inhalte kontrolliert - aber nie die Plattform. Stattdessen baut er aktuell Publikumsbeziehungen auf Plattformen auf, die er nicht selbst kontrolliert, und das ist natürlich wenig nachhaltig. Mit jeder Änderung der Unternehmensstrategie, mit jedem Tweak im Algorithmus, geht auch immer die Gefahr einher, an Reichweite einzubüßen.
Die großen Anbieter aus den USA dagegen sind mächtig, weil sie beides haben: den Content und die Infrastruktur, auf der er läuft. Mit dem Fediverse gibt es aus meiner Sicht gerade die einzige realistische Chance, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk je hatte, das auch zu tun. Auch deshalb hoffe ich, dass noch mehr öffentlich-rechtliche Häuser und Redaktionen dem Schritt von funk folgen - und im Idealfall einen gemeinsamen Zugang zum Fediverse schaffen, auf den das Publikum wirklich Lust hat.
Das wäre übrigens kein unbekanntes Muster: Das Internet war immer offen. Aber erst, als Google und Apple mit iPhone und Android einen anderen Zugang dafür gebaut haben, ist es explodiert. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hätte dieselbe Möglichkeit fürs Fediverse - mit einer vorhandenen Infrastruktur, die technisch sehr klug ist, aber für viele Nutzer:innen bisher wenig einladend. Das ist also vor allem eine Frage von Inhalt und Gestaltung - und die liegt dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
@dennishorn Ich finde ehrlicherweise, dass die Veröffentlichung von Inhalten nach dem +1 Prinzip auch im Fediverse passieren sollte ist eigentlich ein No-brainer. Das ist sehr einfach mit dem Programmauftrag zu begründen. Oft wird einfach blind auf Likes und Interaktionen geschaut und das kann das Fediverse eben nicht - ich sehe ja qua Design gar nicht alle Kommentare und Likes.

@FlippoFlip du nicht. die Ersteller des beitrages aber schon.

ich sehe ja qua Design gar nicht alle Kommentare und Likes@dennishorn

@crossgolf_rebel
Hängt von der Serverkonfiguration ab, oder? Lesen bspw. kann ich ja auch ohne Benachrichtigung an den Beitragsersteller..
@dennishorn
@FlippoFlip @crossgolf_rebel @dennishorn Mit #FediSuite ist für die Profi-Anwender vor einer Weile ein Tool dazugekommen, das es etwas leichter macht, Fediverse-Interaktionen sichtbar zu machen. Damit kann man auch im Unternehmenskontext argumentieren, dass man einen Fedi-Auftritt einrichtet.
@FlippoFlip für dich als Ersteller des Beitrages, sind 100% der Interaktionen Sichtbar

Für mich als Betrachter von der Seite, sehe ich erst mal nur die Interaktionen, deren Instanzen meine Instanz auch kennt.

Für mich von der Seitenlinie ist aber auch nicht "wichtig", unbedingt alles sehen zu müssen
😉
Will ich alles sehen, gehe ich auf den Originalbeitrag.

@dennishorn

@crossgolf_rebel
Leider auch der nicht. Denn hier gibt es noch die technische Voraussetzungen das auch auf dem aktuellen Internet-Protokoll anzubieten.
Aktuell ist das ÖRR nur im Legacy Internet vertreten.
Nicht jede Fediverse Instanz kann sich das leisten. Und damit kommen die Interaktionen von denen nicht an.

Leider sind die Messungen dazu von @fediverseobserver und @fedidb nicht vollständig.
@dennishorn @FlippoFlip

@goetz füge mal https://fedi.wrm.sr/ deinem Tools hinzu, das arbeitet um längen genauer und schließt keine Dienste komplett aus


@dennishorn @FlippoFlip
FediIndex

Detailed Fediverse statistics

@FlippoFlip Veröffentlichung +1 ist nicht plattformgerecht. Aus meiner Sicht gehört zu jedem Auftritt auch die Frage des Community Managements dazu. (Und ich glaube, das ist zum Teil auch in den Vorgaben der Häuser so verbrieft.)
@dennishorn Stimmt. Ich vermag nicht zu beurteilen, wie groß die Socialmediaredaktionen beim ÖRR sind, aber eine mir bekannte Organisation in Hannover hat 1.5 Stellen für SocMed, aber leider bei 50 Wochenstunden keine "Zeit fürs Fediverse"
@dennishorn @FlippoFlip Ist das nicht zu kurz gedacht? +1 ohne Interaktion finde ich sinnvoller als nichts zu tun.
Und irgendwann wird hoffentlich erkannt, dass das +1 groß genug ist, um auch Interaktionen anzubieten…
@jewa @FlippoFlip Jeder Account ist auch immer ein Signal nach innen, nach dem Motto "+1 ist okay" - und das kann dann wieder Effekte haben, die man eigentlich nicht haben möchte. Ist ein bisschen komplexer, wobei ich das "besser als nichts" als Argument auch verstehe.
@dennishorn Ich stimme in weiten Teilen zu, allerdings würde ich gerne noch ein Argument anreichen und auf eine verbreitete mMn Fehlannahme hinweisen. "Geh dahin, wo die Zielgruppe ist" wird seit 20 Jahren im Marketing proklamiert. Allerdings führt das Vorhandensein der eigenen Inhalte wiederum dazu, dass Menschen wiederum auf problematischen Plattformen bleiben, weil die Inhalte ja dort sind. Teilweise auch nur dort sind. Ich hatte in einem Workshop schon Menschen einer Lokalredaktion, die über
@dennishorn vier Jahre ihren kompletten Content ausschließlich auf Instagram gepostet haben und gar nicht mehr bei sich selbst. Für Indie-Künstler:innen schlage ich immer vor, dass sie da hingehen sollen, wo sie sich selbst wohl fühlen, weil sie dort die Menschen treffen, die ähnlich ticken wie sie selbst und die dann wahrscheinlich auch mögen, was sie schaffen. Für ÖRR ist die Lage natürlich etwas komplexer. Aber nur auf den problematischen Plattformen zu sein führt dazu, dass Menschen dort
@dennishorn bleiben, auch wenn sie vielleicht eigentlich von YT, FB, Instagram etc weg wollen. Und dann sind aber all die guten Namen dort. Wenn ein Angebot auf frei zugänglichen Plattformen mindestens parallel aufgebaut wird, haben die Menschen auch Orte, wohin sie können um die Inhalte zu bekommen, die außerhalb der problematischen Plattformen liegen. Und das ist mMn Teil der demokratischen Aufgabe von Medien, insbesondere der ÖRR.
@dennishorn Ein Beispiel aus einem anderen Bereich: Die Freiwillige Feuerwehr im Ort, wo meine Eltern sind, hat seit jahren alle ihre "öffentlchen" Informationen ausschließlich über eine Facebook-Seite geteilt. Wer kein FB hat, ist außen vor. Ich habe das auch von Gemeindeverwaltungen gehört. Und von Lokalmedien. Menschen bleiben auf FB, um die Inhalte überhaupt mitzubekommen. Hier braucht es ganz dringend ein Umdenken und mindestens parallele Angebote, um Menschen überhaupt eine Wahl zu geben.
@viennawriter Genau auf Basis dieser Argumentation entsteht ja nun ein Auftritt wie der von funk. Trotzdem ist das eine Ressourcenfrage. Ich muss das Geld, das ich habe, zielgerichtet einsetzen.
@dennishorn Ist eben die Frage der Zielsetzung: Interaktionen mit echten Menschen oder jeden Morgen um 8:05 Uhr einen über 2 Stunden hübsch gestalteten Post direkt in die Tonne kloppen, weil ihn eh nur 10% der angezeigten Followerzahl tatsächlich sehen, bei bezahlten Posts vllt 15 oder 20%. Aber da hängt bei Entscheidenden und Menschen in den Abteilungen ganz viel Glauben und Überzeugung drin, was aus 20 Jahren Marketing-Dressur herrührt.
@viennawriter Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es wenig Marketingprägung. Aber natürlich Prägung durch ein Einbahnstraßenmedium, das es lange Zeit war. Die Frage, ob man da einen guten Social-Media-Auftritt hinbekommt, ist dort vor allem eine davon, ob man sein eigenes Medium als eins im Dialog mit dem Publikum versteht.
@dennishorn Das außerdem, ja. Und höchst erfreulich, wenn wenig Prägung zu überwinden ist. Dann ist nur die Frage, ob man entsprechende Stellen schaffen möchte.
@dennishorn @viennawriter Und dann ist auch immer die Frage, auf welchem Weg Politik, Medien und andere Nutzer*innen ihre Mitteilungen zuerst verbreiten (und wo möglicherweise erst mit Verzögerung).

@viennawriter @dennishorn Nennt mich pessimistisch (disclosure, ich hab eine gescheiterte Bundestagspetition zu dem Thema N+1 für öffentliche Kommunikation hier liegen), aber ohne gesetzlichen Rahmen wird das nix.

Das Verständnis dafür, das das Internet offen ist und zB FB geschlossen, ist nicht weit verbreitet.

@viennawriter @dennishorn Niemand bleibt bei Instagram, weil da eine einzelne Regionalzeitung postet. Menschen sind dort, weil dort ihre Freunde sind und wegen des Gesamtangebots.

@fiete @viennawriter @dennishorn

Mit anderen Worten: Das Gesamtangebot des Fediverse ist nicht befindlichkeitslastig genug. ;)

@_RyekDarkener_ @fiete @dennishorn Ich kenne Menschen, die waren wegen der genannten Freiwilligen Feuerwehr und der Gemeindeverwaltung noch immer bei FB.
@fiete @viennawriter @_RyekDarkener_ Anekdotische Evidenz ist glaube ich immer schwierig.
@dennishorn @fiete @_RyekDarkener_ Ich hab keinen Stress damit, eine qualitative Umfrage dazu zu machen. Interessant sind grad für den Bereich die ländlicheren Gebiete mit einzubeziehen und nicht nur von der (Haupt)Stadtbevölkerung auszugehen.

@dennishorn @fiete @viennawriter

Ja. Ist sie. Und – das meine ich ohne Ironie – es gibt immer gute Gründe, das Falsche zu tun. Ich habe da ganz sicher auch meine guten Gründe für falsche Entscheidungen. Von daher versuche ich mittlerweile, nicht zu be- oder abzuwerten, sondern zur Kenntnis zu nehmen. Und daran zu arbeiten, dass ich für mich Dinge öfter richtig mache.

@dennishorn was ist eigentlich der aktuelle Stand beim Public Spaces Incubator? Zielt dieser nicht (auch) genau darauf ab, die beschriebene Abhängigkeit zu beenden, die Macht der großen Plattformen zu brechen?

/cc @erik

#publicspacesincubator #zdfsocial #zdfYkljRBvH9 #twttaltt42xz

@dennishorn
Danke Dennis für die Einordnung und das Plädoyer.
@dennishorn
Man sollte als ÖR das eine (FediVerse) tun und das andere (noch) nicht lassen.
Sich ausschließlich abhängig zu machen von kommerziellen Plattformen scheint mir nicht sinnvoll.