Falls ihr mich sucht, ich liege das gesamte Wochenende hier und lese.
Weiß jemand von euch, wie spät es ist?
Das wäre übrigens kein unbekanntes Muster: Das Internet war immer offen. Aber erst, als Google und Apple mit iPhone und Android einen anderen Zugang dafür gebaut haben, ist es explodiert. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hätte dieselbe Möglichkeit fürs Fediverse - mit einer vorhandenen Infrastruktur, die technisch sehr klug ist, aber für viele Nutzer:innen bisher wenig einladend. Das ist also vor allem eine Frage von Inhalt und Gestaltung - und die liegt dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Die großen Anbieter aus den USA dagegen sind mächtig, weil sie beides haben: den Content und die Infrastruktur, auf der er läuft. Mit dem Fediverse gibt es aus meiner Sicht gerade die einzige realistische Chance, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk je hatte, das auch zu tun. Auch deshalb hoffe ich, dass noch mehr öffentlich-rechtliche Häuser und Redaktionen dem Schritt von funk folgen - und im Idealfall einen gemeinsamen Zugang zum Fediverse schaffen, auf den das Publikum wirklich Lust hat.
Ich möchte, abseits der technischen Debatte, noch einen Aspekt ansprechen: die Machtfrage. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat im digitalen Raum bisher immer die Inhalte kontrolliert - aber nie die Plattform. Stattdessen baut er aktuell Publikumsbeziehungen auf Plattformen auf, die er nicht selbst kontrolliert, und das ist natürlich wenig nachhaltig. Mit jeder Änderung der Unternehmensstrategie, mit jedem Tweak im Algorithmus, geht auch immer die Gefahr einher, an Reichweite einzubüßen.
Ich glaube zwar, ohne die großen Plattformen geht es aktuell nicht, denn zum öffentlich-rechtlichen Auftrag gehört es, die gesamte Gesellschaft zu erreichen - und die meisten halten sich nun mal vor allem auf Instagram, TikTok oder YouTube auf, weniger auf Mastodon, PeerTube oder Pixelfed. Gleichzeitig ist die Forderung, auf freie Alternativen zu setzen, völlig berechtigt. Ich hatte schon 2023 für epd medien ein Plädoyer für eine öffentlich-rechtliche Plattform verfasst.
https://www.turi2.de/community/epd-medien/offenheit-nach-aussen-dennis-horn-darueber-wie-eine-oeffentlich-rechtliche-plattform-aussehen-koennte/
"Offenheit nach außen" – Dennis Horn schlägt ein Konzept für eine öffentlich-rechtliche Plattform vor. | turi2
Eine für alle: Eine gemeinsame Mediathek wäre für ARD und ZDF eine Chance, ihre Inhalte "so zusammenzuführen, dass sie sich gegenseitig guttun", schreibt Digitalexperte Dennis Horn bei epd Medien. Eine öffentlich-rechtliche "Diskursplattform" könnte zudem einen Raum schaffen, "in dem nicht die lautesten Kommentare gewinnen oder die sensationalistischsten Inhalte nach oben gespült werden". Damit die Plattform Erfolg hat, sollten ARD und ZDF sie allerdings für andere Anbieter öffnen – und gleichzeitig ihre eigenen Inhalte anderen zur Verfügung stellen, meint Horn. Weiterlesen >>>
turi2Seit ein paar Jahren gibt es die Forderung an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, mit den eigenen Inhalten nicht die großen (und immer problematischeren) Plattformen aus dem Silicon Valley zu bespielen, sondern freie Alternativen - und hier vor allem das Fediverse.
Mit @funk ist das junge Angebot von ARD und ZDF jetzt bei Mastodon vertreten. Herzlichen Glückwunsch an @merve @remrow und Kolleg:innen vom SWR X Lab zu diesem Move.
⤵️ Ein paar weitere Gedanken zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Fediverse.
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