Ich habe mein Pulver verschossen …

Ich habe mein Pulver verschossen – so komm es mir jedenfalls vor.

Wenn man seit Jahren über „Israel“ schreibt, über die Bedrohungen denen es ausgesetzt ist, darüber, wie die Medien berichten, welche Stellungnahmen Prominente absondern, wie Politiker sich winden, wenn es um eine klare Stellungnahme geht und wie oft dabei das Entsetzen groß und größer wird, weil man es einfach nicht fassen kann, wie diese Urteile ausfallen, fehlen irgendwann die Worte. So viele Worte hat man schon in Gesprächen gemacht, in Kommentaren oder Beiträgen geschrieben. Neue Worte gibt es nicht mehr, die alten aber scheinen ausgedient, sie haben ihre Kraft verloren.

Ich muss es sicher nicht weiter ausführen, aber ich glaubte doch, dass es kaum noch abstruser, schlimmer, unverständlicher werden könnte, wie auf Israel reagiert wird „gerade bei uns“.

Dieses „bei uns“ bezieht sich nicht auf meinen Wohnort, und diesmal auch nicht auf die unsäglichen Aufmärsche, die in Hannover mit viel Tamtam gegen Israel gerichtet sind. „Bei uns“ fasse ich heute ein bisschen weiter, weiter nördlich, „bei uns“ ist größer als Hannover und so stolz auf die hanseatische Tradition einer freien Stadt!

– Freie und Hansestadt Hamburg –

Bei Wiki liest man: „Der amtliche Name verweist auf die Geschichte Hamburgs als Freie Reichsstadt und als Mitglied des Handelsbundes der Hanse. Freie und Hansestadt Hamburg.

Vielleicht ist es ja dieser hanseatische Stolz auf die besonderen Freiheitsrechte, das Beharren auf „Recht zu haben“ und sich das „Recht“ zu nehmen auch zu erklären was „recht und billig“ ist, das zu dieser unfassbar unwürdigen Situation geführt hat, die die Hamburger Juden – und nicht nur sie – zu gegenwärtigen haben.

Hamburger Juden, die während der Zeit des Nationalsozialismus Bürger Hamburgs waren, wurden wie alle Juden in Deutschland nicht nur entrechtet, sie wurden zusammengetrieben, um ihrer „Vernichtung zugeführt zu werden“, anders kann ich es nicht nennen. Der Sammelplatz für die Juden Hamburgs, die ihren Denunzianten und Verfolgern nicht entkommen konnten, befand sich auf der sogenannten Moorweide / Moorwiese unweit des Bahnhofs, von dem die Züge zu den Vernichtungslagern abfuhren.

Ausgerechnet diesen Platz – und keinen anderen in der großen und freien Hansestadt Hamburg – hatten „propalästinensische Gruppen“ erkoren und akzeptiert, um ein Protestcamp gegen Israels Existenz zu errichten. Einen alternativen Platz, der ihnen auf der Sternschanze angeboten worden war, hatten sie ausdrücklich abgelehnt, es MUSSTE die Moorweide sein. Zeigt sich darin nicht bereits die Zielrichtung der Aktion? Es geht ihnen nicht um Gaza, nicht um Palästina, es geht darum, Juden zu treffen und Israel zu delegitimieren und daran zu arbeiten, es ebenso auszulöschen, wie Hamburg Juden im Dritten Reich auslöschte.

Der NDR, ganz einer objektiven Berichterstattung verpflichtet, berichtet völlig emotionslos darüber und schreibt:

Ein geplantes Protestcamp gegen Israel darf nun doch auf der Hamburger Moorweide stattfinden. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte in einer Eilentscheidung einen entsprechenden Beschluss des Hamburgischen Verwaltungsgerichts, wie ein Gerichtssprecher am Freitagabend mitteilte.

„“Wir können glücklicherweise mitteilen, dass wir vor Gericht erfolgreich waren und das Camp wie geplant auf der Moorweide stattfinden wird“, teilte einer der Organisatoren dem NDR schon am Donnerstagabend nach einer ersten Entscheidung zugunsten des Standortes Moorweide mit. Die Veranstalter des pro-palästinensischen Protestcamps „Bridges of Resistance“ hatten gegen die Verlegung beim Verwaltungsgericht geklagt. Sie möchten das Camp wie geplant auf der Moorweide aufbauen, an dem Ort, wo schon vor zwei Jahren ein ähnliches Camp stattgefunden hatte. „Unser Protestcamp ist keine Provokation und erst recht keine Infragestellung jüdischen Gedenkens“, hieß es von den Organisatoren.“

Eine allgemeine radikale oder extremistische Grundeinstellung des Veranstalters oder Leiters ist für die Gefahrenprognose rechtlich irrelevant, solange sie sich nicht in konkreten, auf die Versammlung bezogenen rechtsgutgefährdenden Aktionen manifestiert“, heißt es in der Begründung des Gerichts. In den Kooperationsgesprächen mit der Polizei hätten die Veranstalter sogar ausdrücklich erklärt, es sei weder beabsichtigt, das Existenzrecht Israels infrage zu stellen, noch den Holocaust zu relativieren. In seiner Entscheidung vom Freitag hat nun das Oberverwaltungsgericht die Entscheidung der Vorinstanz bestätigt.

(Zitatende, Hervorhebung von mir)

WAS um alles in der Welt ist und will dieses Camp denn sonst?

WER soll denn den schönen Worten Glauben schenken?

Justitia ist nicht einfach nur blind, sie ist mit Blindheit für die eigene Geschichte der Stadt geschlagen.

Am Ort des Gedenkens für die ermordeten Hamburger Juden errichten propalästinensische Gruppen ein „Protestcamp“ namens „Bridges of Resistance“ – wobei doch sicherlich niemand der Richter, die den Anträgen der Pro-Palästinenser stattgegeben haben, unter „Resistance“ WIDERSTAND GEGEN DIE HAMAS verstanden haben können.

GEGEN wen richtet sich der Widerstand in Hamburg, ausgerechnet an dieser Stelle, an der tagelang „Bridges“, also „Brücken“ zu Mördern, Vergewaltigern, Terroristen und zu dem Planungsstab geschlagen werden soll, der an der Vernichtung des jüdischen Staates arbeitet? Haben die ehrenwerten Richter immer noch nichts von der „Charta der Hamas gehört“? Kennen sie nicht die Aussagen des Iranischen Regimes, das sich die Vernichtung Israels zum Staatsziel gesetzt hat? Haben sie noch nie die Sprechchöre gehört, die auch in Hamburgs Straßen für ein „freies Palästina“ lautstark eintreten – und hat ihnen noch niemand erklärt, dass „Free Palestine“ eben nichts anderes bedeutet als die Auslöschung Israels?

Oder haben wir es hier mit der berühmten deutschen Art zu tun, wie man „NIE WIEDER!“ erfolgreich exerziert? Nie wieder haben uns Juden zu sagen, was wir tun und lassen dürfen oder können? Glauben Deutsche wirklich – wie einige prominente ehemalige und auch derzeit amtierende Außenminister anklingen lassen – das Recht zu haben, irgendwelche Forderungen zu erheben und Vorschriften gegenüber „dem Staat der Juden“ zu machen und denken sie, dieses Recht käme aus historischen Gründen (wir haben schließlich die Vergangenheit aufgearbeitet) deutschen Ministern und Politikern zu?

Haben sie, die hier zweifellos aber nicht zweifelsfrei Recht gesprochen haben, sich überhaupt mit den betroffenen Angehörigen der jüdischen Gemeinden in Hamburg ins Benehmen gesetzt, um, wenn sie schon nicht aus eigenem Antrieb die historische Dimension des Urteils im Blick haben, sich aber doch wenigstens ein Bild zu machen, gerade „unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts“ wegen?

Denn natürlich hat die jüdische Gemeinde in Hamburg, haben Juden deutschlandweit gegen dieses Camp protestiert, geradezu verzweifelt haben sie darauf hingewiesen, wie schmerzlich die Erinnerung an die Deportationen sind, wie furchtbar die Lücken sind, die jeder der Deportierten hinterließ, wie grauenhaft die Verbringung in die Vernichtungslager war, wie entsetzlich diese Menschen gelitten haben und wie qualvoll sie verstorben sind.

Und an diesem Ort werden eine Woche lang die Hassgesänge gegen Israel ertönen, werden sich „alte“ und neue Antisemiten aus linken und rechten Lagern in Deutschland vereinen mit dem importierten Judenhass der Muslime, den die pro-palästinensischen Gruppen ungehemmt schon seit Jahren auf Deutschlands Straßen ausleben können.

Verstehe einer noch die Welt. Ich verstehe es nicht. Zu sagen, mir fehlten die Worte, ist nicht ganz richtig, ich mache ja Worte, aber es kommt mir vor, wie ein Spucken gegen den Wind, gegen den Wind einer Zeit, die auf furchterregende Weise an eine Epoche erinnert, die wir doch eigentlich so wunderbar „aufgearbeitet haben“ – unsere Vergangenheit in der NS-Zeit und dem planvollen Ermorden von 6 Millionen europäischen Juden. Ich schrieb es ja schon, die Shoah begann nicht mit den Viehwagen, die zu den Vernichtungslagern fuhren.

Das Camp der propalästinensischen Gruppen ist nicht nur eine unsagbar schreckliche Provokation gegenüber allen, die sich für Israel einsetzen – damit könnten „wir Freunde Israels“ vermutlich sogar irgendwie leben –

das Camp ist eine V E R H Ö H N U N G der Opfer der Nationalsozialisten

und eine nicht hinnehmbare Anbiederung an die alten und neuen antisemitischen, antijüdischen Kräfte dieses Landes, die in ihrem Hass auf Juden und ihrer Wut auf Israel sich nicht unterscheiden von denen, die am 7. Oktober 2023 das schrecklichste Massaker an Juden nach der Shoah angerichtet haben. …. Und die geschworen haben, es wieder und wieder zu tun.

Silke Opfer schreibt auf Facebook: Während auf der Kundgebung auf der Moorweide darüber gesprochen wurde, dass jüdische Studenten nun Umwege machen würden um nicht an diesem Camp des Grauens vorbei zu gehen, grölten die Freunde des Terror ihren Hass und völlig ungeniert entgegen. Das ist unerträglich!

Und das ist es, was einem wirklich Anstt macht: Antisemiten müssen sich heute keineswegs irgendwo verstecken, man sieht es hier am Camp, man sieht es in der Öffentlichkeit, an der Uni und natürlich erst recht im Internet: der Hass auf Juden kann hemmungslos und folgenlos vorgetragen, herausgeschirien und ausgekotzt werden.

Um so wichtiger war es, dass wir heute an jenem Ort standen, von dem einst die Juden in die Vernichtungslager deportiert wurden und wo heute Gruppen campen, die offen mit Gruppierungen paktieren, die dieses Werk gerne vollenden würden.

(Quelle – Hervorhebung von mir)

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Hamburg – Wikipedia