Auch die Linken bedienen das moralisch aufgeladene Bild von "hart arbeitenden Menschen".

Was soll der Scheiß?! Warum diese Überhöhung "harter" Arbeit?!

Ich möchte, dass die Menschen so arbeiten, dass es ihnen gut dabei geht. Dass möglichst jeder Mensch gerne arbeitet und danach noch Zeit für Freundschaften, für Familie und für Hobbys hat, weil man nicht "hart" ausgepowert ist.

Geht mit eurer "harten" Arbeit scheißen, ihr Linken!

@Erdrandbewohner

In welchem Zusammenhang sagen sie das?

@edithmair1 Auslöser für meinen Tröt war das hier: https://mastodon.social/@dielinke/116397428955912871
@Erdrandbewohner @edithmair1 Schade, wäre doch die Aussage durch ein einfaches "Menschen" nicht einmal verändert worden.

@derZeitreiser @Erdrandbewohner @edithmair1

Ja, aber das steckt der staatstragenden Linken tief in den Knochen.

@tessarakt @derZeitreiser @Erdrandbewohner @edithmair1
Das Dogma der Arbeit eint alle Parteien von links nach rechts und wenn wir das nicht irgendwie geknackt kriegen, können wir nie eine bessere Welt bauen.
@derZeitreiser @Erdrandbewohner @edithmair1 Das ja der Punkt. Ohne kapitalen Dreckspopulismus bekommste ja heuer keinen braunen Hund mehr hinterm Ofen vor.

@Erdrandbewohner Ja, und Gewerkschaften gehören oft dazu.

Und harte Arbeit darf man nicht durch zu viele Umweltauflagen etc. behindern. Das wäre dann doch zu hart ...

@Erdrandbewohner
Ich würde sogar so weit gehen, dass der Inbegriff von #Wohlstand ist, gar nicht mehr arbeiten zu müssen!
Sondern einfach tun zu können, wozu man gerade Lust hat.

Und ich behaupte: das ginge auch längst größtenteils, wenn nicht ein paar wenige den Gierhals nicht voll kriegen würden.

@Erdrandbewohner
ich finde das Adjektiv in gewissem Kontext ok: Es gibt ne Menge schlecht bezahlter Tätigkeiten, die körperlich anstrengender und Lebenserwartung-verkürzend sind im Vergleich zu sehr lukrativen Tätigkeiten, die vom Schreibtisch aus ausgeübt werden.

In dem Kontext finde ich den Begriff ok. (Bin selbst Sesselpuper, aber dabei recht unterbezahlt...)

@jakob_thoboell Der Topos von "hart arbeitenden Menschen" ist unabhängig davon, was und wie tatsächlich gearbeitet wird. Er dient immer zur durch eine Emotion aufgeladenen Legitimation der eigenen Forderungen. Das ist sowas wie "Denkt denn niemand an die Kinder!!!" oder "Es geht um die alleinerziehende Krankenschwester, die muss sich den Sprit für ihr kleines Auto leisten können!"
@Erdrandbewohner
so wird er leider mehrheitlich genutzt, das stimmt.
@jakob_thoboell @Erdrandbewohner Diese Überhöhung der Arbeit als Lebensinhalt hast du ja schon bei manchen Frühsozialisten. Und dann halt extrem in den kommunistischen Staaten und Bewegungen. Das zieht dann immer noch nach

@mschfr @jakob_thoboell @Erdrandbewohner

Stimmt das? Und wenn, um welche (Art von) Arbeit geht es da? Und dass im realex. Soz. "Arbeit" heroisiert werden musste, hatte seine weltpolitische Logik, scheint mir.
Arbeit wird mE nur in schlechten linken Texten zum "Lebensinhalt überhöht". Arbeit ist zu einem Teil Existenzsicherung für körperliche Wesen, zum anderen Verwirklichung, Hervorbringung ihrer Welt aus der gegebenen Natur. Insofern ist der Mensch homo laborans, aber Arbeit mitnichten deshalb religiös besetzt. Daran sind vielleicht nicht einmal die Katholen, sondern erst die Reformatoren schuld, d.h. der Kapitalismus, in dem das Verschwinden der Arbeit immer für die Zukunft versprochen wird, in dieser oder jener Welt.

@distincteclare Jepp, stimmt. Lese mal "Das Recht auf Faulheit" von Paul Lafargue, ein Schwiegersohn von Karl Marx, dem die sozialistische Vergötterung der Arbeit auf den Keks ging und mit dieser Schrift den Zorn seines Schwiegervaters auf sich zog. ^_^

"Hart arbeitende Menschen" gibt es seltsamerweise in der Rhetorik nur als Lohnarbeit. Häusliche Carearbeit gilt nicht. Wer nicht arbeitet, aus welchen Gründen auch immer, wurde und wird von vielen autoritären Linken verachtet. Weswegen die "Gammler" und Hippies den Hass der orthodoxen Kommunisten auf sich zogen. ;-)

@mschfr @jakob_thoboell

@Erdrandbewohner @distincteclare @jakob_thoboell Wenn man sich als Arbeiter & Arbeiterbewegung definiert, Arbeiter- und Bauernstaaten errichtet und so weiter, dann ist es irgendwie logisch, dass man sich mit Arbeitsverweigerung und Faulheit außerhalb des Systems setzt und damit Hass auf sich zieht.

(und natürlich haben die autokratischen Regime dann diese Stachanow-Geschichten bewusst inszeniert, um halt die eigene Produktion zu pushen)

@mschfr Klar, kann man als Linke*r so machen, aber dann ist man halt scheiße. Weil man alle gesellschaftlichen Gruppen verachtet, die nicht in das eigene Bild von "Arbeit" passen. Wie gesagt: Häusliche Care-Arbeit, das sind vor allem Frauen. Sexarbeit. Wird jetzt auch nicht so sehr von traditionellen Linken akzeptiert. Unvergütete Arbeit für die Gesellschaft, also das, was irgendwie unter "Ehrenamt" läuft, wird von vielen traditionellen Linken schlicht ignoriert oder nicht ernst genommen.

Die heutige Linke ist da leider immer noch weitestgehend in Begriffen und Moralvorstellungen des 19. Jahrhunderts verhaftet. Sicherlich gibts auch Ausnahmen.

Klar ist nur: Wer nicht lohnarbeitet, aus welchen Gründen auch immer - ist auch für viele Linke nichts wert.

@distincteclare @jakob_thoboell

@Erdrandbewohner @mschfr @jakob_thoboell

Was ist ein Linkes? Keine Ahnung, vielleicht eins, das sich einer Gesellschaft verpflichtet fühlt, in der der Mensch dem Menschen ein Mensch, wenn nicht gar ein Helfer ist. Was das konkret heisst, werden andere Menschys eines Tages erleben, in scha'a-l-lah. "Arbeiter" im "Arbeiter- und Bauernstaat" war nicht als homo laborans, sondern als Angehöriger einer Klasse gedacht. Als Lohn-Arbeiter. Dass da bis heute teils auch in 'linken' Verständnissen keine Care- und viele andere Formen von "Arbeit" nicht mit drin gedacht ist – unfair enough. Aber dann ist da halt unzureichend gedacht. Aber nix (hinreichend) links für mich.

Edit: typo

@Erdrandbewohner @mschfr @jakob_thoboell

Marx, der glaub kein Marxist sein wollte, hätte für mich nichts Brauchbares hinterlassen, wenn es Dogmatismus hätte sein sollen, und nicht eine Methode. Und da ist "Arbeit" dann ein anthropologischer, aber mitnichten trivialer Begriff.
Rein unterkomplexes ist eh nicht links IMHO.

@Erdrandbewohner
Habe ich mir auch schon gedacht...
Und immer 40 Jahre lang wird hart gearbeitet. Ein Klischee, dass der Wahrheit nicht entspricht. In den 90ern kam es vorallem auch zu Zeiarbeit, 1€Jobs und "Arbeitsbeschaffenden Massnahmen"! Deshalb gibt es Altersarmut und nicht nur durch schlecht bezahlte 40Jahre Arbeit! Millionen Menschen wurden von guten Jobs ausgeschlossen und wurden hin und her geschoben...
@Erdrandbewohner
Wir wissen alle, wie scheiße es ist, unter Druck zu arbeiten. Deswegen haben ja auch so viele Angst, dass bei einem BGE Leute nicht mehr arbeiten gehen, wenn es nicht sein muss. So wie (Über)Reiche jetzt schon.

@Erdrandbewohner

wir sollten alles daran setzten soviel Arbeit wie möglich von Maschinen erledigen zu lassen, damit die Menschen mehr Zeit zum Leben haben. BGE , jetzt !

@Gehtso
Vorher sollte die Menschheit vor alkem der nördlichen Halbkugel aber erst mal lernen, wie es seine arbeitsfreie Zeit sinnvoll nutzt. Die meisten bekommen es ja nicht mal hin, diese Zeit zu erleben ohne sich oder dem Planeten massiv selbst zu schaden - wir sind leider in der Mehrheit bereits so verblödet und merken es nicht mal mehr. Ganz so simpel ist es nun mal nicht.
@Erdrandbewohner

@allgeier

Das stimmt.
Aber so lange es möglich ist wird es auch gemacht. Ich bin da leider auch keine Ausnahme.

@Gehtso
Du hast schon recht, ich lebe jetzt seit sechs Jahrzehnten und die Kompetenzen der Menschen mit sich selbst oder mit anderen umzugehen haben sich jetzt unterm Strich nicht einen Deut verbessert. Schwer, nicht zynisch zu fragen, was wollt ihr denn mit eurer Freizeit eigentlich?

@allgeier

damit meine arbeitsfreie zeit für mich sinnvoll zu nutzen habe ich eigentlich kein Problem.
Viel Menschen haben anscheinend Schwierigkeiten sich mit sich selbst zu beschäftigen und für die ist Arbeit dann eine willkommene Ablenkung. Wenn diese dann wegfällt wird als Ausgleich und Ersatz häufig zu Alk und Drogen gegriffen. Das funktioniert so ähnlich wie sich den ganzen Tag den Kopf mit Radio/TV zu zudröhnen nur um sich keine Gedanken machen zu müssen. Das ist mein subjektiver Eindruck.

@Gehtso
Den Eindruckl teile ich. Freizeit wird mit konsumieren oder urlauben gleichgesetzt. Hat alles seinen Wert für sich, aber die Relationen stimmen nicht. Damit will. Ich nicht behaupten, wir würden zu wenig arbeiten, oh nein. Aber ich behaupte, wir haben verlernt, uns zu regenerieren.
@Erdrandbewohner 👏👏👏👏👍👍
@Erdrandbewohner Es geht imho um Respekt vor, nicht um Überhöhung von "harter Arbeit". Niemand will das den Menschen zumuten, aber wenn sie es schon tun müssen um zu überleben, sollte man sie wenigstens dafür wertschätzen und nicht als "geringqualifiziert", "ungebildet" oder "sozial schwach" abwerten.
@giaco @Erdrandbewohner Wie auch immer es gemeint sein soll - es impliziert eine Abwertung "ganz normaler" Arbeit, die auch wertgeschätzt werden muss. Es ist schon fatal, wenn die SPD sich das zu eigen macht (habe das sogar schon mal von denen plakatiert gesehen), aber die Linke sollte das eigentlich besser wissen, gerade Spitzenpersonal.
@fernsehchat @giaco @Erdrandbewohner "Harte Arbeit" ist doch definiert. Als maximal 8-Jähriger mindestens 14 Stunden im maximal 1,20m hohen, einsturzgefährdeten Stollen bei über 39° Celsius ohne Kanarienvogel Pechblende mit den bloßen Fingernägeln und Zähnen aus dem Granit kratzen. Gemessen wird in Rockwell.

@Erdrandbewohner

Diese fast schon als manisch zu bezeichnende Glorifizierung von "harter Arbeit" als alleinigem zu verfolgenden Lebensmotto von vielen Politikern irritiert schon maximalst.
Zumal man ja auch offensichtlich der Meinung ist diese harte Arbeit nicht adäquat vergüten zu müssen und ein bisschen klatschen auf einem Balkon ausreicht.

Waren die alle noch nie in Frankreich, Spanien, Portugal?

Glebt is glei.

@Erdrandbewohner
Jep, das ist mir auch sauer aufgestoßen.
(Ich hab' erst das Video geschaut und dann deinen Trööt gelesen.😁)
@Erdrandbewohner Wir wollten mal die 25h Woche und ungefähr Mitte der 70er dachten viele, das wäre möglich.

@somlu1968 @Erdrandbewohner

Das ist auch möglich. Aber nicht, wenn eins den Produktivitätszuwachs hauptsächlich dazu nutzt, um Reichtum bei Reichen weiter zu konzentrieren.

Dazu muß es einen Paradigmenwechsel/-shift zu fairem Ausgleich geben.

@Erdrandbewohner
Ich halte das nicht für eine moralische Überhöhung sondern für die Metapher, dass die überwiegende Mehrzahl der abhängig Beschäftigten in diesem besten deutschen Staatswesen aller Zeiten schuften muss bis zum Umfallen und die erzielten Einkommen so überschaubar sind, dass der Zwang zum Zweit- oder Drittjob besteht, um überhaupt über die Runden zu kommen. Wenn das nicht "hart" ist, besonders als unentrinnbare Lebensperspektive, weiß ich es auch nicht. Geäußert im Zusammenhang / Vergleich mit Unternehmensgewinnen (also dem Resultat dieser Ausbeutung) die dem #FotzenFritz ja nun tatsächlich sehr am Herzen liegen.

Was du möchtest, bildet die Realität vieler leider eher nicht so ab. Sehr hehres Ziel, diese schöne und Sinn stiftende Arbeit, das ich auch gar nicht bestreiten möchte. Das Statement beleuchtet aber einen ökonomischen Sachverhalt und es geht um den Kampf, die wirtschaftliiche Lebenssituation der Leute zu verbessern. Imho korrekter Standpunkt und "scheißen" - naja. Wenn ich immer so lese, was deine Arbeitsinhalte sind und wie wenig sie deinem Ideal entsprechen, würde ich persönlich auch dazu tendieren, das eher als "harte Arbeit" zu sehen, was du da so erbringst.

"Unternehmensgewinne sprudeln und wir als DIE LINKE wollen, dass die allein erziehende Kassiererin Spaß am Job und Zeit für Freunde hat" wäre ja nun auch ein Slogan, der... siehste selbst, gell?

@Erdrandbewohner

Wobei ich mich immer öfter frage:

WOFÜR arbeiten die Menschen so "hart"?

z.B. meine Schwester ... die Wohnung ist (relativ) günstig, aber Auto in der Garage und letztes Jahr "nur" 2x in den Urlaub geflogen. 🤨 ... 🤷🏻‍♂️