Auch die Linken bedienen das moralisch aufgeladene Bild von "hart arbeitenden Menschen".

Was soll der Scheiß?! Warum diese Überhöhung "harter" Arbeit?!

Ich möchte, dass die Menschen so arbeiten, dass es ihnen gut dabei geht. Dass möglichst jeder Mensch gerne arbeitet und danach noch Zeit für Freundschaften, für Familie und für Hobbys hat, weil man nicht "hart" ausgepowert ist.

Geht mit eurer "harten" Arbeit scheißen, ihr Linken!

@Erdrandbewohner
ich finde das Adjektiv in gewissem Kontext ok: Es gibt ne Menge schlecht bezahlter Tätigkeiten, die körperlich anstrengender und Lebenserwartung-verkürzend sind im Vergleich zu sehr lukrativen Tätigkeiten, die vom Schreibtisch aus ausgeübt werden.

In dem Kontext finde ich den Begriff ok. (Bin selbst Sesselpuper, aber dabei recht unterbezahlt...)

@jakob_thoboell Der Topos von "hart arbeitenden Menschen" ist unabhängig davon, was und wie tatsächlich gearbeitet wird. Er dient immer zur durch eine Emotion aufgeladenen Legitimation der eigenen Forderungen. Das ist sowas wie "Denkt denn niemand an die Kinder!!!" oder "Es geht um die alleinerziehende Krankenschwester, die muss sich den Sprit für ihr kleines Auto leisten können!"
@Erdrandbewohner
so wird er leider mehrheitlich genutzt, das stimmt.
@jakob_thoboell @Erdrandbewohner Diese Überhöhung der Arbeit als Lebensinhalt hast du ja schon bei manchen Frühsozialisten. Und dann halt extrem in den kommunistischen Staaten und Bewegungen. Das zieht dann immer noch nach

@mschfr @jakob_thoboell @Erdrandbewohner

Stimmt das? Und wenn, um welche (Art von) Arbeit geht es da? Und dass im realex. Soz. "Arbeit" heroisiert werden musste, hatte seine weltpolitische Logik, scheint mir.
Arbeit wird mE nur in schlechten linken Texten zum "Lebensinhalt überhöht". Arbeit ist zu einem Teil Existenzsicherung für körperliche Wesen, zum anderen Verwirklichung, Hervorbringung ihrer Welt aus der gegebenen Natur. Insofern ist der Mensch homo laborans, aber Arbeit mitnichten deshalb religiös besetzt. Daran sind vielleicht nicht einmal die Katholen, sondern erst die Reformatoren schuld, d.h. der Kapitalismus, in dem das Verschwinden der Arbeit immer für die Zukunft versprochen wird, in dieser oder jener Welt.

@distincteclare Jepp, stimmt. Lese mal "Das Recht auf Faulheit" von Paul Lafargue, ein Schwiegersohn von Karl Marx, dem die sozialistische Vergötterung der Arbeit auf den Keks ging und mit dieser Schrift den Zorn seines Schwiegervaters auf sich zog. ^_^

"Hart arbeitende Menschen" gibt es seltsamerweise in der Rhetorik nur als Lohnarbeit. Häusliche Carearbeit gilt nicht. Wer nicht arbeitet, aus welchen Gründen auch immer, wurde und wird von vielen autoritären Linken verachtet. Weswegen die "Gammler" und Hippies den Hass der orthodoxen Kommunisten auf sich zogen. ;-)

@mschfr @jakob_thoboell

@Erdrandbewohner @distincteclare @jakob_thoboell Wenn man sich als Arbeiter & Arbeiterbewegung definiert, Arbeiter- und Bauernstaaten errichtet und so weiter, dann ist es irgendwie logisch, dass man sich mit Arbeitsverweigerung und Faulheit außerhalb des Systems setzt und damit Hass auf sich zieht.

(und natürlich haben die autokratischen Regime dann diese Stachanow-Geschichten bewusst inszeniert, um halt die eigene Produktion zu pushen)

@mschfr Klar, kann man als Linke*r so machen, aber dann ist man halt scheiße. Weil man alle gesellschaftlichen Gruppen verachtet, die nicht in das eigene Bild von "Arbeit" passen. Wie gesagt: Häusliche Care-Arbeit, das sind vor allem Frauen. Sexarbeit. Wird jetzt auch nicht so sehr von traditionellen Linken akzeptiert. Unvergütete Arbeit für die Gesellschaft, also das, was irgendwie unter "Ehrenamt" läuft, wird von vielen traditionellen Linken schlicht ignoriert oder nicht ernst genommen.

Die heutige Linke ist da leider immer noch weitestgehend in Begriffen und Moralvorstellungen des 19. Jahrhunderts verhaftet. Sicherlich gibts auch Ausnahmen.

Klar ist nur: Wer nicht lohnarbeitet, aus welchen Gründen auch immer - ist auch für viele Linke nichts wert.

@distincteclare @jakob_thoboell

@Erdrandbewohner @mschfr @jakob_thoboell

Was ist ein Linkes? Keine Ahnung, vielleicht eins, das sich einer Gesellschaft verpflichtet fühlt, in der der Mensch dem Menschen ein Mensch, wenn nicht gar ein Helfer ist. Was das konkret heisst, werden andere Menschys eines Tages erleben, in scha'a-l-lah. "Arbeiter" im "Arbeiter- und Bauernstaat" war nicht als homo laborans, sondern als Angehöriger einer Klasse gedacht. Als Lohn-Arbeiter. Dass da bis heute teils auch in 'linken' Verständnissen keine Care- und viele andere Formen von "Arbeit" nicht mit drin gedacht ist – unfair enough. Aber dann ist da halt unzureichend gedacht. Aber nix (hinreichend) links für mich.

Edit: typo

@Erdrandbewohner @mschfr @jakob_thoboell

Marx, der glaub kein Marxist sein wollte, hätte für mich nichts Brauchbares hinterlassen, wenn es Dogmatismus hätte sein sollen, und nicht eine Methode. Und da ist "Arbeit" dann ein anthropologischer, aber mitnichten trivialer Begriff.
Rein unterkomplexes ist eh nicht links IMHO.