Ich finde nicht in erster Linie die Herkunft des Worts "Schulmedizin" problematisch, sondern das Framing dahinter, es existiere eine Medizin, die sich nicht allein durch Evidenz definiert, und es bestehe daher Differenzierungsbedarf für das Wort Medizin.
Wir sollten das Framing ablehnen. Medizin braucht keinen Präfix. Ist es nicht evidenzbasiert, ist es keine Medizin, sondern etwas anderes.
Die Frage war ja, was statt "Schulmedizin" sagen. Die Antwort ist: einfach "Medizin" sagen.
Ja, "Alternativmedizin" wird generell ganz unironisch verwendet. Das heisst aber doch nicht, dass man die eigene Wortwahl sklavisch danach ausrichten muss. Dass man bei Gelegenheit nicht ab und zu darauf hinweisen darf, dass das aber keine richtige Medizin ist.
Sprachgebrauch wandelt sich ständig. Da gibt es keine Züge, die für immer abgefahren sind.
Das ist auch so ein Narrativ, dass alles, was hilft, folglich Medizin sei müsse. Aber auch wenn es hilft bei Erkältungen, wenn jemand dir einen Tee ans Bett bringt, behauptet niemand, das sei ein medizinisches Verfahren.
So auch Verfahren oder Substanzen, die medizinisch gemeint sind, aber helfen aufgrund involvierter mitmenschlicher Zuwendung oder Placeboeffekten. Das machen sie nicht zwingend nicht heilsam. Nur halt nicht auf medizinischem Weg.