# Was denken Rechte eigentlich über den Faschismus?
Konservative sahen die Entstehung des Faschismus nicht als eine Reaktion auf kapitalistische Krisen, sondern als eine Antwort auf eine "bolschewistische Bedrohung". Nach Ernst Noltes Ableitung hätte es ohne Lenin keinen Mussolini gegeben und auch keinen Hitler. Nach seiner Logik machten die Nazis aus dem Klassenkampf einen Rassenkampf. Nicht die herrschende Klasse sei schuld an den wirtschaftlichen Krisen, sondern die Juden — weil zu viele von ihnen ihr angehören würden.
Was damals schon umstritten war, gilt spätestens heute als begraben. Dem modernen Faschismus und dem Protofaschismus als Vorstufe steht kein Sozialismus entgegen und auch keine großen linken oder links-liberalen Parteien. Trotzdem wird diese Erzählung immer wieder von Rechten instrumentalisiert. Donald Trump redet von "radical left" und meint damit zentristische Politiker der Demokraten. Friedrich Merz redet von grünen und linken Spinnern, davon, dass "links" vorbei sei, obwohl es jahrzehntelang kaum linke Errungenschaften gab — außer dem Mindestlohn als Wiedergutmachung der SPD für die Schaffung des größten Niedriglohn- und Zeitarbeitssektors Westeuropas. Es verfängt bei alten, konservativen, privilegierten Menschen.
Der Erzählung der Neuen Rechten genügt das aber nicht. Junge Menschen, sofern sie sich nicht aktiv damit beschäftigen, wissen wenig mit dem Gespenst des Kommunismus anzufangen. Darum wird zusätzlich ein weiteres Narrativ aufgebaut: eine vor allem in den USA populäre, zunehmend aber auch in Europa verbreitete These — Faschismus sei eigentlich links. Die Argumente sind dabei immer die gleichen: Hitler war NationalSOZIALIST, der Staat kontrollierte die Wirtschaft (gemeint: Kriegswirtschaft), es gab Sozialprogramme und antikapitalistische Rhetorik (gemeint: antijüdische Rhetorik). Der Übergang zu den Rechtsextremen ist dabei fließend: Diese deuten den Faschismus als heroische Epoche um, leugnen den Holocaust oder framen ihn als legitime Verteidigung des Volkes gegen die jüdisch-bolschewistische Verschwörung.
Wer den Faschismus erklären will, muss fragen: Wem hat er genutzt? Den Banken, der Industrie, den Großgrundbesitzern, die ihn finanzierten, protegierten und an die Macht ließen. Die rechten Narrative, ob alt oder neu, haben vor allem eine Funktion: genau diese Frage nicht stellen zu müssen.
