Jemand aus #Sachsen hier? Ich bin gerade urlaubsmäßig in #Dresden/ #Pirna / #SächsischeSchweiz unterwegs und frage mich, woher diese Unzufriedenheit und schlechte Laune herrühren, die am Ende den Nazis hier ihre Wähler bescheren.... Ich meine waren die schon mal in #Köln oder im #Ruhrgebiet, und wissen wie es da teilweise aussieht?
@KuMiKoe
Ist ja leider nicht so, dass die Nazis nicht auch im Ruhrgebiet zu viel Wählerschaft und Anhänger hätten. Grad in den eher an den Rand gedrängten Städten und Stadtteilen...
@Katiel ja, aber ich meine generell haben die hier ein extrem sauberes, aufgeräumtes und schönes Stadtbild. Das ist auch nicht als Vorwurf gemeint, aber gefühlt läuft doch hier alles mindestens genauso gut wenn nicht sogar besser als z.b. in grossen Teilen von NRW. Woher also diese große, flächendeckende Unterstützung für extreme Parteien?

@KuMiKoe @Katiel
Ich hab' vor einiger Zeit mal gelesen, dass die Menschen in diesem Gegenden schon vor der Weimarer Republik sehr monarchistisch und reaktionär gewesen sein sollen.

Siehe auch: In Thüringen war die NSDAP als erstes erfolgreich.

@KuMiKoe das sage ich als vor über zwanzig Jahren zugezogene*r aus dem Westen seit ich hier bin 🤷.
@Zahlenzauberin und, haben sie eine Idee? Ist es vll. Die Angst, das erreichte wieder zu verlieren oder teilen zu müssen?

@KuMiKoe
@Zahlenzauberin
In zahlreichen Gesprächen kommen viele Themen auf. Zum Beispiele bekommen wir hier immer noch ca. 20% weniger Geld und arbeiten dafür im Schnitt aber 5h länger. Zusätzlich kommt, dass Sachsen an 2 Billiglohnländer angrenzt und nahezu jeder Ort von dort aus in 45min Autofahrt erreichbar ist. Guck mal in die Gewerbegebiete, da steht kein Deutsches Auto mehr.

Das ist völlig Wertungsfrei von mir.

@KuMiKoe ich glaube es ist zumindest zum Teil einfach kein vertrauen in die Demokratie. Und ich kann das teilweise sogar nachvollziehen. Als meine Schwiegereltern so alt waren wie ich ist ihnen der Staat auf dessen Versprechungen sie ihr ganzes Leben aufgebaut hatten verlustig gegangen und sie haben nie wieder so recht einen Fuß auf den Boden bekommen und wer garantiert ihnen, dass das nicht wieder passiert.

Zusätzlich ist Demokratie etwas was gelernt werden muss von möglichst Anfang an, und die Strukturen in denen viele Westdeutsche das getan haben, Sport- und Musikvereine, Parteien, Gewerkschaften...
waren auch erstmal weg weil vieles über die Betriebe lief oder nicht gut gelitten wegen ihrer Geschichte in der DDR.

@Zahlenzauberin @KuMiKoe Zivilgesellschaftliches Engagement ist wirklich ein Thema. In der DDR hat ja der Staat alles organisiert - und so schauen auch heute im Osten viele "nach oben" und warten drauf, dass jemand ihre Probleme richtet und kommen gar nicht auf die Idee, dass sie selbst, vielleicht zusammen mit Nachbarn, etwas tun könnten. In meinem Heimatdorf z.B. ist ein Baudenkmal jahrzehntelang verfallen - da musste erst ein "Wessi" kommen, es kaufen und einen Verein gründen...
@KuMiKoe das hat hier Tradition
@KuMiKoe Wenn du den Unterschied so auffällig beschreibst, beschleicht mich die Vermutung, dass du dich eher in Touristen-Hotspots aufhältst. Da wird mehr in Ordnung und Sauberkeit investiert. Gedanklich vergleicht man dann vielleicht mit manchem runtergekommenen Stadtteil daheim?
@dboehmer naja, ich komme aus Köln, was ja auch ein touri-hotspot ist. Und im Vergleich zu Dresden ist das ein absolutes Drecksloch. Bei euch sind ja sogar Linksalternative Viertel sauberer als die Kölner Domplatte.

@KuMiKoe
Generell wurden über diese Frage schon viele Bücher geschrieben. Ich glaube, zwei wesentliche Faktoren sind das Leben in der #DDR mit mangelnder Demokratiebildung sowie die Umbrüche nach der „Wende“. Viele nehmen die Versprechen der Demokratie nicht mehr ernst, fühlen sich macht- und orientierungslos, nachdem ihre vorherige Lebenserfahrung, ihre Lebenspläne und vielfach ihre Existenz komplett umgewälzt wurden. Das kann keine Ausrede für verfassungsfeindliches Handeln sein, gehört aber dazu, wenn man sie verstehen will.

#Sachsen #Ostdeutschland

@dboehmer ganz ehrlich, die Umbrüche der Wendezeit lass ich da nur noch bedingt gelten. Das ist fast vierzig Jahre her. Ein Großteil der rechten Wähler von heute wurden danach geboren und sind mit einer niegelnagelneuen Infrastruktur aufgewachsen. Warum da immer gesagt wird, der Staat tue nichts, bzw, daß die Regierung versagt kann ich nicht nachvollziehen.....

@KuMiKoe Die „Wende“ ist ca. 36 Jahre her. Da war sehr viel Hoffnung (teils auch unrealistische).

Die schwierigen Umbrüche waren Mitte der 1990er und danach, setzen sich in Teilen bis heute fort. Ich bin 1989 geboren – habe es nicht miterlebt – und puzzle mir bis heute ein Bild davon, wie einschneidend diese Veränderungen waren. Es ist schwer in wenigen Sätzen zu beschreiben, wie existenziell diese Umwälzungen das ganze Leben umgekrempelt haben.

„Der Staat tut nichts“ ist einerseits Quatsch und andererseits total wahr, wenn man es mit der DDR vergleicht: Sehr viel war geregelt, vieles auch zum guten. Der Häuserbestand verfiel zwar unmerklich langsam, aber es gab keine Graffiti und niemand hat achtlos Müll auf die Straße geworfen. Es herrschte Ordnung. Der Staat organisierte flächendeckend das gesellschaftliche Leben von Arbeit über Sport bis zur Nachbarschaft. Das mag dystopisch klingen, aber tatsächlich war überall ein enges Netz von persönlicher Gemeinschaft, das für viele nach der „Wende“ weggebrochen ist.

@KuMiKoe @dboehmer Ich bin auch in #Ostdeutschland aufgewachsen. Die Erfahrungen nach der Wende überspannen ja Generationen - da wurden Traumata an die Kinder und Enkel weitergegeben. Und: Die rechten Jugendlichen von damals (Stichwort: "Baseballschlägerjahre") sind die Eltern von heute.
Viele Ostdeutsche sind "rüberjemacht" und haben sich weiterentwickelt. Aber wer dort geblieben ist, schmort seit Jahrzehnten im eigenen Saft. Es gibt auch eine Kluft zwischen "Exil-Ossis" und "Dagebliebenen".
@BeeDoubleYou @KuMiKoe @dboehmer ja, genauso wie ich mit den Geschichten von Flucht und Vertreibung aufgewachsen bin obwohl das bei meiner Geburt 40 Jahre her war, wachsen viele junge Ostdeutsche mit Erzählungen einer geradezu paradiesischen DDR auf die es so nie gab. Die DDR, das ist für die dieser ein bisschen spießige aber irgendwie nette Staat in dem alle Arbeit hatten und es manchmal keine Bananen gab.
@Zahlenzauberin @KuMiKoe @dboehmer Ich bin Jahrgang 84. Für meine Kindheit & Jugend war auch die Arbeits- und Perspektivlosigkeit der Elterngeneration sehr prägend. Die finanziellen Sorgen, die Existenzängste. Da sind viele Familien zerbrochen, in meinem Umfeld gab es auch Suizide.
Wir Kinder waren auf uns gestellt, weil unsere Eltern keine Kraft und Nerven für uns hatten. Das darf man bei der Erzählung über den Osten nicht vergessen.
@Zahlenzauberin @KuMiKoe @dboehmer Obwohl ich seit vielen Jahren im Westen lebe und einen sicheren Job habe, habe ich übrigens immer noch Angst vor dem sozialen Abstieg, vor Arbeitslosigkeit und Geldproblemen. Niemals würde ich - so wie andere - meinen Job kündigen, weil er nicht perfekt ist, ohne schon einen neuen Vertrag unterschrieben zu haben. Bei meinem Job nehme ich bewusst Nachteile in Kauf, denn es könnte ja schlimmer sein. Das ist für mich alles typisch "ostdeutsch".

@BeeDoubleYou @Zahlenzauberin @KuMiKoe

So gehts mir auch bei der Idee ! Eines beruflichen Wechsels.

Es ist verrückt, lieber gehe ich ungern auf Arbeit als mit der Möglichkeit nichts passendes zu finden 😂

@BeeDoubleYou
Ich hab selbst wurzeln im osten, hab aber nie da gelebt. Insofern kann ich keine Erfahrungsberichte bringen, nur erzählungen. Die Enteignung der Bürger und die extremen Rückschritte in Frauenrechten nach der wende waren schon ein Problem das viele hatten mit denen ich gesprochen hab. Ich glaub auch nicht dass die DDR ein paradis war aber schlechter als jetzt glaub ich keinen tag.
@Zahlenzauberin @KuMiKoe @dboehmer

@haui @BeeDoubleYou @KuMiKoe @dboehmer wenn ich schon in einem Staat leben muss bevorzuge ich für mich persönlich ja den in dem nicht unangepasste Jugendliche einfach zur Umerziehung weggesperrt werden, den ich verlassen kann wann ich möchte ohne Angst haben zu müssen dabei erschossen zu werden, meine Religion ausüben kann ohne das sich dadurch direkte Nachteile für meine Karriere und die Ausbildung meiner Kinder ergeben und in dem ich keine Angst haben muss, dass in jeder Häkelgruppe ein Spitzel sitzt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendwerkhof

Jugendwerkhof – Wikipedia

@Zahlenzauberin

Okay, also du glaubst nicht dass in der BRD spitzel sitzen?

Erinnerst du dich noch an die Begründung warum die NPD, heute die heimat, nicht verboten werden konnte?

Zugegeben, die BRD macht ihre umerziehung sehr subtil, jedoch kein bisschen weniger grausam.

Während du möglicherweise in Schwierigkeiten kamst wenn du ein Problem mir DDR, UdSSR und Sozialismus hattest, kommst du hier in Schwierigkeiten wenn du was gegen Völkermord, Umweltzerstörung und Tierfolter hast.

@haui du musst mir die Probleme dieses Systems nicht aufzählen. Sie sind mir bewusst. Trotzdem hat das nicht mal ansatzweise die Ausmaße die es in der DDR hatte. Und falls du wirklich glaubst die Klimas hätten es in der DDR einfacher gehabt kannst dich ja mal mit der Umweltbewegung in der DDR beschäftigen, viel Spaß dabei.

@haui Mit Hammer & Sichel im Profilnamen musst du bis zur NPD ausholen, um die BRD kritisieren zu können?? 🤣 #Hufeisen lässt grüßen

Wie @Zahlenzauberin fällt mir zur Gegenwart ebenfalls viel Kritisches ein. Ich habe ja im Thread bereits Positives über die DDR geschrieben. Aber deine Gleichsetzung BRD==DDR hält nicht stand.

Du vergleichst einzelne Informanten im Einsatz gegen eine (im 2. Anlauf gerichtsfest erwiesene) verfassungsfeindliche rechtsextreme Partei mit einem landesweiten dichten Netz von Spitzeln, wo quasi jeder Bürger irgendwann Kontakt mit einem Stasi-Spitzel hatte?!

Du nimmst keine lauten Proteste oder Aktivismus gegen Völkermord, Tierfolter oder für die Umwelt wahr?!

Wenn ich hier in Leipzig die Parolen von Handala ("pro Palästina", nicht ohne unverhohlenen Israelhass) höre, wird mir schlecht – für mich ein Zeichen, dass in diesem Staat EINE MENGE zulässig ist!

@dboehmer

Der chauvinistische hohn im einstieg darf gerne ausbleiben, sonst wird das ein kurzes gespräch.

Ich vergleiche einen inlandsgeheimdienst der so viele spitzel in der npd hatte dass sie nicht verboten werden konnte und massive hilfen an den aufbau des nsu gegeben hat und der bis heute die aufklärung verhindert mit einem staat der von besagtem mit solchen bildern "jeder kontakt mit spitzel" verklärt wird.

Überdies ist israelhass ebenso ein unwort wie hass auf das dritte reich.

@BeeDoubleYou @Zahlenzauberin @dboehmer naja, Angst vor dem sozialen Abstieg ist per se nix ostdeutsches. Das mit den Arbeitsverträgen würde ich genauso machen, und ich komme ausm Saarland, viel westlicher geht's nicht.... 🙃

@KuMiKoe
Komme direkt aus Dresden.

Ich glaube es hat extrem viel mit der DDR, dessen Umbruch sowie der Unsicherheit bzw Angst vor neuem zu tun.

durch die Medien wird immernoch Ost West berichtet, im Westen deutlich mehr verdient, Gleichzeitig mehr Sicherheiten und Stabilität.
Man kann ja mal schauen wieviele Hausbesitzer es in beiden Regionen gibt. Thema Erbe.

Modernste VW Werk! in Zwickau fast geschlossen für das Stammwerk.
dort geht wieder ! Eine Region bergab

Traurig

@KuMiKoe hier. Es geht an vielen stellen richtig gut. Und die Unzufriedenheit kann man nicht einfach erklären, denk in Deutschland hängen wir generell viel in dem was früher gut war und sehen wenig das gute der Gegenwart oder die Chance des Morgen.
@KuMiKoe Tatsächliche Gründe für Frust können aber auch sein: tolle Fertigungatandorte von Westfirmen erwirtschaften Gewinn für entfernte Zentralen und werden im Zweifel als erstes geschlossen. Wohneigentum gehört in den Städten zum großen Teil Personen von außerhalb("Westen").
Infrastruktur ist an vielen stellen schwierig, Radwege, Spielplätze,... Aber da ist es in ganz Deutschland schwierig.
Natürlich alles keine Gründe Nazis zu wählen.
@KuMiKoe Ein Sachse hier, Nein, das wissen die meisten nicht. Ganz klassisch nährt sich der Hass aus der Angst vor dem Unbekannten. Natürlich kennen sie die Bilder von echten Problemvierteln und bekommen erzählt dass es ganz schnell genauso werden wird. Der Kern liegt im Bildungsmangel, Ignoranz und verloren Vertrauen in das politische System.

@KuMiKoe @KuMiKoe @Katiel
Das allein ist es halt nicht, leider. Zum einen muss man da aus seinen Kiez mal rausgekommen sein und zum anderen müsste man auch ein bisschen aus seiner Opferrolle rauskommen.

Der in diesem Toot verlinkte Artikel analysiert die Gründe für den Rechtsdrall im Osten ganz gut. https://climatejustice.social/@stefanmuelller/115996847361723398

Zur Einordnung: Ich bin selbst in Sachsen geboren und lebe seit >20 Jahren in Dresden

Stefan Müller :verified: (@[email protected])

1/ Toll! Dieser Artikel enthält praktisch alles, was ich seit Jahren allen, die es hören wollen und den anderen auch, zu erklären versuche: „Rechtsradikale Parteien hatten bis Ende der Neunzigerjahre im Westen deutlich höhere Stimmanteile als im Osten, wo straßenorientierte Jugendbewegungen eine wichtigere Rolle spielten. Die heutigen Wahlerfolge von rechtsautoritären Parteien lassen sich schon deshalb kaum auf vermeintlich verinnerlichte autoritäre DDR-Strukturen zurückführen. Sie sind aus meiner Perspektive gesellschaftlich viel eher als eine Folge des neoliberalen Umbaus des Staates sowie der anhaltenden Deklassierung von Ostdeutschen zu verstehen. Eine autoritarismustheoretische Deutung kann von diesen Problemen ablenken: Sie sucht zu sehr nach Erklärungen auf der Ebene der persönlichen Einstellungen und der familiären Dynamiken.“ „Vor allem in den autobiografischen und literarischen Schilderungen, die in diesem Kontext erschienen sind, dominieren deprimierende Blicke auf DDR-Familien. Sie erzählen von durch physische Gewalt und emotionale Vernachlässigung geprägten Kindheiten als Vorgeschichte des heutigen Rechtsrucks. Ines Geipel, die zu DDR-Zeiten eine Internatsoberschule für künftige Kader besuchte, führt in ihrem Erinnerungsbuch »Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass« letzteren auf die Schläge ihres brutalen Stasi-Vaters zurück. In Anne Rabes autobiografisch inspiriertem Roman »Die Möglichkeit von Glück« arbeitet die als sadistisch beschriebene Mutter als Erzieherin; in einer Szene zwingt sie ihr schreiendes Kind in eine Badewanne mit viel zu heißem Wasser. Solche Familiengeschichten gab es, sie sind jedoch keineswegs typisch für DDR-Familien, ebenso nicht für die von späteren Hooligans und Skinheads.“ „Dazu fällt eine weitere Schieflage auf: Die ostdeutschen Stimmen im Diskurs über die »Baseballschlägerjahre« stammen fast ausschließlich aus sehr staatsnahen Kontexten. Hier ließen sich noch weitere bekannte Autoren wie Manja Präkels und Daniel Schulz hinzufügen. Präkels erzählt in »Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß«, wie sehr die Protagonistin zu DDR-Zeiten ein Familienbesuch in der örtlichen Kaserne der Sowjetarmee begeisterte. Mehrere Familienmitglieder hatten lokale Führungspositionen in der SED inne. Schulz, der nach eigenen Angaben als Kind die »Armeerundschau« gelesen hat, schreibt in »Wir waren wie Brüder« , wie ihn als kleinen Jungen der Dolch und die Pistole seines Vaters beeindruckten. Dieser war Oberstleutnant der Nationalen Volksarmee.“ Genau! #AnneRabe, #InesGeipel, #PatricePotrous alles entweder selber rote Socken gewesen oder die Kinder von Funktionären. Ines Geipel ist nie selbst aus der SED ausgetreten. Sie wurde ausgeschlossen, als sie dann im Westen war. „In ihren mehrheitlich proletarisch geprägten ostdeutschen Herkunftsfamilien gab es im Verhältnis übrigens deutlich weniger Ex-Nazis als im westdeutschen Bürgertum. Das Aufbegehren ostdeutscher Jugendlicher hatte deshalb eine andere Stoßrichtung als die studentische 68er-Revolte in Westdeutschland, die auch ein Aufbegehren der Jugend gegen die eigenen Nazi-Eltern war. Die späteren Schläger waren keineswegs »saudumm« gewesen, sondern in der Regel sehr solide ausgebildet. Antiautoritär galt im ostdeutschen Kontext dagegen nicht notwendigerweise als politisch links, da die autoritäre SED-Staatsführung sich selbst als sozialistisch verstand. Fehlende elterliche Fürsorge oder familiäre Gewalt waren in meinem Untersuchungsfeld ebenfalls nicht der Radikalisierungsgrund, zumal das Niveau häuslicher Gewalt und die Zahl sexueller Übergriffe in Ostdeutschland auch insgesamt niedriger lagen als im Westen. Bildungsforscher führen diesen Befund auf den massiven Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung in der DDR zurück.“ Habe ich ja auch ausführlich drüber geschrieben. Die Gewaltthese von Anne Rabe ist einfach Unfug. „Daran kann rechtspopulistische Politik anknüpfen: Diese mobilisiert das »Volk« gegen die Eliten. So inszeniert sich die AfD mittlerweile erfolgreich als Stimme der »einfachen Leute« im Osten. Den Anklang, den diese Botschaft im Osten erfährt, kann man nicht mit autoritären Prägungen erklären: Rechte Gewalt ist kein »Schrei nach Liebe«, sie lässt sich weder auf einen Vaterkomplex noch auf zu heißes Badewasser zurückführen. Die weitverbreitete Staatsfeindschaft im Osten hat eine andere, bis weit in die DDR zurückreichende Geschichte und handfeste materielle Gründe. Sie zu ignorieren, heißt, den Rechtsruck mutwillig misszuverstehen.“ Ja. Und so kommt man zu dem Schluss, dass Menschen wie Ines Geipel und Anne Rabe letztendlich das Erstarken der AfD fördern: 1) Weil sie von den wahren Ursachen ablenken und dem Westen wohlfeile und entlastende Erklärungen liefern. 2) Weil sie zu einem Mediendiskurs beitragen, der viele Ossis nur wütend macht und die Kluft verstärkt. Die westdeutsch dominierten Leitmedien werden nicht mehr konsumiert. Dialog findet nicht statt. https://www.spiegel.de/politik/rechtsextremismus-was-wir-am-rechtsruck-in-ostdeutschland-falsch-verstehen-a-8d70ac53-90e1-4a33-aea3-4281ebca460f #Nazis #DDR #Osten

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