Jemand aus #Sachsen hier? Ich bin gerade urlaubsmäßig in #Dresden/ #Pirna / #SächsischeSchweiz unterwegs und frage mich, woher diese Unzufriedenheit und schlechte Laune herrühren, die am Ende den Nazis hier ihre Wähler bescheren.... Ich meine waren die schon mal in #Köln oder im #Ruhrgebiet, und wissen wie es da teilweise aussieht?

@KuMiKoe
Generell wurden über diese Frage schon viele Bücher geschrieben. Ich glaube, zwei wesentliche Faktoren sind das Leben in der #DDR mit mangelnder Demokratiebildung sowie die Umbrüche nach der „Wende“. Viele nehmen die Versprechen der Demokratie nicht mehr ernst, fühlen sich macht- und orientierungslos, nachdem ihre vorherige Lebenserfahrung, ihre Lebenspläne und vielfach ihre Existenz komplett umgewälzt wurden. Das kann keine Ausrede für verfassungsfeindliches Handeln sein, gehört aber dazu, wenn man sie verstehen will.

#Sachsen #Ostdeutschland

@dboehmer ganz ehrlich, die Umbrüche der Wendezeit lass ich da nur noch bedingt gelten. Das ist fast vierzig Jahre her. Ein Großteil der rechten Wähler von heute wurden danach geboren und sind mit einer niegelnagelneuen Infrastruktur aufgewachsen. Warum da immer gesagt wird, der Staat tue nichts, bzw, daß die Regierung versagt kann ich nicht nachvollziehen.....

@KuMiKoe Die „Wende“ ist ca. 36 Jahre her. Da war sehr viel Hoffnung (teils auch unrealistische).

Die schwierigen Umbrüche waren Mitte der 1990er und danach, setzen sich in Teilen bis heute fort. Ich bin 1989 geboren – habe es nicht miterlebt – und puzzle mir bis heute ein Bild davon, wie einschneidend diese Veränderungen waren. Es ist schwer in wenigen Sätzen zu beschreiben, wie existenziell diese Umwälzungen das ganze Leben umgekrempelt haben.

„Der Staat tut nichts“ ist einerseits Quatsch und andererseits total wahr, wenn man es mit der DDR vergleicht: Sehr viel war geregelt, vieles auch zum guten. Der Häuserbestand verfiel zwar unmerklich langsam, aber es gab keine Graffiti und niemand hat achtlos Müll auf die Straße geworfen. Es herrschte Ordnung. Der Staat organisierte flächendeckend das gesellschaftliche Leben von Arbeit über Sport bis zur Nachbarschaft. Das mag dystopisch klingen, aber tatsächlich war überall ein enges Netz von persönlicher Gemeinschaft, das für viele nach der „Wende“ weggebrochen ist.