Für mich ist der Faschismus nicht die Krankheit, sondern lediglich ein Symptom. Die eigentliche Ursache liegt im Kapitalismus selbst. Immer wieder begegnet mir das Argument, der Kapitalismus würde seine selbsterzeugten Krisen auch wieder lösen. Aber das stimmt nicht. Er stabilisiert lediglich das System, verschärft dabei aber die zugrundeliegenden Widersprüche. Auflösen kann er sie nicht – denn er beruht selbst auf ihrer Erzeugung: Raubbau an Natur, Umwelt, Mensch und dem globalen Süden, Wachstums- und Renditezwang.

Zur Krisenbewältigung haben sich dabei bestimmte Mittel etabliert: Sozialisierung von Verlusten bei gleichzeitiger Privatisierung von Gewinnen, Lohndrückung und Prekarisierung, Austeritätspolitik, Export der Krise in den globalen Süden und quantitative Lockerung. All diese Maßnahmen laufen auf dasselbe hinaus: Umverteilung von unten nach oben. Für Konzerne bedeutet das de facto das Ende systemischer Risiken, denn Verluste werden externalisiert, Gewinne einbehalten, was zwangsläufig zu neuen und größeren Krisen führt. Während deutsche Konzerne in Krisenjahren, auch mithilfe staatlicher Gelder, Milliardengewinne einfuhren, kämpften kleine und mittlere Unternehmen ums Überleben und die Arbeiterschaft prekarisierte weiter.

Dieser Unmut mündet jedoch nicht in Solidarität oder Klassenkampf. Stattdessen wird er von Rechten und Rechtsextremen instrumentalisiert – ausgerechnet von jenen, deren Politik für den Verlust dieser Lebensgrundlagen verantwortlich ist. Der Erfolg der AfD trotz eines desaströsen Wahlprogramms erklärt sich genau daraus: Sie bietet ein Feindbild an, das die Menschen in Lager spaltet, und konstruiert dabei eine künstliche Hierarchie: Gruppen, auf die man herabblicken kann, damit der Blick von den eigentlichen Ursachen der eigenen Lage abgelenkt wird.

Möglich wird das auch durch das Versagen linksgelesener Parteien: Die SPD ist seit Jahrzehnten keine Arbeiterpartei mehr, die Grünen machen Klientelpolitik, und die Linke hat sich in identitätspolitischen Grabenkämpfen aufgerieben, statt Klasseninteressen zu vertreten. Das Ergebnis ist ernüchternd: Wer arbeitet und zu den unteren 50 Prozent gehört, wählt heute mehrheitlich AfD.
Solange die Ursache unbenannt bleibt, wird das Symptom wiederkehren – in neuen Formen, mit neuen Gesichtern, aber derselben Funktion. Das Paradoxe daran ist, dass viele Menschen die Widersprüche spüren, sie sogar benennen können – und trotzdem zum falschen Schluss kommen, dass mehr rechte Politik genau das lösen würde. Dabei ist eine linkere Politik nicht das Problem, sondern die einzige Antwort, die an die Wurzel des Problems geht.

#depol #afd #kapitalismus

@mago
Sorry, aber m.E. ist es total unerheblich, ob Faschismus nun Krankheit oder lediglich ein Symptom ist.
Faschisten geht es um Macht - Macht über Andere zu haben, Anderen sagen zu können was sie zu tun, zu sagen und zu denken haben und wenn sie nicht gehorchen bzw. dem zustimmen wollen, sie bestrafen zu dürfen, ggf. auch indem sie sie totschlagen oder erschießen oder anzünden. Und natürlich gehören sie zu den Besten, den Auserwählten wovon es natürlich nur einige Wenige gibt und geben kann.
Deswegen sind weder sachliche Gegenargumente noch Widersprüche für Faschisten relevant.
Wie gesagt, es geht Faschisten um Macht und Imagegewinn - um sonst nix.🤮