Ich finde die Idee, Ehebrecherinnen nicht mehr zu steinigen, in Ordnung, auch wenn sie jemand im Johannesevangelium und teilweise in alten Lukas Manuskripten später dazugeschrieben hat.
Auch den Auftrag, anderen zum Nächsten zu werden, statt zu fragen, wer denn genau mein Nächster ist, damit ich den Rest hassen darf, finde ich sehr gut.
Ist es nicht egal, woraus die einzelnen Personen ihre ethische Grundhaltung ableiten? Entscheidend ist doch welche Impulse sie der Gesellschaft geben, und wie wir uns darüber austauschen. Egal welche Neigungen oder Glauben die Leut' haben, manche wollen missionieren, manche nicht. Überall gibt es Spinnerinnen.
Der Unterschied ist, glaube ich, ungefähr der zwischen "Ich finde richtig, was Jesus dazu gesagt hat" und "Das finde ich richtig, _weil_ Jesus es gesagt hat".
Hier geht's ja (denk ich) um die Fälle, in denen sie das _nicht_ tun, und deren Analyse.
(Dein Leben-und-Leben-Lassen ist übrigens auch schon eine anderen aufgezwungene Weltsicht.)
Wenn sich die Leute entscheiden so zu leben, zwingen sies anderen ja nicht gleich auf. Auch wenn sie meinen, sie könnten sich als Vorbild für alle fühlen.
Auch ich zwinge niemanden, womit könnte ich das auch? Ich finds allerdings wichtig, diejenigen zu lassen, die anders glauben, denken oder fühlen als Mehrheitsgruppen das gerne möchten.
Hm, das ist aber doch das inhaltslose "Im eigenen Schlafzimmer kann jede_r tun, was ihr_ihm gefällt"?
Ethik bestimmt doch gerade, wie ich mit anderen umgehe. Und du sagst nun: Dieser und jener Umgang mit anderen geht gar nicht.
Ist zwar kein Aufzwingen, ja, aber auch keineswegs ein Leben-Lassen, wie du es postulierst.
(Habe deine ursprüngliche Frage übrigens gerne beantwortet, keine Ursache. 🙂)
Das mit dem Schlafzimmer und seiner Freiheit darin, ist nicht ganz so trivial. Da wollen viele reinkucken. Nachbarinnen, Innenminister, Familienmitglieder und andere Neider.
Ich halte es für Quatsch, das Private zum Politikum zu erklären, so lange dort alles ohne Gewalt zugeht, genauer: ohne Gewalt gegen andere Personen. Es ist gerade die Definition des Privaten, dass ich dort alle meine Dummheiten auskosten kann.
Die Ethik ist wichtig, nicht die Art ihrer Geburt.
Der Unterschied liegt dann in der Frage, ob die "Nabelschnur" dranbleibt oder nicht.
Als du zu Beginn sagtest "woraus [sie] ihre ethische Grundhaltung ableiten", hast du schon die selbstständige Variante unterstellt. Der OT liest sich für mich aber eher, als meinte er die unselbstständige.
Konkret: Wenn sie morgen ein fünftes Evangelium entdecken, demzufolge Jesus Ballsport zur Sünde erklärt, meint der OT wohl die, die das direkt übernehmen, _nur weil_ Jesus es gesagt hat.
Um mal bei der Nabelschnur zu bleiben: manche haben mit ihrer Anfangsprogrammierung so viel fest drin, dass es später mit Überlegung nur schwer rausgeht. Die Herkunft sollte aber in der Gesellschaft keine Rolle spielen. Zu meiner Geburt konnte sich niemand vorstellen, dass jemand mit ner Trisomie MdB werden könnte. Heute gibts das. Ich enpfinde diese Vielfalt als Fortschritt. Aber viele in meinem Alter (Merz) begreifens nicht. Ich find ihn nicht böse, aber bissel zu alt.
Übrigens: meinetwegen dürfen Jesusgläubige alles glauben, auch das Menschen übers Wasser laufen oder dass sie in einer Fata Morgana Kaffee kaufen können. Und wenn sie dieser Kaffee glücklich macht, dann freuen sie sich. In der Zeit richten sie keinen Schaden an, das ist doch super.
(Jedenfalls so lange, bis der Pfarrer oder der Papst sagt, Jesus würde Behinderten keine Karriere zugestehen. Das wäre ja eben Teil des Problems bei der unselbstständigen Variante.)
Was mit Nabelschnur und Muttermilch eingeschwemmt wurde, ist ja fast nochmal ne Extrabaustelle. 😄
Dass aber nicht die Quellen, sondern der jeweilige Umgang mit den Quellen entscheidend sind (oder sein sollten), darüber sind wir uns, wenn ich das hier alles so lese, glaub ich einig.
das nimmt an, dass der Glaube Jesus-dominant ist. Ich erlebe immer wieder, dass es Menschen gibt deren Christentum ein Paulus-von-Tarsus-dominantes ist.
Paulus Schwerpunkt war ein bissl ein anderer.