Oster-Fuchsjagd K19 am Flughafen Hahn

Heute war ich mit Jean, LX1WJ, bei der Oster-Fuchsjagd von K19 rund um den Hahn unterwegs. Für mich war das gleich in mehrfacher Hinsicht interessant: Alle Füchse liefen im 70-cm-Band – ein Bereich, in dem ich bisher kaum praktische Peilerfahrung hatte. Meine bisherigen Versuche beschränkten sich eher auf Kurzwelle im 80-Meter-Band.

Entsprechend war der Tag vor allem als Feldtest gedacht.

Hardware im Vergleich

Wir hatten zwei Ansätze dabei:
• Retevis RT3S mit OpenGD77, über das sich das RSSI-Feldstärke-Schätzometer per Sprachausgabe auslesen lässt… (1/9)

• Ein von Jean modifizierter Quansheng K5, der gezielt für ARDF-Empfang umgebaut wurde

Das RT3S ist dabei eher ein Workaround – RSSI ist einfach nicht dafür gemacht, präzise Peilungen durchzuführen. Es funktioniert, aber mit Einschränkungen.

Der Quansheng dagegen ist ein dediziertes Werkzeug geworden.

Jeans Firmware: Fokus auf Empfang und Bedienbarkeit

Das Projekt findet sich hier:
https://github.com/jewelux/quansheng-K5-talking-ardf-rx

Die Basis war bereits eine ARDF-angepasste Firmware. Jean hat sie dann konsequent weiterentwickelt:
• Entfernen aller Sende-Funktionen → reiner Empfänger
• Feldstärkeanzeige mit bis zu 9 Stufen… (2/9)

GitHub - jewelux/quansheng-K5-talking-ardf-rx: K5 Modification foxhunting RX

K5 Modification foxhunting RX. Contribute to jewelux/quansheng-K5-talking-ardf-rx development by creating an account on GitHub.

GitHub

• Einstellbare Empfindlichkeit für den Nahbereich
• Akustische Ausgabe der Feldstärke
• Menüs in Morsecode
• PTT-Taste als Trigger für die Feldstärke-Ausgabe

Der zentrale Punkt ist die Art der Akustifizierung.

Die 9 möglichen Feldstärkepunkte werden in Dreiergruppen aufgeteilt. Diese Gruppen werden wiederum über drei unterschiedliche Tonhöhen codiert.

Das funktioniert so:
• 1–3 Punkte → tiefe Tonhöhe
• 4–6 Punkte → mittlere Tonhöhe
• 7–9 Punkte → hohe Tonhöhe

Zusätzlich werden die Werte in Dreierblöcken mit Pausen ausgegeben.

Beispiele:
• 3 Punkte → drei tiefe Töne
• 4 Punkte → drei mittlere Töne, Pause, ein mittlerer Ton… (3/9)

• 7 Punkte → drei hohe Töne, Pause, drei hohe Töne, Pause, ein hoher Ton

Der Vorteil: Man hört sofort die Struktur in Blöcken. Ohne diese Segmentierung müsste man einfach nur Töne zählen, was deutlich anstrengender ist – gerade in Bewegung.

Antennen

Zum Einsatz kamen:
• Unsere selbstgebaute Moxon-Yagi, die Pascale (DO9PAM)und ich vor ein paar Wochen im Q21-Workshop gebaut haben
• Mehrere kommerzielle Yagis, die Jean dabei hatte

Beide Varianten waren im Einsatz gut nutzbar. Es gab keinen klaren „Gewinner“, sondern eher unterschiedliche Charakteristika.

Ablauf vor Ort… (4/9)

Jean ist gefahren, ich habe währenddessen mit der Antenne aus dem Fenster die Feldstärke beobachtet und ihm die Änderungen durchgegeben.

Unser erster Versuch von einer Anhöhe aus blieb ohne Ergebnis – also sind wir ins Gelände rein und haben mobil gesucht.

Der erste Fuchs war über die bekannte QRG aus der Ausschreibung auffindbar und markierte gleichzeitig den Einstieg in die Strecke.

Ab da sind wir zu Fuß weiter, jeder mit seinem Setup. Unterwegs immer wieder kurze Gespräche mit anderen Teilnehmern – aber ohne jeden Wettbewerbsdruck. Für uns war das ein reiner Technik- und Praxistest.

Vergleich in der Praxis… (5/9)

Interessant war der direkte Vergleich:
• RT3S (RSSI + Sprache): funktioniert, aber eher grob
• Quansheng (akustische Feldstärke): deutlich intuitiver im direkten Peilen

Gerade die segmentierte Tonausgabe hat sich bewährt. Man bekommt ein Gefühl für die Richtung, ohne aktiv zählen zu müssen.

Nahbereich: das eigentliche Problem

Der entscheidende Punkt kam im Nahbereich.

Sobald man so nah am Fuchs war, dass ein Sehender ihn vermutlich schon gesehen hätte, wurden beide Systeme zu empfindlich. Eine saubere Richtungsbestimmung war kaum noch möglich, weil das Signal überall stark war.

Unsere Lösung war simpel und effektiv: (6/9)

• Empfindlichkeit auf Minimum
• Antenne abschrauben

Damit blieb nur noch die nackte SMA-Buchse als „Empfänger“.

Das Gerät wurde dadurch stark gedämpft. Erst in unmittelbarer Nähe gab es überhaupt noch eine wahrnehmbare Änderung.

Unter FM-Bedingungen konnte man dann beim leichten Schwenken des Geräts noch kleine Lautstärkeunterschiede wahrnehmen – genug, um die letzten Zentimeter zu bestimmen.

Das Ergebnis: Ich konnte den Fuchs tatsächlich direkt „anfahren“ – ohne Antenne, nur mit der Buchse.

Fazit
• 70 cm ARDF funktioniert gut, ist aber anders als Kurzwelle
• Die Kombination aus Yagi + reduzierter Empfindlichkeit ist entscheidend… (7/9)

• RSSI ist brauchbar, aber kein ideales Peilinstrument
• Jeans Firmware bringt einen echten Mehrwert, vor allem durch die akustische Aufbereitung
• Der Trick mit der abgeschraubten Antenne ist im Nahbereich extrem effektiv

Für mich persönlich war vor allem der Accessibility-Aspekt wichtig – und der hat im realen Einsatz funktioniert.

Nach der Jagd gab es noch einen Burger-Stopp und später Kaffee vom Rastplatz. Gegen Abend war ich wieder zu Hause – mit einem ganzen Sack an praktischen Erkenntnissen.

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Zum Schluss

Ein Punkt, der mir noch wichtig ist: Danke an Jean, LX1WJ. (8/9)

Nicht nur fürs Fahren und die entspannte Organisation des Tages, sondern vor allem für das, was er im Hintergrund leistet. Die Firmware ist kein Selbstzweck – sie macht aus einem Standardgerät für Sehende ein Werkzeug, das für mich im Gelände wirklich nutzbar ist. Und das merkt man erst draußen, nicht am Schreibtisch.

Gerade solche Anpassungen zeigen, dass Barrierefreiheit im Amateurfunk keine große Theorie sein muss, sondern ganz konkret funktionieren kann, wenn sich jemand die Mühe macht, Dinge sauber zu durchdenken und umzusetzen.

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Richard, DO9RE #Amateurfunk #Ham #ARDF #Blind #Barrierefreiheit #Hamspirit (9/9)