Etwas gerädert aber woida geht's, wieder im Flaggschiff gen Osten. #Ostervara

Was ist "Marketing"?

Marketing ist, wenn du statt "Ich hab den RegioJet nach Polen verpasst, weil er statt +10 doch pünktlich fuhr, obwohl mein SuperCity davor +30 durch die Baustelle bei Hranice bekam" schreibst: "Heute bin ich extra wegen den vielen noch nicht befahrenen Lokalbahnen hier!"

Also: Lokalbahnen! Und dafür begeben wir uns zurück nach Studénka, wo der Student erfunden wurde. Oder die Student Agency alias RegioJet gegründet? Weder noch, aber aus irgendeinem Grund hält hier nicht nur der Nahverkehr, auch besagte RegioJet und arriba, arriba, LeoExpress halten hier, letzterer hier übrigens ebenfalls auf dem Weg nach Warschau. Ja, mit FLIRT.

Mich interessiert aber eher das einzige Oldschool-Fahrzeug hier, eine RegioNova auf dem nördlichsten Gleis im Regionsdesign. #Osterava

Nach einer Kurve nach Norden mit Blick über die Gleisanlagen einer Metallfabrik hinweg, die sie wohl von Vagónka Studénka geerbt haben dürfte, landen wir am Ende in Bílovec, das wieder mein ungeschriebenes Tschechiengesetz erfüllt: es gibt entweder ein Zámek (Schloss), eine Pivovar (Brauerei) oder beides. Das Zámek sieht man bei der Einfahrt, über die Minipivovar lese ich gerade, die hätte sogar ein Polotmavý gehabt...

Das Bahnhofsgebäude sieht hergerichtet aus, für den Innenbereich heißt es aber: geschlossene Gesellschaft. So ein Gitter ist hier schon ziemlich ungewöhnlich.

Die Lokalbahn hierhin ist 7,4km lang und wurde ursprünglich wie andere auch von Österreichern gebaut, nämlich der k.k. priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn in 1890. Die meiste Zeit verläuft sie in freiem Feld, das teils etwas hügelig ausfällt, was dann mal für einen schlecht einsehbaren Bahnübergang wie im zweiten Bild sorgt.

Abgesehen von Velke Albrechtice bei Bílovec gibt es nur noch einen weiteren Halt, nämlich Studénka město, der aber entgegen des Namens immer noch recht außerhalb des Orts liegt. Abgesehen von der Industrie ist hier halt nicht viel, in Studénka steigt man vor allem um. #Osterava

Zurück in Studénka geht es zurück in die Linie S8, die südwestlich die Hauptbahn verlässt und südöstlich und zunächst noch elektrifiziert zu einem Gleisdreieck führt. Links nach Nordwesten zweigt eine kurze Stichbahn nämlich zum Haltepunkt "Mošnov Ostrava Airport" ab, dem Flughafen Ostravas. Dorthin gibt es aber nur vereinzelte Fahrten, denn außer zu einschlägigen Urlaubszielen wird hier nur noch ein paar Mal die Woche nach Warschau und Stansted geflogen. Immerhin, das ist mehr als Kassel-Calden vorzuweisen hat...

Geradeaus fahren wir aber via Kopřivnice (das kennt man vom Tatra-Museum) und Štramberk, das "mährische Betlehem" (?!), wo seit 1881 Kalk abgebaut wird, nach Veřovice. Hier trifft die Strecke auf die der S6 von Frenštát pod Radhoštěm nach Valašské Meziříčí, der Übergang wird aber planmäßig nicht befahren, da die S8-Züge an einem eigenen Bahnsteig nördlich des Bahnhofsgebäudes halten.

Von Štramberk hierher wurde nicht nur deutlich langsamer gefahren, weil die Strecke nicht so wirklich in einem guten Zustand ist, es fällt auch auf, dass da ja gar keine Oberleitungsmasten mehr sind. Das ist auch richtig so, denn die Strecke wird erst noch weiter elektrifiziert, wir sind aber mit dem selbe Fahrzeug weiter gefahren, was bedeutet: das erste Mal Škoda BEMU! Dieses RegioPanter-Modell läuft unter der Bezeichnung 15Ev5 statt 7Ev und man fragt sich wieder Mal, wieso hier alles problemlos fährt, was in Deutschland irgendwie nicht gut genug ist.

Auf der Strecke der S6 herrscht hingegen noch die gute alte Zeit: die vierachsigen Dieseltriebwagen der Baureihe 842 kommen von um die Ecke, nämlich von Vagon Studénka. Sind die Triebwagen eckig, so sind die damit kombinierten Steuerwagen abgerundet. Mir fällt es aber schwer, die von den Nachfolgern der Baureihe 843 oder der BR 854 zu unterscheiden. #Osterava

Ich fahre einmal nach Valašské Meziříčí und zurück und weiter nach Frenštát pod Radhoštěm und obwohl die Wagen #FensterAuf bieten, kann ich nur eingeschränkt bildlich wiedergeben, wie auffallend schön diese Strecke entlang des Rands der Beskyden ist. Denn einerseits ist man zu sehr mit Genießen beschäftigt, andererseits freuen sich die Mitfahrer nicht unbedingt über die kalte Luft.

Ein paar Eindrücke gibt es dennoch, so fällt beim einen von nur zwei Halten zwischen Veřovice und Valašské Meziříčí, nämlich in Hostašovice das völlig überdimensionierte Bahnhofsgebäude auf, das überdies fernab jeglicher Bebauung liegt. Die Erklärung: hier zweigte früher die Strecke nach Nový Jičín ab, das heute nur noch von Suchdol nad Odrou aus an der Hauptstrecke Hranice nad Moravé - Ostrava aus bedient wird.

Beim dritten Bild fühle ich mich doch sehr an die Slowakei oder das Allgäu erinnert, nur dass man in zweiterem nicht das findet, was beim notwendigen Umstieg in Frenštát pod Radhoštěm auf einmal auftaucht... #Osterava

...nämlich nicht nur eine Taucherbrille 😍 sondern sogar gleich zwei 😍😍 vor modernen Doppelstockwagen!

Kultlok auf Kultstrecke und dann stellt sich beim Umstieg in Frýdek-Místek auch noch der Bahnhof als so ein Schmuckstück heraus... hier muss ich nochmal hin!

Es wird aber bald dunkel und mehr aus Gründen der Vollständigkeit meiner Rundfahrt nehme ich noch die mit RegioNova befahrene Strecke nach Český Těšín mit, wo ich erst vor zwei Wochen zur OKD-Sonderfahrt war, sowie die Verlängerung ins polnische Cieszyn. Abgesehen von der Dunkelheit gibt's hier aber auch keine Anschlüsse, also flugs zurück und mit der nächsten Möglichkeit zurück nach Ostrava. #Osterava