Ein Sozialsystem ist dazu da, Sicherheit zu schaffen.

Sicherheit vor der Angst vor Armut.
Sicherheit vor der Angst vor Absturz.
Sicherheit vor soziale Isolation.

Das Sozialsystem in Deutschland hat das in der Vergangenheit recht gut getan.
Seitdem wir vor 30 Jahren völlig ohne Sinn und Verstand die Axt an unser Sozialsystem gelegt haben, in der irrigen (weil völlig unwissenschaftlichen) Annahme, dass das die Wirtschaft ankurbeln würde, geht es bergab.

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Wir haben eine zunehmende größer werdene Gruppe an MitbürgerInnen, die sich abgehängt fühlen, die sich nicht mehr als Teil der Gesellschaft sehen.
Wir haben zunehmend Existenzängst und Ängste vor dem Absturz.

Das Sozialsystem verfehlt seine ureigenste Aufgabe.

Und genau in dieser Situation kommt ein Merz daher und erklärt (ebenfalls völlig widersinng weil unwissenschaftlich), dass wir uns unser Sozialsystem nicht mehr leisten können.

(2/5)

Das verstärkt die ohnehin schon weit verbreiteten Ängste. Ein verheerender Kreislauf.

Warum geht es dem Sozialsystem so schlecht?
Weil es unterfinanziert ist.
Seit 30 Jahren senken wir permanent die Steuern.

Einkommenssteuerspitzensatz: gesenkt
Vermögenssteuer: ausgesetzt

Genau die Steuern, die auf den Schultern derer landen, die es problemlos schultern können, werden gesenkt.

(3/5)

@thoralf Ich teile deine These, dass das Sozialsystem früher besser war so gar nicht. Mit Hartz IV ging es kontinuierlich bergab. Mentale Unterstützung wie die Ängste vor Armut etc gab es keine. Im Gegenteil. Die Daumenschrauben werden mehr und mehr angezogen. ich erlebe das selbst derzeit sehr extrem. das hinterlässt Spuren in der Seele, glaube mir.
@wortsalatfinchen @thoralf meint, dass sie bis vor 30 Jahren besser waren. Dann kam Schröder und Hartz4. Und das Ende der stabilen Sozialsysteme. Zumindest habe ich ihn so verstanden.
@mc @wortsalatfinchen @thoralf Ich auch - teile aber die in einem anderen Posting geäußerte Ansicht, dass der Anfang vom Ende eigentlich schon beim Verrat der FDP 1982 lag - als Kohl Kanzler wurde. Nicht, dass davor alles eitel Sonnenschein gewesen wäre, aber es war doch weit besser, zumindest in meiner Erinnerung. Zustände wie heute gab es jedenfalls noch nicht.
@SusanneDoering
Da stimme ich zu. Die "geistig-moralische Wende" war der Grundstein des neoliberalen Übels.
@mc @wortsalatfinchen @thoralf

Warum?
Weil man - ohne jede wissenschaftliche Grundlage - glaubt, dass es dadurch mehr Investitionen geben würde, die die Wirtschaft ankurbeln würde ...

Das ist im Grunde das "trickle down"-Prinzip, was unter Reagan schon grandios widerlegt wurde.

Wir erklären den Leuten, die ohnehin Schwierigkeiten haben, überhaupt den morgigen Tag zu überstehen, dass sie sich einfach mehr anstrengen müssen und dann würden es schon aufwärts gehen.

Bullshit!

(4/5)

Stattdessen spielen wir der AfD in die Hände, die sich darüber freut, dass wir ihnen auf diese Weise noch mehr verzweifelte und abgehängte Leute in die Arme treiben.

So unfassbar dumm!

Unsere Sozialpolitik ist unfassbar dumm. Und sie wird mit jedem Jahr dümmer.

(5/5)

@thoralf das ist nicht dumm, wenn man es aus der Sicht der Habenden sieht: Leute, die Angst vor Wohnungslosigkeit und Hunger haben, sind eher bereit Drecksjobs für wenig Geld zu machen. Bilden keine Gewerkschaften, denn sie sind froh, dass sie überhaupt Arbeit haben. Zurück zu den Anfängen der industriellen Revolution.
@Robbes0211 Jo. Es war der beabsichtigte Effekt des Ganzen, –wie Schröder vorm Forum in Davos prahlte – den größten Niedriglohnsektor Europas zu schaffen. Zusammen mit seinem "Arbeitsförderungsgesetz" wurde Deutschland zum Exportweltmeister mit sinkenden Löhnen und Sozialleistungen, fit für Börsenprofite. Nebenbei sahnten die Versicherungskonzerne auch noch ab. @thoralf @wortsalatfinchen

@thoralf gut zusammen gefasst du hast es getroffen

danke

Nachtrag:

Selbst wenn man der Meinung wäre, dass einem das Sozialsystem egal ist, weil man ja nicht betroffen ist, tut man gut daran, sich trotzdem für ein stabiles und effektives Sozialsystem einzusetzen, um den sozialen Frieden zu wahren.
Ansonsten könnte es recht schnell passieren, dass man sich auf der falschen Seite einer Revolution wiederfindet.

Und das kann selbst für sehr reiche Menschen sehr schnell ziemlich unangenehm werden.

Ein Sozialsystem ist eine Versicherung, die allen hilft.

@thoralf Der Aspekt stimmt halt leider heutzutage nicht mehr, und das könnte auch der Kernpunkt sein, weshalb diese Politik so lange funktioniert: Die Urheber:innen werden nicht greifbar sein: Es ist einfach nicht mehr so, wie im Mittelalter, wo man auch an die Adligen im Zweifel drangekommen ist.
In Zeiten von Gated Communities, Polizeischutz, privatem Sicherheitsdienst, Überwachungsstaat, KI, Robotik und und und - muss die reiche Seite der Schere einfach keine Angst mehr haben.
Im allerallergrößten Zweifel steigen sie in ihren Privatjet und fliegen irgendwo hin.

@thoralf

jo, die würden auch häuser ohne fundament bauen weil im fundament kann man ja nicht wohnen und kostet nur zusätzlich material
und wenn das haus dann einstürzt dann sind die ausländer schuld

@thoralf jeder von uns ist nur ein Unfall, eine Krankheit oder Schicksalsschlag entfernt sich in der Realität des Sozialsystems wiederzufinden, das hier als Mutter aller Probleme proklamiert wird.
Es wird seit Beginn des Privatfernsehen gegenüber den Menschen im Hartz IV, Bürgergeld und jetzt Grundsicherung gehetzt, um die Gesellschaft zu spalten.
Das ständige nach unten treten ist in Fleisch und Blut übergegangen, das Niemand mehr nach oben schaut.
#Vermögenssteuer
#erbschaftssteuer
#TaxtheRich
@Liosan @thoralf
Das trifft jedoch nicht auf jene zu, die nur zuschauen müssen, wie sich ihr ohnehin schon großes Vermögen durch unsere Arbeit immer weiter vergrößert!
@thoralf
Ich befürchte, da gibt es auch andere Ansichten.
Z.B. „Ein Sozialsystem ist dazu da, Revolutionen zu verhindern und damit maximale Ausbeutung zu ermöglichen.“ Ganz im Sinne Bismarcks.
So explizit wird das heute natürlich nicht mehr öffentlich gesagt.
@thoralf damit wären die letzten 30 Jahre eine Rückkehr zum Standard.
@iamlayer8 Selbst unter der Prämisse ist es aber sinnvoll, wenn die Leute sich sicher fühlen.
Ansonsten hast du ja gerade die Gefahr, dass sie rebellieren.
@thoralf
Naja, sie sollen sich nicht zu sicher fühlen. Sonst machen sie nicht jeden Job.

@iamlayer8 @thoralf viel wichtiger, als dass Menschen "jeden Job annehmen" ist ohnehin, dass sie sich (abge)sicher(t) genug fühlen, um genau das zu tun, was sie jeweils am besten können.

In vielen Fällen heißt das auch: sich selbstständig machen, neue Startups gründen. Hinzu kommt wichtige Gesellschafts-, Bildungs- und Demokratiearbeit!

Menschen knechten wie im Mittelalter macht noch keine erfolgreiche Volkswirtschaft.

@iamlayer8
@thoralf

insofern können wir doch nur gewinnen.
Gutes Sozialsystem - Frieden+Wohlstand
Schlechtes Sozialsystem - Revolution (ist echt langsam mal Zeit)
@flaubau Ich will nicht wissen, ob du die Revolution, die da im Moment auf uns zu kommt, wirklich haben willst. @iamlayer8 @thoralf

@iamlayer8 @thoralf

Es kann ja durchaus mehrere Funktionen gleichzeitig haben. Klar die Konservativen, die es aufgebaut haben (Bismarck, Erhard) wollten damit nicht in erster Linie Sicherheit für die Ärmeren schaffen, sondern für sich selbst und ihre Klientel vor potentiellen Armutsrevolten. Das kann aber auch Hand in Hand gehen...

Ceterum censeo afdem esse damnandum

@thoralf Ich hätte den konkreten Anfang schon bei der Wahl von Kohl zum Kanzler gesetzt. Ab da wurde schon der Wohlstand nach oben verteilt, ohne sozialen Ausgleich. Als Hartz kam, waren die Kommunen als Sozialträger schon finanziell total überlastet und solche Reformen überhaupt an die Menschen als Verbesserung zu verkaufen...im Vergleich zu dem was CDU und FDP wollten. Und später ins ALG2 schrieben...

@urwumpe @thoralf

Kohls "geistig-moralische Wende" hat es langsam erodiert, sein Management der "politischen Wende" es mit Millionen von Bedürftigen überlastet. Schröder hat es torpediert, unter Merkel dümpelte es so schwankend dahin, die Ampel hatte ein paar Ideen um es halbwegs wieder flott zu machen, denen aber von Lindner das Geld gestrichen wurde und Merz will es jetzt gänzlich abwracken...

Ceterum censeo afdem esse damnandum

@thoralf „..ist dazu da, Sicherheit zu schaffen“.
Sorry, aber das ist nicht korrekt. Dieses „früher war es besser“ hat noch nie gestimmt. Die waren schon immer in erster Linie dazu da, Druck auszuüben, zu verunsichern. So kann man Menschen leichter lenken und klein halten. Notwenig sind sie weil sonst ein riesiger und vor allem teurer Polizeiapparat notwendig wäre weil diese Menschen ohne Unterstützung gewaltsam ihr Überleben zu sichern versuchten.
@thoralf Schon in den 80er Jahren war das Sozialsystem durch Angst und Verachtung geprägt. Wer keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld oder -hilfe hatte musste zum Sozialamt. Viele haben lieber jeden Dreckjob angenommen, als sich mit den herablassenden Beamten auseinanderzusetzen.
@thoralf
Es wäre meiner Meinung nach aus volkswirtschaftlicher Sicht klug, den Versorgungssatz für die Leute deutlich anzuheben, da das Geld ja nicht zur Seite gelegt würde, sondern für vernünftiges Essen, kulturelle Ausgaben etc ausgegeben würde. Damit würde es nicht nur den Hilfe - Empfängern, sondern Allen zu Gute kommen, da das Geld sofort in die Wirtschaft zurück fließt. Quasi eine Subvention der Innenwirtschaft.