«Schüler:innen führen Elterngespräche.»

oder

«Ich bin begeistert.»

In der Schweiz finden an den Schulen jährlich so genannte Standortgespräche statt. Das sind Gespräche, an welchen die Lehrpersonen zusammen mit den Schüler:innen und ihren Erziehungsberechtigten gemeinsam schauen, wo die Schüler:innen aktuell stehen. In diesem Fall geht es um die Gespräche auf der Oberstufe (7. bis 9. Klasse).

An unserer Schule haben wir das in diesem Jahr etwas anders als üblich gemacht. Wir wollten den Schüler:innen mehr Verantwortung übertragen.

Während gut sechs Wochen haben sich die Schüler:innen jeweils anderthalb Stunden selbst auf das Gespräch vorbereitet, selbstverständlich in Begleitung durch uns Lehrpersonen. Sie haben alle ein Büchlein gestaltet, in welchem sie ihren Lernstand, ihre Schwierigkeiten, ihre Stärken, ihre Kompetenzen und einen möglichen Ausblick auf den weiteren schulischen Verlauf vielfältig visualisiert haben. Die Schwerpunkte haben die Schüler:innen selbst gesetzt. Sie haben sich vorbereitet für die Gesprächsführung und jetzt, nach den ersten Gesprächen, muss ich sagen, hat sich das absolut gelohnt!

Als Lehrperson bei solchen Gesprächen dabei zu sein und zu sehen, wie gut sich die Schüler:innen selbst einschätzen können, wie gut sie das Büchlein für eine Veranschaulichung nutzen und wie gut das von den Erziehungsberechtigten verstanden und aufgenommen wird, ist eine Wohltat. Die Schüler:innen machen das teilweise sogar kritischer, genauer und besser als wir Lehrpersonen das je gemacht hätten.

«Ich bin begeistert.»

#Standortgespräche #Oberstufe #FediLZ #Schweiz #Bildung #Lernstandgespräche #Elterngespräche #Schule

@bash2
Die Standortgespräche finden nicht erst im 3. Zyklus (7. - 9. Klasse) mit den Lernenden statt. Im Kanton Thurgau beispielsweise ist die Teilnahme der Schüler:innen im 1. Zyklus (Kindergarten - 2. Klasse) erlaubt, ab dem 2. Zyklus verbindlich im Gesetz über die Vollkschule vorgeschrieben.
https://av.tg.ch/public/upload/assets/113942/D_Standortgespraech.pdf
@bincornel Stimmt. Danke für den Hinweis. Korrigiere ich gleich.
@bash2
Das liest sich ja echt spannend. Kannst du noch verraten, wie viel Zeit ihr für jedes einzelne Gespräch habt? Kommen alle Eltern? Darf/muss dafür Unterricht entfallen?

@apfelhexe Das hat sich nicht gross geändert gegenüber früher. Wir planen normalerweise mindestens eine halbe Stunde Zeit für die Gespräche ein.

Jetzt kommt es sehr darauf an, wie gut die Schüler:innen sich vorbereitet haben. Ich habe Gespräche erlebt, die nach zwanzig Minuten zufriedenstellend abgeschlossen wurden und solche, die eine (ausführliche und angeregte) Stunde in Anspruch genommen haben.

Wir haben an unserer Schule ein Unterrichtsgefäss namens «Workshop». Dort lernen die Schüler:innen alles, «was man so für das Leben braucht» (Bewerbungen schreiben, Budget verwalten, psychische Gesundheit, Lernen lernen, etc.) und dort haben sie sich auch für die Gespräche vorbereitet.

Das Standortgespräch ist auf der Oberstufe (Zyklus 3) grundsätzlich obligatorisch, daher kommen eigentlich alle Eltern.

@bash2 Ich danke dir für die Info. An unserer Schule in Nordrhein-Westfalen (D) gibt es Lernentwicklungsgespräche, die gerade etwas stagnieren, aber auch darunter leiden, dass wir Unterrichtsausfall möglichst vermeiden müssen, also viel zu wenig Zeit dafür haben. Euer Unterrichtsgefäß finde ich in der Hinsicht überaus interessant, denn wenn ich als Lernende Arbeitsergebnisse aus dem U präsentiere, ist das ja auch Unterricht.

Ich bin begeistert!!