Arbeitsanreize
Arbeitsanreize
Mal eine ganz grundsätzliche Frage: gibt es Forschung, die diese ganzen Optimierungshypothesen in der Realität beweisen/zeigen kann?
In der Realität optimiert niemand ohne Family Office die Gehaltsstruktur nach irgendwelchen Grenzsteuersetzen und gerade in der Regel arbeitet man auch nicht eine Stunde mehr oder weniger, sondern 10, 20, 30, 40h, kaum was dazwischen.
Vielleicht kommt das im Aggregat dann trotzdem hin, aber mir kommt das alles sehr verkopft vor.
Ja natürlich, aber die Ökonomie ist jetzt nicht unbedingt unverdächtig, das zu übertreiben.
Oder um ähnlich schnippisch zu antworten: die meisten Menschen denken und handeln im Alltag nicht wissenschaftlich - inklusive aller anwesenden.
Möchtest du heute nicht konstruktiv diskutieren?
Mach nicht alle anderen für deine schlechte Laune verantwortlich, es gibt auch von dir selbst diverse Tonaufnahmen, in denen du die Ökonomie exakt so kritisierst, wie ich gerade.
Im Übrigen ist gerade der Fakt, dass ich VWL im Studium hatte, der Grund, warum ich sowas hinterfrage. Keine andere Sozialwissenschaft behauptet von sich, prädiktiv zu sein.
Aber gerade dann solltest du gemerkt haben, dass die VWL oft genug mit Annahmen arbeitet, die in der Realität nicht so wirklich funktionieren.
Siehe oben, man kann Arbeitszeit nicht beliebig hoch- oder runterschrauben, sondern idR nur in größeren Schritten. Wenn man aber damit argumentiert, dass marginale Änderungen der Regeln zu marginalen Änderungen im Verhalten führen, muss man das auch belegen können.
Und allein die Annahme, dass sowas rational durchgerechnet wird, ist schwierig.
Natürlich kannst du gelangweilt von der Frage sein, aber die VWL liefert halt keine Antworten darauf.
Ja, VWL kann nützlich sein, aber ein bisschen Bescheidenheit wäre angesichts des Track Records dieser Wissenschaft halt schon angebracht.
@AdmSnackbar Nicht anderes behauptet die VWL von sich. Mir geht halt extrem auf den Keks, dass immer wieder einzelne Volkswirte – als Interessenvertreter einer bestimmten Politik – verwechselt werden mit einer ganzen Disziplin.
(Bemerkenswert finde ich, aus welcher Richtung solcherlei Verwechslungen mit absoluter Sicherheit, oft sogar Arroganz formuliert werden. Vermutlich werde ich deshalb schnell pampig. Das allerdings ist zu anekdotisch, um als Diskussionsgrundlage zu dienen, weil ich ja auch nur in bestimmten Kreisen verkehre.)
Gerade dann sollte man aber auch seine Aussagen vernünftig untermauern.
Was dieser Beitrag macht, ist ja eine extreme Verkürzung von sowas komplexem wie Lebensgestaltung. Wenn man sagt "Frauen sind bereit, ihre Karriere komplett wegzuwerfen, weil der Grenzsteuersatz 5 Prozentpunkte günstiger ist", dann muss man dafür halt schon Belege liefern.
Insbesondere, wenn du dir auch einen anderen Ökonomen hättest suchen können, der dir aus der hohlen Hand genau das Gegenteil erläutert.
Ich finde es generell sehr sehr fragwürdig, wenn dermaßen kontingente Entscheidungen mit irgendwelchen ökonomischen Theorien vorhergesagt werden. Letztlich gibt es hunderte Einflussfaktoren, auch kulturell, die überhaupt gar nicht abgebildet werden. Das dann auf eine Handvoll Optimierungsübungen zu reduzieren kann sinnvoll sein, aber wenn wir dermaßen rational wären, hätte niemand eine Riester-Rente gekauft.
@holgi @blog Das ist dann halt keine Wissenschaft mehr, wenn Gruppen willkürlich raus- und reingenommen werden. Es ist ja z.B. nur ungefähr die Hälfte der Bevölkerung überhaupt berufstätig. Hat halt starke Homo-Ökonomikus-Vibes.
Außerdem hast du es ja selber mit deinem „also lieber nichts ändern“-Kommentar selber auf die politische Ebene geholt und ich dir dann deswegen auf beiden Ebenen geantwortet.
@blog Eine Frage, die mir bei den beiden Sendungen (Wirtschaftskunde und hier) durch den Kopf ging - was passiert eigentlich, wenn das angestrebte Mehr an angebotener Arbeitsleistung gar nicht gebraucht wird.
Blick aus dem Osten: Wir haben eine überalterte aussterbende Bevölkerung, eine kollabierende Industrie, massive Stellenkürzungen im öffentlichen Dienst und auch die gepriesenen Großinvestitionen kommen in der Regel mit viel weniger Personal aus als von der Politik erhofft. Führt ein mehr an Arbeitsangebot dann nicht automatisch zu einem sinkenden Gehaltsniveau? Kann das nicht das eigentliche Ziel sein? Und was uns mit der Iran-Nummer blühen wird, will ich noch gar nicht wissen...
P.S.: und wenn ich meine Kollegen/Bekannten in Westdeutschland so höre, sieht es unter dem netten Häkeldeckchen mit der Aufschrift "Ist doch alles so schön hier!" auch nicht viel anders aus. Nur dass das Vermögensniveau und damit die Schmerztoleranz um einiges höher ist.