Arbeitsanreize – WRINT: Wer redet ist nicht tot

@blog Einerseits gute Sendung weil sie tiefer geht als die allermeiste Berichterstattung zu den Reformvorhaben. Andererseits stellenweise biased. So sind beim Anheben von Mehrwertsteuer und Absenken der KV-Beiträge nicht wie behauptet, die Ärmsten entschädigt. Wer Sozialhilfe bezieht, hat kein höheres Netto, zahlt aber trotzdem mehr MwSt. Dann: Das Setzen von Anreizen, mehr zu arbeiten, führt dazu, dass diejenigen bestraft werden, die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können.
@ennopark @blog Also lieber alles so lassen, wie es ist.
@holgi @blog Das war zunächstmal Kritik an der Analyse deines Gastes, etwas zu oberflächlich zu sein. Bei Reformen bitte drauf achten, dass nicht ausgerechnet die Schwächsten unter die Räder kommen. Beispiel: Es gibt einen Gap zwischen Krankengeld und EM-Rente wo du u.U. monatelang ohne Einkommen dastehst. Die Abschaffung der Mitversicherung von Ehepartnern führt dazu, dass ausgerechnet einkommenslose berufsunfähig Kranke mit hunderten bis tausenden Euro zusätzlich „bestraft“ werden.
@ennopark @blog Was du beschreibst, ist kein ökonomisches, sondern ein politisches Problem.
@holgi @blog Nicht wenn bei der ökonomischen Analyse bestimmte Gruppen einfach ausgeblendet werden. Wenn also so getan wird, als wären alle berufstätig (KV-Beiträge/Mehrwertsteuer) oder als könnten alle arbeiten, die es nicht tun (Splitting/Familienversicherung). Die ökonomische Analyse hat dann blinde Flecken.
@ennopark @blog Gruppen, die sich nur kaum oder gar nicht auf die Gesamtrechnung auswirken, in eine ökonomische Betrachtung einzubeziehen, ist unsinnig. Das muss an anderer Stelle passieren (dass das möglicherweise nicht hinreichend passiert, ist eine andere Diskussion).

@holgi @blog Das ist dann halt keine Wissenschaft mehr, wenn Gruppen willkürlich raus- und reingenommen werden. Es ist ja z.B. nur ungefähr die Hälfte der Bevölkerung überhaupt berufstätig. Hat halt starke Homo-Ökonomikus-Vibes.

Außerdem hast du es ja selber mit deinem „also lieber nichts ändern“-Kommentar selber auf die politische Ebene geholt und ich dir dann deswegen auf beiden Ebenen geantwortet.

@ennopark @blog Ich hatte eher den Eindruck, dass du das Ding auf eine politische Frage gedreht hattest. Und deine Prämisse widerspricht halt der politischen Realität.
Und natürlich ist es Wissenschaft, aber ausgerechnet der Ökonomie diesen Status abzusprechen, ist hier ja sehr beliebt und leider auch sehr anschlussfähig.
@holgi @blog Uff. Wow. Nochmal, du stellst im Podcast die politische(!) Frage, ob MwSt erhöhen nicht ungerecht sei. Dein Gast sagt aufgrund seiner ökonomischen Analyse, dass das OK gehe, weil niedrige Einkommen durch geringere KV-Beiträge entschädigt würden. Und ich kritisiere, dass diese Analyse übersieht, dass Grundsicherungsempfänger höhere MwSt zahlen ohne von den niedrigeren KV-Beiträgen zu profitieren, was immerhin ~5 Mio Menschen betrifft. Also hat die ökonomische Analyse hier einen >>
@holgi @blog >> einen blinden Fleck.
@ennopark @blog Die Prämisse ist, die Einnahmen zu erhöhen, und Transferleistungen sind Kosten. Moralisch bin ich ja auch bei dir, aber diese Kosten einzubeziehen in die Frage, wie man die Einnahmen erhöht, ist halt sinnlos. Die Frage nach dem Verbleib der Transferleistungsempfänger kann nur politisch diskutiert werden.

@holgi @ennopark @blog

Und politisch herrscht beim Verbleib grade das Motto „Ihr seid schuld, verschwindet. Irgendwie.“
Dass Betroffene grade Angst haben ist absolut legitim.

@holgi @blog Es ging aber bei meiner Kritik nunmal nicht um die Frage, die Einnahmen zu erhöhen, sondern um die von dir im Podcast gestellte politische Frage, ob eine Erhöhung der MwSt gerecht ist und der ökonomisch begründeten Antwort darauf.