In einer Woche findet der "axes 4 Day“ statt, mal wieder eins der größeren Get-togethers der deutschen Barrierefreiheitsbranche, wo es primär um barrierefreie PDF gehen soll.

Von den neunzehn (19!) geladenen Sprechenden hat eine (1!) eine öffentlich bekannte und sichtbare Behinderung. Gerade mal etwas mehr als 5 Prozent. Bei einem gesamtgesellschaftlichen Vorkommen von Behinderung von **mindestens** 10 % ist das bei einer Veranstaltung, wo das das Thema ist, der reinste Scheiß.

Alexander Pfingstl, Prüfer bei der staatlichen BFIT-Bund, ist als Blinder das einzige Token, der bei solchen Anlässen tendenziell sehr gern geladen wird, denn er vertritt einige sehr unternehmensfreundliche Standpunkte und ist u.A. regelmäßig auch bei IAAP-Veranstaltungen (Wir erinnern uns an die CPACC-Fragen)

Immerhin etwas.

Aber ich bin doch immer wieder sehr sprachlos, wie offensichtlich egal dieser Branche die Zusammenarbeit und die Sichtbarmachung von ihrer eigenen Zielgruppe ist.

Hier sind die Teilnehmenden gelistet: https://www.axes4.com/de/ressourcen-community/axes4-day/axes4-Day-26

Weiblich gelesen sind nur 7, auch weit weniger als die Hälfte.

Migrantisch/rassifiziert gelesen ist keine einzige Person.

Das mit der Intersektionalität der digitalen Barrierefreiheit üben wir nochmal.

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Ich glaube nicht.

Ally ist auch dieses Jahr keine allgemeingültige Selbstbezeichnung, sondern das, was ihr individuell und situativ für marginalisierte Gruppen sein könnt. Wer sich pauschal als Ally bezeichnet, tut das oft um auszudrücken, man sei „von den Guten“. Tatsächliche Sicherheit und Unterstützung zeigt man anders.

Bildquelle: Axes4 LinkedIn. Bei der im Thread erwähnten Veranstaltung gibts diese Beutel.

@kc hmmm. Ich glaube das sollte eigentlich "I'm an a11y champion" heißen... Was WUNDERSCHÖN illustriert, dass diese Abkürzungen mit Zahlen in vielen Kontexten einfach nicht funktionieren.
@netzhexe @kc Das kommt mir auch am logischsten vor in dem Kontext. Und ich find‘s wenigstens nicht so schlimm, wie es die Selbstbezeichnung als Ally wäre.
@SunDial79 @netzhexe Naja, da steht aber nicht mal stilisiert irgendwas das „a11y“ sein könnte, sondern da steht wirklich und unmistakably „Ally“
@kc Ich kann mir vorstellen, dass das so gewollt ist - also das Doppeldeutige. Und wenn es tatsächlich "A11y" ist, dann wird es nicht arg besser. "I'm an A11y Champion" finde ich einfach nur komplett peinlich. @SunDial79 @netzhexe

@kprobiesch @kc @SunDial79 @netzhexe Ich kenne das auch so, dass es oft gewollt ist, und das Numeronym als ally auszusprechen ist viellleicht nicht die Regel, aber schon gebräuchlich. Ein schneller Check beim A11y Collective bestätigt, dass das nichts exklusives aus meiner Schmerz-Blase ist.

https://www.a11y-collective.com/glossary/a11y/

„Champion“ ist im Englischen auch ein DEI-Bindestrich-Wort mit Geschichte, und wird da wohl weniger zehenkrümmend wahrgenommen.

Ändert alles nichts daran, dass das peinlich ist.

A11Y

The numeronym "a11y" is often used on the web to refer to "Accessibility". Read more to learn why and how to use a numeronym yourself.

The A11Y Collective

@nevin @kprobiesch @kc @SunDial79 @lipow ihr habt alle recht!

Und dass Einser, kleine Ls und große is in vielen Schriftarten zum Verwechseln ähnlich sind ist auch schon ein altbekanntes Barrieren-Thema.

Ich kann mir absolut vorstellen, dass jemand diesen Aufdruck in bester Absicht gestaltet hat und kommunizieren wollte „dem Menschen der diese Tasche trägt, ist Zugänglichkeit wichtig“… (Fortsetzung folgt)

@nevin @kprobiesch @kc @SunDial79 @lipow

… und dann hat niemand nochmal mit einem kritischen Auge draufgeguckt, und nun ist es ein Fall von gut gemeinter Griff ins Klo. Weil es halt einfach oft so läuft, leider.