Klingbeils Aussage, und sowas kommt ja immer wieder auf, dass Akademiker*innen länger arbeiten müssen, finde ich in der Pauschalität unverschämt.

Das Studium ist für viele keine Spaßveranstaltung im Sinne einer Aneinanderreihung von Partys. Wir wissen, dass viele Studis psychisch krank sind, was unter anderem an der schwierigen finanziellen Lage liegt. Viele arbeiten ziemlich viel neben dem Studium, um sich das zu finanzieren. Wohnen ist teuer, das ist sicher vielen schon aufgefallen.

Wegen der schwierigen Finanzierungslage benötigen viele Studierende länger für ihr Studium. Das führt zu weiteren Stress und Druck.
Nach dem Studium wird BAföG oder auch ein Kredit abgezahlt. Viele der besonders Guten schließen noch eine Promotion an, die dauert, und für die auch nicht alle beschäftigt sind. Wer beschäftigt ist, ist das in manchen Bereichen auf 50 oder 65 %. Auch hier verlängert sich für viele die Zeit wegen der Finanzierbarkeit.
Wer ein Studium absolviert hat, hat immer noch bessere Berufsaussichten und ist weniger von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht (solange man gesund bleibt). Nicht alle verdienen danach aber fürstlich. Die kürzlich diskutierten 3000 bis 4000 Euro machen nicht alle.
Wie sehr das ganze dann natürlich besonders Frauen trifft, die eventuell noch später in den Beruf kommen, weil sie im Studium Kinder bekommen, wegen Kindern pausieren oder gender pay gap - egal.

Das Ausspielen von Gruppen - und so empfinde ich das - ist nicht so "Mitte", wie Klingbeil wohl denkt.

Akademiker*innen sind keine nutzlosen Sesselfurzer*innen, die nach zehn Partyjahren noch ein bisschen Zeit absitzen. Manche arbeiten sogar körperlich hart und viele Menschen haben ein viel diverseres Leben, als sich manche vorstellen können.

@sarah_ist_muede

Mal sehen wie er reagiert wenn einer diese faulen Ü70 Partystudenten in dann in 10 - 15 Jahren mal operiert.

@sarah_ist_muede
Und überhaupt: war das Wohlstandsversprechen nicht, dass wir alle *weniger* arbeiten müssen?
@Chaotica Hahaha!

@sarah_ist_muede
Lach nicht! Ich bin alt genug um mich zu erinnern.

Und gebildet genug um die Produktivitätsstatistik auswerten zu können.

Wir könnten längst bei einer 30h-Woche sein und Altersarmut wäre kein Thema mehr, wenn wir die Gier der Hyperreichen endlich beschneiden würden.

@Chaotica Ganz ehrlich: Mit meiner Rente sieht es mal mau aus. Vermutlich falle ich trotzdem nicht ganz hart, aber meine Rente ist lächerlich niedrig. Ich habe an der Uni fast durchgehend eine halbe Stelle gehabt und davor aus Gründen auch schon eine Weile nur eine halbe Stelle. Wenn ich alt bin, ist vermutlich wegen Klimakatastrophe alles noch viel schwieriger als jetzt. Und ich bin froh um die Zeit, die ich nicht voll gearbeitet habe, denn sie hat mir neben persönlichen Verpflichtungen...
@Chaotica ...Zeit zum Atmen gegeben. Zeit zum Atmen neben zum Beispiel regelmäßig mehrere Hundert Kilometer fahren, um meinen Vater zu entlasten. Zeit, um regelmäßig meine Mutter zu waschen, als sie es nicht mehr konnte. Zeit, um dabei nicht zu zerbrechen. Zeit, um meinen Mann problemlos zu unterstützen, als er plötzlich krank wurde. Ganz ehrlich, was wäre dagegen 20 Stunden mehr Arbeit und später ein paar Krümel mehr Rente gewesen?

@sarah_ist_muede
So sehe ich das auch.

Und mein Opa war mir ein mahnendes Beispiel. Der hat viel gearbeitet „um seine Rente zu genießen“. Das konnte er dann 5 Jahre lang. 😞

@Chaotica 🖤

Und wir kennen alle Personen, die um den Renteneintritt verstorben sind. Und alle ihre Träume mit ihnen.

@sarah_ist_muede @Chaotica
Ich finde die Aussagen von #Klingbeil deutlich besser, als es gerade von #Medien und hier im #Fediverse dargestellt wird.

Beim Versuch deinem Punkt nachzugehen, zeigt sich aber wieder einmal, dass das Thema nicht nur aus den von dir genannten Gründen komplex, sondern auch aus bürokratischen Gründen sehr kompliziert ist.

Hierbei bin ich gerade in das Thema Anrechnungszeiten reingestolpert, hast du das auf dem Schirm? Vielleicht schon eine Rentenberatung gemacht?
...

@sarah_ist_muede
...
Klingbeils Punkt war nicht Akademiker schlechter, sondern Arbeiter besser zu stellen. Und dabei Einkommensstarken und Reichen in die Tasche zu greifen.

Gerade das er letzteres gesagt hat, fällt völlig unter den Tisch, weil es rechts nicht passt und links für sich proklamiert.

So habe ich ihn zumindest verstanden:
https://nrw.social/@einfachnurRoland/116291710869226463

@Chaotica

einfachnurRoland (@[email protected])

@[email protected] Ich lese das jetzt zum dritten Mal in meiner Timeline und habe mir mittlerweile mal das Interview angesehen. Interessant dabei sind zwei Stellen: (3:58-4:24): "Wie machen wir es, dass Flüchtlinge schneller im Arbeitsmarkt integriert werden [...], dass nicht mehr 50% der Frauen in der Teilzeitfalle fest hängen [...] Ehegattensplitting, bessere Betreuungssituation, das sind alles Maßnahm bei denen am Ende in den Überschrift stehen wird, dass wir alle mehr arbeiten." ...

NRW.social
@einfachnurRoland @sarah_ist_muede
Tja… an ihren Taten sollt ihr sie messen.
Und da sieht es leider ausgesprochen düster aus.
@Chaotica
Aber JETZT! Nach DIESER Wahl! Weil Wichtig!
😂
@sarah_ist_muede
@einfachnurRoland Er hat aber halt auch gesagt dass die SPD nicht die Partei für Transferempfänger sei. Dabei sind ja viele Transferempfänger Arbeiter oder waren es. Dabei sind viele davon im Bezug weil die SPD sich nicht ausreichend für Lohnabstandsgebote einsetzt und weil sie nicht auf die zunehmende Beschneidung von Arbeitnehmerrechten durch Ausbeuterfirmen reagiert hat. @sarah_ist_muede @Chaotica
@700Sachen @einfachnurRoland @Chaotica Das finde ich besonders verstörend. Da denke ich sofort an meine Schwiegermutter, die nur wenig "richtig" gearbeitet hat, aber vier Kinder bekommen und großgezogen hat, die jetzt als Rentnerin Transferleistungen bekommt, damit sie nicht ganz verhungert.
Leider weniger witzig: Sie hat aus Frust schon die AfD gewählt. Diese Leute könnte man wieder einfangen, statt sie vor den Kopf zu stoßen.

@einfachnurRoland @sarah_ist_muede @Chaotica

Die Anrechnungszeiten für die Rentenhöhe gibt es seit 2009 nicht mehr:

Bei einem Rentenbeginn bis Ende 1991 konnten Ausbildungszeiten ab dem 16. Geburtstag bis zum erfolgreichen Abschluss an einer Universität oder Fachhochschule angerechnet werden, bis insgesamt maximal 13 Jahre

kürzen, kürzen, kürzen

Bei einem Rentenbeginn ab 2009 gelten Ausbildungszeiten nicht mehr als rentensteigernde Anrechnungszeit.

https://w.wiki/KPQS

Anrechnungszeit – Wikipedia

@einfachnurRoland @Chaotica Wenn ich die einen schlechter stelle, stelle ich die anderen aber nicht besser. 🙃

Eine Remtenberatung steht bei mir auf der Liste, alleine um rechtzeitig zu prüfen, dass alles vollständig vorliegt. Bei einem späten Berufseinstieg, einem Volontariat mit entsprechender "Vergütung" und mehr als zehn Jahren halber Stelle können die da aber auch nichts aus dem Hut zaubern.

@sarah_ist_muede Handwerker arbeiten in der Regel schwerer und gefährlicher.

Es mag Ausnahmen geben.
Aber ich bin seit geraumer Zeit rentenreif.

@Skeptiker Ausspielen von Berufsgruppen ist einfach keine gute Idee, wenn wir davon ausgehen, dass alle in einer Gesellschaft gebraucht werden.

@sarah_ist_muede

Und die ganz armen Schweine sind die, die dann noch promovieren wollen.

Ich musste erst mal von der Uni weg un zu erfahren, wie eine nicht toxische Arbeitsumgebung ausschaut.

@sarah_ist_muede ich frag mich sowieso, was eine Arbeiterpartei in der Mitte will. Da gehören die Grünen hin. Links bräuchte es jemanden für echte Sozialpolitik ohne Populismus. Aber dafür ist Lars der Falsche und bei Bärbel bin ich mir auch nicht mehr sicher.
Außerdem geht das Problem wahrscheinlich deutlich tiefer.
@sarah_ist_muede Jep, klar gibt es Handwerker die körperlich härter arbeiten als mancher Akademiker, aber es gibt eben auch Ingenieuere die dann weltweit auf Montage fahren mit unglaublichem Druck, Menschen die in der Pflege arbeiten mit körperlichem und/oder psychischem Druck und so weiter. Das waren jetzt nur zwei Beispiele, da findet sich in jeder Berufsgruppe etwas, und es gibt bestimmt auch Menschen mit Gesellenbrief, die sich nen faulen Lenz machen, oder die sogar in Führungspositionen aufsteigen und nicht mehr körperlich arbeiten. Hier zu pauschalisieren, egal in welche Richtung, ist einfach flasch. Dass ein Fliesenleger mit 64 so kaputte Knie hat, dass er nicht mehr arbeiten kann ist ja sicherlich richtig (und falsch), aber das findet man in jeder Berufsgruppe in irgendeiner Form.

@sarah_ist_muede Der Skandal ist der jahrzehnte lange Angriff auf die Rente.

Die Rente sichert das Leben Aller arbeitenden Menschen. Das Geld fehlt durch die die nicht einzahlen.

Studierte ausuuspielen ist Taktik

@Skeptiker Was man halt immer im Hinterkopf behalten muss: Niemand will, dass wir lange Rente bekommen. In Zeiten von drohender Arbeitslosigkeit überhaupt solche Ängste zu schüren ist falsch.

@sarah_ist_muede

ich denke das studiern für den normal sterblichen weiterhin nur ein traum bleibt.

vorallem wenn man dann noch zusätzlich in den medien von Durchhalte parolen liest das leuite dann doch unterbezahlt (noch besser umsonst) arbeiten sollen damit sie irgendwas haben.

ich weiss langsam garnicht mehr wie lange der Bums hier noch halten soll, wenn die regierung ihren Anti-sozialen Kurs so weiter fährt

@moppi Und es gibt auch gar nicht so viele, die fangen an und schließen nicht ab, nicht nur, weil sie aus welchen Gründen auch immer nicht geeignet sind, sondern weil sie es wegen äußerer Umstände nicht schaffen, aber probieren wollten.

@sarah_ist_muede
Meine schwester ist das beste beispiel.
hatte psyhologie studiert.

alle infos zum Studium hat sie von meiner Frau bekommen, da aus meiner famile keiner studiert hat.

sie brauchte 3 jahre bis sie den platz hatte, punkte durch ehrenamt auf gestockt, dann nach 2 1/2 jahren abgebrochen, weil zu viel pendeln (musste andere stadt wohnen.) Arbeiten für die wohung, etc. am schluss ging sie wieder runter weil sie nicht mehr studiern konnte, weil sie mehr arbeiteten musste

@moppi Wer zu den "first in family" gehört, zu den Menschen, die als erste in einer Familie studieren, hat es oft besonders schwer sich zurechtzufinden. Da wird leider erst sehr langsam mehr von den Unis gemacht, um diese Leute besser zu empfangen und zu unterstützen.

@sarah_ist_muede ja, meine frau hatte das selbe durch gemacht, konnte aber damals das Studium abschließen.

aber am schluss brachte das ganze dennoch nichts, hunderte bewerbungen dann zwang in ein CC vom Amt gezwungen ... und nun ist sie halt hausfrau.

es ist wirklich traurig, und ja studium bedeuted nicht das man einen job bekommt und sie hatte nicht mal ein Sonder Fach studiert, sondern schon was handfestestes (Ökotrophologie) und hatte viel im Labor gearbeitet.

@sarah_ist_muede Warren Buffett hat mal gesagt ""Es herrscht Klassenkampf, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen."
@sarah_ist_muede
Dann lass ich mir mit 60 meinen Abschluss aberkennen und gehe früher in Rente 🤪

Ich sehe hier eine neue Einnahmequelle für Unis!
</Zynismus>

@sarah_ist_muede
Das ist das gleiche Muster wie bei Ausländer vs. Bioteutsche: das Ausspielen gleich bzw ähnlich betroffener gegeneinander, um vom eigentlichen Problem abzulenken:

Die gesetzlichen Krankenkassen wurden in der Pandemie (durch Spahn) gemolken, danach Reserven geschleift (dito?),
der Renten-Umbau verpennt und durch auf Pump finanzierte Wahl-Goodies (Mütterrente) verschärft,

vor allem aber:

Bemessungsgrenze und andere Einkunftsarten bleiben unangetastet,
ebenso Vermögen.