An den Rändern

Die Ränder sind immer unruhig,
verlangen uns andere Entscheidungen ab,
als die Zentren.
Nach innen schauen, oder nach außen,
über den Tellerrand,
und vor allem, wie weit?
Sich am Vertrauten festklammern,
oder sich hinaus- und hineinwerfen
ins Unbekannte.

An den Rändern sind die Grenzen
zugleich am stärksten und am durchlässigsten,
Es gibt immer flinke Schmuggler,
die die geheimen Übergänge und Pfade kennen,
und immer Flüchtende,

1/

#Poesie #Gedicht #Lyrik

die wieder und wieder ihre letzten Münzen zählen
und untergehende Welten hinter sich lassen,
und wer mittellos ist, versucht auf eigene Faust
das nackte Leben hinüber zu retten.

An den Rändern verschwimmen die Welten,
vermischen sich vertraut und fremd,
manchmal trügerisch und langsam,
man wähnt sich noch auf vertrautem Terrain,
in den Ohren klingt noch die vertraute Sprache nach,

2/

die Fremdheit schleicht sich ein.
Manchmal, auch wie ein plötzlicher, brutaler Schlag,
dass man verwundert schaut,
wie das sein kann, dass man doch eben noch …
und jetzt, ist nichts mehr wie es war,
man selbst in einem Augenblick verwandelt
zu einem Fremden, taub und stumm,
sogar sich selber fremd.

3/

Die Ränder, verlockend, geheimnisvoll,
mehr oder weniger unheimlich,
Gewissheiten enden dort,
Routinen, die eben noch Halt gaben,
zerfallen im Nu, aber auch
neue Horizonte locken,
die andere Perspektiven versprechen,
vielleicht auch das Versprechen
jenseits vom Hier,
eine andere sein zu können, oder
werden zu dürfen,
oder endlich schlicht man selbst,
ein neuer Traum vom Ankommen.

Vielleicht bin ich deswegen
eine Freundin der Ränder.

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#Poesie #Gedicht #Lyrik