"Wenn man sagt: Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung, dann sagt man: Wir vermuten erst einmal, dass er unschuldig ist, bis uns das Gegenteil juristisch bewiesen wurde. Was aber auch bedeutet: Wir vermuten dadurch zwangsläufig erst einmal, dass Collien Fernandes der Falschbehauptung schuldig ist, bis uns das Gegenteil bewiesen worden ist. Unschuldsvermutung? Gern, aber bitte nur für den Mann, ne?"

Aufgeschrieben von @lavievagabonde

https://steady.page/de/schreibers-einmischungen/posts/eaeea883-5d3e-42c3-a523-2124632fd8da

#FeministFightClub

Die Schuldvermutung.

Wie wir mit Männern leben sollen.

Steady

@coba

Eine wirklich offen und interessiert gemeinte Frage: Müssen wir (Medien, Öffentlichkeit) überhaupt Partei ergreifen?

Ich kenne weder ihn noch sie, und selbst wenn ich es täte, könnte ich mir vom Vorgang vermutlich kein sicheres Bild machen.

@lavievagabonde

@fortyeight

Genau die Begründung für die Frage ist doch der Artikel!
Hast du ihn gelesen?
Er ist kostenlos verfügbar unter dem steady link.

tldr
Ja. wir müssen endlich Partei ergreifen gegen die patriachale Gewalt. Weil sie allen Menschen schadet. Männern. Frauen. Kindern. Behinderten.

Jedem von uns.
Außer vielleicht ein paar Milliardären, die richtig reich werden. und ein paar Politikern der AfD, die jetzt mit Anti-Feminismus Geld machen für sich und ihre Kumpels.

@coba Natürlich habe ich ihn gelesen. Und du musst mich nicht davon überzeugen, wie massiv unser strukturelles Problem ist. Und wie krass es durch den Rechtsruck intensiviert wird. Dass es einen gemeinsamen Aufschrei und einen gesellschaftlichen Wandel braucht. Aber gerade deshalb stelle ich weiterhin meine o.g. Frage. Gründe: (1) Es geht hier um einen Einzelfall, nicht um die Struktur. Muss ich, müssen wir ohne Wissen Partei ergreifen? Dürfen und können wir es überhaupt? (2) habe ich das >>
@coba >> Gefühl, dass wir der Sache (Eindämmen misogyner Strukturen) mit einem Massenaufruf zum Parteiergreifen in einem von uns allen nicht einschätzbaren Einzelfall letzthin einen Bärendienst erweisen würden. Das sind meine persönlichen Ahnungen (ich bin keine Expertin). Und leider bestätigt der Artikel diese tendenziell.

@coba
Er hat doch ihr gegenüber alles gestanden. Eine Unschuldsvermutung gilt juristisch natürlich, moralisch in diesem Fall eher nicht.

@lavievagabonde

@coba @lavievagabonde
Ich denke, es muss noch einen anderen Weg geben, damit umzugehen. Es muss für uns als Gesellschaft möglich sein, grundsätzlich dem Opfer zu glauben und trotzdem an dem hohen Gut der Unschuldsvermutung beim mutmaßlichen Täter festzuhalten.

Rechtfertigen die vielleicht 99,99% richtigen Aussagen gegen männliche Täter, dass wir in 0,01% auch mal falsch liegen?

Du kommst aus einen Landesverband, der damit letztes Jahr Erfahrung gemacht hat.

1/2

@coba @lavievagabonde
Was waren am Ende die Learnings aus dem Fall Stefan Gelbhaar? Die Partei hat Fehler im Umgang mit den Beteiligten eingeräumt.

Wie schaffen wir das in zukünftigen Fällen besser, beides zu vereinen: dem Opfer wirklich zu helfen und den mutmaßlichen Täter nicht gleich unter den Bus zu werfen?

@utrenkner

"Grenzüberschreitendes Verhalten, das im Empfinden der Betroffenen liegt, ist keine Kategorie, die das Strafrecht kennt. Allerdings hat sich die Gesellschaft längst darauf geeinigt, dass Annäherungen, die nicht einvernehmlich, sondern einseitig sind, gerade in Macht- oder Abhängigkeitsverhältnissen nicht passieren dürfen – auch wenn sie nicht in den Bereich des Strafrechts fallen."

sueddeutsche.de vom 12.03.2025, 15:35:00
Chronologie eines Grenzfalls

@utrenkner leider ist gerade der Fall ein Beispiel dafür, wenn mit Klagen verhindert wird, dass Frauen sich trauen zu sagen was passiert ist.

Viele Menschen haben nach den ersten Meldungen darüber, dass wohl 1 Aussage gelogen war, gar nicht mehr zugehört.

Dass es noch andere gab. Dass es schon früher Verfahren gab. Dass es jetzt immer noch Betroffene gibt, die nun halt schweigen aus Angst vor Prozesskosten.

@utrenkner und die möglichen zukünftigen mutmaßlichen Täter bekommen nun Workshops in "Kritische Männlichkeit" .

Weil die beste Prävention ist, als Mann seine Machtverhältnisse und seine Privilegien im Patriachat zu reflektieren.

-- Ich bin überzeugt, jedes wirklich nur 1mal passierte Missverständnis kann mit Entschuldigen aus dem Weg geräumt werden.

In diesem Fall und auch in anderen geht es gerade um viel mehr.

@coba Danke! Diese ausführliche Geschichte kannte ich auch nicht. Andernorts ist nicht viel über die verbleibenden Vorwürfe zu finden.

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@coba @lavievagabonde

Rein sachlich gibt es einige Möglichkeiten wie er unschuldig ist und sie nicht lügt.

Z.B. könnte ein Dritter Christian Ulmen schaden wollen und das ganze geschickt so aufgezogen haben.

Ich sage ausdrücklich nicht, dass ich das für wahrscheinlich halte, sondern nur, dass diese "es kann zwangsläufig nur 2 Möglichkeiten geben" Narrative sachlich so gut wie immer unzutreffend sind. Mit dem Level von Informationen die wir haben ist das für uns nicht sicher zu entscheiden.

@Ann_Effes wenn es ein dritter war, welche Motivation hätte Christian dann gehabt das ganze zu gestehen? bzw. sich nicht im spiegel interview zu äußern? bzw jetzt den spiegel zu verklagen?

@coba Gilt die Unschuldsvermutung nicht für beide, sagt also dass rechtlich erstmal *beide* als unschuldig angenommen werden?

Also dass es einen Zustand des nicht-Wissens gibt, der erst durch die Gerichtsentscheidung aufgelöst wird?

Und dass damit der Vorwurf der Falschbehauptung gegen Collien Fernandez Verdachtberichterstattung wäre -- und da das hier deutlich weniger plausibel ist, viel schwerer zu rechtfertigen?

@lavievagabonde