Ich hab paar Mal überlegt, ob ich mal so grob aufzähle, was mir so an Übergriffen passiert (ist).
Aber ehrlich: die sind nicht zählbar, der Versuch würde mir extrem die Laune verderben und andere triggern will ich auch nicht.
Nur so viel: es war die Familie, der beste Freund des Vaters, sogenannte Freunde und Unbekannte.
"Sieh es als Kompliment" kam sogar von weiblichen Friendz.
Die anderen: Weg gucken "gar nicht mitbekommen" relativieren, auch von Komplimenten sprechen.

Wer ernsthaft glaubt, selbst nie Täter gewesen zu sein, hat sehr wahrscheinlich unrecht. Und wer glaubt, keinen zu kennen, hat definitiv unrecht.

#feminismus #notallmen

@kunterschwarz Es gibt allerdings auch kein Thema, bei dem eine gedankenlose Aussage, ein nicht funktionierender blöder Spruch oder das fehlende Wissen über das, was im Lauf der letzten 10 Jahre geächtet wurde, so zielsicher dazu führt, dass man als Täter statt als Depp eingestuft wird.

Besonders schwierig: Gerade dadurch, dass wir so schnell so weit gekommen sind (schaut euch mal Filme aus den 1980ern an), ist heute JEDER ein "Täter", der vor 30 Jahren mainstream-angepasst war.

@kunterschwarz Ich meine - war ich als Teenager nach meinem heutigen Verständnis "Täter"? Ja, absolut. Ich bestreite das nicht und ich hasse meine gesamte Vergangenheit mehr, als psychisch gesund ist.

Aber auch wenn 1994-Zappes mir heute wie die letzte Drecksau vorkommt, ist es gleichermaßen wahr, dass ich damals ziemlich genau das getan habe, was als gut und richtig galt. Was soll ich damit anfangen? Was außer Selbsthass ist eine erlaubte Haltung zu mir selbst?

@zappes @kunterschwarz Du wirst dich doch weiter entwickelt haben, damals aus so einer Peergroup raus gekommen zu sein.

Selbsthass ist kein Zustand, der hilft.
Und einfach zu Rückwärtsig gedacht.
Klar darfst du auch Wut auf deine miesen damaligen Handlungen und Einstellungen haben.

Ist wohl wie wenn einer in einer gewaltausübenden Sekte der Mannhaftigkeit war und nun clean ist. Damit umgehen ist wohl komplex.

Vielleicht findest du jemand, der kein Macker ist, kein spirituellen Machismo betreibt, eine Schwitzhütte nach Art der Natives Nordamerikas betreibt.
Seele reinigen und zu sich selbst finden. Dann kannst du auch dem dummen Jungen, der alles mitmachte verzeihen.

Hoffe ich.

Aber was weiß ich schon, so als alte Frau, die schon viel gesehen hat. ;-)

@DoctorG_1 @kunterschwarz Das hatte damals weniger mit einer speziellen "Peer Group" zu tun als vielmehr mit einer Definition erstrebenswerter Männlichkeit, an der wir dummen Teens uns orientiert haben.

Wenn man so will, kann man hier erkennen, wie auch Männer vom Patriarchat gefickt werden, aber ich will mich nicht zum "Opfer" stilisieren, das wäre unangemessen.

@zappes @kunterschwarz Oh ja, die erstrebenswerten Gender Roles.
Das schlimmste Gefängnis. Für manche weniger, für manche mehr.
Davon mal abgesehen, dass jede Abweichung als schwul oder verweiblicht angesehen wurde. Wer, von den männlich sozialisierten, will sich schon so ganz Unten in der gesellschaftlichen Fresspyramide einfinden.

Im Großen und Ganzen ist die Art Männlichkeit ein verseuchtes Erbe der NS-Väter, -Opas und -Uropas wie Frauen und Männer zu sein haben.

@DoctorG_1 @kunterschwarz Genau so ist es. Man sollte nicht vergessen, welche Generation die Rollenbilder entworfen hat, zu denen meine Generation konform sein wollte und, bis zu einem gewissen Grad, auch musste, um irgendwie akzeptiert zu werden.

Das ist halt das ätzende mit richtigen gesellschaftlichen Veränderungen: Sie schreiten immer nur beim Generationswechsel voran, und das ist für alle beteiligten frustrierend und erzeugt Ungeduld und Empörung. 😕

@zappes @kunterschwarz Schreitet nur voran, wenn die Väter dann ihren Söhnen und Töchtern nicht den Mist weiter geben.
Das bedeutet, sich auch über Privilegien im Klaren zu sein.

Die Änderung eines Mannsbildes in einer männerzentrierten Kultur geht eben auch mit Änderungen der Privilegien einher. Das wollen nicht alle (egal, wer 'alle' ist).

@DoctorG_1 @kunterschwarz Da gebe ich Dir Recht, wobei es nicht unbedingt die Väter sind - auf die hört man in der Pubertät eh nicht. Aber das, was einem die Filmstars vorleben, das hat massive Auswirkungen.

Ich behaupte, dass es einen Riesenunterschied macht, ob man als Teenager Rambo und Chuck Norris als Vorbild hatte oder John Wick und Constantine. Und was diese ganzen Dubai-Influencerpfeifen in dem Kontext bewirken, will ich gar nicht wissen.