Europas wichtigste Konferenz fürs Radio hat begonnen. Die Radiodays Europe finden in diesem Jahr in Riga in Lettland statt. #rde26

🧵 Hier kommen meine Notizen von Tag eins der Konferenz.

1️⃣ Professionalisierung, Unternehmenskultur, Branchenmentalität, das "Erbe des Senders" und verschiedene Biases sorgen dafür, dass wir immer wieder Programme machen, die nicht strikt nach den Bedürfnissen unseres Publikums hergestellt sind. Das ist zwar mittlerweile auch eine Binse. Andererseits kann man das nicht oft genug aussprechen.
2️⃣ Despina Kritikou von ANTENNA AUDIO in Griechenland wirbt dafür, Musik im Radio anders zu planen: "Wir planen keine Musik - wir definieren, wie unser Publikum unsere Marke wahrnimmt." Datenbasiertes Arbeiten sei wichtig, berücksichtige aber einige Faktoren nicht, die das Publikum trotzdem wahrnehme. Dazu gehöre die Klangdichte eines Songs, seine emotionale Stimmung oder die Stimmfarbe - und all das in Zusammenspiel mit der Marke.
Weil sich einige dieser Kriterien nicht objektiv erfassen lassen, plädiert sie für mehr menschliche Einschätzungen in der Musikplanung. Sie sagt aber auch: "Der Instinkt sollte die Ausnahme sein, nicht die Regel. Wenn er zur Regel wird, handeln wir unberechenbar." Deshalb spricht sie sich für eine "zieleorientierte Musikplanung" aus, die zusätzliche Einschätzungen in die Datenbasis integriert - bewertet von erfahrenen Musikredakteur:innen.
3️⃣ Ich mochte den Ansatz von Despina Kritikou auch, weil sie Strategie und Handwerk zusammenführt. Generell geht mir das auf den Radiodays Europe nämlich etwas auseinander: Entweder sehe ich starke Deep Dives großer Broadcaster wie der BBC - oder Radioberater, die dieselben Glaubenssätze wie schon in den 2000ern vortragen, ohne dass ich weiß, woher ihre vielen Zahlen und überzeugt vorgetragenen Annahmen überhaupt kommen. Darüber muss ich vielleicht noch mal einen eigenen Beitrag verfassen.
4️⃣ Matt Wilkinson von Heart hat in seiner Session einfach eine Stunde lang Übergänge präsentiert, die er im Radio gefahren hat, um zu zeigen, wie sich Flow herstellen lässt. Ich muss bei der Gelegenheit noch mal festhalten, was für ein geiler Job das eigentlich ist.
5️⃣ Nik Goodman hat eine Musikmoderation von Greatest Hits Radio mitgebracht, für die eine Moderatorin einen Song in seine einzelnen Spuren zerlegt hat. Sie hat dann erst eine Spur gespielt und nach und nach immer eine weitere dazugeschaltet - und das Publikum damit rätseln lassen, welcher Song das ist. Das klang wahnsinnig gut.
@dennishorn Danke für's berichten! Ich finde das immer sehr interessant, dazu wie hier auch internationale Perspektiven zu lesen.