Es gibt Nachrichtenmeldungen, die einem so unglaublich erscheinen, dass man kaum realisieren mag, dass so etwas wirklich passieren kann und passiert.

In den letzten Wochen gab es zwei große Reportagen, die mich mit diesem Gefühl absoluter Sprachlosigkeit zurückgelassen haben.

Und beide Male zeigte sich, dass es im Kern um Reproduktion und Instrumentalisierung gesellschaftlicher Machtverhältnisse geht.

Und selbst wenn man am Ende einzelne Gegenbeispiele anführen mag, zeigt sich auch deutlich, dass es in der überwältigenden Fülle dieser Fälle um geschlechtsspezifische Machtverhältnisse geht, in denen Reproduktion und Instrumentalisierung von Macht zu oft sehr deutlich männlich geprägt sind.

Das wird man, woker Zeitgeist hin oder her, kaum wegdiskutieren können. Punkt.

Was mir diese Beispiele aber auch einmal mehr um so deutlicher vor Augen geführt haben, ist die unumstößliche Tatsache, wie wichtig es ist, dass es eben nicht allen die Sprache verschlägt. Dass jemand das Undenkbare ausspricht, dass jemand das Unaussprechliche aufschreibt.
Ohne freie Presse, ohne investigativen Journalismus, ohne Whistleblower und den Mut Einzelner, eben genau das zu tun - aufstehen, aussprechen, hinterfragen, recherchieren, aufschreiben - sind diese systemischen Ungleichheiten weder offenzulegen noch zu überkommen.
Der langen Rede kurzer Sinn: Wir brauchen unabhängigen Journalismus und unabhängige Journalist:innen. Und sie brauchen uns. Man vergisst das zu leicht, wenn man wieder einmal vor einer Bezahlschranke landet - aber auch diese Arbeit, gerade diese Arbeit ist Lohnarbeit im doppelten Sinne.

Die aktuelle Ulmen-Reportage ist ohnehin in aller Munde, aber ich möchte explizit (und mit expliziter Trigger-Warnung, das ist z.T. wirklich schwer zu ertragen) auf diese #DLF Podcast-Serie von Britta Rotsch und Kolleg:innen hinweisen:

https://www.deutschlandfunk.de/die-lieblingsschuelerin-100.html

Die Lieblingsschülerin

Drei Schülerinnen sind 15 Jahre alt, als ihre Lehrer mit ihnen eine Beziehung beginnen. Heute fragen sie sich: Wie konnte der emotionale und sexuelle Missbrauch lange unbemerkt bleiben? Ein Podcast über sexualisierte Gewalt an Schulen und die Folgen.

Deutschlandfunk