»In der Tat: Liberal, das waren die längste Zeit meines Lebens, mich selbst eingeschlossen, so gut wie alle um mich herum – nicht unbedingt im parteipolitischen Sinn, aber das Label liberal hätte kaum jemand von sich gewiesen. Warum auch? Liberal im Gegensatz wozu? …
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Liberal war der gemeinsame Nenner, der es dem Wirtschaftsanwalt und der Ökomama erlaubte, sich beim Kita-Elternabend nett zu unterhalten, vielleicht sogar anzufreunden, wenn nicht gar ineinander zu verlieben, jedenfalls aber zurechtzukommen miteinander, über alle politischen und ökonomischen Gegensätze hinweg.

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Der liberale Mainstream, der nicht mehr weiß, wovon er sich unterscheidet, wird auch blind: Er nimmt seine Umwelt nicht mehr wahr. Er merkt gar nicht mehr, wem er was alles zumutet und zufügt. Und wenn er auf Protest und Widerspruch stößt, weiß er gar nicht, was das soll, und findet das übertrieben und extrem und irgendwie illiberal, dass da mit einem Mal lauter Leute dauernd irgendwelche Wohnungsbaukonzerne enteignen und …
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Hörsäle besetzen und sich auf Kreuzungen festkleben und den Völkermord in Gaza einen Völkermord nennen wollen. Dann fühlt er sich in seinen Gewissheiten und in seinem Besitz bedroht, der liberale Mainstream, und ruft nach der Polizei. Die kommt nur zu gerne.
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So wird der politische Diskurs immer autoritärer und der Mainstream immer weniger liberal, bis ihm irgendwann die aus der deutschen Geschichte ad nauseam vertraute Erkenntnis dämmert: Tja, als das autoritäre Regime errichtet wurde in Deutschland, da war halt leider wieder einmal von den Liberalen überhaupt nicht das allerkleinste bisschen mehr zu sehen.«
https://verfassungsblog.de/freiheit-finden-wir-doch-alle-dufte/
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#Liberalismus #Demokratie
Freiheit finden wir doch alle dufte

 

Verfassungsblog
@RecoveredExpert ersetze liberale Demokratie durch liberale Aristokratie, dann wird das Thema auch begrifflich passend beschrieben. Wirkliche Demokratie selbst braucht keine Zusätze, da eigenstabil.

@PMadlener Eine Demokratie ohne Liberalismus nennt man illiberale Demokratie. Dort sind nicht nur Rechte von Minderheiten bedroht sondern insbesondere auch die einzelner Bürger bzgl der Kontrolle des Staates.

Eine illiberale Demokratie wird dann schnell zu einer Diktatur der (echten oder vermeintlichen) Mehrheit. Siehe auch polit. Stimmungsmache sowie Angriffe auf Minderheiten und deren Rechte: „Herkunft“, wirtschaftlicher Stand, Sprache, Geschlecht, sexuelle Orientierung.

@RecoveredExpert Meine Begrifflichkeiten sind anders referenziert. Unser aktuelles "demokratisches System" bezeichne ich als liberale Aristokratie. Denn demokratische Wahlen machen für mich noch keine echte Demokratie in einem System, welches Machtprobleme noch nicht nachhaltig gelöst hat. Liberale Aristokratien sind auch schon immer instabil und haben die Tendenz in eine autoritäre Aristokratie zu kippen. Demokratie ist für mich gegeben, wenn Gleichrangigkeit verschiedener hergestellt ist.