Weimers Kürzungsdrohung gegen die @DNB_Aktuelles ist nichts anderes ein Herumspielen mit Ressentiments gegen schriftliche Überlieferung selbst, und die gedankliche Auseinandersetzung damit. Warum soll es Menschen erlaubt sein, Büchern ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken, das sogar zum Mittelpunkt ihres Berufslebens zu machen? Bei einem entsprechend vorbereiteten Publikum kann man als autoritärer Wortführer damit Punkte sammeln.
1/n
Ob man das als Maßnahme wirklich durchzieht, wenn man - wie Weimer - die Macht dazu hätte, also in diesem Fall die Kapazität der Nationalbibliothek für ihren Sammeltauftrag materiell einzuschränken, kann man ruhig offen lassen. Darum geht es letztlich nicht. Auch nicht um die paar Kröten, die sich damit einsparen ließen, das wissen alle Beteiligten. Nein, es geht um das Spiel mit dieser Drohung - es liegt in Weimers Hand, und er nutzt die Gelegenheit, dem Ressentiment freien Lauf zu lassen.
2/n
Dünn kaschiert wird dieses Manöver mit der Andeutung, nur die altmodische gedruckte Form des Buches sei ja nicht mehr nötig, da es jetzt auch alles digital gebe. Alle, die sich - und sei's oberflächlich - mal mit Bibliotheken wie der @DNB_Aktuelles und deren Sammeltätigkeit beschäftigt haben, erkennen leicht dieses Bullshit-Argument als das, was es ist.
3/n
Wer sich den Kommentar (von Arno Frank) im SPIEGEL zum Thema anschaut, oder die Diskussion unter dem Toot von Ruprecht Polenz hier auf Mastodon, sieht allerdings leider viele auf genau diesen Bullshit hereinfallen.
Um's nur mal ganz kurz anzudeuten: die @DNB_Aktuelles verfügt seit vielen Jahren über ein wachsendes, technisch extrem kompetent umgesetztes digitales Archiv. Digitale Erschließung und das Sammeln physischer Medien bedingen einander. Um den Original-Erhalt führt kein Weg herum.
4/n
Wer es genauer wissen will: die Archiv- und Bibliotheksmenschen, die genau so etwas tun und lehren, for a living, sind übrigens auch hier auf Mastodon vertreten. Danke @VdAKluttig und @fuzzyleapfrog und Co für euer nimmermüdes Erklären gegen die nie versiegende Welle von Schlauberger-Dudes, die auf Weimers Propaganda reinfallen, sich damit zu deren Verstärkern machend. (Es tut mir ja leid, dass das alles Männer sind, wenn's nur eine Stereotype wäre hätte ich gerne gender-neutral formuliert.)
5/n
Okay, ein Stichwort noch zu allen, die hier über neue digitale Speichermedien schwadronieren, mit denen man die Sammeltätigkeit von Bibliotheken wie @DNB_Aktuelles @tibhannover etc easy volldigitalisieren könne (ohne Menschen, deren Kompetenz ausschließlich darin bestehe, Bücher in Regale einzusortieren🤬): wir kennen und beforschen all diese Ansätze längst, aber Bitstream Preservation ist nur die unterste Schicht von digitaler Langzeitarchivierung, und deren vergleichsweise trivialster Teil.
6/n
@Lambo Das enttäuscht mich immer am meisten: Diese Leute haben keine Ahnung davon, was wir alle eigentlich tun. @DNB_Aktuelles @tibhannover

@fuzzyleapfrog @Lambo @DNB_Aktuelles @tibhannover Vielen reicht es, und darauf zielt Weimer ja auch, dass es weiblich gelesen wird, um rumzublöken. Timothy Snyder hat in "On Freedom" ausführlich dargestellt, wie wichtig die klare Trennung von Meinungen und Tatsachen ist, denn nur mit letzterem habe ich den festen Boden, um mich zu wehren und Verbündete zu suchen. Also ist der fantasy-industrial complex damit beschäftigt, Überlieferung als Mädchensache zu diskreditieren.

https://d-64.social/@henningtillmann/116218266062506394

Henning Tillmann (@[email protected])

Attached: 1 image Palantir CEO beschreibt seinen Kampf gegen Frauen. https://newrepublic.com/post/207693/palantir-ceo-karp-disrupting-democratic-power

D64 Social
@Lambo @DNB_Aktuelles @tibhannover ich finde es in der Diskussion aber auch unglücklich, dass die Möglichkeit von digitaler LZA geradezu bestritten wird. Da liest man von Leuten, die meinen, nur weil sie die Word95-Datei auf ihrer vor 20 Jahren selbstgebrannten CD nicht mehr öffnen können, könne man sich auf die Speicherung digitaler Ressourcen bei Bibliotheken nicht verlassen. Dem Eindruck müsste man auch entgegenwirken.
@awinkler @DNB_Aktuelles @tibhannover Stimme dir völlig zu, Alexander, dieses Wissen unter die Leute zu bringen ist wichtig! Aber wir sollten es klar abgrenzen vom Gaslighting von Weimer und Co, die bisweilen suggerieren, dass weil sowas technisch lösbar ist, das Sammeln gedruckter Medien verlustfrei wegrationalisiert werden könne (und wer das trotzdem mache ein Hinterwäldler sei)

@Lambo @awinkler @DNB_Aktuelles @tibhannover Ich erinnere mich dunkel, dass es in „Rainbows End“ (sic) von Vernor Vinge eine Szene gibt, in der Bücher in einer Bibliothek gescannt und im selben Schritt geschreddert werden – weiß aber nichts mehr über den Hintergrund. Grund, das Buch mal wieder zu lesen (wenn es noch niemand geschreddert hat).

https://en.wikipedia.org/wiki/Rainbows_End_(Vinge_novel)

Rainbows End (Vinge novel) - Wikipedia

@hmwilker @Lambo @awinkler @DNB_Aktuelles @tibhannover

Jup, und zwar ziemlich sicher in der wunderbaren Bibliothek der University of California San Diego, wenn ich mich richtig erinnere https://en.wikipedia.org/wiki/Geisel_Library (siehe auch snake path, die zur der Bibliothek führt) und die da drin insgesamt eine sehr wichtige Rolle spielt.

Geisel Library - Wikipedia

@vicgrinberg @Lambo @awinkler @DNB_Aktuelles @tibhannover Danke! Ich erinnere mich, dass die Bibliothek eine besondere Architektur hat (passt ja auch) und am Ende anfängt zu tanzen.
@Lambo @DNB_Aktuelles @tibhannover ich arbeite in einer Bibliothek und ich halte viele der digitalen Möglichkeiten auch für großartig. Aber dass man auf die Idee kommen kann, das digitale gegen dem analogen Medium auszuspielen?… Da muss ich mir ja fast 🤔, ob ich statt digitaler Zeitschriften wieder auf die Auswertung der analogen Ausgabe zurückwechsel! Bleibt wortstark!
@Lambo @DNB_Aktuelles Buchverbrennungen waren bei Faschist*innen schon immer mit einer der ersten Dinge. <.<
@Lambo
Außerdem ist Bücherverbrennen etwas in Verruf geraten.
Digitale Bücher löschen geht viel einfacher und unauffälliger.
@Kampfdiestel @Lambo besser/schlimmer: man braucht sie nicht löschen, sondern kann den Inhalt schleichend umschreiben. Längst nicht so auffällig.

@Reinald @Lambo
Geschichtsbücher und historische Dokumente, ja.
Bei Romanen wird man sich die Mühe aber wohl nicht machen.

Bei Ratgebern, Fachbüchern und unbequemen Forschungsarbeiten tippe ich ebenfalls auf löschen - nur das offiziell genehmigte darf bleiben.

@Kampfdiestel @Lambo warum? Es ist doch nur 1 KI-Prompt, den schwulen Charakter hetero zu machen, oder andere Modifikation für eine neue Version zu machen. Unsere neue Tech Overlords haben da sicher schon Ideen. Newspeak lässt grüßen.
@Lambo
Danke, ich empfinde es bereichernd hier einige Bibliothekar:innen und Artverwandtes zu lesen. Bin nicht vom Fach, denke allerdings das die derzeitige Medien(r)evolution leider Machtkämpfe hervorbringen muss. Das nun ein Staatsminister direkt eine der wichtigsten Kulturerrungenschaften des Menschen, die Literalität, angreift macht mich sprachlos. Auf vielen Ebenen.
Umso positiver nehme ich diesen Strang hier wahr.
@Lambo
Danke für die klaren Worte! Ich muss die Aktivitäten dieses Banausen leider im Zusammenhang mit großflächig an Macht gewinnendem Antiintellektualismus und letztlich auch Zivilisationsfeindlichkeit sehen. Es geht nicht um das fehlende Mindestmaß an Kompetenz, einzusehen, dass du es mit einem hochentwickelten Fachgebiet zu tun hast, von dem du keine Ahnung hast. Es geht darum, dass solche Leute überhaupt in Machtpositionen kommen. Ein Blick auf unser Kabinett zeigt, dass das ein systemisches Problem ist. Vorgespurt durch USA, sind wir auf einem Weg, der möglicherweise dahin führt, dass China ein SHIELD aufsetzt um europäisches Wissen zu retten.
@DNB_Aktuelles

@Lambo @DNB_Aktuelles Der aktuelle Kampf gegen ein breites Meinungsspektrum in der Kultur durch den Kulturstaatsminister Weimer erinnert mich in fataler Weise an die Vorgänge in den USA in ersten zwei Jahren der ersten Amtszeit von Donald Trump. Wehret den Anfängen.

#Weimer #DNB

@Lambo @DNB_Aktuelles Wir sollten auch bedenken, daß das Industriezeitalter in 150-300 Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach Geschichte sein wird, weil wir gerade in der Frühphase des Kollaps stecken. Wenn es in der Zukunft keine Computer mehr gibt, ist alles an Information, was nicht als Hardcopy existiert, für immer verloren.