«Zynismus als politische Haltung ist nicht angesagt» WOZ
Was geschieht mit dem Völkerrecht, wenn sich niemand dran hält? Der Berliner Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck über westliche Doppelstandards, aussichtsreiche Klagen – und hoffnungsvolle Perspektiven. Interview: Anna Jikhareva
WOZ: Herr Kaleck, die Entführung des Ehepaars Maduro durch die US-Regierung, Trumps Griff nach Grönland, nun der Krieg gegen den Iran – um nur die neusten Verstösse gegen das Völkerrecht zu nennen: Ist dessen Ära endgültig Geschichte?
Wolfgang Kaleck: Für mich lautet die Frage eher: Hat es diese Ära denn jemals gegeben? Das Völkerrecht wurde schliesslich schon immer gebrochen, auch durch jene, die sich als seine Garant:innen verstanden haben. Entsprechend blicken wir auf eine lange Liste von Verstössen zurück: Nach dem Zweiten Weltkrieg haben Grossbritannien und Frankreich die dekolonialen Unabhängigkeitsbewegungen in Afrika und Asien mit Mitteln bekämpft, die man heute als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnen würde.
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