Die Debatte um die #Vermögenssteuer ist in #Dänemark gerade ein heißes #Wahlkampfthema. Die Reaktion der Reichen in Dänemark hat Mathias Sindberg in Dagbladet Information hervorragend beschrieben:

Piep piep, reiche Leute

Das beste Argument für eine Vermögenssteuer ist die demonstrativ selbstbewusste und zutiefst antisoziale Reaktion der Reichen auf den Vorschlag einer Vermögenssteuer.

Panik, Entsetzen und ein völliger Mangel an Augenmaß haben sich in den letzten Tagen in der dänischen Oberschicht breitgemacht. 

An der Spitze stand Erling Daell, Eigentümer des in jeder Hinsicht gelben Baumarkts Harald Nyborg. Er nahm „einen für das Team“, wie er schrieb, und drohte damit, „alles wegzuziehen“, wenn die Linke und die Sozialdemokraten ihr Versprechen, eine Vermögenssteuer einzuführen, einlösen würden. „Alles“ ist hier als seine Milliarden zu verstehen, und „Team“ als die absolute wirtschaftliche Oberschicht Dänemarks.

Auch die prominenten Unternehmer Martin Thorborg und Jesper Buch haben sich dem Chor angeschlossen. „Kapital hat Beine“, schrieb Buch, und Thorborg möchte uns anderen „eine Sache“ „versprechen“: „Dass so gut wie alle Unternehmer, die Erfolg haben, sofort aus Dänemark wegziehen werden.“

Zugegeben, das Selbstmitleid der Reichen wirkt überraschend tief empfunden. Mit zitternder Stimme verglich der Millionär Leif Tullberg dies mit „jemandem, der kommt, dein Haus ausräumt und dein Geld stiehlt“.

Vor allem aber haben die Reichen ihre Kritik an der Vermögenssteuer als rein wirtschaftlichen Einwand dargestellt. Als eine Fahne, die sie zum Wohle aller gehisst haben. 
„Das ist kein ideologischer Aufruf. Es ist eine wirtschaftliche Realität“, schrieb Jesper Buch. Im Hinterkopf hört man den slowenischen Philosophen Slavoj Žižek, der mit seinem Lispeln dazwischenfunkt: „It is of course pure ideology.“

Gegenüber der Zeitung Berlingske formulierte es der ehemalige Nykredit-Chef Henning Kruse so, dass es ja die Reichen sind, „die alles ins Rollen bringen“.

Gefühl der eigenen Überlegenheit
Die Offensive der Oberschicht offenbart eine Art kollektiven Größenwahn. In aller Bescheidenheit glauben die Geschäftsleute selbst an die törichte Idee, dass der Wert der Gesellschaft vom einzelnen, tüchtigen Geschäftsmann geschaffen wird.

Dass Dänemark reich ist, liegt nicht an der hochqualifizierten Arbeitskraft, der sozialen Harmonie, dem Zusammenhalt, dem Vertrauen, der stabilen Regierungsführung, der geringen Korruption, der protestantischen Arbeitsmoral oder anderen naheliegenden Erklärungen. 

Nein, das Geheimnis sind die mutigen und weitsichtigen Einzelkämpfer. Dänemark ist reich, weil Erling Daell irgendwann die geniale Idee hatte, einen Baumarkt mit Waren von besonders schlechter Qualität zu eröffnen. Das hat er übrigens gar nicht getan. Er hat das Unternehmen von seinem Vater geerbt, der Harald Nyborg Anfang der 1980er Jahre gekauft hatte.

Die ganze Figur ist einer der heiligen Schriften des vulgären Liberalismus entnommen, dem Werk der Philosophin Ayn Rand „Und die Welt bebte“. Hier bricht die Gesellschaft zusammen, weil die Reichen, die Tatkräftigen und die Dynamischen streiken und vor den erstickenden Anforderungen der Gemeinschaft fliehen.
Das aufgeblasene Selbstbewusstsein der Reichen hat der Harvard-Philosoph Michael Sandel als „meritokratische Hybris der Eliten“ bezeichnet. Die Adligen der alten Welt wussten im Großen und Ganzen sehr wohl, dass es kein Ausdruck einer höheren Gerechtigkeit war, dass gerade sie um ein Vielfaches mehr Geld hatten als normale Menschen. Aus dieser Erkenntnis folgte auch ein Gefühl der Verpflichtung. 

Jesper Buch und Erling Daell bilden sich jedoch tatsächlich ein, dass es sowohl am gerechtesten als auch am besten für alle ist, wenn sich ein immer größerer Teil des gesellschaftlichen Wohlstands in den Händen einiger weniger an der Spitze konzentriert.
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Henrik Andersen, der als Chef von Vestas – einem Unternehmen, das von öffentlichen Geldern getragen und umgeben ist – 32 Millionen Kronen im Jahr verdient, droht nun damit, sowohl sein eigenes Vermögen als auch „einen Teil” der Investitionen von Vestas aus Dänemark abzuziehen. Mit eingebildeter Selbstgerechtigkeit erklärt er gegenüber Berlingske: „Ich werde mich damit nicht abfinden.”

Wie Sandel in seinem Buch „Die Tyrannei der Meritokratie” schreibt: „Demut bei erfolgreichen Menschen ist kein charakteristisches Merkmal des sozialen und wirtschaftlichen Lebens unserer Zeit.”

Eine Elite mit schlechter Moral
Derzeit versuchen die Reichen, ihre eigene schlechte Moral zu einem strukturellen Problem zu machen – und in gewisser Weise haben sie Recht. 
Wenn sie wirklich so unsolidarisch und unpatriotisch sind, dass sie lieber in die Schweiz fliehen, als einen kleinen Beitrag mehr für die Volksschule zu leisten, die sie selbst besucht haben, dann riskiert Dänemark – kurzfristig gesehen – einen finanziellen Verlust. Das werden wir schon verkraften. 

Aber der gesamte Verlauf zeigt, dass Ungleichheit keine rein wirtschaftliche Angelegenheit ist. Erling Daell und der Rest des „Teams” demonstrieren, dass Ungleichheit in hohem Maße auch ein politisches Problem ist. Die Konzentration von Vermögen ist auch eine Konzentration von Macht. Das stellt eine Herausforderung für die Demokratie dar. Wer daran zweifelt, kann einen Blick auf die USA werfen. 

In dem selbstbewussten Gejammer der Reichen verbirgt sich auch eine Art Erpressung. „Wenn ihr keine Politik im Einklang mit unseren Interessen macht, wird es für euch selbst am schlimmsten.“

Niemand sollte genug Geld haben, um solche Drohungen auszusprechen. Schon gar nicht eine Oberschicht, die eifrig und mit seltsamem Stolz ihre eigene schlechte Moral verkündet.

Wie Lars Larsen von Jysk einmal sagte:

„Das sind Verräter, die, die in Dänemark viel Geld verdienen und dann ins Ausland abhauen. Dänemark hat ihnen alles gegeben, und dann wollen sie keine Steuern zahlen.“
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@KalleWirsch
Ich wünsxßche mir so eine öffentliche Debatte auch in Deutschland.
@KalleWirsch
Die Vermögenssteuer halte ich für eine adäquate Reaktion darauf, dass schwerreiche Menschen ganz andere Optionen haben, ihr Geld vor dem Fiskus in Sicherheit zu bringen. Geld öffnet Türen und Tore - aber nicht, wenn du im Jahr "nur" fünfstellig verdienst. (Doch, auch dann. Kleine Türen und Tore!)

Die Umstände, unter denen die exemplarisch genannten Industriellen ihr Vermögen aufhäuften, werden in der Bewertung komplett ausgeklammert. Erbe ist kein Verdienst!
Firmen sind bei Übergabe an Dritte zu besteuern - es ist Einkommen!
@KalleWirsch
Gibt's jetzt auch eine Debatte zur Erbschaftssteuer?
@oneiros
Bein, im Moment nicht. Die ist schon ziemlich hoch. Soweit ich weiß, versucht nur die rechtsradikale Dansk Folkeparti die Abschaffung der Erbschaftssteuer zum Wahlkampfthema zu machen.
@KalleWirsch
Wenn ich Wikipedia, sind das bei Verwandten 36,25 %. Das ist nicht viel.
@KalleWirsch diese "Drohung" ist auch nur deswegen eine, weil es so viele andere Länder gibt, die der Oberschicht ebenfalls gefallen wollen.
Sie haben angst vor dem erneuten Präzedenzfall, dass andere Länder sehen könnten, dass es gut für das Land ist und sie dann nicht mehr ihr Geld wo anders hin verschieben könnten (wenn sie es denn überhaupt tun)
@KalleWirsch
"Das sind Verräter, die, die in Dänemark viel Geld verdienen und dann ins Ausland abhauen. Dänemark hat ihnen alles gegeben, und dann wollen sie keine Steuern zahlen."

@KalleWirsch

Vermögens-Steuer-Debatte
am dänischen Beispiel.

@KalleWirsch
„Kapital hat Beine“ - Richtige Reaktion: Vermögensseuer an die Staatsbürgerschaft koppeln statt an den Wohnsitz.

@minzemitzimt @KalleWirsch

Ne, das geht nur bei den Amis.

@minzemitzimt
Cool, dann müsste ich keine zahlen.
😏
@KalleWirsch
Kommt dann darauf an ob dein Passgeber stattdessen die Vermögenssteuer haben will. Die Amis hängen Ihre Steuerpflicht an den Pass, die wissen schon warum.
@minzemitzimt
Ich lebe halt in Dänemark ohne Staatsbürgerschaft.

@KalleWirsch

Diese Überreichen sind völlig von der Gesellschaft entkoppelt und meinen keine Verantwortung zu haben für eben diese Gesellschaft - sind halt Kapitalisten.

Die Menschen werden aber auch immer bekloppter. Es gibt eine Szene in der Elon Musk bei einer Veranstaltung als der weltgrößte Kapitalist angekündigt wird ... und das Publikum aus "normalen" Bürgern rastet aus. Warum wirft niemand ein Ei?

@KalleWirsch Hast du bitte den Link zum Originalartikel?
Piv piv, rigmænd

Det absolut bedste argument for en formueskat er de riges demonstrativt selvhævdende og dybt asociale reaktion på forslaget om en formueskat

Information
@jazzlover
Aber wird höchstwahrscheinlich hinter der Paywall sein.
😔
@KalleWirsch
Wenn sagen wir mal ölprodukte 5%teurer werden jammern die dann auch,kann verstehen wenn jemand sein Häuslein das mit n.mio bewertet wird bei so einer Steuer grummelig wird erhöht,aber Unternehmen haben ja immer die möglichkeit so eine Steuer weiterzureichen
Ehrlich gesagt fänd ich es sexy das Steuerrecht so umzugestalten das auch das gezahlt wird was drauf steht,statt irgend ein drittes Konstrukt das wieder umgangen wird zu basteln

@osterhase

Glaube nicht, daß etwas dagegen spräche in das entsprechende Gesetz einen Passus mit aufzunehmen, daß eine Wohneinheit, die mehr als 183 Tage pro Jahr selbst bewohnt wird, bei der Steuer nicht mitgezählt wird.

@KalleWirsch

We have either:

1. Billionaires paying nothing and do not have to

2. Billionaires have to pay, but paying nothing, but leaving the country

3. Billionaires paying, because they have to.

I do not see a loss in laws that make them pay

#taxtherich