Hatte gerade noch mal das Buch „Völkermord statt Holocaust: Jude und Judenbild im Literaturunterricht der DDR“ in der Hand. Es geht darin auch um den angeblichen #Antisemitismus in der #DDR. Krauß beginnt mit „Schmulchen Schievelbeiner“, einer jüdischen Karikatur, die Teil von „Plisch und Plum“ von Wilhelm Busch ist.

Das ist der Text:
„Kurz die Hose, lang der Rock,
Krumm die Nase und der Stock,
Augen schwarz und Seele grau,
Hut nach hinten, Miene schlau -
So ist Schmulchen Schievelbeiner.
(Schöner ist doch unsereiner!)“

Die Zeichnung könnte aus dem Stürmer sein.

Ich habe gerade das e-Book gekauft. Das ist da ganz normal drin.

Jetzt der Witz: Die gesammelten Werke von #WilhelmBusch gab es auch in der DDR. Aber der Kinderbuchverlag hat 1962 ganz elegant das fünfte Kapitel weggelassen. Ganze Generationen sind also mit Witwe Bolte und Max und Moritz aufgewachsen, aber nicht mit antisemitschen Stereotypen.

Das passt irgendwie nicht zu der Vorstellung, der Osten sei antisemitsch gewesen, oder?

Naja, wir fanden das schon immer abwegig. Auch wenn #Döpfner schon 1994 in der #Wochenpost über angeblichen ostdeutschen Antisemitismus schreiben wollte.

@[email protected] Soweit ich weiß, gab es in der DDR mindestens ein japanisches Restaurant und genau eine koschere Metzgerei. Einmal in der Woche reiste ein koscherer Metzger ein und bereitete das Fleisch vor. Dann konnten die Juden einkaufen. Danach die Moslems. Was dann noch übrig war, konnten alle anderen kaufen. Und nach Ablauf einer Woche wurde der Laden erneut bestückt. Das spricht jetzt nicht gerade dafür, dass es sehr viele Juden in der DDR gab. Und Aussagen über den Antisemitismus in einem Land zu machen, in dem es keine Juden gibt, ist nicht ganz so einfach. Kommentarlos Passagen aus einem Buch zu streichen ist auch etwas was heute eher nicht gemacht wird. Stattdessen gäbe es eher im Vorwort einen Hinweis darauf, dass das Buch Passagen enthält, die nach heutigem Gebrauch nicht mehr so gesagt würden.

@Life_is @stefanmuelller

"Und Aussagen über den Antisemitismus in einem Land zu machen, in dem es keine Juden gibt, ist nicht ganz so einfach."

Der Antisemitismus bedarf keiner "anwesenden" Juden. In Österreich beträgt/betrug der Anteil der Juden nach dem 2. Weltkrieg immer so zwischen 1 und 2 Promille. Deshalb hat so gut wie niemand auch nur einen einzigen Juden gekannt. Nichtsdestoweniger hat die FPÖ diese Karte immer wieder mit Erfolg gespielt.

@Life_is @stefanmuelller Nachtrag: Wobei das im Grunde eine Trivialität ist, die bei der Ausgrenzung aller Gruppen wirksam wird: Die Fremdenfeindlichkeit ist dort am höchsten, wo am wenigsten Flüchtlinge sich aufhalten (am Land wählt man rechts aus Angst vor "den Schwarzen", die "unsere" Jugend mit "ihren" Drogen verderben), die Furcht vor Muslimen wächst direkt proportional mit dem Abstand zur nächsten Moschee. Queere sind der Untergang des Abendlandes (man kennt O. Jones von RTL). Usf.
@[email protected] @[email protected] ja. Allerdings gab es in der DDR weder eine unabhängige Presse, noch Milliardäre als Pressezare. Stattdessen gab es staatliche Medien (wörtliches Verlesen von ZK beschlüssen, ein kessel buntes, aussenseiter spitzenreiter, der schwarze kanal, friedrichsstadt fernsehballett) und untergrundpresse (in der sakristei von kirchengemeinden hektografierte schreibmaschinenblätter, die nur wenige kannten)
@Life_is @stefanmuelller Alles richtig, ich kann das jetzt allerdings im Zusammenhang mit meinem Beitrag nicht wirklich einordnen. Ich wollte nämlich _nicht_ zum Ausdruck bringen, dass es in der DDR keinen Antisemitismus gab, sondern dass es der Juden dabei nicht bedurfte. Im Gegenteil: Ich kann keinen Grund erkennen, warum die Deutschen im Osten mehr (oder weniger) antisemitisch gewesen sein sollten als jene im Westen. Möglicherweise (sehr wahrscheinlich) lag der Führung der DDR 1/2
@Life_is @stefanmuelller nicht am Antisemitismus an sich, (wie judenfeindlich dieser Ostblockkommunismus war konnte man ja an der Sowjetunion sehen), sondern daran, sich als moralischer als der Westen darzustellen (was insofern leicht war, weil - wie du geschrieben hast - man auf alle öffentlichen Druckerzeugnisse, Medien Einfluss nehmen konnte). Keine Sekunde glaube ich an eine aufrichtige Haltung dieser Führung, bestenfalls war man mal "zufällig" auf der richtigen Seite. 2/2

@scheichsbeutel

Dann guckt bitte noch mal in meinen Blog-Post. Juden saßen in der DDR in allen wichtigen Stellen (in der BRD übrigens 0). Antisemitismus wie in der Sowjetunion gab es in der DDR schon deshalb nicht. Stalin hatte die Ärzteverschwörung. Das war alles ganz klar antisemitisch.

Die Emnid-Umfrage nach der Wende hat 4% antisemitische Einstellungen im Osten und 16% im Westen ergeben. Was wollt Ihr noch diskutieren?

Von Ostblockkommunnismus zu reden und irgendwie abzuleiten, dass alle so wie die SU waren ist in etwa so wie zu behaupten, dass alle deutschen Komiker so fies wie Stefan Raab sind. Eine unzulässige Verallgemeinerung.

Juden in politischen Ämtern in BRD und DDR:

https://so-isser-der-ossi.de/2024/03/13/juden-in-den-politischen-administrationen-in-der-ddr-und-der-brd/

Prominente Juden und Jüdinnen in der DDR:

https://so-isser-der-ossi.de/2019/09/01/der-ossi-und-der-holocaust/#Judische_Personen_in_einflussreichensichtbaren_Positionen

Dazu kommen Menschen, wie der Zeiss-Chef, der mit einer Jüdin verheiratet gewesen war.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Schrade

@Life_is

#DDR #Antisemitismus